Frage von JolleSchmidt, 53

Besteht ein volles Anrecht auf Urlaubsgeld während des dualen Studiums?

Ich diskutiere seit Stunden mit einem Kumpel hinsichtlich Urlaubsgeld und wir kommen auf keine Lösung. Es geht um folgendes. Mein Kumpel ist dualer Student (Vollzeit in einer Firma angestellt - jedoch für die Uni-Phase vom Betrieb freigestellt). Da er Vollzeit beschäftigt ist stehen ihm 30 Tage Urlaub jährlich zu. Jedoch werden diese gesondert berechnet, da einige Urlaubstage mittels der vorlesungsfreien Zeit (bsp. zwischen den Jahren) abgegolten werden. In der Regel besteht sein jährlicher Urlaub somit aus 15 vorlesungsfreien Tagen (welche somit fest durch die Universität definiert sind) sowie 15 restlichen Urlaubstagen, die er nach Absprache mit dem Betrieb nehmen kann. Er hatte zuvor auch ein normales Anstellungsverhältnis in der Firma und das Urlaubsgeld wurde anteilig berechnet; sprich hatte er im Juli 10 Tage Urlaub, so bekam er bei dem Lohn für Juli 1/3 des Urlaubsgeldbetrages. Nun während des dualen Studiums hat die Firma ihm hingegen für den Urlaub seitens der Universität kein Urlaubsgeld gezahlt. Ist dies rechtlich ok? Ich bin nämlich der Meinung, dass er vertraglich 30 Tage Anspruch hat und dementsprechend auch „vollen Anspruch“ auf Urlaubsgeld hat. Zudem kann eine Firma dem einen Mitarbeiter ja nicht 100% Urlaubsgeld zahlen und dem Anderen nur 50% oder?

Wir sind mal auf eure Meinung gespannt.

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nightstick, 30

Nach meiner Rechtsauffassung besteht in dem hier vorgetragenen Fall grundsätzlich ein voller Anspruch auf Urlaubsgeld. Voraussetzung ist allerdings, dass weder im Arbeitsvertrag noch in ggf. einschlägigen Tarifverträgen oder sonstigen Vereinbarungen gegenteilige Vereinbarungen getroffen worden sind.

Um den vorgenannten Anspruch durchzusetzen, empfehle ich, eine entsprechede Forderung (nachweislich) an den Arbeitgeber zu stellen. Lehnt dieser die Forderung ab, könnte man direkt eine Feststellungsklage beim zuständigen Arbeitsgericht erheben (in erster Instanz ohne Rechtsanwaltszwang), oder aber zunächst eine kostenpflichtige Beratungsstunde bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht buchen. 

Zu beachten ist generell, dass diese beiden Vorgehensweisen das (hoffentlich bisher gute) Verhältnis zwischen Arbeitgeber und dem dualen Studenten belasten könnten. Deshalb sollte zunächst das vertrauenvolle Gespräch gesucht werden, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden.

Ich wünsche gutes Gelingen!

Gruß @Nightstick 

Kommentar von JolleSchmidt ,

Schön, dass jemand die selbe Auffassung vertritt. Erstmal danke für deine Antwort. Auch danke für die Schilderung der möglichen Vorgehensweisen - klingt definitiv plausibel. Das Arbeitsverhältnis ist natürlich gut, aber bevor er das persönliche Gespräch aufsucht, wollte er sich erstmal absichern, ob die Forderung überhaupt rechtens ist. Wir haben mal grob durchgerechnet um welchen verloren Betrag es sich handelt und ein Betrag i.H.v. rund 2000EUR sollte man dann doch nicht vernachlässigen. Was uns noch interessieren würde, woran du deine Auffassung festmachst? Kennst du irgendwelche ähnlichen Urteile oder ggf. Fälle aus dem Freundes/Bekanntenkreis?

Kommentar von Nightstick ,

Meine Rechtsauffassung ergibt sich zunächst einmal aus der Logik der Sachlage. Warum sollte denn nur anteiliger Anspruch bestehen?

Konkrete Urteile kann ich nicht nennen, aber im Arbeitsrecht stützt man sich auch nicht darauf! Jeder Fall liegt anders und muss individuell beleuchtet bzw. ausgeurteilt werden.

Kommentar von JolleSchmidt ,

Vielen Dank :)

Antwort
von NameInUse, 18

Er hat sich doch den Urlaub nicht voll erarbeitet, da er ja auch Zeit an der Uni verbringt. Eine andere Vollzeitkraft ist nämlich auch die komplette Arbeitszeit in der Firma und betreibt da Wertschöpfung für die Firma und geht nicht an die Uni. Oder willst Du mir erzählen, dass er jede Woche 40 h im Betrieb arbeitet und dann noch 26 SWS ableistet? Am besten schaut er noch mal in seinen Vertrag, da steht i.d.R. alles drin.

Kommentar von JolleSchmidt ,

Hmm er wird ja von der Firma bezahlt in die Uni zu gehen. Die Zeit in der Uni gilt als komplette Arbeitszeit und übersteigt eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden allemal 

Antwort
von AalFred2, 12

Dazu müsste man den genauen Wortlaut der Vereinbarung kennen, aus der sich der Urlaubsgeldanspruch ergibt.

Kommentar von JolleSchmidt ,

Anspruch ist vertraglich nicht festgelegt wird aber seit 25 Jahren bezahlt. Somit sollte jedem Mitarbeiter die Auszahlung in prozentual gleicher Höhe zustehen (Gleichhaltungsgesetz)...sehe ich das richtig?

Kommentar von AalFred2 ,

So einfach ist die Sache nicht. Das hängt auch davon ab, ob grundsätzlich unter Vorbehalt gezahlt wurde usw. Abschliessend wird so etwas wohl nur gerichtlich geklärt werden können.

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