Frage von Omar19, 68

Bekommt man, die für die Erstausbildung / Studium im 1.Semester ausgegebenen Kosten komplett zurück?

Guten Tag,

ich bin 19 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur gemacht, woraufhin ich 3 Monate einer geringfügigen Beschäftigung nachgegangen bin. Nun hat das erste Semester begonnen und es sind in wenigen Wochen schon eine Menge Kosten für Arbeitsmittel, Fahrtkosten, etc. entstanden, die ich in meiner kommenden Steuererklärung als Sonderausgaben angeben möchte.

Meine Frage wäre nun, ob man die Sonderausgaben eigentlich zurückbekommt oder ob man überhaupt etwas zurückbekommt, wenn man alle Belege hat und die entstandenen Kosten nachweisen kann. Ich bekomm die gezahlten Steuern der geringfügigen Beschäftigung zurück, aber ob das mit den Sonderausgaben genau so ist, weiß ich noch nicht.

Ich hoffe, dass einer mir behilflich sein kann und bedanke mich im Voraus.

Mfg

Antwort
von kevin1905, 32

Nun hat das erste Semester begonnen und es sind in wenigen Wochen schon
eine Menge Kosten für Arbeitsmittel, Fahrtkosten, etc. entstanden, die
ich in meiner kommenden Steuererklärung als Sonderausgaben angeben
möchte.

Vorweg: Wer keine Steuern zahlt, kann keine erstattet bekommen!

Warum Sonderausgaben? Setze die bitte als vorweggenommene Werbungskosten an (Anlage N).

Sonderausgaben sind nicht vortragsfähig. Ohne Einkommen im gleichen ja ihrer Entstehung verpuffen diese also im nichts.

Werbungskosten können einen Verlustvortrag entstehen lassen der in spätere Jahre vorgetragen wird und in Zukunft mit positiven Einkünften verrechnet würde.

Kleines Problem bei der Sache: In § 9 Abs. 6 EStG steht, dass bei einem Erststudium angefallene Kosten, keine Werbungskosten sondern eben nur Sonderausgaben seien.

Dies hält der Bundesfinanzhof für grundgesetzwidrig und hat das Verfahren (jemand hatte dagegen geklagt) ausgestzt und dem BVerfG vorgelegt (2 BvL 24/14). Wahrscheinlich wird das BVerfG dieser Auffassung folgen und der Absatz fliegt raus.

Beim Steuerbescheid würden die Kosten nicht als WBK anerkannt werden. Dagegen legst du fristwahrend Einspruch ein, beantragst Aussetzung des Verfahrens und verweist auf o.g. Aktenzeichen.

Kommentar von Omar19 ,

Danke für die Antwort. Genau das mit den Werbungskosten und der Klage habe ich auch gelesen und wollte die Kosten deswegen als Sonderausgaben angeben. Dass ich dieses Jahr für drei Monate Steuern gezahlt habe, habe ich vergessen zu erwähnen.

Kommentar von kevin1905 ,

Genau deshalb sollst du die Kosten NICHT als Sonderausgaben angeben....

Kommentar von Omar19 ,

Ja womöglich hast du recht. Nur könnte das noch ein Weilchen dauern, bis ein Urteil fällt.

Kommentar von kevin1905 ,

Ja und?

Antwort
von Petz1900, 48

Man bekommt vom Finanzamt höchstens die gezahlten Steuern zurück, sonst nix.
Und das nur mit dem Grenzsteuersatz, wenn man den Grundfreibetrag erst einmal überschritten hat.

So  ist das nun mal......

Und überhaupt vermindern Ausgaben nur das zu versteuernde Einkommen.

Kommentar von Omar19 ,

Mir wurde mitgeteilt, dass ich alles, was ich für meine Ausbildung gezahlt habe auch zurückbekomme, deswegen wollte ich nur mal nachfragen.

Antwort
von dieLuka, 42

Hast du in deiner geringfügigen Beschäftigung steuern gezahlt?

Du kannst grundsätzlich nicht mehr zurück bekommen als du an Steuern bezahlt hast, Bei 3 Monaten vermutlich sowieso alles da unter dem Grundfreibetrag für das Jahr von 8652€.


Kommentar von Omar19 ,

Steuern habe ich gezahlt, bekomme Sie jedoch mit der nächsten Steuererklärung zurück, wurde mir gesagt. Danke

Antwort
von mausespitz, 26

Hallo Omar19, also erstmal bekommst Du die Ausgaben für das Studium nicht zurück, sondern nur die zuviel gezahlten Steuern (dies auch nur bis Null). Jetzt habe ich ein Problem bei Dir, Du schreibst zwar das Du das Abitur hast, aber ob Du schon eine Berufsausbildung gemacht hast nicht.

So gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Du hast nur Abitur, dann ist dein Studium eine Erstausbildung und kann nur als Sonderausgaben bis 4000,-- € geltend gemacht werden. D.h. das Du zwar alle Belege sammeln und auflisten mußt, aber nur bis zu 4000,-- werden in Abzug gebracht.
  2. Du hast eine Lehre absolviert, dann ist dein Studium eine Fortbildung und als Werbungskosten zu werten. Dort kannst du alle Kosten die du für dieses Studium aufwendest, z.B. Lehrmatrial, Fahrkostenpauschale, Bücher, Schreibmaterial usw. auflisten und geltend machen. (Aber nur wenn du Belege hast).

Ob es sich für Dich lohn, kann ich ohne andere Unterlagen nicht sagen, so mußt Du selbst entscheiden was für Dich zutrifft. Solltest Du noch Fragen haben melde Dich.

Noch eins solltest Du keine Steuern gezahlt haben, so kann man Verlustvortrag beantragen. Dazu mußt Du erst eine Erklärung abgeben und das Finanzamt teilt Dir mit wie hoch der Verlust ist den Du im Folgejahr oder das darauf folgende Jahr wenn Du dann Steuern zahlst geltend machen kannst.

Kommentar von Omar19 ,

Danke für deine Antwort :D

Eine Berufsausbildung habe ich bis jetzt noch nicht, somit gilt 1. befürchte ich. Dann bringt mir das wohl nichts.

Verlustvortrag wäre dann ja auch nicht möglich bei mir :/

Wäre es möglich die Kosten über die Steuererklärung eines Elternteils geltend zu machen?

Kommentar von mausespitz ,

ja möglich ist es, aber nur die Studiengebühren und die Schreibmaterialien wenn die Eltern für Dich noch Kindergeld bekommen.

Wenn nicht als Anlage Unterhalt die gesamten Kosten des Studiums, sogar die KV und PV.

Kommentar von kevin1905 ,

Verlustvortrag wäre dann ja auch nicht möglich bei mir :/

Ich hab dir gesagt, wie du an einen kommst.

Wäre es möglich die Kosten über die Steuererklärung eines Elternteils geltend zu machen?

Wenn die Eltern kosten hatten ggf., ansonsten NICHT (§ 33a EStG)!

Kommentar von kevin1905 ,

Du hast nur Abitur, dann ist dein Studium eine Erstausbildung und kann nur als Sonderausgaben bis 4000,-- € geltend gemacht werden.

Es sind 6.000,- € und die vermutliche Verfassungswidrigkeit dieser Praxis (§ 9 Abs. 6 EStG) ist dir wohl nicht bekannt. Der Fall liegt in Karlsruhe.

Noch eins solltest Du keine Steuern gezahlt haben, so kann man Verlustvortrag beantragen.

Ein Verlustvortrag kann nur durch Werbungskosten oder Betriebsausgaben entstehen, Sonderausgaben sind nicht vortragsfähig.

Antwort
von petrapetra64, 5

da du nur 3 Monate gearbeitet hast, bekommst du, wenn du Steuern gezahlt hast (sicher nicht viel) diese eh zurück, das ist korrekt. Mehr als man bezahlt hat, kann man nicht zurück bekommen, daher bringt dir alles weitere nichts mehr. 

Man bekommt nur Steuern zurück, die man gezahlt hat, man bekommt keine Fahrkosten zurück, keine Umzugskosten und keine Sonderausgaben. Diese mindern lediglich die zu zahlenden Steuern, da man auf diese Unkosten keine Steuer zahlen muss. 

Daher gilt, nur wer was bezahlt hat, kann auch was zurück erhalten. (Steuern).

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