Frage von CatchTheMoon, 38

Bekomme ich rückwirkend meinen Krankenschein bezahlt (450-Euro-Basis)?

Ich habe schon bereits auf der Seite der Minijob-Zentrale gelesen, dass ich einen Anspruch auf Entgeltfortsetzungen im Krankheitsfall habe. Ich arbeite schon seit 2 Jahren auf 450-Euro-Basis, wusste aber nie, dass ich einen Krankenschein bezahlt bekomme. Obwohl ich mehrmals einen abgegeben habe, stand auf meinem Lohnzettel nie etwas davon. Also hat mir der Arbeitgeber keinen Krankenschein bezahlt. Jetzt ist meine Frage, ob ich dieses Geld noch nach mehreren vergangenen Monaten anfordern kann? Ich vermute nicht, ich habe im Internet aber nichts dazu gefunden. Denn wenn ich ehrlich bin, ist das eine Frechheit und abzocken will ich mich nicht lassen.

Vielen Dank

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Antwort
von Familiengerd, 11

Jetzt ist meine Frage, ob ich dieses Geld noch nach mehreren vergangenen Monaten anfordern kann?

Ja, das kannst Du!

Es gibt dafür aber Fristen, die dann zu beachten wären.

> Ersten: Vertraglich können möglicherweise Ausschlussfristen vereinbart worden sein (arbeitsvertraglich mindestens 3 Monate, tarifvertraglich mindestens 1 Monat), nach deren Verstreichen ab Entstehen oder Fälligkeit eines Anspruchs dieser Anspruch aus dem Arbeitsverhältnis verfallen ist.

> Zweitens: Gibt es solche Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag oder einem anzuwendenden Tarifvertrag nicht, dann gilt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch § 195 "Regelmäßige Verjährungsfrist" die gesetzliche Verjährungsfrist von 3 Jahren ab Ende des Jahres, in dem ein Anspruch entstanden ist oder fällig war.

Ansprüche aus 2014 kannst Du dann noch bis zum 31.12.2017 geltend machen, aus 2015 noch bis zum 31.12.2018 und aus 2016 noch bis zum 31.12.2019.

Wenn Du Krankentage also nachweisen kannst, dann kannst Du - je nach dem, welche Frist für Dich zu beachten ist - Deinen Arbeitgeber noch rückwirkend für die gesamte Dauer des bisherigen Arbeitsverhältnisses zur Nachzahlung von zu Unrecht einbehaltenen Entgeltfortzahlungen auffordern - am besten schriftlich mit Hinweis auf die gesetzliche Bestimmungen, mit angemessener Fristsetzung für die Nachzahlung und - falls er sich "uneinsichtig" zeigt - mit Klagedrohung bei Arbeitsgericht für den Fall der Weigerung oder Fristverstreichung.

Das sind die von Dir selbst schon genannten § 3 "Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall" Abs. 1 (im Wesentlichen Satz 1) und § 4 "Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts" (im Wesentlichen Abs. 1; vom Verfahren zur Berechnung darf nur durch einen Tarifvertrag abgewichen werden), außerdem § 12 "Unabdingbarkeit", aus dem sich ergibt, dass von diesen Bestimmungen nicht zum Nachteil des Arbeitnehmers abgewichen werden darf - und das gilt selbstverständlich auch für Minijobber!

Für eine Klage brauchst Du in der 1. Instanz des Arbeitsgerichtsverfahrens noch keinen Anwalt, wenn Du Dir das selbst zutraust; wenn Du nicht passend rechtsschutzversichert oder nicht Gewerkschaftsmitglied bist, müsstest Du ihn ohnehin selbst bezahlen, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Du solltest aber die Höhe Deiner Ansprüche möglichst genau beziffern können. Die Rechtsantragstelle des Gerichts nimmt die Klage entgegen; sie hilft auch kostenlos bei der Formulierung, wenn man die Klage dort zur Niederschrift aufnehmen lässt.

Antwort
von 19Alina86, 16

Ich GLAUBE das ist so: du hast für die 450 eine Stundenzahl. Sagen wir 20 pro Woche. Sind bei einer 5 Tage Woche 4 pro Tag. Also bekommst du 4 h pro Tag bezahlt. Ich würde mal vorsichtig beim Arbeitgeber nach fragen.

Kommentar von CatchTheMoon ,

Ja, das denke ich auch. Aber es geht ja darum, ob ich das Geld jetzt noch bekomme, wenn ich z.B. letztes Jahr 3 Wochen krank war, damals aber trotz abgegebenem Krankenschein, kein Geld bekommen habe.

Kommentar von Familiengerd ,

@ CatchTheMoon:

Ja, Du kannst dieses Geld nach nachträglich einfordern, wenn Du die durch Krankenschein entschuldigten Fehlzeiten belegen kannst und die Fristvoraussetzungen gegeben sind (siehe dazu meine eigene Antwort).

Antwort
von Jessica1816, 24

Ja da solltest du mal nachhacken. Du hast Anspruch auch in Krankheitsfall, nach einigen Wochen falls du krank bleibst, übernimmt das dann die Krankenkasse und bezahl immer noch glaube ich 70% deines Gehalts.

Kommentar von Strolchi2014 ,

Bei Minijobs gibt es , so viel ich weiß, keine Lohn Fortzahlung.

Kommentar von Familiengerd ,

@ Strolchi2014:

Das ist selbstverständlich völlig falsch!

Minijobber haben die gleichen Rechte (und Pflichten) wie andere Arbeitnehmer sonst auch.

Bei ihnen besteht lediglich - da sie keine Krankenversicherungsbeiträge zahlen - kein Anspruch auf Krankengeld durch die Krankenkasse nach dem Ende der 6-wöchigen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Kommentar von Familiengerd ,

nach einigen Wochen falls du krank bleibst, übernimmt das dann die Krankenkasse und bezahl immer noch glaube ich 70% deines Gehalts

Das ist falsch.

Minijobber haben keinen Anspruch auf Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse.

Antwort
von Strolchi2014, 21

Eine Krankenschein bekommt man nicht bezahlt. Du bekommst nur die Stunden weiter gezahlt, wenn du krank bist.

Schau mal in deinen Arbeitsvertrag was da drin steht im Krankheitsfall.

Wirst du nach geleisteten Stunden bezahlt ?

Kommentar von CatchTheMoon ,

Ja, das ist mir klar, dass ich nach die Stunden weitergezahlt bekomme.
Ich werde nach Stunden bezahlt. Durchschnittlich 12Std. pro Arbeitswoche. 

Das steht auf der Seite der Minijob-Zentrale:

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall 
Minijobber, die infolge unverschuldeter Krankheit oder einer medizinischen Vorsorge-, bzw.Rehabilitationsmaßnahme arbeitsunfähig sind, haben Anspruch auf Fortzahlung ihres regelmäßigen Verdienstes durch den Arbeitgeber bis zu sechs Wochen. Das Entgelt wird für die Tage fortgezahlt, an denen Arbeitnehmer ohne Arbeitsunfähigkeit zur Arbeitsleistung verpflichtet wären (§§ 3 - 4 Entgeltfortzahlungsgesetz - EFZG).

Kommentar von Familiengerd ,

Schau mal in deinen Arbeitsvertrag was da drin steht im Krankheitsfall.

Was dazu im Arbeitsvertrag steht (wenn es denn einen schriftlichen gibt), spielt keine Rolle.

Es handelt sich um eine zwingende gesetzliche Vorschrift, deren Anwendung nicht vertraglich "freiwillig" oder erzwungen ausgeschlossen werden kann.

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