Frage von Titan5000, 84

Bestimmen meine Eltern die Schullaufbahn oder ich?

Hallo Leute..

Ich bin 16 Jahre alt und in der 10. Klasse auf einem Gymnasium (BL: Bayern). Ich hab dieses Jahr meine Mittlere Reife und würde eigentlich in die Oberstufe gehen und dann das Abitur machen. Jedoch würde ich gerne die 10. Klasse wiederholen und mich dann für meinen Traumberuf (Hab dort Praktikum gemacht) bewerben. Also damit ich nach der Mittleren Reife direkt in eine Ausbildung gehe. Meine Eltern (bzw. ganze Familie) wollen jedoch, dass ich mein Abitur mache. Ich will nicht eure Meinung zu meiner Entscheidung wissen (denn ich habe das ganze auch mit einem Beratungslehrer durchgesprochen, das würde so hinhauen!) sondern nur, wer jetzt entscheidet. Muss ich dem Willen meiner Eltern folgen und das Abitur machen oder darf ich (wie ich es möchte) die 10. Klasse wiederholen? Antworten mit der aktuellen Lage des Gesetzes wären sehr cool.. Danke im vorraus! :)

Antwort
von uni1234, 25

Grundsätzlich haben die Eltern natürlich das Recht zur elterlichen Sorge gem. § 1626 Abs. 1 BGB, welches eben auch das Recht zur Erziehung umfasst. Hier kann man (also auch ein Richter) den Eltern nur im Ausnahmefall reinreden.

Für den Bereich der Ausbildung gibt es allerdings eine Sonderregelung. Gem. § 1631a BGB sollen in Angelegenheiten der Ausbildung und des Berufs die Eltern insbesondere auf die Eignung und die Neigung des Kindes Rücksicht nehmen, wenn sie ihr Erziehungsrecht ausüben.

Wenn die Eltern sich bei ihrer Entscheidung unsicher sind, sollen sie fachkundige Hilfe einholen (§ 1631a S. 2 BGB). Hier wäre insbesondere Dein BEratungslehrer hilfreich.

Abgesehen davon finde ich es absolut sinnvoll eine Ausbildung zu machen. Eben lief im ZDF eine Doku zum Thema Ausbildung vs. Studium. Zeig die Deinen Eltern mal ;)

Kommentar von Hugito ,

Das ist völlig richtig.

Das ganze ist eine schwierige Abwägungssache. Die Eltern wollen vermutlich, dass der Sohn / die Tochter eben erst das Abitur macht. Danach kann er ja eine Ausbildung machen. Ein Abitur später nachzuholen ist schwierig.

Ich denke grundsätzlich auch, eine Ausbildung zu machen, statt eines Studiums, kann der richtige Weg sein. Vor allem, wenn man etwas gefunden hat, was einem Freude macht.

Antwort
von teafferman, 25

Das Grundgesetz gibt Dir recht. Da spielt überhaupt keine Rolle welche Meinungen hier stehen. 

Du hast nun verschiedene Möglichkeiten: 

Du verhandelst selbständig entsprechend Deinen Wünschen mit der Schule. Weigert sich diese, Deine Wünsche jenen Deiner Eltern vorzuziehen, dann lasse Dir diese Weigerung schriftlich geben Einschließlich der Einschätzung jener Lehrkraft, mit welcher Du Dich besprochen hast. 

Mit Kopien von beiden Papieren gehst Du zum nächsten Amtsgericht und dort zum Familiengericht. Bitte nehme einen möglichst erwachsenen Beistand mit / Zeugen. Bitte beachte: Was während des Gesprächs vom Beistand gesagt wird gilt so lange als von Dir geäußert ,wie Du nicht widersprichst. Du hast nur während des Gespräches Widerspruchsmöglichkeit. Danach müsste der Rechtsweg eingeschlagen werden. 

Ich würde in Deinem Fall also den befürwortenden Lehrer um Begleitung bitten. 

Das Familiengericht ist verpflichtet Dich anzuhören und Deine Wünsche ernst zu nehmen. Sie nicht zu berücksichtigen bedarf ab 16 einer guten Begründung. 

Im Bedarfsfall hat Dir das Familiengericht auf Antrag rechtlichen Beistand zu gewähren. 

Das Familiengericht kann vor einer Entscheidung das Jugendamt beauftragen, sich die Situation näher anzusehen. Jugendämter haben in solchen Fällen eine beratende Funktion. Die Aufgaben des Jugendamtes findest Du auf Wikipedia gut beschrieben - unter Jugendamt. 

Sollte trotz Zitat entsprechender Artikel des Grundgesetzes - findest Du gemäß Europäischem Transparenzgebot online - der Rechtsweg nötig werden, nutze bitte ZUERST diese Seite

https://www.nummergegenkummer.de/

Kompetentere Menschen wirst Du nicht finden. 

Kommentar von Dommie1306 ,

Das klingt alles einleuchtend was du sagst, aber mein Wissensstand war, dass die Eltern dennoch entscheiden und zwar eben auf Grundlage des Grundgesetzes, Artikel 6/II. Was aber natürlich nicht heißt, dass du Unrecht hast, ich hab mich mit der Materie einfach nie auseinander gesetzt, das ist nur mein Wissensstand. Welchen Artikel würdest du denn vom GG anführen, damit das was du geschrieben hast belegt ist? Art 2/I? Würde da nicht

soweit er nicht die Rechte anderer verletzt

eben den Erziehungsauftrag der Eltern verletzen?

Für mich ein sehr spannendes Thema, ich hoffe du kannst mir das noch ein bisschen näher beleuchten:)

Kommentar von teafferman ,

Es erwärmt mein Herz und lässt mich lächeln, dass Du Art.6, II anführst, denn diesen hätte ich heute während des Einkaufs fast anwenden müssen um eine Mutter mit einem Kleinkind vor Übergriff zu schützen. 

Das Grundgesetz kennt das Recht auf freie Berufswahl. Welcher Artikel es ist kannst Du bitte selbst nachlesen. 

Nun können sich tatsächlich dieser Artikel und Artikel 6 überschneiden. 

Erst mal grundsätzlich: 

Das Grundgesetz ist der Boden, auf dem unsere rechtsstaatliche Ordnung aufbaut und verbindlich. Alle weiteren rechtlichen Regeln sind nachrangig. 

Alle rechtliche Regeln sind mit einem Skelett vergleichbar. Fleisch, Sehnen und so fort kommen erst durch die laufende Rechtssprechung drauf. Und die Blutzirkulation wird durch Beachtung der rechtlichen Regeln und der laufenden Rechtsprechung des Volkes gewährleistet. - Um mal dieses für mich verständliche Bild hier einzufügen. 

Geltendes Recht wird nach meiner Erfahrung sehr gut auf der Seite von hauffe dargestellt. .

Grundsätzlich lässt sich feststellen: 

Geltendes Recht berücksichtigt die geistige Reife der minderjährigen Person und stellt ihr Wohl an erste Stelle. 

Ein durchaus schon seit Jahrzehnten geltender Grundsatz kommt vom Bundesverfassungsgericht. Dieses hat, lange bevor es das Internet auch nur in Gedanken gab, festgestellt: 

Einer heranwachsenden Person ist das Recht auf Irrtum einzuräumen. 

Darauf aufbauend findest Du in der heutigen Rechtsprechung und im entsprechenden Skelett - rechtlichen Regeln - das Recht eingeräumt, ein Mal den Ausbildungsweg zu wechseln - während des Ausbildungsweges. Und zwar ohne rechtliche Nachteile. Hier wird aber Zügigkeit beim Wechsel verlangt. 

Ich bin häufiger zu solchen Fragen hier unterwegs und habe mich halt entsprechend nach und nach eingelesen. Gerade dieses Thema nehme ich als interessant und Spiegel des Zustands unserer Gesellschaft wahr. 

Dank Europäischem Transparenzgebot ist es ja heute leicht, sich über geltendes Recht und aktuelle Rechtsprechung online schlau zu machen. 

Neben der genannten Seite ist noch lexetius zu empfehlen. Einfach diese drei lateinischen Worte so aneinander gereiht in die Suchmaske des Browsers eingeben, dann auf "Entscheidungen" klicken, dann die Suchmaske nutzen. - Höchstrichterliche Entscheidungen, die da zu finden sind, sind gerne mal verständlicher als Entscheidungen nachrangiger Gerichte. 

Antwort
von Dommie1306, 3

Mein Wissensstand deckt sich mit der Antwort von Hugito.. wobei teaffermans Antwort einfach so sinnvoll erscheint..

Ich sags wie es ist, nach meinem Wissen entscheiden das deine Eltern, aber ich kanns nicht belegen, werde daher die Diskussion hier weiter verfolgen.

Unabhängig von der Rechtslage: Was soll es denn bringen, sein Kind in eine weiterführende Schule zu schicken, wenn das nicht der Wunsch ist? Im schlechtesten Fall fällst du durch und kannst dann nicht mal mehr deine Ausbildung machen, weil ggf. keine Plätze mehr frei sind. Wer gewinnt denn in dieser Situation??

Antwort
von Hugito, 33

Das ist eine Frage der elterlichen Sorge, §1626 BGB.

Danach entscheiden die Eltern, auf welche Schule das minderjährige Kind geht.

Bei der Entscheidung müssen die Eltern die "wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsvollem Handeln" berücksichtigen. Je älter das Kind ist, um so mehr.

Klingt altmodisch. Ist aber so. Die Eltern entscheiden. Aber sie müssen Dich vor Ihrer Entscheidung anhören  und den Sachverhalt sorgfältig prüfen.

Kommentar von teafferman ,

Darf ich Dich einladen, erst mal das Grundgesetz zu lesen bevor Du hier nachrangiges Recht als vorrangiges verkündest? Wäre wirklich wünschenswert. 

Kommentar von Hugito ,

Lieber teafferman,

das Grundgesetz wird im "nachrangigen" Recht konkretisiert.

Im Grundgesetz heisst es in Artikel 6 Absatz 2 GG:

"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft."

Diese Pflicht hat der Gesetzgeber (Bundestag, etc. ) im "nachrangigen" Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) konkretisiert. Das ist auch Aufgabe des Gesetzgebers.

Kommentar von Dommie1306 ,

Das ist auch mein Wissensstand...

Antwort
von G3RRanc3r, 38

Hallo,

es ist deine Entscheidung, ob du die 10 Klasse wiederholst oder nicht. Du kannst dich auch selbstständig bewerben, jedoch falls du einen Vertrag haben solltest müsste ein Erziehungsberechtigter unterschreiben, aber bis dahin ist noch Zeit.

LG

Antwort
von LadyLawKakashi, 28

Das darfst du dir allein aussuchen. Deine Eltern dürfen dir da nichts vorschreiben. Aber um hergottes Wille mach dein Abitur. Ich kann dir versprechen das du es bereuen wirst wenn du es nicht tust und wenn du es so lange in der Schule ausgehalten hast schaffst du das auch noch.

Lg :)

Kommentar von teafferman ,

Wieso soll er es bereuen? Es gibt immer mehr Studiengänge die nach einer Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind. Und nach dem Studium, welches sich an eine Ausbildung anschließt, bevorzugen die Betriebe jene mit praktischer Erfahrung. Kannst Du online recherchieren .

Die Welt bleibt nicht stehen, denn Stillstand ist Tot, Veränderung Leben. 

Die Deutsche Wirtschaft beklagt nun seit über 30 Jahren das zunehmend schlechte Ergebnis schulischer Ausbildung. Klagen über reine Studiumabsolventen sind nun auch schon lange öffentlich zu finden. Ebenso, dass manche Betriebe besondere Förderungen für Ausgebildete aufgelegt haben, welche im Anschluss ein Studium anstreben. 

Kommentar von LadyLawKakashi ,

Alle Leute die Ich kenne und die das Abitur abgebrochen haben bereuen es total deswegen bin ich der Meinung das sie es machen sollte aber ist ja letztendlich ihre Entscheidung :)

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