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Benutzt ihr den Begriff <Exzentrik> negativ konnotiert ?

Frage von lichtschatten lichtschatten

Von Seminaren oder literarischen Interpretationen bin ich es gewohnt, den Begriff neutral, wenn nicht gar positiv konnotiert zu verwenden: Der Exzentriker als ein dermaßen individuell empfindender und handelnder Mensch, der von Angepasstheit abweicht und eigene Pfade in der Masse sucht.

Wissenschaftliche Untersuchungen um den Begriff definieren den Exzentriker als einen intelligenten Menschen, der unterschiedlichsten Steckenpferden nachgeht, ohne Konkurrenzdruck oder um Anerkennung heischend eigene Idee kreiert, stark intrinsisch durch Neugier motiviert, idealistisch und kreativ wirkt. Selbstverständlich begleiten diese positiven (?) Eigenschaften auch einen Hauch an Eigensinnigkeit.

In alltäglichen Gesprächen mit Freunden oder Bekannten beobachte ich allerdings, dass der Ausdruck automatisch negativ konnotiert wird. Eine Nachbarin von mir erzählte mir mit heftig verächtlichem Blick von einem Untermieter und beschrieb ihn "So ein Exzentriker halt, sehr eigenbrötlerisch." - Die Bemerkung ließ mich neugierig zurück - wie würdet ihr sie interpretieren ? Wie benutzt ihr den Begriff "Exzentriker" ?

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Antworten (23)

  • 6
    Hilfreichste Antwort ausgezeichnet vom Fragesteller
    Antwort von veritas55 veritas55

    Wie ich Menschen ansehe hängt immer von der einzelnen Person ab, aber "die Norm" war mir schon immer irgendwie suspekt, "das tut man nicht" hat mich noch nie überzeugt ;) und so erschienen mir Exzentriker immer schon interessanter und attraktiver als angepasste Durchschnittstypen..

    Erst viel später ist mir dann aufgefallen, dass auch stille Wasser sehr tief sein können :). Auf jeden Fall ist der Begriff Exzentriker für mich positiv besetzt solange kein Egozentriker dahintersteckt.

    So liegt es auch nahe, dass ich bei dem Test, den ich gerade anläßlich dieser Frage gemacht habe nur zwei Fragen mit nein beantworten konnte ;))):

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/020921.html

    Kommentar von Beutelkind BeutelkindBeutelkind

    Cooler Link! grins ...Ich auch :)

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Sowas "Schönes" hab´ich heute abend gar nicht mehr erwartet an Antworten auf diese Frage - abgesehen von Deiner mir besonders zusagenden Ansicht ist der Literaturtipp einfach großartig. Reichlich geistige Nahrung für die nächste Woche - hab´herzlichen Dank !

    Kommentar von veritas55 veritas55veritas55

    Danke sehr für den Stern :)

  • 11
    Antwort von MaNic22 MaNic22

    Wenn man ihn so passend wie du definiert, dann ist der Begriff Exzentriker im Alltagsgebrauch natürlich negativ behaftet, weil Alltagsgebrauch nämlich die Sprache der unüberlegten Aussprüche der Mehrheit bedeutet. Sie sind die Mitläufer, die sich des eigenständigen Denkens nicht bemächtigen müssen, weil dies andere für sie tun, und insofern beäugeln sie die abweichenden Individuen weniger fasziniert, als abwertend. Nur jemand, der die Massenkultur als diese traurig erkennt und sich von ihr abhebt, kann verstehen, was dem Exzentriker an seinem Dasein liegt und wieso er es gegen kein Premiere-Paket oder schnelles Auto eintauschen würde - der, der diesen Menschen versteht und das positive in ihm erkennt, muss selbst schon etwas von diesem Lebensstil in sich tragen... er muss selbst ein wenig exzentrisch sein!

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Gute Reflexion, sehr hilfreiche Antwort für mich.

    Kommentar von cuckoo cuckoocuckoo

    Ui....harte Worte. Die Mehrheit, von der du dich ausnimmst, als Mitläufer ohne eigenständiges Denken?

    Klingt vllt ein klitzekleines bisschen elitär ;))

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Hmm, klingt einerseits geistig "arrogant", allerdings überzeugt mich die Beobachtung und in diesem Fall scheint tatsächlich jemand eigen zu denken.

    Kommentar von Acidloeschblatt AcidloeschblattAcidloeschblatt

    Sehr gut. Aber wer weiß schon; wenn er sich von der Masse abhebt, nicht in eine neue Masse hochsteigt? Egal wo wir stehen, und danach streben und glauben allein zu sein, ist es doch so, dass wir nie der Masse entfiehen können?!

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    MaNic22 sprach von "Mehrheit", nicht von "Masse" - und da behält er Recht.

    Kommentar von Acidloeschblatt AcidloeschblattAcidloeschblatt

    Och, verdammt. Dann nehm ich das zurück..

    Kommentar von MaNic22 MaNic22MaNic22

    Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon und in meiner Frage zur Extremen Nonkonformität wurden hierzu interessante Ansichten geäußert.

    http://www.gutefrage.net/frage/extreme-nonkonformitaet-

    Ich persönlich habe kein Problem damit, arrogant oder elitär zu wirken, da dies ja ausdrücken soll, wie sehr ich mich von der Mehrheit, die ja der Massenkulturindustrie hinterher eifert, unterschieden fühle - und solange dies der Wahrheit entspricht, muss man auch kein "heuchlerisch" anfügen. Ich schäme mich nicht dafür, anders zu sein - wieso sollte ich diesen Unterschied dann nicht offen zugeben.

  • 5
    RatgeberHelden Antwort von Albrecht Albrecht

    Ich verwende den Begriff nicht häufig und dann eher das Adjektiv „exzentrisch“. Ich verbinde damit damit kein feststehendes Urteil, das lobt oder tadelt bzw. als gut oder schlecht bewertet. Exzentrik als solche ist in meinem Sprachgebrauch also weder negativ noch positiv konnotiert.

    Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michaelsen. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2005, S. 214 gibt an:
    exzentrisch, griechisch/lateinisch, „außerhalb des Mittelpunktes liegend“, in der Alltagssprache auch als psychisches Merkmal: überspannt, verschrobene, soviel wie: dezentriert; in der philosophischen Anthropologie nennt man exzentrisch diejenige Position, die der Mensch (nach Hellmuth Plessner, Philosophische Anthropologie) in seinem gesamten Wesen (einschließlich Körper, Geist, Bewußtsein) im Verhältnis zu seiner Umwelt einnimmt.

    Duden - das Bedeutungswörterbuch : Etymologie der deutschen Sprache. Herausgegeben von der Dudenredaktion auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. 4., neu bearbeitete Auflage. Herausgegeben vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion. Mannheim ; Leipzig ; Wien ; Zürich : Dudenverlag, 2010 (Der Duden ; Band 10), S. 359 zu exzentrisch: auf übertriebene, überspannte Weise ungewöhnlich, im Auftreten und Verhalten stark vom Üblichen abweichend.

    Duden : das große Wörterbuch der deutschen Sprache; in zehn Bänden. Herausgegeben vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion. Band 3: Einl – Geld. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim ; Leipzig ; Wien ; Zürich : Dudenverlag , 1999, S. 1145 gibt an:
    Exzentrik:

    1) (bildungssprachlich) exzentrisches, überspanntes Benehmen

    2) mit stark übertriebener Komik dargebotene Artistik

    Exzentriker:

    1) (bildungssprachlich) exzentrischer, überspannter Mensch

    2) Artist in der Rolle des Clowns

    exzentrisch (neulateinische Bildung zu spätlateinisch eccentros, griechisch ékkentros, zu ek = (her)aus und kéntron = Zentrum):

    1) (Mathematik, Astronomie) [mit dem eigenen Zentrum] außerhalb des Kreiszentrums bzw. Drehpunktes liegend

    2) (bildungssprachlich) auf überspannte, übertriebene Weise ungewöhnlich, vom Üblichen abweichend

    Die erwähnte Bemerkung verwendet den Begriff in einer alltagssprachlichen Bedeutung, die sich in allgemeinen Wörterbüchern stark niedergeschlagen hat. Synonyme für exzentrisch sind ausgefallen, überspannt, extravagant. Exzentriker werden zum Teil als Spinner (etwas Verrückte) dargestellt. Wenn Exzentriker als Sonderlinge und eigensinnige Personen verstanden werden, ist eine Kennzeichnung als eigenbrötlerisch nicht fern. Die Verachtung bedeutet wohl, den Menschen als jemand zu sehen, sozial wenig umgänglich ist (sich absondert), sich mit einer geringen Anpassungsbereitschaft nicht gut in eine Gemeinschaft einfügt. Das unangepasste Verhalten wird vermutlich als Launenhaftigkeit ohne auf einer Sache bezogene Begründung beurteilt.

    Ein Exzentriker kann z. B. als wunderlicher Kauz, als bunter Vogel, als jemand mit einem Spleen gesehen werden. Der Begriff Exzentriker wird mit allem gefüllt, was stark von dem, was als normal gilt, abweicht.

    Kommentar von Albrecht AlbrechtAlbrecht

    Felicitas Dörr-Backes, Exzentriker : die Narren der Moderne. Würzburg : Königshausen & Neumann, 2003, S. 9:
    „Auf jeden Fall sind Exzentriker anders als die große Masse und ihr Sammelname kennzeichnet diese Tatsache. Das Wort „Exzentrik“ wurde ursprünglich vom lateinisch „ex centro“ abgleitet, was lediglich heißt, daß sich etwas abseits eines Mittelpunktes befindet […].“

    S. 10: „Heute wird das Wort vor allem im sozialen Bereich verwendet, um Menschen zu klassifizieren, die sich abseits eines mehr oder weniger klar definierten gesellschaftlichen Zentrums befinden. Die Definition von Exzentrik und die Definition gesellschaftlicher Normalität beeinflussen sich wechselseitig. Sowohl historisch wie kulturell lassen sich daher unterschiedliche Auffassungen über Exzentrik finden.“

    S. 31: „In Abhängigkeit davon, welchen sozialen Kreis wir als temporäre Mitte unseres Daseins definieren, erfahren wir uns als moderne Menschen entweder als Personen von zentraler Bedeutung oder als Randexistenzen, deren Bedeutung als sozial marginal zu bewerten ist. Exzentriker beherrschen diesen Positionswechsel hervorragend. Deshalb verstehen sie es in einer sich immer schneller wandelnden Kultur eine Art positives und stabiles Selbstbewusstsein herauszubilden. Sie beherrschen die Kunst der Balance zwischen Anpassung und Abgrenzung nahezu perfekt. Dadurch geraten sie niemals ganz aus dem Blickfeld gesellschaftlicher Interessengruppen, entziehen sich aber gleichzeitig einer Vereinnahmung durch diese. Sie können so ein hohes Maß an persönlicher Freiheit gewinnen und auf der kollektiven Ebene den Traum vom autonomen Individuum am Leben erhalten. Vielleicht lässt sich dadurch die ambivalente Haltung zwischen Exzentrikern und dem Rest der jeweiligen Kultur erklären. Einerseits werden Exzentriker als Wissenschaftler und Künstler hoch geschätzt. Sie entwerfen immer neue Sinnangebote, die andere Kulturmitglieder bei ihrer Identitätssuche nutzen können. Insofern fördern sie sowohl kollektiven Fortschritt als auch kulturelle Integration. Und sie leben beispielhaft neue Existenzformen abseits ausgetretener kultureller Pfade. Weil dies aber anscheinend ihre praktische Lebenstüchtigkeit vermindert, werden sie andererseits auch mitleidig belächelt. Sie bleiben immer ein wenig außerhalb der Niederungen alltäglicher Lebensbewältigung – auch wenn ihr Vorbild dort für andere letztlich kulturelle Wirksamkeit entfaltet. Dadurch gleichen sie den von Beck angesprochenen Artisten auf dem Seil. Sie stehen über den Dingen und halten andere mit ihren Tun in Bann.“

    Einige der im Beschreibungstext der Frage angegebenen Beschreibungen definieren meines Erachtens den Exzentriker nicht, sondern geben Eigenschaften an, die nach der Einschätzung der Untersuchungen oft bei exzentrischen Menschen vorkommen.

    Die Motive exzentrischen Verhaltens können vielfältig sein. Denkbar sind z. B. ein stark ausgeprägter Individualismus, eine Wertschätzung der eigenen Autonomie, verbunden mit sehr eigenständigem Denken und unbeirrter Ausrichtung danach, Nonkonformismus, Neigung zur Selbstinszenierung, Vorliebe für das Seltsame, Ausgefallene, Groteske, Burleske, Hang zur Übertreibung/Überdrehtheit.

    Der Begriff Exzentrik steht in einem Bezug zu seinem Gegenpol, den Begriff der Normalität/des Üblichen/Gewöhnlichen. Der gemeinsame Nenner ist dabei die Andersheit/Abweichung.

    Weder das, was von irgendjemand als Norm aufgestellt wird, noch das, was die meisten tun, bzw. das, was Durchschnitt ist, kann in grundsätzlicher Allgemeinheit berechtigt als positiv oder negativ beurteilt werden. Das Gleiche gilt entsprechend für das, was davon abweicht/anders ist. Inhaltlich ist weder „Normalität“ noch „Exzentrik“ etwas, das stets Zustimmung oder Ablehnung verdient.

  • 5
    Antwort von MojitoTom MojitoTom

    Nein, ich benutze diesen Begriff nicht negativ konnotiert. Exzentriker nehmen sicher eine etwas andere Rolle in der Gesellschaft ein, weichen von der Norm ab.

    Nur was ist die Norm, wer legt diese fest? Lieschen Müller, die jeden Tag einen geregelten Ablauf hat und deren Leben nur vor Langeweile strotzt? Ist es Hermann Sauerbier, der sich jeden Morgen seinen Seitenscheitel mit Brisk zurechtkämmt und pünktlich um 7 Uhr die Stempeluhr beim Finanzamt betätigt?

    Ich kenne einige Menschen, die in unterschiedlicher Ausprägung exzentrisch sind. Sie wirken jeder auf seine Weise interessant, manchmal unnahbar. Das dürfte also eher das Problem der Gesellschaft, von Frau Müller und Herrn Sauerbier sein. Sie finden keinen Zugang zu Exzentrikern.

    Dabei kann man sicher durchaus etwas von diesen "sonderbaren" Menschen lernen. Sie bieten einem eine andere Sichtweise auf die Dinge des Lebens. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Exzentriker kreativ, individuell und künstlerisch begabt sind. Sie bieten dadurch interessanten Gesprächsstoff. Sie haben eine andere Meinung zu Politik, Religion, Wissenschaft, dem Alltag, dem Berufsleben.

    Aufpassen muss man höchstens auf die Exzentriker, die von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, in sich zurück gekehrt leben und keine Kontakte suchen. Ich kann mir daher auch gut vorstellen, dass Exzentrik und Depression nahe beieinander liegen.

  • 5
    Antwort von rolfmengert rolfmengert

    Der Exzentriker fällt nach meinem Dafürhalten schon deutlich aus der Norm heraus. Dabei kann man ihn auch nicht zu den Trendsettern rechnen, die Moden in Bezug auf gesellschaftspolitische Themen und Einstellungen mit gestalten. Es gibt ja immer wieder Menschen, die ein Gespür haben, wohin Entwicklungen gehen werden, so z.B. verstärktes leistungsorientiertes Verhalten oder gerade umgekehrt der Hang zur alternativen Lebensführung mit einer Verweigerungshaltung gegenüber allen Zwängen. Bei solchen Vorreitern von 'Bewegungen' und 'Strömungen' ist der Exzentriker nicht zu finden. Er liebt das Bizarre, das total Ausgefallene, das massiv Provokante und Schrille. Er kann sich auf einmal kleiden, dass sich 'die Leute an den Kopf greifen'. Plötzlich erscheint er mit sadistischen Tattoos oder ist völlig kahl rasiert und obendrein auf dem Kopf tätowiert. Er kommt mit einem Moosesbart, wenn glatt rasiert angesagt ist. Er zitiert Platon, wenn der Poststrukturalismus en vogue ist. -- Was steckt nun dahinter? Auffallen um jeden Preis? Wilder Protest gegen die repressive Pädagogik der Eltern? Nietzsche übertreffen wollen? Ein Laserpunkt im dumpfen Dämmerlicht des Einheitsbreis sein? Exaltiertheit als Lebensprinzip, weil man mit Genie nicht punkten kann? Einer Frau imponieren, die einen vor 15 Jahren mal als 'Spießer' oder 'etabliertes A'schloch' tituliert hat? Ich denke, dass alle genannten Optionen dafür ein Motiv abgeben könnten. Bilanz: Die Exzentriker sind die 'bunten Vögel' unserer Gesellschaft. Von ihnen geht keine Gefahr aus. Sie sind die 'Hingucker', an die man sich gerne erinnert. Und sie zeigen uns, was das Leben prinzipiell doch immer noch für abenteuerliche Optionen bietet, die eigentlich jedem offen stehen.

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Wie von Dir gewohnt: Immer reflektierte und sinntragende Antworten. Danke auch diesmal für Deine Mühe !

  • 4
    Antwort von mia68 mia68

    ...weder noch - das heißt: vielmehr (und: zu allererst) immer in Verbindung stehend mit jenem, um den es geht.

    Vom Wortursprung heißt "exzentrisch" ja zunächst nix weiter als "außerhalb der Mitte". Wo letztlich sich dieses "außerhalb" befindet, und ob das von mir und/oder anderen "negativ" oder "positiv" bewertet wird - dürfte auch völlig egal sein, am Ende.

    Manches, was ich als "angenehm exzentrisch" erachte, ist für jemand anders womöglich unerträglich und nervig. Und umgekehrt.

    Oder, noch anders: Was jemand anders als "exzentrisch" ansieht, mag für mich völlig "normal" (und durchaus noch "innerhalb der Mitte") sein. Wirklich nichts all dessen macht den jeweiligen Mensch "besser" oder "schlechter". Und ist somit (im Grunde genommen) auch nicht mehr als eine "Worthülse", dieser Begriff...

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Genau diesen Ansatz dachte ich mir auch - ex-zentrisch heißt außerhalb des Zentrums, was neutral wäre. Selbstverständlich ist Exzentrik - wie jeder andere Begriff auch - ein dynamischer, der sich an die Situation anpasst und von unterschiedlichen Menschen anders verstanden wird. Genau diese persönlichen Lexikoneinträge wollte ich herausfinden.

    Kommentar von mia68 mia68mia68

    ...q.e.d., sag´ich dann mal. ;-)

  • 4
    Antwort von cuckoo cuckoo

    Da ich Menschen eher selten und auch eher ungern kategorisiere, benutze ich ihn eigentlich gar nicht :)

    Die durchaus positiven Eigenschaften, die du genannt hast, werden glaub ich im allgemeinen Sprachgebrauch zwar nicht ausgeschlossen, stehen aber nicht im Vordergrund. Dort steht eher die fast unweigerliche Konsequenz aus diesen Eigenschaften, nämlich ein - um es vorsichtig auszudrücken - eher zurückhaltendes Sozialverhalten der betreffenden Person. Von einem Exzentriker "erwartet" man, dass er sich wenig um die Meinung anderer schert, eher kontaktarm und wenig kommunikativ ist. Deshalb erscheint der Begriff vermutlich eher negativ konnotiert.

    Meine höchst persönliche Sicht dieses "Problems", durch nichts belegt, sondern nur beobachtet und empfunden :)

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    O.K., Danke - kontaktarm sein - je nach Umwelt, kann aber doch auch für einen Menschen sprechen, der unterdrückt wird, in grauer Leere vergehen würde und von Kreativität bereichert "ausbricht". Nicht um Anerkennung und die Meinung anderer zu kämpfen ist doch eine durchaus eine neutrale Eigenschaft oder gar positiv oder ist eine Abhängigkeit von Anderen positiv ?

    Kommentar von cuckoo cuckoocuckoo

    Oh, da verstehst du mich nicht richtig, vllt hab ich mich auch schlampig ausgedrückt ;)

    Ich persönlich stelle das ohne Wertung einfach nur fest, denke aber, dass die Menschen, die den Begriff Exzentriker negativ konnotiert verwenden, in "Eigenbrötelei" eben nichts Positives sehen.

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Hab´mich wohl vertan - Du schreibst ja auch, dass Du es "beobachtest" - Deine Beobachtungen decken sich auch mit meinen.

  • 3
    Antwort von HektorPedo HektorPedo

    Ich verfasse jetzt mal eine Verteidigung für den offenbar vorherrschenden "Alltagsgebrauch" des Etiketts "Exzentriker", weil scheinbar alle die nicht-wertende, bewundernde oder lobende Auslegung unterstützen.

    Menschen, die jemand mit dem Wirt "Exzentriker" belegen, tun das häufig nicht in dessen Anwesenheit. Da es ihnen entweder an anderen ausgrenzenden und in diesem Fall durchaus wertenden Überschriften zu einer Person mangelt, wird sie in die - teils durchaus wohlwollend gewählte - Schublade "Paradiesvogel", Exzentriker oder Selbstdarsteller verbracht. Diese "volkstümliche" Anwendung des Begriffes beschränkt sich wohl zumeist auf Äußerlichkeiten, wie Körpergestaltung, Verhalten, Sprachgebrauch.

    Der Kritikpunkt an diesen Einzelwesen liegt oft in ihrem (z.T) unterstellten, permanenten und aufdringlichen Geltungsdrang, einer andere überstrahlende Wirkpräsenz, die unwillkürlich die Aufmerksamkeit anzieht, die stillere, grauere oder introvertiertere Menschen sich unbewußt (?) wünschen. Andere mögen dieses Mittel der Selbstdarstellung aus anderen Gründen für "illegitim" oder "stillos" halten.

    Ebenso mannigfaltig wie die Erscheinungsformen von 'Exzentrikern' sein kann, kann also auch die Motivlage der ablehnend oder skeptisch Bewertenden sein.

    Als einem Menschen, der "ohne Konkurrenzdruck oder um Anerkennung heischend eigene Idee kreiert, stark intrinsisch durch Neugier motiviert, idealistisch und kreativ wirkt", könnte man z.B. auch mich wahrnehmen - und trotzdem würde niemand (?) auf die Idee kommen, mich einen "Exzentriker" zu nennen.

    Kommentar von HektorPedo HektorPedoHektorPedo

    OMG habe ich da viele "Grammatikfehler" reingezaubert - reine Schludrigkeit - in meinem Kopf war das alles korrekt geordnet ...

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Ich sehe, über Exzentriker Lästernde findet man vorwiegend in Kneipen ;-) ... - kann zustimmen, dass das Wort im Alltag insbesondere Äußerlichkeiten von Menschen anspricht (ihr Kleidungsstil, besondere Attribute wie Hüte/ Fliegen/ auffallende Schuhe, Kostüme, ihr Lebensraum (der allerdings schon persönlicher wird)). Warum Du "Verhalten" in "Äußerlichkeiten" einordnest, verstehe ich in der Schnelle nicht - würde ich intuitiv schon zum Teil des Wesens eines Menschen rechnen. Interessant auch Deine Assoziation von Exzentrik und Extrovertiertheit - fast jeder hier geht bei Exzentrikern von Geltungsdrang und selbstbewusster Darstellung des Selbst nach Außen - Exzentriker könnten theoretisch ebenso gut introvertiert sein wollte ich annehmen.

    Dein letzter Abschnitt nährt mich mit neuen Gedanken und zeigt, dass meine Definition lücken- und skizzenhaft war - die entscheidende Komponente zum Exzentriker im allgemeinen Gedächtnis fehlte noch - oder Du bist ein Exzentriker im neutralen Wortsinn, wirst nur nicht so eingeordnet, da die meisten Menschen den Begriff eben anders als "abstrakt-neutral" verwenden. Sicherlich stehst Du außerhalb des Zentrums - sonst wäre die ganze Welt besonders.....

  • 3
    Antwort von gisi1958 gisi1958

    Ein Exzentriker weicht von der Mitte/ von dem Normalen ab.

    Daher wird der Begriff häufig in einem negativen Kontext (Abweichen von sozialen Normen) benutzt.

    Ich benutze den Begriff eher wie du neutral, achte aber darauf, dass das von meinen Gesprächspartner auch so verstanden wird.

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Danke für die flotte Antwort - von der Norm abweichen finde ich nicht negativ, zumal dies jeder tut - nur in unterschiedlicher Intensität. Die Mitte/ Norm ist ja ein Abstraktum, welches ausschließlich in Köpfen entsteht, niemand kann die Mitte repräsentieren.

    Kommentar von Dichterseele DichterseeleDichterseele

    Na, es kommt wohl darauf an, wie weit man von der Norm abweicht, mit welcher Absicht man das tut und wie sinnvoll die Norm ist...

  • 3
    Antwort von 397kg 397kg

    Ich sehe sowas eher positiv - im Sinne von "interessant".

    Nichts ist langweiliger als diese stromlinienförmigen RTL2-Gucker!

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    "Stromlinienförmig" - schönes Wort ;-).

  • 2
    Antwort von marai marai

    Exzentriker sind immer etwas überspannte, verschrobene, übertreibende Menschen. Wenn eine Frau aus Saudiarabien einen Hund sieht, schreit und davonläuft, ist das dumm und nicht exzentrisch. Wenn aber ein anerkannter Denker, Wissenschafter, Künstler Reißaus nimmt, wenn er in einen Raum gerät, wo geraucht wird, dann ist das exzentrisch. Eine Hautärztin hat im Spital einmal schreiend mein Zimmer verlassen, weil sie mich am Balkon draußen rauchen sah, dfie war hysterisch und nicht exzentrisch. Tatsache ist, wir konnotieren Exzentrik nur im Zusammenhang mit positiv anerkannten Persönlichkeiten als nicht störend, ja manchmal als äußerst lustig, manchmal jedoch als nervtötend. Aber ein intelligenter Exzentriker ist allemal besser als ein anödendes geistiges Nackerpatzl. LG

  • 2
    Antwort von goodboy21 goodboy21
      Exzentriktest entwickelt von Dr. David Weeks in über zehnjähriger Forschung auf dem Gebiet der Exzentrizität.
    

    Kreuzen Sie bei den nun folgenden 16 Fragen jeweils die für sie richtige Antwort mit ja oder nein an. " Weiß nicht" kennt der Exzentriker nicht.

    Sind Sie in ihrem täglichen Verhalten nicht konformistisch, das heißt, weicht Ihr Verhalten von dem der meisten Zeitgenossen ab?

    Sind Sie kreativ tätig?

    Werden Sie durch ihre Neugier stark beeinflusst und motiviert?

    Möchten Sie die Welt so verändern, dass sie ein besserer Ort wird und dass die Menschen in ihr glücklicher sein können?

    Sind Sie sehr von sich überzeugt und sagen auch gerade heraus, dass Ihre Meinung die richtige ist und leider der Rest der Welt hinter ihnen her hinkt ?

    Haben Sie ungewöhnliche Essgewohnheiten oder leben Sie in einer merkwürdigen wohnlichen Umgebung?

    Sind Sie sich seit der Kindheit bewußt, dass sie irgendwie anders sind als andere? Leben Sie allein?

    Waren Sie Einzelkind oder ältestes Kind?

    Sind Sie konkurrenz- und wettbewerbsorientiert und lässt Sie die Meinung anderer über das, was sie gerade tun, kalt?

    Sind Sie an materiellem Erfolg im Leben nicht interessiert?

    Sind Sie überdurchschnittlich intelligent?

    Haben Sie Probleme mit der Rechtschreibung?

    Haben Sie mehr als ein Steckenpferd oder eine Beschäftigung, der sie gerne viel Zeit und Energie einräumen?

    Sind Sie nicht sonderlich an der Meinung anderer über sich interessiert?

    Haben Sie eine manchmal böse Art von Humor?

    Können Sie die Fragen alle mit "ja" beantworten, wobei zwei "nein" durchaus erlaubt sind, sind Sie ein waschechter Exzentriker oder Exzentrikerin. Treffen alle Fragen bis auf vier auf Sie zu, sind Sie hart an der Grenze zum Exzentrischen. Dr. David Weeks: "Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, dass der Exzentriker phänomenal glücklich ist. Der Exzentriker, so haben wir heraus gefunden, ist gesünder als der Durchschnittsmensch und sieht meist jünger aus. Auch haben können wir annehmen, wenn wir historischen Fällen von vermuteter Exzentrik nachgingen, dass Exzentriker meist ein hohes Alter erreichten"

    Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/020921.html


    Das meisten davon konnte ich eindeutig für mich bejahen.

    Gestern noch schrieb in einem Forum für Exzentriker in einem Thread mit dem Thema " sind die verrückten normal oder die normalen verrückt???" folgenden Beitrag:

    Für mich sieht die Sachlage ganz klar aus. Die Normalen, oder vielleicht besser ausgedrückt; die "Angepassten", sind diejenigen, die man wohl oder übel mit guten Gewissen als verrückt bezeichnen kann. Wer sich dem tristen, monotonen und seelenlosen Zeitgeist unserer Gesellschaftsform hingeben kann, und stets darauf achtet, bloß nicht aus dem Rahmen zu fallen und allen anderen als Verrückt bezeichnen müssen, die das dann eben doch tun, sind eindeutig als verrückt einzustufen. Die die man hingegen nach dem Verständnis der Allgemeinheit für verrückt erklärt, sind in der Regel diejenigen, die die Weisheit verinnerlicht haben, dass die Erfahrungen im Leben das A und O bilden, da man nach diesem Dasein nichts mitnehmen wird...die Menschen existieren nicht nur einfach zum Gusten anderer, sondern sie leben ihr Leben! Und vegetieren nicht in einer banalen Existenz vor sich hin!

    Das wäre meine Sicht dazu.

    "Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - Die meisten Menschen existieren nur"

    -Oscar Wilde-

    -

    -

    Das Musikvideo unten zeigt vielleicht deutlicher, was ich denn genau damit meine...

    . . .

    Gruß

  • 2
    Antwort von Loris64 Loris64

    Ich bin mit obiger Definition nicht ganz einverstanden. Okay, kein Problem. Ich gebrauche den Namen vorerst neutral und erst im Zusammenhang dann jeweils positiv o d e r negativ.

    Eine Bemerkung: Oft ist ein Begriff wissenschaftlich definiert, ein Wort für eine höchstkomplizierte Angelegenheit. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er dann häufig falsch verstanden und falsch verwendet, meist ist es nur noch eine schlechte Vereinfachung.

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Natürlich, daher frage ich ja, wie ihr das Wort verwendet. Die wissenschaftliche Definition kenn´ich ja.

  • 2
    Antwort von FalkTauberle FalkTauberle

    Für mich ist der Begriff neutral.

  • 1
    Antwort von chiliheadz chiliheadz

    Für mich sind Exzentriker Menschen, die, in der Lage ein eigenes Weltbild und eigene Anschauungen zu Leben, eine Abweichung von der Norm darstellen und somit zu Erneuerung und Umdenken anregen können. Ein Exzentriker ist für mich immer ein "Künstler", ein "Wanderer" zwischen den Welten und Normen. Er hat ein eigenes Bewusstsein für sich und seinen Lebensweise/Philosophie gefunden und geht, egal ob geschmäht oder bewundert, seinem selbst gewähltem Weg nach. Chiliheadz.

  • 1
    Antwort von strandparty strandparty

    Eigentlich positiv besetzt. Dieser Mensch als ganzes betrachtet ist etwas Gutes für seine Umwelt (kreativ, intelligent, spontan, beharrlich, unbeirrbar), er hat aber auch einige nur schwer erträgliche Macken. Z.B. der abgebildete Salvator Dali hat mitunter sehr irritierende positive Äußerungen über den Faschismus und sogar über HitIer getätigt. Max Ernst (deutscher Jude) ging so sehr auf den Keks, dass er Dali grundsätzlich ignoriert hat.

  • 1
    Antwort von Odysseus247 Odysseus247

    Ich benutze den Begriff gar nicht. Das hat meistens einen euphemistischen Unterton.

  • 1
    Antwort von Dichterseele Dichterseele

    Ein Exzentriker will um jeden Preis auffallen - und das empfinde ich als negativ, weil dahinter ein kranker Geist steht, eine labile Seele.

    Ich würde einen Exzentriker als extremen Individualisten definieren - und Extreme fallen nunmal aus dem Rahmen...

    Es sind zwei paar Stiefel, ob man

    • wissenschaftlich - sachlich-neutral - mit einem Phänomen umgeht,

    oder wie man es

    • im Alltag und damit im gesellschaftlichen Kontext bewertet!
  • 1
    Antwort von Enki40 Enki40

    Nun, ich weiß nicht, ob ein Exzentriker ein intelligenter Mensch sein muss. Für mich kann jeder Depp ein Exzentriker sein. Letztlich ist auch der "einsame Wolf" aus Norwegen eine Exzentriker.

    Viele sogenannte Künstler geben sich exzentrisch nur um aufzufallen. Das hat weder etwas mit Intelligenz, noch mit Eigenart zu tun. Für mich bedeutet exzentrisch ganz einfach ein Extrem leben oder haben, also irgendetwas, was über das Normale hinausgeht und gegenüber Extrem schillernder ist. Ich bewerte es nach der Art der Exzentrik positiv oder negativ.

  • 1
    Antwort von eExistenz eExistenz

    Volkstümlich mehrheitlich abwertend, da verkürzt beschreibend eigentlich wertfrei. Was hat der große Salvador damit zu tun?

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Der ungezähmte Salvador Dali mit Haustier Ozelot ? Sicherlich einer der mutigen Exzentriker in einer Zeit, in der sich noch wenige zu ihrem Anders-Sein bekannten.

    Kommentar von eExistenz eExistenzeExistenz

    @lichtschatten_Inwiefern war jener wagemutig und/ oder anders?

  • 1
    Antwort von Mariekele Mariekele

    Exzentriker sind schon etwas überspannt und exaltiert, der Begriff ist für mich mehr negativ besetzt -.-

    Kommentar von HektorPedo HektorPedoHektorPedo

    Ob Exzentriker irgendetwas "sind", wird ja hier kontrovers erörtert ...

  • 1
    Antwort von bluff bluff

    Für mich ist "exzentrisch" negativ belastet. Das liegt aber nur daran, dass man das Wort im Alltag meistens in seiner negativen Bedeutung gebraucht, also als Synonym für schrullig, aufmerksamkeitshaschend oder für fehlenden Ernst.

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Ich verstehe, was Du meinst, allerdings sind gerade Exzentriker gerade in ihrem Tun - durchaus humorvoll oder schelmisch - besondern "ernst"; da ihnen definitionsgemäß die Meinung anderer gleichgültig ist, wäre es eine Unterstellung, ihnen Aufmerksamhascherei vorzuwerfen. Danke für Deine Stellungnahme.

  • 1
    Antwort von Goldfasan Goldfasan

    ja eher selten, wenn dann meist negativ, spöttisch meist

    Kommentar von lichtschatten lichtschattenlichtschatten

    Warum ? Findest Du von-der-Norm-Abweichen denn negativ ?

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