Berufstätigkeit mit Kind
Ich plane gerade meinen Wiedereinstieg in den Beruf und bin etwas frustriert! Die Probleme:
Keine Familie in der Nähe und niemand, der aushilfsweise Kinderbetreuung macht (z.B. in Kindergartenurlaubszeiten oder wenn wegen Läusen etc. geschlossen bleibt oder die Tagesmutter krank ist oder unser Kind eine harmlose Kinderkrankheit hat aber zu Hause bleiben muss) und ich kann doch nicht bei meinem neuen Arbeitgeber ständig fehlen!
Die Kindergärten machen erst um 7:30 auf ich muss aber schon um 7:30 in der Arbeit sein! Mein Mann muss erst um 9 da sein und kann die Kleine hinbringen, aber jedes Mal wenn er nicht kann (berufliche Reisen, Krankheit) gibt es wieder Probleme.
Ein Zweitauto muss angeschafft werden. Ein Großteil meines Gehaltes geht drauf für Auto und Kinderbetreuung und "Nebenkosten" wie mehr Kleiderbedarf für Kindergarten und Arbeit, Mittagessen in Kantine und Kindegarten.
Ich werde wieder Steuern zahlen, dafür fällt ein Teil der Steuerermäßigungen durch das Ehegattensplitting weg und werden die Kindergartenkosten mehr, weil wir in die nächste Kategorie rutschen.
Ich habe den Eindruck, dass die geplante Teilzeitarbeit sich für mich finanziell nicht lohnen wird! Oder habe ich etwas übersehen?
Welche Erfahrunge habt ihr?
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Hallo, ich hatte bei meinem beruflichen Wiedereinstieg nach der Geburt meines Sohnes ähnliche Erfahrungen. Ich bin auch erst mal Teilzeit eingestiegen, mit einem ähnlich unflexiblen Kindergarten (Betreuungszeiten waren so blöde, dass ich den Ganztagesplatz nehmen musste, obwohl ich ihn nur eine halbe Stunde länger als 12.00 betreuen lies), dann die Fahrtkosten, Klamotten fürs Büro etc. Finanziell gesehen wäre ich wohl besser zu hause geblieben. Aber ich finde das sehr kurzsichtig betrachtet! Es ist ja erst mal ein beruflicher WIEDEReinstieg, wer weiß was mal kommt. Bei uns war es z.B. so, das mein Mann später die Arbeit verlor und echt Probleme hatte, was neues zu finden. Da konnte ich sofort von TZ auf VZ unsteigen und unsere Finanzen "retten". Dein Kind wird ja auch größer und vieles dann einfacher! Ein paar Tipps für dich: 1. Mein AG hat den Kindergartenbeitrag übernommen, als geldwerten Vorteil direkt vom Brutto. Kam mir dadurch wesentlich günstiger, sprech deinen AG einfach mal drauf an. 2. wie sieht es den bei dir mit einem sozialen Netzwerk aus Freunden (Krabbelgruppe etc.) aus, die bei Betreuungsengpässen mal einspringen könnten? 3. sieht zwar immer bisschen doof aus, aber du hast das Recht, 10 Tage wegen eines kranken Kindes zuhause zu bleiben, wenn dein AG nicht zahlt, zahlt hier die KK (anteilig 67%). Auch dein Mann kann diese Tage nehmen! 4. Ich weiß, Kindergarten hat mehr auf als zu, und gerne viele, viele lange Wochenenden. Da hilft wohl nur, den Urlaub mit dem Partner aufzuteilen, denn als Zweitlösung noch eine Tagesmutter zu finanzieren, da zahlst du wohl drauf. Mach den beruflichen Einstieg, es ist nicht einfach, aber es lohnt sich!
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Hallo hourriyah, ich gehe mal davon aus das es sich dein Kind nicht im Krippenalter befindet denn sonst würde ich dir Raten mit dem Wiedereinstieg noch zu warten. Krippenplätze sind nicht nur sehr Teuer sondern auch sehr belastend für ein Kind. Diesen Krippenwahnsinn werden wir noch sehr Teuer bezahlen und bereuen.
Kitas haben einen festen Monatsbeitrag. Dieser schwankt von Bundesland zu Bundesland. Aber so hoch das du große finanzielle Einbußen hast, ist der nicht.Google mal dein Bundesland- Kitabeitrag und dann das Bundesland eingeben. Frag mal in den Kitas, die für dich in Frage kommen nach, ob sie einen Frühdienst anbieten. Die Öffnungszeiten die angegeben sind, sind immer die Kernöffnungszeiten. Eine Bescheinigung deines Arbeitgebers- das du um 7.30 Uhr anfangen musst, reicht um den Frühdienst in Anspruch nemen zu können. Kitas werden nur in den allerseltensten Fällen, wegen ansteckender Krankheiten, geschlossen. Läuse sind kein Grund. Sicher ist es schwer wenn dein Kind krank ist- aber mit dem Problem musst du Leben. Harmlos sind keine Krankheiten für ein Kind. Wenn sich ein Kind nicht wohlfühlt- sei es eine Erkältung oder Magen- Darm oder einfach nur Bauchweh, dann braucht es die Mama. Außerdem musst du auch die Ansteckungsgefahr bedenken. Ich erlebe es nicht selten das mir, wenn ein Kind plötzlich fiebert, von diesem Kind erzählt wird, das es von Mama schon ein Zäpfchen am Morgen bekommen hat. Oft bekommen wir in der Kita Kinder vorbeigebracht die in der Nacht gespuckt oder Durchfall hatten. Das dann nicht nur die anderen Kinder angesteckt werden, sondern auch die Erzieher reihum krank werden, dürfte auch nicht im Interesse der Eltern sein.
Kinderbetreuungskosten sind von der Steuer absetztbar.. http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/kinder-betreuungskosten.htm , das dürfte für euch von Vorteil sein. Mittagessen kostet in den Kitas auch nicht die Welt, schließlich sparst du dadurch- brauchst nicht selber Kochen, ersparst so Strom und den Einkauf. In der Kita wirst du andere Eltern kennen lernen, oft ergibt sich dadurch ein Netzwerk der dir helfen kann wenn es zu Betreuungsengpässen kommt. Dein Kind wird Freunde finden und kann , gegebenenfalls mal,von deren Eltern mit abgeholt werden. Du siehst das es Möglichkeiten gibt die es dir erleichtern können wieder in das Berufsleben zurück zu kehren.
Kommentar von hourriyah29hourriyah29 02.09.2012Hallo Anni,
danke für Deine ausführliche Antwort und die Tips! Beiträge wissen wir schon und es ist eben so, dass wir ohne mein Gehalt in der Klasse 3 sind und mit meinem Gehalt in Klasse 2, das macht dann leider schon etwas aus (ca. 100Euro mehr im Monat. Falls ich dieses Jahr schon anfange zu arbeiten müssen wir diese rückwirkend zahlen für das ganze Jahr, also ab August. Das bedeutet, wenn ich im Dezember anfange zu arbeiten zahlen wir rückwirkend 500Euro nach, also bleibt von meinem ersten Gehalt in diesem Jahr nicht viel übrig).
Wir haben einen Platz mit dem wir sehr zufrieden sind in einer Tagesmutter-Einrichtung mit 3 Tagesmüttern und 9 Kindern. Frühdienst gibt es dort nicht und wenn mehrere Kinder Läuse (oder ansteckende Krankheiten) hätten, würden sie zu machen. Das ist etwas teuerer als Krippe oder Kindergarten, aber mir ist wichtig, dass sowohl meine Tochter als auch ich uns wohlfühlen, wenn sie dort ist.
Mit harmlosen Krankheiten meine ich solche, bei denen das Kind zu Hause bleiben muss, aber sich nicht schlecht fühlt, so dass es eigentlich fremtbedreut werden könnte, aber wegen Ansteckungsgefahr nicht in die Kita darf (z.B. Windpocken). Zäpfchen am morgen und dann in die Kita gäbe es bei uns nicht.
Das Essen kostet bei uns 28Euro im Monat, egal ob das Kind da ist oder nicht, Ferien sind oder nicht. Ich finde aber, dass so vieles zusammen kommt. Das teuerste ist das Zweitauto, dann die Betreuungskosten, dann die Essenskosten, zusätzlichen Klamotten, Babysitter für Sonderzeiten (z.B. Fortbildungen die zwei mal im Monat bis 19:00 Uhr stattfinden) und wegfallen des Vorteils des Ehegattensplittings.
Ans Netzwerk habe ich auch gedacht. Wir sind leider neu zugezogen und bisher sind die Möglichkeiten sich bei Betreuungsengpässen zu unterstützen eher gering. Falls wir hier wohnen bleiben will ich noch nach einer Leihoma suchen. Aber wenn ich die Arbeitsstelle bekomme, die ich haben will steht vielleicht auch ein Umzug an.
LG, Hourriyah
Kommentar von anni51anni51 03.09.2012Hallo Hourriyah ist immer wieder interessant zu lesen wieviel Steine einer Mutter, die arbeiten will, in den Weg gelegt werden- auch Finanziell. Und das bei den herabwürdigenden - beleidigenden- Aussagen der Politiker über Mütter, die ihren Nachwuchs zu Hause betreuen wollen. Manchmal, wenn ich diese Herr und Damenschaften so reden höre muss ich sagen...ich kann garnicht soviel fressen wie ich k.otzen möchte. Da wird einem die ,,Supermama! von der Leyen vorgesetzt, die aufgrund ihrer finanziellen Situation, garnicht weiß worüber sie redet und wie es in der Realität aussieht. In deiner Fragestellung bin ich davon ausgegegangen das es sich bei euch um einen Kitaplatz handelt- Tagesmuttereinrichtungen sind mir in der von dir beschriebenen Art nicht bekannt. Das Konzept hört sich aber gut an. Ist nicht der Massenbetrieb einer Kita- bie uns ist der Personalchlüssel- 1 Erz auf 20 Kinder- keine Zweitkraft! Kannst dir ja vorstellen wie wir am Rotieren sind- naja und wenn dann noch jemand krank wird ist Hollland in Not. Da kann es auch schon mal vorkommen das wir nur noch Notdienst anbieten können.
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Super Antwort und super Tips!!! Vielen Dank! Machen werde ich es sowieso, weil ich nicht so lange weil ich mit meiner Karriere weiter machen will. Wenn ich mich anstrenge kann ich mich in ein paar Jahren selbstständig machen und mit flexiblen Arbeitszeiten zu Hause oder in der Nähe von zu Hause arbeiten.
Ich ärgere mich auch über die Unflexibilität der Betreuungseinrichtungen und dass man so lange im Voraus sich anmelden muss und nicht unbeding in der Nähe einen Platz bekommt. Wir wollten ev. in die Nähe meines neuen Arbeitsplatzes ziehen um ein Auto zu sparen und damit ich nicht noch die Fahrtzeiten habe, aber wir bekommen dort natürlich spontan keinen Betreuungsplatz.
@ Angelus, wo hat denn eine Kita mehr auf als zu? Eine Kita hat, wenn überhaupt, 4 Wochen im Jahr geschlossen. Und das in der Ferienzeit. Mal aufgeteilt, 3 Wochen Sommerferien und 1 Woche zu Ostern oder Herbstferien- mal die vollen 4 Wochen zum Sommer. Sicher gönnen sie sich auch mal- zu Feiertagen/ Brückentag, ein langes Wochenende, aber das kommt höchstens 1-2 mal im Jahr vor. Und das sollte den Erziehern und den Kindern auch gegönnt sein. Es sind nicht wenige Kinder die einen 9 - 10 Stundentag in der Einrichtung haben.
Also, bei mir is das jetzt 9 Jahre her. Der Kindergarten (für Kinder ab 3) hatte Öffnungszeiten von 08.00 bis 12.00 und wieder von 14.00 bis 16.00 Uhr. Wer wie ich Betreuung bis 13.00 Uhr brauchte, musste den Ganztagesplatz nehmen (und bezahlen!). Die Gruppenstärke betrug 26 Kinder bei 2 Erzieherinnen. Davon war meistens 1 krank. Sommerferien waren 3 Wochen zu. Zwischen Weihnachten und Neujahr sowieso. Vor den Ferien wurde energisch darauf hingewiesen, die Kinder bis 12.00 abzuholen. Der Freitag nach einem Feiertag war grundsätzlich zu. Ich habe meinen Jungs immer die Ferien gegönnt, aber für eine Betreuung, die mich deutlich mehr kostet als z.B. die vielfach als unsozial kritisierten Studiengebühren erwarte ich einfach mehr.
@ angelus, naja in den letzten 9 Jahren hat sich da schon einges geändert. Mitlerweile gibt es Kitas und sogar Krippen die Betreuung von 6-20 Uhr anbieten. Ich finde, und das sage ich dir als Erzieherin, das diese Zeiten für Kinder einen unheimlichen Stress bedeuten. Einen 9 Std. Tag ist für ein 3j. Kind Schwerstarbeit. Ja, der Krankenstand ist in unserem Beruf leider sehr hoch, und wenn eine Erz. ausfällt dann Prost Mahlzeit. Die Situation könnte verbessert werden, der Krankenstand verringert, wenn der Personalschlüssel erhöht würde. Dafür ist leider kein Geld da.