Frage von bandi88, 127

Bei starkem Übergewicht - Antrag auf Feststellung Schwerbehinderung: wer hat Erfahrungen damit?

Ich kenne jemanden, der enormes Übergewicht hat: er kann sehr schlecht laufen und hat wegen Bluthochdruck. Ursache zum Übergewicht sind bei dieser Person sind rein hormonell: er hat Schilddrüsenunterfunktion, Insulinresistenz und Colitis Ulcerosa (entzündliche Darmerkrankung). Bei ihm wurde ebenfalls eine Gallenstein-OP gemacht.

Diese Person hat einen Antrag auf Anerkennung seiner Schwerbehinderung gestellt. Er kann sehr schlecht laufen und ist stark bei der Bewegung beschränkt. Dadurch ist er sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben deutlich eingeschränkt. Lt. vorherigem Auskunft (z.B. Sozialberatung usw.) sollte ihm mind. GdB vom 50 mit Merkzeichen "G" zugesprochen werden.

Antrag wurde abgelehnt, eine GdB vom 20 wurde ihm (pauschal) erteilt. Dann Widerspruch eingelegt, keine Abhilfe. Vor kurzem war die Versorgungsakte ihm geschickt: lt. Facharzt (Orthopäde) sei bei ihm alles normal. Es ist jedoch nicht der Fall. Vor der Antragstellung war mit diesem Arzt besprochen, was er möchte (Antragstellung), und seitens Facharztes war die Unterstützung zugesagt.

Tatsache ist daher: Die Person muss klagen. Er muss jedoch während der Klage seine orthopädische Beschwerden (Fußschmerzen, Kniebeschwerden und Rückenprobleme) durch fachärztliche Gutachter bescheinigen lassen, damit mal überhaupt die Chance zu haben, die 50 GdB mit Merkzeichen "G" zu bekommen. Er ist enttäuscht und fühlt sich von seinem Orthopädarzt verraten. Nun sucht er nach den Möglichkeiten, seine deutliche Einschränkungen (aus seinem beruflichen und privaten Leben) nachweisen zu können, auch vor Gericht.

Wer hat von Euch solche bzw. ähnliche Erfahrungen schon gemacht? Am besten wären hier Geschichten interessant, die erzählen, wie Ihr endlich die GdB 50 mit Merkzeichen "G" durchgeboxt habt, welche Gutachter waren bestellt usw. Es ist schon klar, dass die Sache nicht einfach ist. Ich möchte jedoch dieser Person helfen, damit er nicht aufgibt und weiter kämpft.

Wichtige Bitte an Euch: bitte auf Kommentaren wie "er isst bestimmt zu viel, deshalb Übergewicht" oder "er soll abnehmen und dann wird alles okay" oder "mehr bewegen und passt es dann" oder "Übergewicht ist keine Krankheit" verzichten! Wie vorher erklärt, hat das Übergewicht in diesem Fall nichts mit seiner Ernährung zu tun! Und Übergewicht/Fettleibigkeit wird doch als Krankheit erkannt (Grundsatzurteil kam das Bundessozialgericht (BSG) im Februar 2003 bzw. Entscheidung des EuGH vom 18.12.2014 (C-354/13)). Bei Feststellung der Schwerbehinderung ebenfalls berücksichtigt werden kann, besonders wenn im Berufsleben dadurch Schwierigkeiten entstehen: bei ihm ist es schon der Fall; er bekommt kaum Job ohne SBA; selbst wenn bekommt wird ihm während der Probezeit gekündigt weil er viele Aufgaben wegen seiner Behinderung nicht kann.

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Antwort
von Konrad Huber, 66

Hallo bandi88,

Sie schreiben unter anderem:

Bei starkem Übergewicht - Antrag auf Feststellung Schwerbehinderung: wer hat Erfahrungen damit?

Antwort:

Betroffene müßen sich darüber im Klaren sein, daß die meisten Verfahren nach Aktenlage entschieden werden!

Aktenlage heißt konkret, das was in der eigenen Krankenakte in Form von Arzt- und Entlassungsberichten glasklar dokumentiert und sehr detailliert beschrieben ist!

Da aus Ihrer Beschreibung ersichtlich ist, daß betroffene Ärzte nicht so recht kooperieren, sollte hier ggf. der Hebel angesetzt und hilfreiche, aussagefähige Arzt- und Entlassungsberichte organisIert werden!

Der Fantasie und Vorgehensweise sind hier keine Grenzen gesetzt, es geht einfach darum, verständisvolle Ärzte zu finden, welche die Situation so aufschlüsseln, daß der Sachverhalt auch für nichtmedizinische Beteiligte glasklar nachvollziehbar ist!

Der Kostenmehraufwand für die Ausarbeitung derartiger Arztberichte wird allerdings von den meisten Kostenträgern nicht unterstützt, sondern dies ist im priivaten Interesse der Betroffenen!

http://www.versorgungsmedizinische-grundsaetze.de/GdS-Tabelle.html

http://www.erwerbsminderungsrente.biz/ihre-hausaufgaben/fruehrente-beantragen-un...

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232616/publica...

http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9196/der_schwerbehinderte...

http://www.vdk.de/deutschland/pages/mitgliedschaft/64026/rechtsberatung

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von bandi88 ,

Eine kurze Rückfrage zum Thema: wo und wie kann man solche verständnisvolle Ärzte finden, die Sie in Ihrer Antwort erwähnt haben?

Kommentar von Konrad Huber ,

>wo und wie kann man solche verständnisvolle Ärzte finden, die Sie in Ihrer Antwort erwähnt haben?<

Antwort:

Oft besteht zwischen Arzt und Patient ein Vertrauensproblem, weil der Patient sich nicht getraut, mit seinem Arzt offen und vertrauensvoll zu sprechen!

Dies zeugt dann von fehlender, sozialer Kompetenz, denn woher soll denn der Arzt wissen, wo beim Patienten der Schuh drückt!

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Tatsache, daß die Arbeit der Ärzte von den Sozialversicherungsträgern geringfüg und pauschal vergütet wird!

Die Ausarbeitung von ausführlichen, detaillierten, aussagefähigen Arztberichten ist nicht systemgewollt und der erhebliche Zeitmehraufwand wird von den Sozialversicherungsträgern an die Ärzte nicht erstattet!

Das heißt, daß Sie mit Ihren Ärzten für die Ausarbeitung von zeitaufwendigen Arztberichten vetrauensvoll einen individuellen Kostenrahmen vereinbaren sollten!

Wenn Ihr Arzt da nicht mitspielt, dann müßen Sie sich zwangsläufig einen Arzt suchen, der mit Ihnen kooperiert, der Sie als Patient und als Mensch ernst nimmt und er zu Ihnen steht!

Das ist sicherlich nicht einfach und diese Suche kann Ihnen niemand abnehmen!

Erkundigen Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis und fragen Sie sich durch!

Es gibt, ob Sie es glauben oder nicht, solche und solche Ärzte, man muß nur suchen! Wer sucht, der findet und oft entpuppt sich der vorhandene Arzt als hilfreich, wenn die Entlohnung stimmt!

https://youtu.be/PpFNQezydfc

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Antwort
von turnmami, 78

Um ein Merkmal G zu bekommen, muss man schon extrem gehbehindert sein.

Bei Amputation beider Beine: kein Problem.

Aber wegen Übergewicht wird keiner ein Merkmal G bekommen. Lies mal die GdB Tabellen dazu!

Kommentar von bandi88 ,

Da steht doch, dass Fußschmerzen, Kniebeschwerden und Rückenprobleme vorliegen. Dadurch ist er schon eingeschränkt genug. Max. 650 m kann er ohne Pause gehen (wurde ärztlich bemessen!), laufen kann er schlecht aufgrund der Fehlbelastung.

Kommentar von user8787 ,

Nun, der GdB setzt sich aus vielen Merkmalen zusammen. 

Eines ist, das die bestehende Bedinderung nicht heilbar / therapierbar ist.

Das hier im Grunde nicht zu. Der Antragsteller hat nach wie vor theor.  die Chance sein Gewicht zu reduzieren, was dann zur Verbesserung führen könnte. 

Wäre das komplett ausgeschlossen dann erst bestände eine Chance auf G wenn Diagnosen wie z.B. Arthrosen dabei wären. 

Nur schlechte Kondition ist trainierbar.....

Kommentar von turnmami ,

Mein Mann kann keine 50 Meter ohne Schmerzen gehen und nein, auch er hat kein Merkmal G!! Mit 650 Meter Laufweg gibt es dieses Merkmal einfach noch nicht!

Antwort
von beangato, 58

http://www.das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=477

Vlt. kannst Du mal fragen.

Ich selbst bekam nach einem Hüft-TEP einen zusätzlichen GdB von 10 zugesprochen (hatte schon vorher 30 wegen was andrem).

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