Frage von Deltamk, 49

Berufsschule und anschließend in den Betrieb - weiß jemand Bescheid?

Hallo zusammen,

die folgende Frage betrifft eine gute Freundin von mir: Sie (Alter: 23) macht seit Januar eine Ausbildung mit 40 Wochenstunden. Berufsschule ist Blockweise. Ihre Arbeitszeit ist normalerweise Montag-Donnerstag 8,5 Stunden (8-17 Uhr) und Freitag 6 Stunden (8-14 Uhr). Während der Berufsschule hat sie Montag, Dienstag, Donnerstag von 8:30 bis 16:15 Uhr und Mittwoch und Freitag von 8:30 bis 13:15 Uhr. Insgesamte Fahrzeit pro Tag ist 3,5 Stunden. Die Zeit zwischen Berufsschule und Betrieb beträgt 1,75 Stunden.

Während irgendeiner Einführung bekam sie scheinbar gesagt, dass die Schulstunden als Arbeitsstunden verrechnet werden, heißt also 1 Schulstunde = 1 Arbeitsstunde. Würde in der Summe also 39 Stunden pro Woche machen. Ist das korrekt?

Da wir vorhin nämlich mal verschiedene Gesetzestexte durchgelesen hatten und da schien es uns so, als ob nur die tatsächlichen Stunden gezählt werden. Also Mo-Do wären das 7,75 Stunden, Fr dann 4,75 Stunden. In der Summe wären das also 35,75 Stunden. Fehlen würden also 4,25 Stunden pro Woche.

Ihr Arbeitsgeber hat scheinbar keine Ahnung von irgendwas, der meinte nur, sie müsse reinkommen, wenn sie eher Schluss hat. Wie viel sie allerdings nacharbeiten muss, wurde ihr nie gesagt. Anfangs ging sie davon aus, dass die 39 Stunden gelten und hat somit 2 Überstunden (weil es 2 Wochen sind) angesammelt (der Rest wurde ihr einfach gestrichen, aber das ist eine andere Geschichte).

Wenn allerdings das mit den 4,25 Stunden stimmen sollte fehlen ihr 2,25 Stunden diese Woche, die sie auch nicht mehr reinarbeiten kann - und auch sonst nicht im Übrigen da, wenn sie heim kommt, der Betrieb bereits geschlossen ist — außer Mittwochs. Da käme sie nach 1,75 Stunden Fahrt zum Betrieb um 15 Uhr dort an und müsste bis 17 Uhr arbeiten.

Allerdings haben wir auch was gelesen, dass sie nur reinkommen muss, wenn die Fahrtstrecke für sie "zumutbar" ist. Was versteht man denn unter zumutbar? Wie läuft das denn nun mit den fehlenden Stunden während der Berufschulzeit? Mit einem Beratungslehrer hat sie bereits einen Termin, der allerdings erst in zwei Wochen ist. Ihr "Ausbilder" (der noch keiner ist, deswegen die Anführungszeichen) hat keine Ahnung. Weiß jemand Bescheid?

Antwort
von lenzing42, 16

Hier findest du Informationen zu dem Thema:

Volljährige müssen laut §15 Berufsbildungsgesetz für den
Berufsschulunterricht freigestellt werden. Die Anrechnung der
Berufsschulzeiten wurde durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts
geregelt. Dieses Urteil findet im Arbeitsrecht Anwendung. Bei der
Anrechnung der Berufsschulzeiten gilt laut Urteil folgendes:
Die
gesamte Zeit in der Berufsschule, von Unterrichtsbeginn bis
Unterrichtende (auch Pausen, Freistunden usw.) werden auf die
Arbeitszeit angerechnet, allerdings nur dann, wenn der Unterricht sich
mit den üblichen Arbeitszeiten im Betrieb überschneidet. Findet der
Unterricht ganz oder teilweise zu Zeiten statt, in denen der Volljährige
nicht im Betrieb arbeitet, muss keine Anrechnung erfolgen!
Wenn der
Volljährige vor oder nach der Berufschule im Betrieb arbeitet, wird ihm
auch die Wegzeit von oder zur Berufsschule auf die Arbeitszeit
angerechnet.
Der Volljährige Azubi muss an einem Berufsschultag aber
nur dann noch im Betrieb arbeiten, wenn nach der Anrechnung noch
genügend Ausbildungszeit im Betrieb übrig bleibt, in der sinnvoll
Ausbildung statt finden kann, also zum Beispiel mindestens 30 Minuten.

(Quelle:www.azubi-azubine.de)

Außerdem empfiehlt es sich, mit dem Ausbildungsberater der für die Ausbildung deiner Freundin zuständigen Kammer zu sprechen, der kann die Frage auch bestimmt genau beantworten.

Die Adresse der zuständigen Kammer findet sich im Stempel auf der Rückseite des Ausbildungsvertrages.

Und deine Freundin soll dort ausdrücklich nach dem Ausbildungsberater fragen,denn der ist dort der einzige, der sich um die Belange der Azubis kümmert.

Antwort
von Minilexikon, 24

Die Fahrt- und Nachbereitungszeit (Hausaufgaben, Lernen für Arbeiten, etc.) zählen mit zur Arbeitszeit.

Sie hat Überstunden oder Stunden zu wenig? Die muss sie nur nachholen, wenn der Betrieb das explizit verlangt.

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