Benachteiligung von Christen in der DDR?

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9 Antworten

Ergänzend: In der DDR herrschte die sog. "Diktatur des Proletariats", d.h. die Alleinherrschaft des Staates. Strukturen, die nicht kontrollierbar waren, wurden deshalb nicht geduldet bzw. möglichst eingegrenzt (die Religionsfreiheit war lt. Verfassung auch in der DDR gewährleistet). Da die Kirche sich jedoch auf Unterstützung des Westens verlassen konnte, war dies in den Augen des Staates eine Gefahr - nicht ganz zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass unter dem Dach der Kirche Umweltverbände (die "Umweltbibliothek"), alternative Kunst (die Rockband Freygang) und letztlich auch die Protestbewegung agierten, die 1989 zum Sturz des Staates führten. LG metalfreak311

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Nach der Ideologie des Marxismus, also der Ideologie der DDR, ist Religion nur dazu da, dass Arbeiter*innen ihre Unterdrückung und Ausbeutung besser aushalten können und steht so dem Aufbau einer klassenlosen Gesellschaft entgegen.

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Hier eine Antwort, die der user ExFlottiLotti am 08.02.2011 einmal eingestellt hatte und auch meiner Meinung entspricht:
Viele, die auf solche Fragen antworten, kennen die DDR nur vom Hörensagen.


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"Dass Christen in der DDR unterdrückt wurden, kann man so pauschalnicht stehen lassen. Die Religionsfreiheit war in der Verfassung der DDR garantiert. Dass die vorherrschende Weltanschauung atheistisch war und dass an den staatlichen Schulen kein Religionsunterricht erteilt wurde, kann man wohl kaum als Unterdrückung bezeichnen. Empfindlich reagierte der Staat nur, wenn Christen offen in Opposition gingen. Dann erfolgten Repressalien, aber wegen der Opposition und nicht wegen des Glaubens. Daran ändert sich auch nichts, wenn Mitglieder bestimmter christlicher Gemeinden einem gewissen Generalverdacht ausgesetzt waren.

Viele im Westen glauben, dass Christen in der DDR kein Abitur machen
durften und auch nicht studieren durften. Das ist natürlich Unsinn.
Richtig ist, dass begrenzte Ressourcen wie Plätze auf der EOS oder
Studienplätze nach Kriterien vergeben wurden, bei denen die schulischen
Leistungen nicht immer (aber meistens) die entscheidende Rolle spielten.
Der christliche Glaube oder die Zugehörigkeit zu einer anderen Religion
ist per se kein Ausschlussgrund für Abitur oder Studium gewesen. Und so
konnten auch sehr viele Christen in der DDR studieren. Das wird dir
unsere Bundeskanzlerin bestätigen.

Die teilweise Bevorzugung von Kindern aus atheistischen und
Nichtakademikerfamilien ist insofern sogar nachvollziehbar, als es auch
darum ging, das bürgerliche Bildungsmonopol zu brechen und Arbeiter- und
Bauernkindern ein Studium zu ermöglichen. Etwas, was übrigens der
heutigen Bundesrepublik von allen Industrienationen am schlechtesten
gelingt. Wie weit das der DDR wirklich gelungen ist, will ich nicht
beurteilen, besser als der Bundesrepublik aber gelang es ihr auf jeden
Fall. Ohne belastbare Zahlen zu haben, behaupte ich aber auch, basierend
auf meinen eigenen Erfahrungen, dass die Zahl der Abiturienten aus
Akademikerfamilien gegenüber denen aus Arbeiterfamilien trotzdem
deutlich größer war.

Für jeden, dem ein Platz auf der EOS oder die gewünschte
Studienrichtung versagt blieb, obwohl die entsprechenden Leistungen
vorhanden waren, war das natürlich eine große Ungerechtigkeit. Und es
gab viele von diesen Ungerechtigkeiten. Die damit einhergehenden
größeren Chancen von Arbeiter- und Bauernkindern werden da nur ein
schwacher Trost gewesen sein.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich auch, dass der Staat nicht daran
dachte, vermeintlichen oder tatsächlichen Gegnern, auch noch auf seine
Kosten, eine erstklassige Ausbildung angedeihen zu lassen. Wie viele von
denen, die kein Abitur machen oder nicht studieren konnten, dadurch
erst zu Gegnern wurden, ist ein anderes Thema."




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Papier ist gedultig den die Freiheit eine Relligion auszuüben war nicht verboten.Nur Relligionunterricht hatte an DDR Schulen nichts verloren was ich nur unterstützen kann. Nach der Schule konnte man auch Relligionsunterricht haben.Der Marxismus-Leninismus in der DDR ,ideologisch gesehen bezeichnete Kirche als Opium fürs Volk.Benachteilgt wurde beim Vergabe eines Studiumplatzes allgemein Personen mit "Nichtgefestigter Marxistisch-Leninistischer Weltanschaung."Dazu gehörten Personen mit relligöser Weltanschauung.. oder solche welche der FDJ fernblieben.

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Der Staat hatte die marxistisch-leninistische Weltanschauung propagiert, wonach Religion "Opium fürs Volk" ist. Da passten gläubige Christen natürlich nicht ins Bild.

Meine Eltern haben das Kesseltreiben gegen die "junge Gemeinde" in den fünfziger Jahren miterlebt, als man junge Christen scharenweise aus der FDJ warf. Im Statut der FDJ  stand die Verpflichtung, an der Verbreitung des Marxismus-Leninismus mitzuwirken, und diese Lehre widersprach einer religiösen Überzeugung. Das machte man ihnen damals zum Vorwurf und verlangte von ihnen, sich von der Kirche loszusagen. Taten sie es nicht, flogen sie aus der FDJ und konnten Studium und Karriere vergessen.

Später sah man das nicht mehr so eng und benachteiligte vor allem jene, die nicht in die FDJ eintraten bzw. nicht zur Jugendweihe gingen oder beides. Wobei es durchaus "Tauwetterperioden" gab. Meine Schwester hat es auch ohne FDJ und Jugendweihe auf die EOS geschafft (allerdings erst nach Intervention meiner Mutter - zuvor war sie trotz Einserzeugnisses abgelehnt worden). Nur herrschte damals nicht mehr eine solche Pogromstimmung wie einige Jahre zuvor, wo man ein Mädchen kurz vor dem Abitur von der Schule warf, weil sie auf einen Notizzettel bei der Klassenarbeit ein Kreuz gezeichnet hatte.

Wenn man dann aber später einen Job hatte und diesen nicht gerade bei der Armee oder im Ministerium ausüben wollte, fragte niemand mehr nach Kirchenzugehörigkeit.

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Kommentar von 666Phoenix
07.09.2016, 13:15

claud, ich könnte Dir (da ich über sehr viel Insiderwissen verfüge) noch viel mehr "Räubergeschichten" erzählen.

Dito zu diesem Land hier, dito zu Russland, China, zum Vatikan usw.

Daraus die Antwort abzuleiten, die Christen wurden generell und prinzipiell in der DDR benachteiligt, ist einfach dümmliche Hetze und Siegerpropaganda!

Religionen hatten eben in der damaligen Zeit in der DDR nichts zu suchen, sie haben dort noch mehr Blödsinn angestellt als sie es heutzutage tun (sie haben es jedenfalls versucht)! FDJ und Religion passten eben nicht zusammen. Heute werden Beamte auch bei politischer Unzuverlässigkeit ihres Amtes enthoben, verwarnt, gemaßregelt.

wo man ein Mädchen kurz vor dem Abitur von der Schule warf, weil sie auf einen Notizzettel bei der Klassenarbeit ein Kreuz gezeichnet hatte.

Ja und? Mal Du mal heute bei einer Klassenarbeit irgendwo ein Hakenkreuz hin!

Es ging immer und überall auch anders: mein Vater als kleiner Provinz-Parteisekretär bspw. hatte einen sehr guten und offenen Kontakt zum örtlichen katholischen Pfarrer. Beide haben sich geachtet und respektiert. 

Wenn jemand nicht studieren durfte, dann nicht wegen seiner Religionszugehörigkeit (das gab es natürlich auch, weil es auch in der DDR dämliche Bürokraten und übereifrige A...kriecher gab), sondern entweder wegen Blödheit oder wegen politischer Unzuverlässigkeit - warum sollte jemand auf Staatskosten studieren, wenn er dann seine erworbenen Kenntnisse vlt. der "anderen" Seite zur Verfügung stellen wollte?

Wenn man dann aber später einen Job hatte und diesen nicht gerade bei der Armee oder im Ministerium ausüben wollte, fragte niemand mehr nach Kirchenzugehörigkeit.

Äh? Schau an! Das habe ich aber von anderen Hetzern, Hasspredigern und angeblichen "DDR"-Kennern" auch schon anders hier gelesen! Das belegt, dass das meiste davon dumme Erfindungen und unredlich verallgemeinerte Einzelbeispiele sind!

Im Übrigen: aus welcher "marxistisch-leninistischen Weltanschauung" hast Du das mit dem "Opium fürs Volk"?

Wieder nur Halb- und Unwissen!

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Hat weniger mit dem Kommunismus zu tun, sondern mit den Machtverhälnissen in der DDR. Die SED wollte nicht akzeptieren, daß es außer ihr und den von ihr kontrollierten Organisationen noch andere Strukturen gab, die andere Ziele als die der SED verfolgten.

Es ging einfach um Machterhalt und Machtgewinnung.

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Ganz einfach ist, dass es weltweit keinen Kommunismus gibt noch jemals gab. Ich schlage daher vor, du überdenkst deine Frage noch einmal.

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Kommentar von gerolsteiner06
01.06.2016, 17:15

Das ist eine super-Antwort für jemanden, der selbst sagt, daß er sich mit diesen Begriffen nicht auskennt.

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Kommentar von danhof
02.06.2016, 08:09

Es war doch aber wohl klar, was gemeint war. Sozialismus, Kommunismus, eh alles eine Soße...

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Vielen Dank für den Stern! LG metalfreak311

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