Frage von HorstKleb0r, 112

Beinaheunfall mit Bus, minimaler Schaden, wie richtig verhalten?

Hi, mir hat gestern ein Bus die Vorfahrt genommen (gleichrangige Straßen), einen größeren Unfall konnte ich durch eine Vollbremsung verhindern. Dabei habe ich einen minimalen Lackschaden am Stoßfänger kassiert. Der Bus fuhr weiter, ich hinterher, und machte ihn darauf aufmerksam. Er meinte dann, dass er mich gesehen habe, wie ich nach rechts schaue (logisch, bei rechts vor links) und das war es. Die Polizei wollte er dann rufen, ich meinte oke, wenn es sein muss. Er sprach dann mit seinem Chef und der meinte, es sei nicht nötig. Dabei hätte er sie ja rufen müssen, da er sich um den ÖPNV handelt. Der Schaden an dem Bus sei, nach einen eben erfolgten Telefonat, wohl weg zu polieren und er würde es selber regeln. Mein Schaden wird sicherlich ~ 150 Euro kosten. Ich ging davon aus, dass er es direkt bezahlen würde, er meinte aber, dass ich es über seine Versicherung abwickeln soll. Muss ich den Vorfall nun doch bei meiner Versicherung melden - und wenn ja, erwachsen dadurch Nachteile in Bezug auf meine Schadenfreiheitsklasse? Oder wäre es am klügsten, die Sache auf sich beruhen zu lassen (auch wenn ich ja Recht habe, was ich aber schwer beweisen kann) oder MUSS ich es melden, damit mir hintenraus nicht noch irgendetwas angehangen wird. Sagen können die Unternehmer ja immer viel, die Frage ist, was die nun wirklich machen... Grüße

Antwort
von Loroth, 51

Hallo,

aktuell erscheint es weder notwendig noch sinnvoll, den Schaden der eigenen (Vollkasko-)Versicherung zu melden.

"Nicht notwendig", weil der eigene Schaden durch den Unfallverursacher bzw. dessen Kfz-Haftpflichversicherung zu regulieren ist.

"Nicht sinnvoll", weil die in der Vollkasko vereinbarte Selbstbeteiligung mutmaßlich über der geschätzten Schadenhöhe liegt.

Der "normale" Ablauf wäre in einem derartigen Fall, dass der Busunternehmer den Schaden seiner Kfz-Haftpflicht meldet und die sich dann mit dem Geschädigten zur Abstimmung des weiteren Ablaufs in Verbindung setzt.

Wer aber will, kann auch als Anspruchsteller gleich direkt bei der Versicherung vorstellig werden. Dann ist der Ablauf halt umgekehrt. Sprich: Schaden wird durch AS gemeldet -> die Versicherung fragt beim Versicherungsnehmer nach, wie er den Unfall schildert -> bei keinen weiteren Fragen wird reguliert.

Viele Grüße

Loroth

Kommentar von RudiRatlos67 ,


aktuell erscheint es weder notwendig noch sinnvoll, den Schaden der eigenen (Vollkasko-)Versicherung zu melden.

man kann der Versicherung einen Unfall melden, erst dann ergeben scih Haftpflicht, Teil- und Vollkasko Schäden die evtl. zu dokumentieren sind.


"Nicht notwendig", weil der eigene Schaden durch den Unfallverursacher bzw. dessen Kfz-Haftpflichversicherung zu regulieren ist.

Eine Obliegenheit gegenüber der eigenen Versicherung, der Verstoß kann den Verlust des Versicherungsschutz zur Folge haben. Der Grund für die Anzeigepflicht ist, das auch der mutmaßliche Verursacher später Ansprüche stellen kann, die entweder reguliert oder abgewehrt werden müssen.


"Nicht sinnvoll", weil die in der Vollkasko vereinbarte Selbstbeteiligung mutmaßlich über der geschätzten Schadenhöhe liegt.

Du kennst also den Kunden und dessen Vollkaskoversicherung sowie die vereinbarte Selbstbeteiligung sowie die Schadenshöhe ????? Da staune ich aber :)

Kommentar von Loroth ,

Ich bin aufgrund der Aussage

mir hat gestern ein Bus die Vorfahrt genommen (gleichrangige Straßen)

davon ausgegangen, dass ein eindeutiger Haftungsfall vorliegt - zumal der Unternehmer selbst schon bereitwillig auf seine KH verwiesen hat. Daher war meine Aussage auch nur auf die eigene VK bezogen.

Die jetzt nachgelegten Infos stehen im Widerspruch zum Ursprungs-Post und waren zum Zeitpunkt meiner Antwort schlichtweg nicht bekannt.

Grundsätzlich stimme ich aber auch zu, dass es nicht schadet - und nach den neuesten Infos auch sinnvoll ist, den Schaden bei der eigenen Versicherung anzuzeigen. Man muss halt nur darauf achten, dass Schäden ohne Aufwand auch rechtzeitig zum Jahreswechsel geschlossen werden, damit der SFR nicht unnötig leidet.

Du kennst also den Kunden und dessen Vollkaskoversicherung sowie die
vereinbarte Selbstbeteiligung sowie die Schadenshöhe ????? Da staune ich
aber :)

Bei einer angenommen Schadenhöhe von 150 € und einer - gefühlten - 90%igen Häufigkeit der VK-Variante "300/150" habe ich mich i.d.T. zu einer mutmaßlichen Annahme hinreißen lassen. Der TO müsste schon eine VK mit 0 SB haben, damit bei dieser Schadenhöhe eine Meldung sinnvoll wäre, oder?

Kommentar von HorstKleb0r ,

Auf welchen Widerspruch beziehst du dich? Grüße

Kommentar von Loroth ,

Darauf, dass die Haftungsfrage, aber auch das Schadenbild, nach dem Ursprungs-Post eindeutig wirkte, nun jedoch die Rede von einer Zeugin ist (die - so klingt es - diese Eindeutigkeit wohl nicht bestätigt) und der Schaden am Bus wohl doch größer ist. Es besteht somit sehr wohl die Möglichkeit, dass der Unfallgegner eigene Ansprüche geltend macht.

Insofern möchte ich mich vor diesem Hintergrund RudiRatlos67 anschließen und empfehlen den Schaden sicherheitshalber auch dem eigenen KH-Versicherer anzuzeigen.

Kommentar von HorstKleb0r ,

Ist halt in Summe ne ziemlich blöde Situation gewesen :(

Antwort
von Apolon, 8

  er meinte aber, dass ich es über seine Versicherung abwickeln soll

Mir stellt sich die Frage ob der Schadensverursacher die ÖPNV überhaupt eine Kfz-Versicherung hat.

Denn Buslinien von öffentlichen Trägern wie z.B. Städte sind von der Versicherungspflicht befreit.

Du solltest auf jeden Fall die ÖPNV deiner Stadt direkt kontaktieren und nachfragen ob der verursachte Schaden an deinem Fahrzeug gemeldet wurde, bzw. auch bezahlt wird. Und ob eine Kfz-Versicherung besteht, mit welcher Versicherungs-Nr.

Wenn es Probleme gibt, sofort einen Rechtsanwalt mit der Sache beauftragen.

Eine Meldung an die eigene Kfz-Versicherung ist nicht notwendig.

Vorsorglich kannst du deinem Versicherungsvermittler einen Hinweis geben, mit der Ergänzung es nicht an den Versicherer weiter zu melden.

Gruß N.U. 

Kommentar von Loroth ,

Mir stellt sich die Frage ob der Schadensverursacher die ÖPNV überhaupt eine Kfz-Versicherung hat.


Denn Buslinien von öffentlichen Trägern wie z.B. Städte sind von der Versicherungspflicht befreit.

Dazu müssten aber die Busse der Gemeinde oder dem Kreis selber gehören und von diesen betrieben werden.

In der Praxis dürften aber die allermeisten (alle?) Busse von Privatunternehmen eingesetzt werden, die "nur" im Auftrag der Träger fahren. Und diese müssen natürlich sehr wohl versichert sein.

(In der Tat wäre mir nicht bewusst, jemals einen Linien- oder Schulbus mit einem "Behörden-Kennzeichen" (Kennung des Landkreises + Ziffernkombi) gesehen zu haben. Einzige Ausnahme: Busse der Bundeswehr)

Kommentar von Apolon ,

@Loroth,

in Rheinland-Pfalz gibt es viele Stadtbusse die den einzelnen Städten gehören und die keine Kfz-Versicherung haben.

Ähnlich war es früher auch bei Bahn- oder Postbussen.

Wer der Träger der ÖPNV ist, konnte ich nicht herausfinden.

Antwort
von HorstKleb0r, 34

Aufgrund der Tatsache, dass der Fahrer dann plötzlich eine Zeugin hatte, und der Schaden am Bus eher im mittleren Bereich entstanden ist, wird es wohl auf eine Teilschuld hinauslaufen? Ich argumentiere mit dem Bremsweg und dem Weg, den der Bus zurücklegt, bis ich ihn treffe (ca. 1,5 Sekunden geschätzt - bei 30km/h macht der Bus ja eine Strecke von über 8m/s). Die Frage ist, ob das in irgendeiner Form stichhaltig ist? Versteht mich nicht falsch, ich bin mir sicher, im Recht zu sein, die Frage ist, ob das auch objektiv gesehen so ist. Zumal er ja meinte, mich gesehen zu haben, also muss er ja da schon mal die Vorfahrt gewähren, ist auch eine gut einzusehende Kreuzung gewesen und ein stricktes Tempolimit gibt es an der Stelle ebenso.

Antwort
von hauseltr, 44

Wieso meinst du, er hätte die Polizei rufen müssen, nur weil er im ÖPNV unterwegs war?

Wenn du gestanden hast und dann trotzdem angefahren bist, kann man dir immerhin eine Teilschuld anhängen.

https://www.das.de/de/rechtsportal/rechtsfrage-des-tages/vorfahrtsverstoss-wer-v...

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Unfälle mit Behördenfahrzeugen, Kfz öffentlicher Träger oder Leasingfahrzeugen sollten bzw. müssen teilweise sogar, stets polizeilich aufgenommen werden.

Kommentar von HorstKleb0r ,

Diese Regel gilt hingegen nicht, wenn von rechts gar keine Fahrzeuge kommen können, etwa weil es sich um eine Einbahnstraße handelt.

War eine Einbahnstraße und der Bus kam mit Sicherheit alles, aber nicht langsam angerollt, sonst wäre es nicht dazu gekommen :/ Hab natürlich dennoch nach rechts geschaut, bis ich eben das Einbahnstraßen Schild gesehen habe. Bin auch gefahren, langsam und gesittet 

Antwort
von RudiRatlos67, 40

Muss ich den Vorfall nun doch bei meiner Versicherung melden - und wenn
ja, erwachsen dadurch Nachteile in Bezug auf meine
Schadenfreiheitsklasse? Oder wäre es am klügsten, die Sache auf sich
beruhen zu lassen (auch wenn ich ja Recht habe, was ich aber schwer
beweisen kann) oder MUSS ich es melden,

1.) Es ist eine Obliegenheit einen Unfall deiner Versicherung anzuzeigen. Eine Obliegenheitsverletzung kann den Verlust des Versicherungsschutz zur Folge haben.
2.) Einfuluss auf Deine SF Klasse hat der Unfall erst wenn Deine Haftpflicht oder Vollkaskoversicherung in Leistung tritt
3.) Es ist Deine Entscheidung Schadensersatz zu fordern oder Dein Recht durchzusetzen.
4.) Nochmal "Ja" Du bist Deiner Versciherung gegenüber verpflichtet jeden Unfall bei der Versicherung anzuzeigen.
Der Begriff Kfz Unfall umfasst jede Berührung deines Kfz mit einem anderen Kfz, einer Peron, oder einer Sache. Sowie durch dein Kfz verursachte Unfälle in die dein Kfz nicht selbst verwickelt ist.

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