Frage von top11michi, 15

Bestehen Musikstücke aus immer nur einer Tonart?

Also mich hat gerade etwas sehr verwirrt: Eigentlich sollten Musikstücke normalerweise aus einer Tonart bestehen (z.B. C-dur als klassisches Beispiel). Nun haben aber irgendwie Stücke einige Akkorde. Und diese Akkorde haben ja soweit ich weiß verschiedene Lagen. So kann es z.B. 4 Akkorde geben in 4 verschiedenen Tonarten, oder? Hat dann auch das ganze Stück 4 Tonarten oder verwechsle ich da was?

(Ich weiß, das ist bisschen komisch formuliert aber ich hoffe, man versteht, was ich meine)

VG

Antwort
von PolluxHH, 10

Was bezeichnest Du hier mit "Tonart" und was als "Stück"? Wenn Du mit "Stück" einen Track von 3 Minuten aus dem Bereich der Volkstümlichen Musik meinst, dann bleibt es meist recht nahe an der Tonart , allenfalls mal Wechsel zur Dominante, Subdominante, die dann kurz zum tonalen Zentrum werden, und wieder zurück zur Tonika. Der Mensch soll sich ja wohl fühlen und nicht durch zu viele Modulationen irritiert werden. Bei Opern aber wäre es schon ganz etwas anderes, man kann es ja auch in der Gesamtheit als ein Stück begreifen. Oder bei Symphonien, die aus mehreren Sätzen bestehen. Wer sich das musikalische Spektrum in "Till Eulenspiegels Lustige Streiche" von Richard Strauss betrachtet, wird nicht umhin kommen festzustellen, daß man nicht in einem Stück bei einem tonalen Zentrum bleiben muß.

Selbst Bach, auch wenn oft die Notation das tonale Zentrum hält, moduliert brilliant und verschiebt stetig das tonale Zentrum, um dann doch wieder zur Grundtonart zurückzukehren. Modulationen erfolgen dabei oft durch Uminterpretation eines Akkords in seinem funktionalen Bezug. Die Dominante zur Tonika kann leicht als neue Tonika eingeführt und durch die folgenden Akkorde bestärkt werden, wodurch sich im Empfinden des Hörers das tonale Zentrum verschiebt (wir sind hier ja nicht bei Schönberg & Co.).

Selbst in der Notation sind oft Wechsel zu verzeichnen, was man gut daran erkennen kann, daß da plötzlich ein Kreuz oder b direkt hinter dem Notenschlüssel hinzugekommen ist oder wegfiel. Auch beliebt bei z.B. Bach ;).

Zunächst sagt die Notation nur aus, in welcher Grundtonart ein Stück ist, dabei kann man über Modulation und ohne Änderung der nominalen Tonart durchaus eine klanglicher Verschiebung des tonalen Zentrums erreichen, man kann dies aber auch explizit vornehmen, was viel Arbeit ersparen kann, aber im Ergebnis bleibt es sich gleich. "Klassische" Komponisten, mal ab von Zwölftonmusik o.ä.,  arbeiten seit spätestens der Renaissance eigentlich durchgängig mit Modulationen, also auch mit einer Variation des tonalen Zentrums.

Bleibt also die Frage, ab wann Du eine andere Tonart als realisiert ansähest, wenn der Wechsel explizit erfolgte, wenn sich das tonale Zentrum verschoben hat, wenn das neue tonale Zentrum für mindestens x Takte Bestand hatte etc. ... eigentlich kann ich hier nur Meister Pogner zitieren :" Den Anfang stellst Du selbst und folgst ihm dann ..."

Und bitte entschuldige mein etwas unfachliches Geschwafel ...  das sind Schulkenntnisse aus dem Musikunterricht und der ist über 25 Jahre her bei mir.


Antwort
von BaludaBaer, 9

Ein einfaches Lied besteht aus einer sogenannten "einfachen Kadenz". Das heißt aber nicht dass alle Lieder aus einer einfachen Kadenz bestehen. Es ist nur eine grobe Vorgabe. Man fängt meistens mit dem Akkord der jeweiligen Tonart an und hört damit auch wieder auf. Dazwischen können verschiedene Akkorde folgen, da es beispielsweise zu jeder Dur-Tonleiter auch eine paralle Moll-Tonleiter gibt, deshalb kann das Lied auch einen Teil in Moll haben und sich nach ein paar Takte wieder auflösen und in Dur auflösen.

Ein typisches Beispiel für Tonartwechsel in einem Stück sind bayerisch-böhmische Lieder. Die bestehen meistens aus 3 Teilen und alle Teile sind in 3 verschiedenen Tonlagen aufgeführt. In den jeweiligen Teilen gibt es aber auch Akkorde, die eigentlich nicht zu dieser Tonart passen, aber deswegen da sind um beispielsweise kurz vor dem Schluss einen "schönen" Übergang zum Schlussakkord zu haben. (Beispiel G7=Dominantseptakkord auf C)

Antwort
von Kubixl13, 7

Also nicht jedes Stück steht in einer Tonart. Ich habe selbst zum Beispiel ein Stück komponiert, dass drei verschiedene Tonarten hat und vier Tonartwechsel. Es ist allerdings unüblich, dass die Tonartwechsel direkt zwischen den Akkordwechseln stattfinden. Eher ist es so, dass eine klassische Kadenz (Reihenfolge : Tonika, Subdominante, Dominante, Tonika) in einer Tonart steht, auf die dann eine klassische Kadenz in einer anderen Tonart folgt. Hoffe ich konnte dir damit helfen .

LG

Antwort
von offeltoffel, 7

Du bringst da ein paar Dinge durcheinander.

Prinzipiell kann ein Stück alles. Es können auch Tonarten vorkommen, die von der ursprünglichen super weit entfernt sind - alles Teil der künstlerischen Freiheit. Trotzdem gibt es Regeln, besonders für bestimmte Epochen oder Kompositionsarten.

Wenn das Stück in C-Dur ist, dann ist C-Dur nur der Grundakkord. Es bedeutet z.B., dass standardmäßig keine Vorzeichen gesetzt sind. Zu C-Dur gehören die entsprechenden Stufen, also auch G-Dur oder G7. Oder A-Moll (?) (sorry, Musik ist bei mir 10 Jahre her, ich weiß nicht mehr alles so 100%).

Trotzdem kann das Stück auch in eine andere Tonart wechseln.

Antwort
von Posaunist, 7

Bestehen Musikstücke aus immer nur einer Tonart?

Nein, wir haben z.B. zum Choral "Danke für diesen guten Morgen" einen Bläsersatz, in dem immer nach zwei Strophen die Tonart wechselt.

Antwort
von Frangge, 7

Schau mal, hier wird das gut erklärt:

http://www.harmonielehre.info/tonarten-und-tonleiter.html

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