Frage von denitzap, 193

Können Behinderte Jugendliche an Regelschulen mit Nichtbehinderten lernen?

Hallo! Ich mache eine Umfrage über die Kinder mit Behinderungen und die Inklusion.

Also, wie meint ihr, können die Kinder mit körperlichen Behinderungen zusammen mit den anderen lernen? Und was meint ihr zur Inklusion der Kinder mit geistigen Behinderungen? Sind alle Schüler gleich?

Expertenantwort
von goali356, Community-Experte für Schule, 84

Ich war von der 4-7 Klasse auf einer Förderschule für Körperliche und
Motorische Entwicklung (weil ich auf einem Ohr taub bin und
Feinmotorische Probleme hatte). Da ich erst nachgeburtlich einseitig
ertaubt bin, hatte ich in der Grundschule starke probleme dadurch
(konnte den Untericht nicht mehr richtig folgen), dazu kam meine
schlechte Feinmotorik.

Auf der Förderschule hatte ich ne bessere
Klassengemeinschaft (auf der Grundschule bin ich wegen meiner
Hörbehinderung gemobbt worden), an Förderschulen sind die Klassen
kleiner, und alle sind hilfsbereit. Ich habe es an der Förderschule
geschaft meine Feinmotorik zu bessern und gelernt meine Hörbehinderung
zu kompensieren, daher bin ich zur 8.Klasse bin ich auf eine Hauptschule
gewechselt (allerdings wurde ich bereits an der Förderschule nach
Hauptschulniveu unterichtet). Für mich war es an der Hauptschule sehr
schwer mich in die Klasse zu integrieren, weil die Klasse viel größer
war und ich durch mein taubes Ohr probleme hab, bei
Hintergrundgeräuschen Gesprächen zu folgen. Außerdem habe ich ne
unsichere/leise Stimme (weiß nicht ob dass mit meinem tauben Ohr
zusammenhängt). Aufgrund meiner zurüchaltenen art, habe ich von manchen
Mitschülern manchmal doofe sprüche gehört. Die meisten haben mich aber
zumindest akzeptiert, auch wenn ich anders war. Da die Lehrer im
Untericht in der Regel für Ruhe sorgen und auch laut und deutlich
sprechen, hatte ich im Untericht kaum Probleme mitzukommen, außerdem
konnte ich mich Visuel orrientieren (Arbeitsblätter,Tafelbilder etc.).
Die Lehrer haben immer die nötige Rücksicht auf meine Behinderung
genommen, beispielsweise durfte ich mich immer so hinsetzen dass ich mit
meinem hörenen Ohr möglichst alles mitbekomme.  Ich habe an der
Hauptschule sogar als Klassenzweitbester den Realschulabschluss
erreicht. Nun mache ich Fachabitur für Sozial und Gesundheitswesen.
Zugegeben, ich hab eine vergleichsweise leichte Behinderung, ich
brauchte auch keine besonderen Hilfsmittel oder so. Ich habe allerdings
auch schon von beidseitig schwerhörigen/tauben gehört die eine
Regelschule (sogar Gymnasium) besuchen. Oft kann man bei Prüfungen entsprechene Nachteilsausgleiche
erhalten wie z.B. streichung des Hörverstehensteil bei Hörgeschädigten.
Ich habe mal gehört dass an meiner jetzigen Schule vor 2 Jahren nen
hochgradig Sehbehinderter Schüler war, er hätte nen Computerprogramm
gehabt, womit er sich unterichtsrelevante Texte anhören konnte.

Ich denke dass Inklusion in vielen Fällen mit den heute vorhandenen
Hilfsmitteln möglich ist, aber definitiv nicht in allen, so z.B. bei schweren geistigen Behinderungen oder Multiplen Behinderungen daher wird man
Förderschulen niemals abschaffen können.

Antwort
von Polepolepolska, 23

Hi,

Ich möchte dir die Frage so beantworten:
Wir begeben uns zurzeit am Anfang der Inklusion. Und ich unterstütze diese Entwicklung sehr! :)
Aber da wir uns beim Anfang befinden, läuft noch vieles falsch bzw. braucht seine Zeit.

Das bedeutet Inklusion an Schulen für mich (So stelle ich mir das vor):
Das ganze Schulsystem muss umgekrempelt werden! Das Schulsystem, wie wir es jetzt kennen, wird da nicht funktionieren. Noten finden da keinen Platz. Große Klassen ebenfalls. Und die Klassen werden nicht nach Alter eingeteilt, sonder nach Fähigkeiten/Kompetenzen, welche die Person mitsichbringt.
Und die individuelle Förderung wird im Vordergrund stehen. Nicht, wie wir es heute kennen: Alle lernen das gleiche.
Sondern es wird bei jedem geguckt, auf welchem Entwicklungsstand er sich befindent, welche Ressourcen er mitbringen etc.

Es ist für uns, auch für mich, schwierig sich so eine Schule vorzustellen. Aber anders sehe ich da nicht die Möglichkeite, eine vollwertige Schule nach dem inklusiven Gedanken zu erstellen.

Der Fehler unser Politik ist, dass Geld gespart wird und versucht wird, Menschen mit Behinderung in das "Regelschulensystem" zu integrieren. Das ist jedoch der falsche Weg. Die Regelschulen müssen sich gravierend ändern.
Das bedeutet nicht, dass sich nicht nur die Räumlichkeiten ändern. Der Lehrer wird eine andere Position einnehmen müssen (Ich habe da Montessori immer im Kopf). Die Gesellschaftsstrukturen müssen sich ändern (Noten nicht als Leistungsmaßstab) und vieles mehr.

Wie gesagt. Wir sind am Anfang. Und ich finde es schade, dass sich da die Politik so wenig einsetzt und investiert. Unser Bildungssystem sollte grundletzlich geändert werden, nicht nur aufgrund der Inklusion.

Kurz auf deine spezielle Frage:
Nein, es sind nicht alles Schüler gleich! JEDER ist anders. Auch bei den "normalen". Das ist ein wichtiger Ansatz bei der Inklusion. Die Unterscheidung zwischen "normal" und "behindert" sollte gedemmt werden. Jeder hat nämlich spezielle Bedürfnisse und Fähigkeiten/ Ressourcen.

Konkret: Ich bin der Meinung, dass Inklusion in der Zukunft gut funktionieren wird. Zurzeit sind wir "materiellen" und "gesellschaftlichen" Strukturen nicht weit genug... Förderschulen sind für einige Kinder mit Behinderung zurzeit die bessere Wahl.

LG :)

Kommentar von Kort1000 ,

In so einem Schulsystem wie du es dir vorstellst haben die Schulabschlüsse absolut GAR KEINE Bedeutung mehr. Irgendwo müssen wir doch auch Mindeststandards setzen wenn wir Schulabschlüsse vergeben wollen

Kommentar von Polepolepolska ,

Es können doch Abschluss- bzw Zwischenprüfungen erfolgen... Das ist doch nicht das Problem...
Vielleicht könnten diese etwas anders aussehen: nicht nur stumpf Mathe, Deutsch, Physik. Vielleicht wäre es zB. eine fächerübergreifende Prüfung. Oder es würden auch praktische Fertigkeiten geprüft und andere Kompetenzen, wofür es heute nicht einmal wirklich Tests gibt....

Es ist für mich auch schwer vorstellbar, wie eine Schule in der Zukunft aussehen würde. Ich bin nur der Meinung, dass das Schulsystem, wie es jetzt ist, nicht gut ist und es sich ändern muss.

Vielleicht zu mir:
Ich lebe in NRW und war der erste G8 Jahrgang. Ich habe die Schulzeit gehasst und vermisse diese Zeit kein Stück! Und das ist doch eigentlich traurig, dass man ungern zur Schule geht, oder? Bildung sollte doch Spaß machen!...
Und den Spaß am Lernen habe ich in der Ausbildung (zum Heilerziehungpfleger) für mich mehr entdeckt...

Zu den jetzigen Prüfungen:
Ich finde, dass jemand, der einen NC von 1,0 nicht automatisch dafür geeignet ist, Medizin zu studieren? Vielleicht kann er gut Dinge auswendig lernen und sich merken. Aber was ist mit den sozialen Kompetenzen? Diese werden garnicht in Betracht gezogen?

Zusammenfassung:
Prüfungen, wieso nicht? Das eine schließt das andere nicht aus. Es würde nur anders ablaufen.


LG :-)

Antwort
von HelmeSchmidt, 92

Es kommt auf die Art der Behinderung an. Jemanden der "nur" auf den Rollstuhl angewiesen ist, sonst aber geistig dem Unterricht folgen kann, sollte in eine "normale" Klasse gehen können.

Wenn allerdings noch geistige Behinderungen dazu kommen hat der/die Behinderte etwas davon, wird unter Umständen auch nie das Klassenzielerreichen.

Auf der anderen Seite kann dies auch dazu führen, dass er/sie die Klasse aufhält und stört. Dann kann man davon ausgehen,dass er/sie in der Klasse keine große Freude haben wird.

Ich hatte selbst das Glück trotz einer körperlichen Behinderung in eine Regelklasse zu kommen. Dies ist aber wie gesagt nicht imnmer sinnvoll

Kommentar von Polepolepolska ,

Nimm diese Kritik nicht persönlich: So denken viele, dass Menschen mit geistiger Behinderung stören würden...
Aber wieso würde sie stören? Stören sie, weil sie nicht in das System passen? Ja, oder? Ja dann sollte man doch das Schulsystem (endlich) ändern.
Das ganze Schulsystem muss umgekrempelt werden. Und dann profitieren alle davon.

Ich möchte noch etwas zu unserem jetzigen System los werden:
Einige meiner Freunde/Bekannten studieren Fächer auf Lehramt. Und es ist erschreckend, wie sehr die Pädagogik vernachlässigt wird! Dabei ist es das wichtigste Instrumen eines Lehrers!
Inklusion hin oder her. Auch der Unterricht für "normale" sollte endlich refomiert werden. Es wird höchste Zeit...

Naja....
Ich bin auch der Meinung, dass es zurzeit wirklich Grenzen gibt bei der Inklusion. Aber leider wird auch viel zu wenig dafür getan, um etwas daraun zu ändern (so sehe ich das zumindest).

LG :)

(Habe auch schon auf die Frage eine Antwort gegeben. Würde mich mal interessieren, was du davon hältst...)

Kommentar von HelmeSchmidt ,

Ja du hast recht, ich denke (leider) das sie nicht in das System passen. Da das Schulsystem nur auf Erfolg und auf stupides Wissen vermitteln getrimmt ist.

Aber wie sollte man das ändern. Schule hat nun mal die Aufgabe, auch wenn das manche Lehrer nicht so sehen, die Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten.

Man wird es nicht schaffen, es allen Recht zu machen. Im Endeffekt wird der eine oder andere zu kurz kommen.

Pädagogik wird nicht nur vernachlässigt. Ich hatte und habe teilweise das Gefühl das diese Disziplin einfach übersprungen wurde.

Ich würde ja gerne mal wissen, wie andere Länder damit umgehen. Länder die Deutschland in den PISA Studien immer wieder abhängen. Wie werden dort, wenn es denn passiert, Behinderte inkludiert?

Antwort
von Grrrimm, 1

Hallo!

Ich habe hier mal etwas überflogen was hier steht, ich hoffe ich wiederhole nichts. Generell gilt "Separation bedarf der Begründung, nicht Inklusion". Heißt, generell sollten alle Kinder auf eine Schule gehen können und nur wenn es deutlich wird, dass dies nicht möglich ist, sollte eine Förderschule in betracht kommen.

Ich arbeite selbst mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und auch diese können oftmals gut in einer Klasse mit nicht-beeinträchtigten Kindern lernen. Studien zeigen grundsätzlich, dass durch solche I-Klassen die soziale Kompetenz der nicht-beeinträchtigten Schüler verbessert wird und gleichzeitg lernen beeinträchtigte Kinder bessere Sprach- und Schriftsprachfähigkeiten.

Es gibt keine Studien die zeigen konnten, dass die Leistungen der nicht-beeinträchtigten Kinder irgendwie leiden in I-Klassen.

Methoden sind zum Beispiel entwicklungslogischer Unterricht nach Feuser, Montessori-Pädagogik, Wochenpläne etc...

Leider wird Inklusion momentan missbraucht um Geld zu sparen, sodass es keine I-Helfer gibt...

Außerdem ist unser Schulsystem einfach völlig auf Seperation aus, ob beeinträchtigt oder nicht, sodass wir von unserem unbedingten "Leistungsdenken" wegkommen müssten. Obwohl natrlich Bildungsabschlüsse sowieso mehr mit der sozialen Herkunft, als mit Leistung korrelieren...

Fazit: Unser Schulsystem hat multiple Fehler und so wird auch Inklusion nicht klappen, auch wenn es möglich wäre.

Antwort
von Hang0ver1, 75

Körperlich Eingeschränkte sind genau so lernfähig wie andere von daher sollten Sie meines Erachtens auf eine Schule/Klasse gehen.
Da geistig Behinderte häufig nicht das gleiche Lerntempo haben und gar nicht mit kommen würden und wahrscheinlich die vielen Fragen stören würden, würde ich die nicht zusammen Unterrichten.

Antwort
von kordely, 39

Taube Kinder müssen die Gebärdensprache erlernen, und das geht nicht, wenn sie zwischen Hörende aufwachsen. Sie haben Recht auf Gebärdensprache. Wenn sie ohne sie aufwachsen, dann werden sie die Sprache als solche nicht normal beherrschen.

Aber als Jugendliche könnten das machen, mit Hilfe von Gebärdendolmetscher.

Antwort
von Knoepfchen1989, 37

klar, wenn sie geistig vollkommen klar sind und sich die schulen darauf einlassen. ich hatte eine gehbehinderte bei mir in der klasse, sie war geistig fit, aber sie brauchte orthesen und krücken. sie konnte kein  sport mitmachen aber in allem anderen war sie eine der besten der klasse.

Antwort
von eLLyfreak98, 80

bei mir auf der Schule macht gerade eine fast blinde ihr Abitur und es klappt hervorragend. :-)

Eindeutig pro!

Kommentar von AmadeusZweiNull ,

als ob eine blinde, irgendwelchen einfluss hat. ist sie daredevil!?... wach mal auf man

Kommentar von eLLyfreak98 ,

es ist eine körperliche Behinderung und halt dich mal ein wenig zurück!

Antwort
von altgenug60, 44

Mir erschließt sich der Sinn und die Zielsetzung einer derartigen "Umfrage" nicht. Inklusion ist ein gesetzlich verbrieftes Menschenrecht. Punkt.

http://inklusionsfakten.de/

Antwort
von lucasmarijan, 54

Körperlich behinderte direkt in normale Klassen

Geistig Behinderte speziell fördern
Bei besonders guter Leistung auch in normale Klassen

Antwort
von blauerbaron, 59

Also ich kenne behinderte die auf normale Schulen gehen und das klappt echt gut! :)

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