Frage von amemu, 283

Beste Freundin wurde vom "Liebhaber" vergewaltigt und will ihn nicht anzeigen, darf ich dies tun?

Meine beste Freundin ist seit 3 Jahren mit ihrem Mann verheiratet, doch aufgrund vieler Streitereien sind sie momentan seit 3 Monaten getrennt. In dieser Zeit hat sie einen anderen kennengelernt und meinte, dass er ein perfekter Traummann sei, weil er ihr alles auf der Welt versprochen hatte und ihr viel geschenkt hat, da er ziemlich reich ist. Weit gefehlt, er hat sich als oberflächliches A - loch herausgestellt.

Sie waren ca. 5 Wochen zusammen, danach hat er sie verlassen, weil er fand, dass sie kindisch sei, einen keinen Po und eine zu kleine Oberweite habe. Laut der Aussage meiner besten Freundin liebt sie ihn dennoch. Sie ist jemand, der sehr schwer loslassen kann, daher hat sie weiterhin - trotz diesem oberflächlichen Gerede - Kontakt mit diesem Liebhaber gepflegt.

Trotz allem hat er sich immer wieder bei ihr gemeldet, sie haben sich getroffen und Sex gehabt. Ich habe ihr gesagt, dass der Typ nicht gut für sie ist und klipp und klar dargestellt, dass der Typ in ihr nur jemanden sieht, bei der er sicher seinen Sex bekommt und sie jedes Mal nur ausnutzen wird. Aber sie hört nicht auf mich und hat sich weiterhin mit ihm getroffen.

Inzwischen wurde sie schon etwas vernünftiger und hat gelernt, "nein" zu sagen, wenn er mehr wollte. Sie haben sich auf Freundschaft geeinigt. Doch der Typ versucht es immer wieder. Heute eben auch. Er war da, wollte mit ihr Sex haben. Sie sagte jedoch mehrmals nein. Er hörte nicht auf sie und begann, sie festzuhalten und zu küssen. Sie versuchte, sich zu wehren, doch er war stärker, hat sie festhalten und sie somit zum Sex gezwungen.

Danach ist er gegangen und sie hat mir die Geschichte erzählt. Meine Reaktion war sofort: zeig ihn an! Aber sie hat nur geweint und gefleht, dass ich es nicht tun soll, weil sie ihn immer noch liebt und ihm das nicht antun will, es ihre Entscheidung sei, ihn anzuzeigen. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich bin selbst mit den Nerven am Ende. 1000x habe ich ihr gesagt, wie schlecht der Typ für sie ist und dass sie lieber mit ihrem Mann Klartext reden soll. In ihrem Kopf herrscht Wirrwarr und ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll....

Antwort
von Mindermeinung, 73

Wie schon mehrfach erwähnt, kann jeder Straftaten bzw. den Verdacht, dass eine Straftat begangen worden sein könnte, anzeigen.

Grundsätzlich kannst Du also Strafanzeige erstatten. Beweise brauchst Du dafür nicht, denn die Ermittlung von Beweisen bzw. die Beschaffung von Beweismitteln ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden.

Die Polizei wäre nach Deiner Anzeige, unabhängig vom Willen des Tatopfers, verpflichtet zu ermitteln. Es wird also auch dann ermittelt, wenn Deine Freundin ausdrücklich sagt, dass sie das eigentlich nicht möchte.

Je weniger sie selbst sagt, desto schlechter ist aber die Beweislage für die Strafverfolgungsbehörden, wenn nicht gerade andere Beweismittel zu Verfügung stehen. Das könnten z.B. Chatprotokolle o.ä. sein.

Besonders problematisch und aussichtslos wird es, wenn sie den Sachverhalt plötzlich anders darstellt, um den Mann zu schützen und das auch durchhält - und wenn es sonst keine Beweismittel gibt, die etwas anderes nahelegen.

Hinzu kommt, dass Ermittlungen die gegen den Willen des Tatopfers geführt werden, dass Tatopfer ebenfalls belasten und traumatisieren können. Auch das ist zu bedenken.

Ob Eure Freundschaft eine Anzeige gegen ihren Willen überlebt, daran kann man Zweifel haben. Am Ende bist vielleicht Du sogar der äußere Feind den sie meint bekämpfen zu müssen - womöglich zusammen mit ihrem Typen.

Aus den oben genannten Gründen ist es m.E. sinnvoll, wenn das Tatopfer hinter einer Strafanzeige steht. Vielleicht redest Du nochmals mit ihr und führst ihr auch folgendes vor Augen:

- Die Beweislage wird nicht besser. Entscheidet sie sich (viel) später - vielleicht erst in einem Jahr - doch für eine Anzeige, weil sie die Sache eben doch stark belastet, dann sinkt womöglich die Chance darauf, dass die Tat auch erfolgreich verfolgt werden kann.

- Es besteht die Möglichkeit, dass derjenige das wieder macht. Die wenigsten haben immer Lust auf Sex - was, wenn der Mann das also irgendwann wieder macht - zumal er ja mit dieser Methode schon mal "erfolgreich" bei ihr war?

- Vielleicht macht er das bei anderen Frauen auch? Wäre es auch unter diesem Gesichtspunkt nicht besser, wenn man die Sache zur Anzeige bringt?

Biete ihr an, sie zur Polizei zu begleiten. Wenn es ihr hilft, kann sie sich auch durch einen Strafverteidiger (Opferanwalt) beraten lassen. Vielleicht ist sie einfach nur unsicher und hat auch Angst, weil sie nicht weiß, was auf sie zukommt und wie so ein Ermittungs- und Strafverfahren abläuft.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Polizei & Recht, 58

Diese Straftat kannst du jederzeit anzeigen. Es ist ein Offizialdelikt, das der StA auch ohne Strafantrag verfolgen wird. 

In deinem Fall dürfte der StA aber vermutlich mit Beweisproblemen zu kämpfen haben.. Du solltest dennoch anzeigen, evtl. ist der Täter schon einschlägig bekannt.

Antwort
von lastunicorn007, 89

An sich kannst du ihn schon anzeigen, allerdings hast du keine Beweise und müsstest erstmal schauen ob deine Freundin wenigstens aussagen würde.

Antwort
von SmartTim98, 86

Die Vergewaltigung wäre nicht zu beweisen, da deine Freundin sich nicht gewehrt hat. Wenn du Anzeige erstattest, muss die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten. Wenn deine Freundin bestätigt, dass alles in Ordnung war, kannst du dann sogar wegen der „falschen Verdächtigung“ strafrechtlich verfolgt werden.

Die Frage ist aber auch, ob deine Freundin den Vorgang überhaupt als Vergewaltigung empfand? Wenn man den Täter aus Angst vor erneuter Gewalt nicht anzeigen will, kann ich das zumindest ein wenig verstehen. Wenn man aber aus Liebe verzichtet, war der Geschlechtsverkehr vielleicht doch einvernehmlich...

Antwort
von Szwab, 147

Wenn sie sich nicht gewehrt hat und es über sich ergehen lassen hat, liegt keine Straftat vor. Das Verfahren würde im Sande verlaufen. Anzeigen kannst du ihn dennoch. Jeder ist berechtigt der Polizei seine Erkenntnisse über eine strafbare Handlung mitzuteilen.

Kommentar von Mindermeinung ,

Nein, das ist falsch.

Ob sich das Opfer wehrt ist unerheblich. Vielmehr kommt es auf den inneren Willen des Tatopfers an. Es kann sogar ausreichend sein, dass das Tatopfer weder verbal noch körperlich Widerstand leistet, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Dann ist der subjektive Straftatbestand (sprich: ob Tatverdächtige Vorsatz hatte) besonders intensiv zu prüfen). [Beck'scher Online Kommentar StGB, v. Heintschel-Heinegg, 30. Edition, Stand: 01.03.2016, § 177 Rn. 9; 11 m.w.N.]. Das ist im Übrigen auch ständige Rechtsprechung des BGH.

Kommentar von Szwab ,

Wunschdenken. Genau um das zu erreichen soll das Strafrecht derzeit überarbeitet werden.

Kommentar von Zwergio ,

nur etwa 8% der Anzeigen von Vergewaltigungen führen zu einer Verurteilung. denn ohne sichtliches Wehren wird man abgespeist. ein einfaches "Nein", egal wie oft oder wie flehend, interessiert vor Gericht niemanden. Dementsprechend laufen auch gerade Petition a lá "Nein heißt Nein"

Kommentar von Mindermeinung ,

Nein, Realität. Wenn sich das Opfer aus Angst nicht wehrt, steht das einer Verurteilung gem. § 177 StGB nicht entgegen. Den § 240 StGB gibt es im Übrigen auch noch.

Für eine Nicht-Verurteilung kann es viele Gründe geben. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, dass der Täter oder ein Tatverdächtiger nicht ermittelt werden konnte.

Im Übrigen waren es 2014 nicht 8% sondern 13,5%. Bei Diebstahl (4,8%) und Körperverletzungen (10,8%) enden weniger Strafanzeigen mit einer Verurteilung. Weist das auch auf Schutzlücken bei Diebstahl und Körperverletzung hin?

Kommentar von Zwergio ,

Petitionen*

Kommentar von Nitarius ,

Man sollte hierzu erwähnen, dass nur etwa 20% aller Vergewaltigungen überhaupt angezeigt werden, je nach Schätzung sind es sogar bedeutend weniger.

Antwort
von AssassineConno2, 24

Wenn sie sich wie beschrieben gewehrt hat dann ist es eine Vergewaltigubg ubd ja, die kannst auch du beanzeigen.

Antwort
von TrueSchaubi, 87

Du kannst sie nicht zwingen eine Aussage zumachen, aber http://www.hilfetelefon.de/aktuelles.html du könntest dich dort melden. Laut der Startseite dürfen sich auch Freunde und Angehörige dort auch melden.

Antwort
von dermitdemhund23, 77

Ich würde ihn anzeigen, deiner Freundin zu liebe. Sie wird dir eines Tages unendlich dankbar sein.

Antwort
von google1234, 35

Jeder kann jeden anzeigen. Doch wenn deine Freundin und der Mann die Tat leugnen, wird es sehr schwer, da irgendwas zu machen.

Antwort
von Snikers32, 88

sry wollte den langen text nicht lesen du kannst ihn sicher anzeigen aber in nur 10% der fälle wird der vergewaliger bestraft also kannst du es eig. auch gleich lassen (esseiden sie hat sich tatkräftig dagegen gewehrt dann habt ihr viel. eine chance allerdings braucht ihr auch beweise was sehr schwer wird)

Kommentar von Nitarius ,

Stimmt zum Teil, diese niedrige Zahl kommt aber vermutlich auch daher, dass lediglich 1/5 aller Täter überhaupt angezeigt werden, je nach Schätzung sogar weniger. Ein Grund mehr sowas direkt zur Anzeige zu bringen.

Kommentar von Mindermeinung ,

Nein, die 10% (in Wirklichkeit waren es in 2014 deutlich über 10% - und das ist verglichen mit anderen Delikten nicht wenig!) ergeben sich aus PKS und Verurteilungsstatistik. Das Dunkelfeld ist darin nicht berücksichtigt.

Im Übrigen bedeutet eine Anzeige nicht, dass der Tatbestand erfüllt war, dass die Strafanzeige die Tatsachen wiedergibt, dass es keine Beweisschwierigkeiten, Ermittlungsfehler, Glaubwürdigkeitsprobleme etc. gibt - Es kann viele Gründe geben, weshalb es zu keiner Verurteilung kommt.

Deshalb ist die Tatsache das von x Anzeigen nur x zu einer Verurteilung (einem Schuldspruch!) führen nicht geeignet, im Einzelfall die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung zu "berechnen". Aus dieser Zahl allein ergeben sich auch noch keine "Schutzlücken".

Antwort
von Lavendelelf, 84

Deine Frage ist, ob du ihn anzeigen darfst? Ja, du darfst anzeigen wen du möchtest.

Du darfst aber auch auf deine Freundin hören. 

Antwort
von azeri61, 57

den mann betrügen eine beziehung eingehen und auf solche märchen eingehen die ein mann erzählt ? tut mir leid aber wie naiv kann man sein ..... anzeigen ist das mindeste

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