Bewährung auf Bewährung?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Mach dich mal locker.

Wegen 100g Cannabis ( auch wenn die Menge für eine Einzelperson sehr hoch ist ) und einem Betrug von 400 € ( auch nicht gerade gering ) gehst du nicht in das Gefängnis.

Vor allem bei Jugendstrafrecht aber auch bei dem Erwachsenenstrafrecht nicht. ( wenn du Ersttäter bist und keine heftigen Vorstrafen hast )

Du schriebst in einem Kommentar hier, dass du bei einem Fall nicht mehr unter das Jugendstrafrecht fällst.

Jugendstrafrecht wird unbedingt angewandt, wenn man zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahre alt war.

Wenn man zum Tatzeitpunkt zwischen 18 und 20 alt war, kann Jugendstrafrecht oder das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden.

Das kommt darauf an, wie reif dich der Richter einschätzt. Schätzt er bei dir eine normale oder überdurchschnittliche Reife ein, dann wendet er Erwachsenenstrafrecht an.

Warst du zum Tatzeitpunkt mindestens 21 Jahre alt, wird immer das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen.

Du darfst eins nicht verwechseln:  dein aktuelles Alter ist unwichtig. Wichtig ist allein, wie alt du bei der Tat warst.

Hast du eine Tat als Beispiel im Oktober 2015 begangen und warst da noch 17 Jahre alt, dann wird Jugendstrafrecht wegen dieser Tat angewandt.

Hast du die andere Tat im Januar 2016 begangen und warst da schon 18 Jahre alt, dann kann das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden.

Wenn du mit 100 g Cannabis gehandelt haben sollst, dann musst du laut § 29a, Absatz 1, Satz 2 BtmG mit mindestens 1 Jahr Freiheitsstrafe rechnen.

http://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__29a.html

Aber hier kann ja das Jugendstrafrecht noch Milde walten lassen.

Wenn man davon ausgeht, dass du nicht vorbestraft und geständig bist, würde ich bei den 100 g Cannabis auf 4 Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, unter Anwendung des Jugendstrafrechts tippen.

Bei den Betrug von 400 € würde ich auf 2 Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, unter Anwendung des Jugendstrafrechts tippen.

Aufgrund der dann wohl folgenden, nachträglichen Gesamtstrafenbildung nach § 55 StGB gehe ich von einer Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Monaten, ausgesetzt zu 2 Jahren Bewährung, aus.

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__55.html

Was mir an der Sache nicht gefällt:  du schreibst in deiner Frage "Ich soll über 100 g Cannabis verkauft haben." .

Das liest sich so, als ob du dies tatsächlich oder nicht in der vorgeworfenen Menge getan hast. Dann gib das auch nicht zu.

Stimmt ein Anklagevorwurf nicht, dann musst du diese Tat auch nicht zugeben. Überhaupt musst du nichts zugeben.

Denn du hast das Recht zu schweigen. Zu den Taten selbst musst du überhaupt nichts sagen. Schweigen darf dir niemals negativ oder als Schuldeingeständnis ausgelegt werden.

Wenn man dir die Taten ( zum Teil ) nachweisen kann, solltest du entsprechend gestehen. Kann man dir die Taten nicht zweifelsfrei nachweisen, dann schweige komplett zu den Tatvorwürfen.

Sag auf keinen Fall bei der Polizei aus. Geh auch nicht zur Polizei hin. Vorladung hin oder her. Es ist keine Pflicht bei der Polizei zu erscheinen und auch keine Pflicht dort auszusagen.

http://www.anwalt.de/rechtstipps/pflicht-zum-erscheinen-bei-der-polizei-zur-zeugenaussage-was-tun-als-gefaehrdeter-zeuge_069447.html

Du musst gegenüber der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht nur Angaben zu deiner Person machen. Zu den Taten musst du kein einziges Wort sagen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Ratsuch3nd3r
08.04.2016, 18:06

Super Antwort von dir bin begeistert über dein Wissen! Ich war 20-21 bei der Tat mit dem Cannabis.1 Jahr später wurde eine Anklageschrift zu mir entsandt und nach Ca 6-8 Monaten wurde die Anklage wieder zurück gezogen und über einen Jugendrichter neu eröffnet seit dem warte ich auf mein Gerichtsverfahren bis heute noch. Ich habe mit Absicht "soll 100g" geschrieben weil die Polizei das hochgerechnet hat was aber nicht hin kommt aber das entscheidet der Richter. Du hast mich wieder einbisschen beruhigt vielen Dank! 

1

Also, wenn es um Jugendgericht geht, hast Du gute Chancen. Denn es gibt ja in diesem Fall eine Gesamtstrafenbildung und damit bist Du (wenn Du Dir nicht schon früher was geleistet hast) auch in der zweiten Verhandlung "nicht vorbestraft."

Ausserdem ist die zweite Tat "nicht einschlägig" also nicht das gleiche DElikt.

Dein Anwalt wird es für Dich schaukeln.

Schlecht wäre nur, wenn es Jugendstrafen gibt, die nach Gesamtstrafenbildung über 2 Jahren sind, dann gibt es keine Bewährung mehr.

über 1 Jahr 100 gramm. Sind das viele Handlungen, also 20 mal 5 gramm, oder einmal die 100 Gramm ? eine große Anzahl von Taten wäre schlecht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Ratsuch3nd3r
08.04.2016, 17:12

Es waren viele Fälle immer 2 g, auch nur 1 Person ein ehemaliger Freund. Aber bei dem 2. Fall wird kein Jugendstrafrecht greifen da ich aus dem Alter jetzt raus bin.

0

Wenn du nach der Cannabis Sache nichts gemacht hast passiert auch nicht mehr außer Bewährung alles was davor passiert ist "ist nicht schlimm"

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Um was geht es beim 2. Fall?

Erstmal muss eine Jugendstrafe auf Bewährung verhängt werden!

Wenn die Jugendstrafe auf Bewährung zu hoch sein sollte, dass noch mal eine Bewährung verhängt werden kann, geht es in den Knast! 

Wenn, aber noch genug Freiraum besteht, kann der Richter entscheiden, ob er noch eine weitere Bewährung raufpackt. Oder die Bewährung wiederruft.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Ratsuch3nd3r
08.04.2016, 16:59

Es geht um einen Betrugsfall.. Laut deiner Aussage sieht es dann wohl nicht sehr gut für mich aus ..

0
Kommentar von Rechtsgelehrter
08.04.2016, 17:28

winstoner:  es muss gar nichts.

Wenn die begangene Tat sehr hart war ( Raub, schwere Körperverletzung, Totschlag oder Mord ), dann kann es auch sofort eine Jugendfreiheitsstrafe ohne Bewährung geben.

0