Frage von Tom0601, 95

Besonderheiten im Prüfungsrecht?

Hallo,
ich habe heute Abschlussprüfung Deutsch (realschulabschluss thüringen) geschrieben.

In meiner Klasse ist einer der hat Autismus, er durfte die gesamte Prüfung in einem extra Raum schreiben (er und eine andere Lehrerin) und der Rest der Klasse musste in der Mensa schreiben.
Ich finde es persönlich unfair den anderen gegenüber, dass er nur für dich ist und wir zu 40 in einem Raum schreiben müssen.

Darf er, nur weil er Autismus hat, in einem extra Raum schreiben, weil eigentlich gelten ja für jeden die selben Bedingungen....

Vielen Dank .  

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Antwort
von halbsowichtig, 49

Das ist sehr fair und richtig. Denn Du als Nicht-Autist kannst dich in einer vollen Mensa konzentrieren. Der Autist kann das nicht, ihn lenkt in einem Einzelzimmer schon genug ab.

Wahrscheinlich hat er diesen Nachteilsausgleich genau deshalb bekommen, weil er mit einem Lehrer im Raum ungefähr so viel Stress hat, wie du mit 40 Mitschülern in einem Raum.

Anders gesagt: Gerade weil er ein Einzelzimmer hat, habt ihr beiden dieselben Chancen.

Wenn du Nachteilsausgleiche ungerecht findest, dann müsstest du logischerweise auch gegen Rollstuhlrampen sein, schließlich müssen alle Nicht-Rollstuhlfahrer auch die Treppe laufen. Du müsstest auch gegen Braille-Schrift sein, denn alle Nicht-Blinden müssen schließlich auch hingucken.

Antwort
von Lea1984, 31

Bitte was??? Ein Nachteilsausgleich für Behinderte ist unfair? Also auch Rampen und Extratoiletten für Rollstuhlfahrer? Können ja laufen- die wollen nur nicht- oder was?
Befasse Dich bitte damit, was Autismus ist... ich bin selbst Autistin und fassungslos und wütend über Deine Frage!

Dennoch will ich Dir mal etwas näher erklären, was es bedeutet, Autismus zu haben. Ich beschränke mich nur auf das, was man täglich wahrnimmt in einem vollen Klassenraum.
Vorab, Autisten können Sinneseindrücke nicht so verarbeiten wie nichtautistische Menschen. Dazu gehören z.B. akustische (Geräusche), optische (grelle Farben, Bewegungen, Neonlicht), chemische (Gerüche), mechanische Reize oder auch Temperaturreize. Jede Sekunde prasseln auf das menschliche Gehirn Millionen von Reizen. Damit man aber konzentriert das tun kann, was man eben gerade macht, hat es einen "Filter", der alle unwichtigen Dinge herausfiltert. Stell es Dir als normale, handelsübliche Kaffeefiltertüte vor. Autisten haben auch so eine, nur sind deren Löcher so groß, als hätte man sie gelocht. Es prasseln mehr Reize auf sie herein. Das kann man nicht willentlich beeinflussen, so wie ein querschnittsgelähmter auch nicht mal eben aufstehen kann, wenn er will.
Du sitzt in dem Raum und kannst ohne weiteres Deine Prüfung schreiben. Gequatscht so wie im Unterricht wird ja sicher nicht- es ist also relativ still. Du riechst zwar, dass das Mädel vor Dir einen schlechten Geschmack hat, was die Art und Dosiermenge ihres Parfüms betrifft, aber schreibst weiter. Vielleicht niest einer und Du erschreckst Dich, kannst aber Sekunden später Deinen Gedanken wieder folgen. Die Wandfarbe mag vielleicht out sein in Deinen Augen, aber sie beeinträchtigt Deine Leistungen nicht. Vielleicht hörst Du nicht mal, wie die Füller, Feinliner und Kulis über das Papier deiner Mitschüler gleitet... und sicher hörst Du nicht ständig Dein Blut rauschen und Deinen Puls- wie Herzschlag. Menschen machen Geräusche, auch beim Atmen, beim blättern im Duden usw.
Starke Gerüche sind für mich kaum aushaltbar. Es verursacht stechende, starke Kopfschmerzen. Oft auch Würgereiz. Wenn jemand niest erschrecke ich und schreie manchmal dabei auf und es dauert sehr lange, bis ich wieder damit fortfahren kann, was ich mache. Jetzt, auf Arbeit (Akkord) verliere ich halt ein paar Minuten und etwas Geld am Monatsende- in einer Prüfung entscheidet es über die vielleicht bessere Note. Geräusche, die ohne Ankündigung auftauchen sind massiv belastend. Grelle Farben ob an Kleidung oder an den Wänden können ebenfalls die Konzentration massiv beeinträchtigen. Bei manchen Farben bekomme ich Kopfweh oder ein starkes Druckgefühl hinter den Augen. Das Geräusch, was andere beim Schreiben machen ist grausam. Da es ja stiller im Raum ist als sonst, wenn andere flüstern, ist das Geräusch noch schärfer, schneidend. Ich kann immer meinen Herzschlag hören, dazu das Blutrauschen und das pochen vom Puls. Es ist verdammt schwer, sich da zu konzentrieren. Wenn man alleine im Raum ist, fallen viele Dinge weg.

Das war ein minimaler Einblick. Es gibt ja noch bedeutend mehr an Sinneseindrücken in einem Raum voller Menschen, aber vielleicht verstehst du jetzt schon, was der Unterschied zwischen Dir und einem Autisten ist im Bezug auf die Wahrnehmung.

Kommentar von Tom0601 ,

Danke für diesen leicht "sinnlosen" Roman. Diese Antwort war auch gar nicht unnötig... NEIN.... ----> erst Frage lesen, dann kannst du deine Meinung gern für dich behalten, es sei denn, sie gibt eine konkrete Antwort.

Kommentar von Lea1984 ,

Deine Frage ist eher sinnlos und menschenverachtend... steht einem behinderten Menschen Nachteilsausgleich zu- es ist unfair (...) Hilfe!
Zu deiner Frage- darf er es- JA! Er hat doch schließlich seine Prüfung in einem separaten Raum geschrieben. Schwer möglich, wenn es nicht durch die Schule bewilligt worden wäre. Er ist durch den Autismus schwerbehindert, also steht ihm dieser Nachteilsausgleich zu. Die Frage beantwortet sich von selbst. Je nach dem, wie schnell Dein PC ist und Du tippen kannst, hättest Du sie dir in wenigen Sekunden selbst beantworten können. Und- seine Bedingungen waren keine anderen- er wurde beim Schreiben von einem Lehrer überwacht und bekam die Prüfung weder früher noch später als Du.
Aber wenn Du als nichtbehinderter auf einer Plattform äußerst, einen berechtigten Nachteilsausgleich für behinderte unfair zu finden und fragst, ob man einem Behinderten dies überhaupt gestatten darf, dann wirst Du mit unschönen Antworten rechnen müssen- vor allem von Menschen, die selbst Autisten sind!

Kommentar von ChickPea ,

Tom0601

Warum fragst du ueberhaupt, wenn dir dir Antworten eh nicht gefallen?

Antwort
von tapri, 44

das ist fair und sozial, denn NUR so hat dieser Schüler eine Chance auf einen Schulabschluss. Du solltest froh und glücklich darüber sein, dass du gesund bist und keine Ausnahme benötigst. Er wünscht ja nicht, eine Ausnahme zu sein, sondern er ist es..... das ist ein Unterschied

Antwort
von einfachichseinn, 17

Das nennt sich Nachteilsausgleich.

Aber du findest es vermutlich auch unfair, wenn ein Rollstuhl Fahrer keinen Sport mit machen muss.

Oder wenn ein gehörloser Mensch kein hören verstehen machen muss.

Nachdenken hilft ab und an.

Antwort
von KeinName2606, 57

Nö, eigentlich nicht. Er soll genauso die Chance haben, was zu erreichen. Was hat es denn für nen Vorteil? Und Nachteil hat es für euch auch keinen, ich bin mir sicher jeder hatte nen kleinen Tisch fürs Schreiben.

Kümmer dich lieber um deine Probleme, als Autist hat er schon genug!

Antwort
von sunflower2902, 41

Genau, das ist ein Nachteilsausgleich. Habe heute auch diese Prüfung geschrieben, da ich auch in Thüringen lebe und 3 von 30 Schülern durften 30min länger schreiben.

Antwort
von wilees, 48

Das nennt man Nachteilsausgleich. Die Leistungsbedingungen verändern sich ja dadurch nicht.

Gegenfrage an Dich: Möchtest Du mit einer solchen gesundheitlichen Einschränkung leben?


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