Beitritt der Türkei in die EU 2016?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Denke mal wirtschaftlich und politisch strategisch, nicht nur taktisch.
Es geht vorrangig um mittel- und längerfristige machtpolitische Ziele, nicht um langfristige:

Zur Zeit geht es m.M.n. um die zukünftige, territoriale Ordnung unter kontinentalen Zusammenhängen.

Die Türkei besitzt eine geopolitische Schlüsselposition an einer Meeresenge zwischen Europa und Asien.
Nun schau Dir die momentanen Zustände und undurchsichtigen Machtverhältnisse in Kleinasien an, und im Gegensatz dazu die politische Stabilität im westlichen Europa der letzten Jahrzehnte.

Zu welchem Kontinent würdest Du als Besitzer einer so wichtigen wirtschaftlichen und militärischen Position gehören wollen angesichts der Aussicht, zwischen beiden "Lagern" als neutraler Staat zerrieben zu werden?

Andererseits wäre die Türkei mit ihrer mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung als EU-Mitglied religiös immer erpressbar, in Kleinasien dagegen wäre sie ein Schwergewicht, vielleicht sogar eine regionale Großmacht.
Regional deswegen, weil die Türkei weder militärisch noch erst recht wirtschaftlich die gesamte sunnitische Region befrieden und anführen könnte.

Zudem hat auch die Türkei einen zwar kurzen, aber existierenden Grenzstreifen zu Israel, der nicht unterschätzt werden darf.
Und was aus Syrien als russischem Einflussgebiet wird, weiß keiner.
Kampflos jedenfalls wird die russische Republik ihren letzten Militärhafen im Mittelmeer nicht räumen.

Und dann die Frage Mittelafrika: Wie will die Türkei ihre Grenzen gegen den Süden abschotten, ganz alleine auf sich gestellt?
Das Testmodell erleben wir ja gerade, aber die Türkei möchte auf keinen Fall ohne Gegenleistung den Prellbock für Europa spielen.
Aber selber stark genug, um schnell genug südliche Puffer in Form abhängiger Staaten aufzubauen, die ihrerseits den Erfüllungsgehilfen türkischer Hegemoniebestrebungen geben könnten, ist die Türkei zur Zeit nicht, denn ihre Regierung kämpft gegen den "kurdischen Feind" im eigenen Land, den sie durch den Abbruch der innenpolitischen Integrationspolitik selber erst aufgebaut hat.

M.M.n. fällt der türkischen Machtclique im Moment ihre eigene Politik der Großmannssucht auf die eigenen Füße, die sie in einer falsch verstandenen Tradition Atatürks unter Zuhilfenahme einer verlogenen Einigung unter dem sunnitischen Islam durchführen wollte.
Erdogan war, ist und bleibt eine kleine Leuchte ohne eigene Ideen, er begann als Müllmann, und wenn er so weitermacht, wird er aus der gesamten Türkei eine einzige große Müllkutsche machen.
Dieser Mann als Patriarch ist eine Schande für dieses Volk, das einen so langen und achtungswürdigen Weg aus der osmanischen Großmannssucht hin zu einer pluralistischen Gesellschaft zurückgelegt hatte.

Nicht zuletzt werte ich als Beleg meiner Meinung den Rücktritt des Präsidenten und den "Ersatzvorschlag" Erdogans: Irgendeinen angeheirateten Verwandten. Bitte, soll das ein qualifizierter Vorschlag für das Amt des Staatspräsidenten sein?
Zeitgleich wird die Pressefreiheit zertrampelt, ein Vorgehen, dass in Begründung und Intensität hiesigen AfD-Anhängern auf den ersten Blick gefallen dürfte, doch wird vergessen, das staatliche Zensur nur solange befürwortet wird, solange sie mit der eigenen Befindlichkeit übereinstimmt.
Und diese Übereinstimmung kann sich sehr schnell ändern, doch dann verhallt die eigene geänderte Meinung so, als wenn der Rufer in der Wüste nur verhalten flüstern würde.

Ich finde, Erdogan ist das schlimmste, was diesem Kulturvolk zustoßen konnte, und sie haben ihn auch noch selbst gewählt!
Ich bin kein Freund von Militärputschen, doch nicht zum ersten Mal würde die Generalität dadurch Gefahr von der türkischen Republik abwenden!
Es muss ja nicht immer gleich auf eine Konfrontation mit Griechenland wie im Zypern-Konflikt hinauslaufen, schließlich kann ein Putsch ja auch zur Erhaltung demokratischer Grundsätze durchgeführt werden...

In diesem Sinne wird die derzeitige türkische Regierung m.M.n. dem türkischen Volk den Weg verbauen, den es hätte einschlagen können:
Die Türkei hätte den Brückenschlag für eine volkswirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Westeuropa und Kleinasien schaffen können, einen Schritt hin zur Vision einer interkontinentalen Bevölkerung auf ihrem Weg in eine Welt ohne Grenzen.

Mein Fazit: Der türkische Beitritt in die EU ist strategischen Zielen geschuldet, doch mit ihrer Mehrgleisigkeit fährt die türkische Regierung sich selbst und ihr Volk ins Abseits.
Der Weg sollte hin zu Solidarität und freundschaftlicher Verbundenheit führen, nicht zu Gräben und Grenzen.
Allein aufgrund ihrer geopolitischen Lage hätte die Türkei viele Ressourcen, Brücken zu schlagen, statt sie abzureißen!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Du bist offensichtlich nicht auf dem neusten Stand. Erdogan hat mittlerweile der EU in Sachen Beitritt eine Absage erteilt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Pudelcolada
18.05.2016, 01:57

Ah, und Erdogan ist der einzige Politiker auf der Welt, der sich an seine eigenen Aussagen halten oder überhaupt erinnern wird?

Ok, hört sich sinnvoll an.
Oder auch nicht, je nachdem, was die Finanzlage sagt...

0

Von einem Beitritt 2016 ist überhaupt nicht die Rede. Da geht es nur um Visafreiheit. Ich denke, du mußt dich erst mal mit den Grundlagen vertraut machen. Bis die Türkei der EU beitreten kann, wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Also ich habe mal über dieses Thema mit jemandem gesprochen, der regelmäßig in die Türkei fährt und der hat sich dort mit einigen Menschen zu dem Thema EU-Beitritt unterhalten. Dabei kam raus, das so viele Menschen in der Türkei überhaupt nicht in die EU wollen und in der EU wollen das wohl momentan auch nicht so viele. Aber man kann natürlich nicht für alle sprechen. Ansonsten kann ich mich nur Eisenkatze anschließen. Ich denke das die Türkei in ihrem momentanen Zustand gar nicht die "Aufnahmebedingungen" erfüllt. Es wundert mich, dass der EU-Beitritt nicht Bedingung in diesem "EU-Türkei Deal" war, aber das ist off-topic ;)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Einen Beitritt der Türkei in die EU wird es nicht geben!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Pudelcolada
18.05.2016, 01:53

Oh, ein Prophet. Noch einer in einer sehr langen Reihe.
Jeder nur ein Kreuz...
;o)

0

Könnte mir da einer die kurzfassen bzw kurz gefasst schreiben was da grad abläuft denn meine lehrerin hat uns halt das thema beitritt der eu 2016 gegeben

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Pudelcolada
18.05.2016, 01:58

Habe ich, so kurz, wie ich konnte, aber nicht sachneutral...

0