Bewertung zu 2015 veröffentlichten Film 'June'?

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2 Antworten

Es lässt sich nicht von der Hand weisen – die Zutaten, mit denen L. Gustavo Cooper, der bisher ein unbeschriebenes Blatt in der Filmszene ist und nur durch den Kurzfilm Waiting For Lola sowie den Beitrag „M is for Music“ für die Horror Anthologie „The ABCs of Death 2“ auf sich aufmerksam machte, erinnern uns doch sehr an schon Gesehenes. Referenzen zu Stephen King’s Carrie oder Collet-Sera’s Orphan bestehen unübersehbar. Und so versucht June auch gar nicht erst, neue Wege zu gehen, sondern versucht, ganz im Sinne eines James Wan, bekannte Stilelemente auf neue Art in eine eher standarisierte Geschichte einzuweben. Dies gelingt aber nur streckenweise – zu sehr bedient sich June abgedroschener Mittel, um seinen Horror an den Mann zu bringen.

Das zur Dämonenfratze verzerrte Gesicht des titelgebenden Mädchens June im Spiegel, der Ring im Abfallzerkleinerer, der natürlich just in dem Moment startet, wenn eine Hand nach dem Schmuckstück sucht, eine mit dem Rücken zum Protagonisten in der Ecke stehende Figur – das entlockt dem Horror-Veteranen hier nur ein gelangweiltes Gähnen.

Doch kommen wir zum Anfang – bereits im Vorspann des Films bekommen wir kleine Häppchen von June zu sehen, die so gar nicht immer das artige Mädchen sein mag, dem ein neues Zuhause gegeben wird. Wenn die kleine June erst sauer wird, manifestiert sich die in ihr wohnende Macht und richtet regelrechte Verheerungen an – Druckwellen, schwarze Augen, brechendes Glas – das ist angenehm inszeniert, wenngleich die Effekte sicherlich nicht auf Hollywood Niveau spielen. Die ersten Logikbrüche tun sich jedoch bereits mit den ersten Minuten des Films auf – hier wird ein geheimnisvolles Ritual durchgeführt, um June – ja was eigentlich? Zu opfern? Als Gefäß für einen Dämon vorzubereiten? Wir erfahren es nicht, und wir werden es im Verlauf des Films auch nicht erfahren. Das Ritual wird gestört, wieso dies dann augenscheinlich doch funktioniert hat, wird nicht ersichtlich. Oder ob es funktioniert hat – die Motivation der geheimnisvollen Sekte bleibt ebenso im Dunkeln wie die des Dämons, der uns nur als die unsichtbare Freundin Aer nahegebracht wird.

Die wahre Geschichte beginnt natürlich, als June bei den Anderson untergebracht wird. Lily Anderson (Victoria Pratt) ist hier noch die überzeugendste Figur des Films, wenngleich das gnadenlose Overacting mehr als nur einmal auf die Nerven gehen kann. Dass wir einen astreinen B-Movie vor uns haben, wird uns spätestens klar, als die sympathische Visage von Forever-B-Movie-Darsteller Casper van Dien zu erblicken ist, der hier den Adoptivvater Dave Anderson gibt. June gibt sich erwartungsgemäß verschlossen, baut eine Beziehung zur neuen Mutter Lily auf und kann Dave nicht so recht leiden – was dieser auch mit einigen merkwürdigen Erlebnissen quittiert bekommt. Diese sind hierbei leider eher mäßig inszeniert. Wieso wirft June mit einem Teller nach ihm? (ist eigentlich auch nicht besonders gruselig, sondern eher eigenartig). Überhaupt wirft der frappierend an den Hulk erinnernde Übergang von June zu ihrer imaginären Freundin / komischem Dämon Aer weitere Fragen auf: was will der Dämon? Wieso kann er Dave nicht leiden? Wieso kann er nur June’s Augen schwarz färben und ein bisschen Unordnung schaffen? Wieso wird immer das Geräusch eines Fliegenschwarms eingeblendet? Wir tippen darauf, dass die Umsetzung der Fähigkeiten, die June durch das Wirken des Dämons verliehen bekommt, nicht selbsterklärend genug ist und daher akustisch untermalt werden musste. Besonders albern wirkt die Story, als Dave nach einem weiteren merkwürdigen Vorfall, bei dem allerlei Porzellan zu Bruch geht, mit June in deren Kinderzimmer verbleibt und Mutter Lily ihm danach direkt vorwirft, das Kind geschlagen zu haben und ihn aus dem Haus wirft.

Natürlich beinhaltet der Film auch einen kleinen Twist – auch diesem wird jedoch leider nicht erlaubt, sich subtil im Laufe der Story anzubahnen. Stattdessen begleitet uns eine emotionslose Stimme – die wir erst nach einiger Zeit als die von Lily erkannt haben – und nimmt aus dem Off bereits einige Hinweise vorweg. So ist der Zuschauer nur mäßig überrascht, als die geheimnisvolle Sekte vom Anfang des Film erneut auftaucht und June erneut – ja, wieder, was genau eigentlich? Opfern will? Befreien will? Der Film liefert keinerlei Hintergründe, alle Figuren bleiben blass und ohne jegliche Charakterentwicklung. Mitunter meint man, hier eher eine TV Produktion auf Soap Opera Niveau vor sich zu haben. Die überaus durchschnittliche Performance der Darsteller und der Look, der auf Hochglanz gebürstet ist, das schmale Budget aber nicht verstecken kann sowie die unterirdische Synchronisation tun hierzu ihr Übriges. Das Ende des Films kommt dann überraschend schnell und unausgegoren daher – wer überlebt hat und wer nicht, wie es weitergeht, das erfahren wir nur über ein oder zwei erneut eher gelangweilt gesprochene Sätze aus dem Off. Erklärungen? Fehlanzeige.

Würde June uns nicht schon auf dem Cover mit der Zeile „A Coming Of Rage Story“ darauf hinweisen, was hier eigentlich der Plot ist, hätten wir den Sessel nach dem Abspann eher verwirrt verlassen. So wird offensichtlich, dass die eigentliche Story die durch elterliche Liebe ermöglichte Überwindung dunkler Kindes-/Teenager Ängste sein soll. So kann man natürlich auch erreichen, dass die im Film genutzten Stilmittel keine weiteren Erklärungen erhalten, besser macht das den Film allerdings auch nicht.


Fazit:

Mag der Trailer zu June noch ansprechend wirken, wurden in diesem eigentlich alle sehenswerten Szenen vorweggenommen. Das B-Movie von L. Gustavo Cooper ist klar eine auf Hochglanz Optik gebürstete Low-Budget-Produktion, die diesen Umstand auch nicht verbergen kann. Eine mittelprächtige Story, die dem Zuschauer jegliche Hintergrundinformationen und Erklärungen verweigert, ist mehr ärgerlich als unterhaltend. Die Effekte des Films können sich hier und da sehen lassen, werden jedoch von der emotionslosen Darsteller-Riege und der von Plotholes durchsiebten Story zu schnödem Beiwerk degradiert. Ein ernst dreinschauendes Mädchen und ein paar fiese Fratzen locken heute keinen Horrorfan mehr hinter dem Ofen hervor. Unsere Erwartungshaltung konnte June leider zu keinem Zeitpunkt befriedigen, stattdessen blieb Enttäuschung zurück, insbesondere nach dem ungeschickt herbeigeführten Twist und dem jegliche Antworten schuldig bleibenden Ende. Lediglich der unverwüstliche Starship Trooper Casper van Dien konnte uns mit seinem amüsanten Overacting unterhalten, aber zugegebenermaßen entspringt dies eher der persönlichen Sympathie des Verfassers als echtem Talent. Insgesamt müssen wir daher leider ein klares nicht sehenswert aussprechen.

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