Meine Nachbarin leidet seit 3 Jahren an Krebs und die letzte Chemo musste abgebrochen werden, sie schlug nicht mehr an. Somit ist sie zum Sterben nach Hause geholt worden. Da ich quasi mit ihr aufgewachsen bin, so Tür an Tür, habe ich das Bedürfnis, einen Abschiedsbesuch bei ihr zu machen. So quasi zum "Goodbye". Aber ich weiß nicht, ob es recht ist und was ich da mitbringen kann. Wie stelle ich es an? Komisch, als Altenpflegerin habe ich täglich Umgang mit sterbenden Menschen, aber das ist beruflich. Hier ist es privat. Könnt ihr mir da einen Rat geben?

Mitbringen je nach Zustand,.. wahrscheins am besten Zeit und ein paar Blümchen. Ist eine nette Geste. Einfach rübergehen, klingeln und besuchen :)

Unbefangen. Ich denke nicht, dass sie in dieser ein großes Geschenk erwartet. Vielleicht eine nette Geste wie ein Päckchen Kaffee und einen selbstgebackenen Kuchen (oder Kekse). Außerdem muß es nicht nur ein Besuch sein - sie freut sich bestimmt sehr, wenn Du "vorher" noch ein paarmal kommst.
Außerdem, sie weiß, warum sie nun zuhause ist (vielleicht hilft Dir der Gedanke etwas weiter).
kuchen oder kekse finde ich ne gute Idee, beim gemeinsamen essen, läßt sich evtl. leichter über alles sprechen.

Verhalte Dich ganz normal, nur keine "Mitleidsbekundungen" und vor allem nicht sagen, dass Du es als Abschiedsbesuch empfindest. Sag ihr einfach, dass Du sie kurz besuchen möchtest, um mit ihr über alte Zeiten zu klönen....Wenn du schon immer einen guten nachbarschaftlichen Kontakt zu ihr hattest, wird sie Deinen Besuch auch als ganz normal empfinden...wenn sie es selbst möchte, wird sie das Gespräch schon in die Richtung lenken, die ihr gut tut......ich kann Dir nachempfinden, dass es nicht einfach ist........Du kannst ihr ja ein kleines Blumengeschenk machen

Das du sie besuchen möchtest finde ich echt toll. Alle Achtung. Ich habe jetzt erst meine Mutter verloren, sie hat sich sehr über ein Blümchen gefreut. Der Besuch an sich macht die große Freude aus und nicht das Mitbringsel.
Mein Beileid!
Vielleicht hast du die Möglichkeit Angehörige zu fragen. Ansonsten besuch sie einfach, bring nichts mit außer Zeit und unterhalte dich ganz zwanglos mit ihr (sofern das möglich ist).

Einfach rübergehen, meistens wollen Sterbende über das Sterben sprechen, was leider für die meisten der nahen Angehörigen tabu ist. Da bist Du der richtige Gesprächspartner. kleines, vielleicht selbstgepflücktes Blumensträußchen, evtl. Hautöl mitbringen.
Oh, das ist eine sehr gute Idee, dieses Hautöl. Kann mir vorstellen, dass sie durch das viele Liegen dieses gut verwenden kann. Danke!
daqs ist eine schwere frage bei dem was du mitbringen willst erstmal ich würde höchstens etwas persönliches mitbringen oder auch gar nichts es reicht auch oft wenn man einfach nur für die menschen da ist und sie wissen das sie nicht allein sind

ich kann nur von mir aus gehen und kann sagen, dass es mich berühren würde, wenn mich jemand 'verabschieden' würde, sterben ist kein Beinbruch und Mitleid ist da fehl am Platz, aber die Präsenz eines Menschen ist da was wunderbares.

Deine Gefühle kann ich verstehen. Bevor du aber einen Besuch machst, frage doch die nächsten Verwandten, ob die Nachbarin noch einen Besuch wünscht. Manchmal lehnen Sterbende diese liebevolle Geste ab. Wenn du sie besuchen darfst, stelle ich nur einen kleinen Blumenstrauß in die Vase und sag ihr nur, dass du von ihrem Nachhausekommen gehört hast und dich freust, sie zu sehen. Gib dir Mühe, deine Trauer nicht anmerken zu lassen. Liebe Grüße
Geh einfach rüber. Ist nicht leicht aber das richtig schwere hat SIE vor sich. Vielleicht einfach einen kleinen Blumenstrauß

ja das ist was anderes, dass kann ich mir vorstellen. Aber wenn es dir so wichtig ist das du dich verabschiedest, dann mach das doch einfach.

Die Diskrepanz zw. beruflicher und privater Sterbebegleitung ist echt heftig. Ich "musste" neulich auch einen Bekannten im Krankenhaus besuchen, von dem ich wußte , dass er es nicht mehr sehr lange schaffen wird, er war aber noch voller Optimismus. Das war wirklich schwierig, diese Situation zu meistern.
Mitbringen würde ich nichts, da deine Nachbarin weiß, dass sie sterben wird, würde ich es ruhig ehrlich formulieren , welchen Zweck mein Besuch hat. Aber vorher ausloten ,wie sie gerade "drauf" ist. Unterhaltet euch über gemeinsam erlebtes usw.
Ein Patentrezept gibt es denke ich nicht.
Ich wünsche dir viel Kraft für den Besuch.

Folgende - angeblich wahre - Geschichte hörte ich vor ein paar Jahren:
Ein Mann vom Lande war bei seinem Arzt gewesen und wegen Verdacht auf Krebs in eine Klinik überwiesen worden. Am Tag nach der Untersuchung war Visite. Chefarzt und seine zahlreiche Begleitung kamen in den Raum, wo besagter Mann lag. An den verschiedenen Betten sagte der Chefarzt jeweils einiges. Am Bett des besagten Mannes sagte er jedoch nur ein - lateinisches - Wort, welches der Mann nicht verstand; aber er glaubte, weil weiter nichts gesagt wurde, dass alles in Ordnung sei. Er wurde auch entlassen und kehrte in seinen Heimatort zurück. Längere Zeit später erst erkundigte sich der Arzt nach seinem Patienten und erfuhr, daß er wohlauf sei. Das überraschte alle Beteiligten sehr, denn in der Klinik hatte man einen aus ärztlicher Sicht nicht mehr operablen und bald zum Tode führenden Krebs festgestellt. Das lateinische Wort, das der Chefarzt am Bett des Mannes gesagt hatte, bedeutete "todgeweiht". Der Mann aber GLAUBTE sich gesund - im doppelten Sinne...
Ja, der Glaube bewirkt sehr viel und ist eine nicht zu unterschätzende Kraft.
Ja, das ist wahr. Ich hatte einen Tumor im Hirn. Das war auch schon fest. Die haben mehrere Bilder gemacht. Aber ich habs einfach nicht geglaubt und als ich nochmal in den Hernspint durfte, war er weg. Die Ärzte haben alle gesagt, dass sei unmöglich ud sie verstehen nicht wie-. Aber jetzt wissen sie es ja besser...

Mitbringen? Bringe DICH! Und zwar GANZ!
Ich, der ich an Gott glaube, würde hingehen in dem Bewußtsein der bedingungslosen Liebe für Gott und alle seine Geschöpfe. Ich würde hingehen mit dieser Liebe für diesen Menschen und mit Zuversicht, mit Vertrauen und möglichst mit Gelassenheit. Ich wäre offen dafür, was dieser Mensch mir darüber sagt, was er gegenwärtig erlebt. Ich würde ihn das sonst auch fragen. Aus meiner heutigen Sicht würde ich einem Menschen in so einer Situation vermitteln, dass ich an Wunder glaube und an Spontanheilung - besonders dann, wenn der Betreffende seinen Frieden mit dem Schicksal macht und seine Konflikte - mit wem oder was auch immer - losläßt. Ja, es würde auch mir nicht leichtfallen, einen Menschen zu besuchen, der nach ärztlicher Einschätzung zum "Sterben" nach Hause geschickt wurde - aber ich weiß inzwischen auch von sehr vielen Fällen, wo sich die ärztliche "Weisheit" als zu begrenzt erwiesen hat.
kugel am 21. April 2009 08:29 ... heureka - ich glaube, ich würde Dich hochkannt aus der Bude werfen. Nein, nimm mir das nicht übel - ich habe meine Eltern innerhalb 3 Jahren an Krebs sterben sehen. Gottvertrauen hatten wir, in rauen Mengen. Nur irgendwann ist für uns alle die Zeit gekommen um festzustellen, das der Tod auch eine Erlösung sein kann. Glaube mir, manchmal kann man sich mit dem endgültigen Tod besser auseinandersetzen, als mit all der Hoffnung, die sich ohnehin nicht erfüllt. Wenn die Nachbarin nach Hause zum sterben geht - dann Hut ab - sie geht mit offenen und klaren Augen dem Ende entgegen und möchte diesen Schritt nicht in einem sterilen Krankenhaus gehen, sondern in ihrer vertrauten Umgebung. Ich habe selbst nach dieser Zeit mein Gottvertrauen nicht verloren, denn solche Erfahrungen zeigen uns, auf was es im Leben eigentlich ankommt, wie schnell es vorbei sein kann und man sich so über jede noch so kleine Kleinigkeit - die man erleben darf - noch freuen kann.
critter am 21. April 2009 09:12 @kugel: DH!
heureka47 am 21. April 2009 23:30 @ kugel: Daß du mich "hochkant aus der Bude werfen" würdest, läßt tief blicken! In deine verletzte Seele - oder was seh ich da?
Ich bin in vielem deiner Meinung: Der Tod kann auch eine Erlösung sein. Das kommt auf die Situation und die Menschen an.
Ich finde, du gründest die "handgreifliche" Kritik an mir weniger auf die hier gestellte Frage, sondern auf deine eigenen Erfahrungen und Gefühle - die ich verstehe. Aber dennoch finde ich das, was ich schrieb in keinem Punkt zu ändern. DAS wäre in der beschriebenen Situation meine Haltung ALS NACHBAR(IN).
kugel am 22. April 2009 13:31 heureka - zum einen, das mit der "handgreiflich" wirkenden Kritik war nur im übertragnen Sinne gemeint...
Zum andern: Der erste Teil Deiner Meinung - da stimme ich Dir voll zu. Was mich allerdings gebissen hat ist die Passage ab "Aus meiner heutigen Sicht würde ..."
Wenn eine Person austherapiert ist, dann geht halt nix mehr...
Sicherlich ist meine Seele verletzt, aber wessen nicht, wenn er seine Eltern in dem Zeitraum, ihn deren Alter und so schnell verliert...
heureka47 am 22. April 2009 16:49 >>Wenn eine Person austherapiert ist, dann geht halt nix mehr...<<:
Da wäre für mich die Frage: WER behauptet das? Ich verlasse mich eben nicht mehr nur auf die "wissenschaftlich" fundierte Meinung. Ich war auch schon mal der Meinung, daß für mich ALLES, aber auch wirklich ALLES vorbei und zu Ende und erledigt und abgeschlossen war - und dann kam plötzlich DOCH ein ganz neuartiger Impuls - wie ein Wunder - der mich gerettet hat. Seit damals, 1987, habe ich eine neue Welt, ein neues Leben kennengelernt. Damals war ich ein bedingungslos unglücklicher Mensch - heute ein bedingungslos glücklicher. Auch wenn ich meine beiden jüngeren Brüder 1987 und 1992 durch Suizid verloren habe; auch wenn ich seit 1997 (mit 50) wegen Depression aus dem Arbeitsprozeß raus bin, jetzt Frührentner, sehr wenig Geld, nicht mal was zuverdienen kann. Die "Welt" ist mehr als wir ahnen...
kugel am 22. April 2009 20:02 Eigentlich möchte ich hier nicht mehr weiter diskutieren - es ist der falsche Ort (und sowas von OT). Aber eines noch: Ich bin keine, die stur an der Schulmedizin festhält - es gibt auch in der Medizin Mittel, Wege und sogar "Wunder". Wir haben beide so unsere Erfahrungen - und leben und vertreten die auch entsprechend. Auch ich kannte eine Frau - die sich im angeblichen Krebsendstadium ihren letzten Wunsch erfüllte - zu Fuß durch Tibet. Als sie nach Hause kam war sie gesung - allerdings "nur" 2 Jahre, dann war sie voller Metastasen... Du siehst, auch ich kenne das "Unglaubliche" - aber die Realität sieht eben meist anders aus.
Danke für eure lieben Antworten Ich werde es heute noch tun.