Frage von JiaoYu, 26

Behinderte: Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben - was heißt das?

Wir wollen für einen Rentner den Umbau seines Kfz mit einer Rollstuhl-Verladehilfe beantragen. Fahren könnte er mit einem Automatik selber, kann aber seinen Rolli nicht alleine einladen, da er nicht gehfähig ist. Antragsteller ist aber Rentner, also nicht mehr im Arbeitsleben. Für die Prüfung bzw. Begründung des Antrages sollen wir Beispiele dafür bringen, warum er so etwas benötigt (derzeit wird er durch Dritte immer gefahren, ist also abhängig von denen). Er wohnt auf dem Land, ca. 2 km von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Arztbesuche, Besuche bei Freunden, Seniorenklub...zählt nicht.

Was ist denn nun das gemeinschaftliche Leben? Das kulturelle ist mir klar....

Kann mir jemand Tipps geben?

Antwort
von teardrop1109, 9

Die Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben ist im § 55 SGB IX geregelt. Das gilt auch für Menschen, die bereits in Rente sind. Leider sind die Angaben in Gesetzbüchern oft so unpräzise, dass selbst ich als Schwerbehindertenvertretung in meinem Betrieb die Hilfe des Integrationsamtes in Anspruch nehmen muss. Hätte dein Bekannter z. B. keinen Führerschein, dann wäre eine Leistung des IA ihm diesen zu ermöglichen. Die Begründung, die von euch bzw. von ihm verlangt wird, ist nicht so leicht zu formulieren. Der Punkt hier ist, dass er zu jedem Termin (oder ähnliches) von Außenstehenden gefahren werden muss, es also nicht allein schafft. Dies bringt ihn selbstverständlich in eine Abhängigkeit von anderen, die der Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben entgegensteht. Heißt - er kann nicht spontan entscheiden, mal irgendwo hin zu fahren. Genau hier setzt der § 55 an, denn es geht ja darum, ihn unabhängig von pflegenden Angehörigen bzw. Pflegediensten zu machen. An diesem Punkt müsst ihr ansetzen mit der Begründung. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen - es ist nicht so einfach. Vielleicht ist es euch möglich, mit dem Integrationsamt Verbindung aufzunehmen und um Hilfe zu bitten (das geht auch online).

Kommentar von JiaoYu ,

Gute Ansätze und Hinweise! Aber der Hinweis mit dem IA funktioniert leider nur bei Arbeitnehmern, denn diese werden von Integrationsamt mit finanziellen Hilfen unterstützt, denn hier steht die Integration ins Arbeitsleben im Vordergrund.

Antwort
von abibremer, 1

Wer auf die Idee kommt, auch im Rolli noch "politisch aktiv" werden zu wollen, der müsste ja irgendwie zu Parteiversammlungen hinkommen, was aber selbst mit den Öffis nicht unbedingt problemlos klappt. Auch Veranstaltungen der diversen Volkshochschulen sind oft wegen für Rollis unzugänglicher Gebäude nicht gut möglich

Antwort
von hoermirzu, 11

Fragt da bei diversen Umbauern, die haben Konzepte entwickelt, auf die einer, der nicht täglich damit konfrontiert ist, gar nicht kommt. - Leider funktionieren auch nicht alle Dinge, die man sich wünscht.

Antwort
von yougotananswer, 10

Unter gemeinschaftlichem Leben verstehe ich dasselbe wie du (Abhängigkeit und soziale Kontakte können leiden, ... ).

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