Frage von MrWatson84, 106

Bekomme mein Leben nicht in Griff?

Hallo zusammen,

Vielleicht kann mir jemand Rat geben? Ich bekomme mein Leben einfach nicht in den Griff. Ich bin 31 Jahre alt und lebe noch bei meinen Eltern.
Ich weiß nicht wie ich es erklären soll. Ich fühle mich nicht wie 31 Jahre, sondern eher jünger. Habe eine gute Ausbildung vor Jahren absolviert hatte einen gut bezahlten Job. Dann kam eine Phase wo ich psychisch krank wurde und ich war total überfordert und wollte nur noch weg von der Arbeit. Viele könnten das nicht verstehen das ich so etwas aufgeben könnte. Hatte eine Kur hinter mir, hat kurzzeitig Geholfen. Danach ständig Dinge begonnen und wieder abgebrochen. Zurzeit arbeite ich als zeitarveiter bei einer großen Firma, Bezahlung ist gut, kann mich nicht beklagen. Allerdings bin ich im Leben egal was ich mache nie damit zufrieden. Ich gehe Leuten aus dem Weg. Bin auch total zur Einzelperson geworden. Keine Freunde da ich mich zurückgezogen habe. Mich strengt das eher an, weil ich meist mit meinen Gedanken woanderst bin und kann daher nicht abschalten. Eine Freundin habe ich nie richtig gehabt. Obwohl viele das nicht verstehen. Ich sehe nicht schlecht aus ohne jetzt abgeben zu wollen. Aber ich bin einfach unsicher und mit mir nicht im reinen. Und das merken viele.
Ausziehen zuhause? Daran denke ich oft, aber ich habe Angst Gedanken, das ich mein Leben nicht Meister und dann total vom sozialen Kontakt abgebrochen bin. Ich muss dazu sagen, dass ich meinen Haushalt bei meinen Eltern schon selber Regel, das heißt Wäsche kochen das mache ich alles für mich. Leider bin ich immer zu lieb und nett. Und Leute bei der Arbeit merken das und wer Schwäche im Leben zeigt, wird leider viel zu oft ausgenutzt. Und oft merke ich das nicht. Ich weiß auch nicht wie ich mich verhalten soll. Weil Dinge, die eventuell jemand als Spaß meint, empfinde ich als Kritik oder als Angriff. Eine Kollegin meinte mal ich sollte lockere werden. Ich weiß ich mach mir über viel zu viel Gedanken. Aber leider bin ich halt auch so aufgewachsen. Immer bescheiden, meine Eltern sind selbst oft total unsicher. Mein Vater hat Probleme und sollte eigentlich auch eine Therapie machen. Aber er merkt das selbst garnicht, wenn er mal wieder meckert oder genervt ist. Ich Spiegel mich so oft in meinem Vater und dann denke ich, er ist genau so wie ich. Und ich will aber so nicht sein.
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Antwort
von franzibalanci, 41

Hey. 

Ich weiß nicht ob du noch in therapie bist, aber das wäre das erste wozu ich dir raten würde. Besonders der Satz: wer Schwäche im leben zeigt, wird oft ausgenutzt - deutet darauf hin dass du dein Vertrauen in die Menschen total verloren hast. Das kenne ich gut - ich denke nämlich ganz genauso und ich weiß dass es schwierig ist, an dieser Einstellung zu arbeiten, wenn sie einem doch so viel Schutz gibt und Schmerz erspart. Aber das kann dein Schlüssel zu Einem neuen Abschnitt sein. Eine Therapie kann dir auch den Mut geben, den Schritt in ein eigenes Leben weg von zuhause zu wagen. Ganz ohne Angst. 

Ich kann deinen psychischen Zustand zwar nicht einschätzen - aber vielleicht bringt dich auch ein klinikaufenthalt weiter. Dort hast du zeit für dich, Abstand von zu hause und kannst intensiv an deinen Sorgen arbeiten.

Liebe Grüße und natürlich Alles Gute !

Kommentar von MrWatson84 ,

Hallo, vielen Dank für deinen Ratschlag. Ich denke ich möchte eine Art Tagesklinik aufsuchen. Unternehme meist alles alleine und das ist eigentlich schade. Früher hatte ich Kumpels mit denen ich ständig Zusammen war...aber mittlerweile habe ich mich echt als Alleingänger entpuppt. Leider unternimmt man dadurch auch weniger und kann auch selten jemand kennenlernen bzw. such eine Freundin...aber wer will schon jemand der kaum Freund hat?

Mein Problem ist einfach, dass ich nicht wirklich sage was ich denke. Ich verhalte mich Personen angepasst. Hauptsache nicht anecken. Und daher muss ich erst mal wieder lernen wer ich eigentlich bin und was ich möchte. Und auch endlich mich trauen Dinge zu sagen so wie ich es debke und nicht immer mit Lächeln oder lachen übermalen...was bei mir oft der Fall ist. Vertrauen in manche Menschen aufzubauen ist schwer. Und weil ich halt immer als der liebe nette abgestempelt werde...wird man leider hält auch oft ausgenutzt. Aber ich bin nun mal ein Mensch der Ruhig ist. Oft frage ich mich echt warum ich es bocj nie geschafft habe eine richtige Freundin zu haben. Na ja aber es gibt weit schlimmere Dinge.

Kommentar von franzibalanci ,

Ich denke das mit der Tagesklinik ist eine super Idee. Schaden kann es nicht und verlieren kannst du auch nichts.

Manchmal ist es leider so, dass man beginnt sich abzukapseln, aber irgendwann kommt dann auch wieder der Wendepunkt und dann geht es bergauf. Stress dich nicht zu sehr was eine Beziehung angeht - meistens kommt die richtige wenn man sie am allerwenigsten erwartet. 

Ich bin sicher in der Klinik wird man dir viel beibringen können, vor allem auch, dass es okay ist seine Meinung zu sagen. Auch wenn man anecken könnte - das macht die Menschen vielleicht sogar erst spannend. :)

Antwort
von Sandra1234566, 60

Aus was für einen grund bist du psychisch krank geworden...? :-(

Kommentar von MrWatson84 ,

...ich glaube damals war es echt eine Überarbeitung und Überforderung. Ich musst Dinge in der Arbeit tun, mit denen ich nicht zurecht kam und mich hat niemand unterstützt. Und ich war ständig unter Druck und bekam dann auch Angst. Irgendwann ging dann nichts mehr...ging arbeiten, kam nah Hause schlafen, arbeiten, schlafen. Und dann war ich an einem Punkt und wollte nur noch weg.
Ich sollte weiterhin Therapie machen...leider lass ich das alles immer schleifen. Ich bin jemand den muss man immer Druck machen, damit was passiert. Keine Ahnung, vielleicht haben mir meine Eltern auch zu viel abgenommen oder waren zu überfürsorglich. Ich habe auch keine Ziel im Leben. Bin jetzt über 1 Jahr bei der zeitarbeit und bin froh das ich das solange schon schaffe. Aber glücklich bin ich nie. Keine Ahnung. Auf Fälle bin ich nicht mehr so wie ich vor 10 Jahren war. Da war ich noch am Leben interessiert. Nun treibe ich wie ein Schiff auf dem Meer ohne Ziel.

Kommentar von jeannine34 ,

Lieber MrWatson, tja, das mit dem Schleifenlassen scheint so dein größtes Problem zu sein. Hört sich alles nach einer depressiven Symptomatik an und das passt dazu. Ich habe vor langer Zeit mal den Satz gehört, dass einem eh schon alles zu viel ist, wenn man Depressionen hat und dass man sich dann noch zusätzlich anstrengen muss, um da rauszukommen. Das stimmt, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen. Aber es lohnt sich wirklich. Ich habe mir irgendwann mal gesagt, ab jetzt werde ich dran bleiben, nicht mehr aufgeben und immer weiter nach Hilfe suchen und neue Methoden ausprobieren, bis sich wirklich was ändert. Das habe ich auch gemacht und ich bin manchmal sprachlos, was alles möglich ist. Vielleicht musst du auch an den Punkt kommen, wo du allen Mut und alle Kraft zusammen kratzt, und dich auf den Weg machst und dich nicht mehr von deinem inneren Schweinehund abbringen lässt. Was ich dir noch mitgeben kann: Zeitweise haben mir Selbsthilfegruppen sehr geholfen (Google mal Coda Deutschland). Und außerdem Familienaufstellungen (Google das mal, z. B. http://www.sorge-dich-nicht-liebe.de/familienaufstellung). Ich drück dir die Daumen, dass du einen guten Weg für dich findest, Jeannine

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