Frage von Hanfkeks2712, 124

Bei welcher Gelegenheit bzw. in welchem Rahmen soll ich mich vor meinen (besten) Freunden outen?

Warnung - langer Text - bitte trotzdem weiterlesen!

Hi, ich bin 17 und mir seit etwa zweieinhalb Jahren sicher, dass ich schwul bin. Seit ungefähr anderthalb Jahren versuche ich, das anderen mitzuteilen. Entweder glauben die mir aber nicht, oder ich bringe es nur auf die Reihe, so zu tun, als wäre es ein Witz, weil ich Angst vor ihrer Reaktion habe.

Letzteres trifft in seit ein paar Monaten zwar nicht mehr zu und ein paar wenige haben es mir mittlerweile sogar abgekauft, dass ich schwul bin, aber trotzdem mach ich immer, wenn ich gerade noch entschlossen war, es meinen Freunden zu sagen, einen Rückzieher.

Ich hab auch keine wirklich negativen Erfahrungen gemacht. Es war bisher noch nicht so, dass irgendjemand danach nichts mehr mit mir zu tun haben wollte oder irgendeinen dummen Kommentar gemacht hat. Bisher hab ich mich aber auch nur vor Mädels und einem Kerl geoutet, mit dem ich jetzt nicht so wahnsinnig viel zu tun habe, geoutet, weil sich die Gelegenheit einfach meistens so ergeben hat.

Meine besten Freunde sind aber nun mal eben Jungs, deshalb hab ich Angst, sie könnten denken, dass ich irgendwas von denen will. Bei einem von den dreien könnte ich es immerhin auch glaubhaft abstreiten, weil ich mit ihm schon seit der fünften Klasse befreundet bin. Die anderen beiden sind allerdings erst in der neunten dazugekommen, und da hab ich eben Angst, dass die annehmen, ich bin nur mit denen befreundet, weil ich auf sie stehe. Um ehrlich zu sein, sehen auch beide echt gut aus, deshalb weiß ich nicht, ob sie mir glauben, wenn ich sage, dass keiner von beiden was von mir zu befürchten hat.

Wie gesagt glaub ich nicht, dass einer von den dreien prinzipiell ein Problem mit meiner Sexualität haben wird. Allerdings könnten sich vor allem die beiden zuletzt genannten sich irgendwie unwohl fühlen. Und ich will nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet. Ich sag mir zwar immer, wenn ein Kerl mit einem Mädchen befreundet sein kann, warum dann nicht auch mit einem schwulen Kerl?, aber irgendwie weiß ich trotzdem nicht, wie ich es ihnen beibringen soll...

Ich hab mir schon oft überlegt, bei welcher Gelegenheit ich es sagen soll. Auf jeden Fall nicht in der Schule, wenn zwanzig andere dabei sind. Und wenn wirklich einer erst mal ne Weile drüber nachdenken muss oder sich irgendwie unwohl fühlt, kann ich ja nicht einfach so davon, weil... Schule halt.

Vielleicht beim zusammen Zocken? Oder beim Kiffen? Da wäre die Atmosphäre jedenfalls schön entspannt und da fällt es auch nicht schwer, auf so ein Gesprächsthema zu kommen, weil man beim Kiffen eh über alles und jeden rumphilosophiert. Was haltet ihr davon? (Bitte keine Moralpredigten übers Kiffen etc., bitte nur Ratschläge zur eigentlichen Fragestellung.) Ich hatte auch überlegt, mich über eine E-Mail zu outen, aber das ist dann doof, wenn der andere direkt mit mir darüber reden will, und noch dazu etwas unpersönlich.

Ich freue mich auf eure Ratschläge und Erfahrungen! Danke schon mal im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Minilexikon, 20

Erst einmal: Es gibt keinen perfekten Moment und keine perfekten Worte.

Ich habe mich immer in etwa so knapp wie Klaus Wowereit gehalten:

Ich bin schwul und das ist auch gut so.

wobei ich den Teil hinter dem "und" weggelassen habe ;) Sprich', ohne Umschweife zum Thema kommen; du brauchst nichts beschönen.

An deiner Stelle würde ich es machen, wenn ihr euch zum Zocken trefft, aber du die anderen dann bittest, kurz die Controller aus der Hand zu legen oder gar nicht erst in die Hand zu nehmen. Einen Moment der Aufmerksamkeit können beide Seiten erübrigen.

Nach diesem einen Satz ("Ich muss euch etwas sagen: Ich bin schwul") kannst du eine kurze Pause machen, auf Reaktionen achten und ggf. reagieren. Kommen keine sprachlichen Reaktionen, kannst du ihnen anbieten, Fragen zu beantworten (auch später und auch in schriftlicher Form) und sagen, was du auch uns gesagt hast.

Meine besten Freunde sind aber nun mal eben Jungs, deshalb hab ich Angst, sie könnten denken, dass ich irgendwas von denen will. (...)
Ich sag mir zwar immer, wenn ein Kerl mit einem Mädchen befreundet sein kann, warum dann nicht auch mit einem schwulen Kerl?

Du kannst ihnen dazu sagen, dass das nichts an eurer Freundschaft ändert, weil du ja bereits vorher schon schwul warst und nicht erst durch das Coming out schwul wirst.

Viel Glück :)

Antwort
von MrKnowIt4ll, 57

Also an sich ist es eine super Idee, deine Freunde endlich einzuweihen. Und wie du sagst, ich denke nicht, dass du negatives Feedback einstecken musst. Beim Online zocken würde ich es allerdings nicht sagen. Das ist zu "nebenbei", ich finde da gehört ein richtiges Gespräch dazu. Beim Kiffen - falls du dich jemals in einer solchen Situation befindest ;) - macht das deutlich mehr Sinn. Da ist man unter sich, gute Freunde, gute Stimmung. Allerdings würde ich damit ziemlich am Anfang der "Sitzung" rausrücken, sonst kommst du nur lächerlich rüber, weil sie davon ausgehen, dass du schon halb raus bist. Und ich würde ganz direkt sein "Leute. Ich will mit euch über was reden, es betrifft mich persönlich und ich will es euch jetzt erzählen. Ich bin schwul, ich stehe auf Männer. Ich habe das in den letzen Jahren rausgefunden, und hoffe ihr habt kein Problem damit! Ihr braucht euch auch keine Gedanken wegen unserer Freundschaft zu machen, da ist alles gut. Ich mag nur, dass ihr wisst was mit mir ist und hoffe ihr geht trotzdem weiter wie immer mit dir um :) Danke!"

Antwort
von Puckiducki, 43

Schreib allen dreien (ihr habt bestimmt auch eine whatsappgruppe), dass du ihnen etwas verdammt wichtiges sagen musst und sie bittest in irgendein Café in eurer Nähe zu kommen zu einer bestimmten Uhrzeit und dass dir wirklich verdammt viel daran liegt.
Wenn ihr dann alle da seid, sagst du ihnen dass du schon seit längerem die Vermutung hattest, dass du anders bist und nun endlich auch wirklich sicher bist dass du homosexuell bist, aber nicht möchtest, dass das irgendwas an eurer Freundschaft ändert und wenn jemand von ihnen doch ein monumentales Problem damit habe solle er doch bitte jetzt gehen. Mach ihnen auch klar, dass die Gefahr, dass du in einen deiner Freunde verliebt bist oder gar sexuelle Fantasien mit ihnen hast nicht bestehe.

Kommentar von Minilexikon ,

Die Sache ist, dass es wahrscheinlich noch ungewöhnlicher ist, sie in ein Café zu bestellen, wenn sie sich dort noch nie getroffen haben, was ich in der heutigen Zeit mal vermute.

Ich würde nicht von anders reden, das klingt so negativ. Und sagen, dass derjenige, der ein Problem mit der sexuellen Orientierung habe, gehen könne, würde ich wirklich nur reaktionsabhängig machen, das klingt sonst zu angriffslustig.

Und dass er Gefühle für seine Freunde entwickelt... ist vielleicht unwahrscheinlich, aber 100%ig ausschließen kann man das nie. Sollte dieser unwahrscheinliche Fall eintreten, stände er ziemlich blöd da.

Antwort
von oroventosa, 36

Hallo du, da ich deine Freunde nicht kenne, weiß ich nicht wie sie reagieren werden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute in unserem Alter heutzutage damit kein "Problem" haben, wenn sich jemand outet. Ich fände es seltsam wenn deine Kumpels dir nicht glauben, dass du kein Interesse hast. Nur weil du auf Jungs stehst, machst du ja nicht jeden Kerl an, ist bei deinen Freunden mit den Mädels ja auch nicht so. Ich fände es schade, wenn du dich deinen besten Freunden nicht anvertrauen könntest und du hast das in deiner Frage so vernünftig formuliert, dass ich mir sicher bin, du schaffst es auch deinen Kumpels zu erklären. Und sonst zeig ihnen doch deine Frage hier bei gutefrage.net, nachdem du dich geoutet hast, dann sehen sie, dass sie nichts "zu befürchten haben". Ich würde es ihnen aber nicht beim Kiffen erzählen, dann bist du vllt nicht du selbst oder sie reagieren anders, als sie eigentlich reagieren würden...lieber wenn ihr gerade bei einem Bier oder so beisammen sitzt....viel Glück! :)

Antwort
von EGitarre, 46

Es ist auf jeden Fall gut, dass du dazu stehst!   

Vorab würde ich mir eine Frage stellen: Müssen die es überhaupt wissen? Du kannst prinzipiell ja einfach so wie immer mit denen weiterleben, ohne dass etwas ist.  Wenn sie dich mal fragen z.B. "wie siehts eigentlich bei dir aus? Auf wen hast du ein Auge geworfen? Bestimmt Anna von nebenan", dann kannst du immer noch sagen "ich bin schwul". Oder wenn du einen Freund findest kannst du ihn ja dann einfach vorstellen.  Das nicht zu sagen ist ja so gesehen nichts schlimmes, und nimmt vllt deine Ängste, dass die eure Freundschaft falsch ansehen

Antwort
von flirtheaven, 33

Warum dieser Zwang sich outen zu müssen? Irgendwann hast du einen Freund, und dann erübrigt sich das Outing. Ich habe mich nie geoutet. Irgendwann hatte ich eine Freundin und jeder wusste: "Aha, der ist wohl hetero" und als ich dann meine Freundin geheiratet habe und wir Kinder bekamen, war es sicher auch dem Letzten klar.

Homosexuelle fordern zurecht, dass sie nicht diskriminiert werden, aber mit dieser Outinggeschichte, die es scheinbar nur bei Homosexuellen gibt, diskriminieren sie sich selbst.

Kommentar von Hanfkeks2712 ,

Ich diskriminiere mich damit nicht, es nervt mich einfach nur, dass ich automatisch für hetero gehalten werde, obwohl iche s nicht bin. Trotzdem hast du auch irgendwie Recht und die Überlegeung hatte ich in den letzten monaten auch ziemlich oft, aber jetzt hab ichs halt schon manchen erzählt und meine besten Freunde sollten das dann fairerweise auch mal erfahren.

Kommentar von flirtheaven ,

Okay, die sollten es natürlich nicht als Letzte erfahren.

Antwort
von dandy100, 40

Ich habe noch nie verstanden, warum es immer wieder propagiert wird, sich unbedingt  offiziell outen zu müssen

Erstens ist die sexuelle Ausrichtung jedermanns Privatangelegenheit und zweitens kriegen es Freunde und Familie zwangläufig sowieso mit, für wen man sich interessiert - wenn dann Fragen kommen, beantwortet man sie einfach schlicht und ergreifend.

Homosexualität hat es zu allen Zeiten in fast allen Kulturen immer gegeben, das ist etwas vollkommen Normales; wer das noch nicht begriffen, ist selber schuld. Glücklicherweise ist die Akzeptanz in unserer Gesellschaft mittlerweile sehr hoch und deshalb halte ich es für völlig unnötig jeden persönlich darüber zu informieren, so als müsse man sich rechtfertigen.

Lebe doch einfach Dein Leben - auf welche Art und Weise Du es lebst, werden alle andere schon automatisch mitbekommen, und sollte sich jemand daran stören, kannst du Dich ja immer noch mit demjeningen auseindersetzen.

Antwort
von goddy250, 38

Ich weiß garnicht, warum man sich da outen muss. Das wirkt immer so wie ein Geständnis. Dabei ist doch garnix schlimmes dadran. Leb doch einfach weiter, ob schwul oder nicht. Und wenn du dann mal einen festen Freund hast, werden alle schon mitkriegen, dass du schwul bist.

Kommentar von MrKnowIt4ll ,

Ich wäre da aber als "bester Freund" ziemlich vor den Kopf gestoßen :D Ich hätte sowas schon gern gewusst, bei der langjährigen Freundschaft...Man macht sich ja dann im Nachhinein auch Gedanken, was mit einem selbst ist, mit der Freundschaft...ob das auch deshalb war. Es macht's einfacher, wenn man gleich alles klarstellt finde ich :)

Kommentar von goddy250 ,

Es kommt halt ein bischen darauf an, wie du dich bisher so deinen Freunden gegenüber verhalten hast. Hast du es immer versteckt? Also über Schwulenwitze gelacht und über geile Ärsche von Frauen berichtet usw.?

Dann wäre eine Klarstellung vielleicht sinnvoll. Aber wenn das nie ein Thema war, würde ich da kein großes "Geständnis" vor versammelter Mannschaft machen. Höchstens einzelnen würde ich davon erzählen. Der Rest erfährt es dann schon von selbst irgendwann. Vielleicht denken es sich manche sogar schon und sagen nichts.

Antwort
von MaryYosephiene, 52

ich finde dein vorhaben sehr mutig, aber gut ! Ich würde es in einer entspannten Atmosphäre machen, nicht irgendwo auf einer Party oder so... Ja, beim Zocken ist es doch gut oder halt wenn ihr beiden jedenfalls alleine seit, finde ich es am besten, für ihn und auch für dich. ihr könnt das in ruhe "besprechen" und keiner sollte euch dabei stören.

viel glück und Mut, Mary

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