Frage von MaTioSen, 61

Befristeter Arbeitsvertrag zum viertel mal verlängert (3 Jahre insgesamt) - Entfristung möglich?

Hallo zusammen, ich bräuchte mal gewissheit. Habe heute wieder eine Verlängerung bekommen um 6 Monate. Ich frage mich aber ob ich das entfristen lassen kann? Also ich bin bei der Firma seit 1.4.2014. Bis jetzt wurde mir zwei mal 1 Jahre befristet und danach zwei mal 6 Monate, Kalendermäßig, also nicht mit Sachgrund, im Arbeitsvertrag steht kein Wort über "Sachgrund"! Heute habe ich eine Verlängerung um 6 Monate bekommen und habe dies auch unterschrieben. Ich dachte laut Befristungsgesetzes ist nur bis max zwei Jahre erlaubt?! In dem zwei Jahre darf drei mal verlängert werden. Kann ich eine Entfristung bekommen? In alle vier Verlängerungen (inkl auch von heute) steht immer: "nach § 14 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes verlängert". Auf alle vier Arbeitsverträge stehen auch die Datum der Beginn und Ende des Arbeitsvertrag. Da steht kein Wort über "Sachgrund". Ich bin 24 Jahre alt. Zu der Firma: Firma wurde 1994 gegründet. / Mit IG Metall gebunden

Ich wäre dankbar für die Klarheit. Vielen Dank :)

Antwort
von toomuchtrouble, 42

Sachgründe für eine Befristung hier

http://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/\_\_14.html

Gibt es Vereinbarungen zwischen den Tarifparteien über eine anderslautende Regelung?

Sonst reicht in der Verlängerung der pauschale Hinweis auf den § 14 TzBfG (s.o.). Erst im Streitfall muss der Arbeitgeber konkret benennen, warum eine Befristung ohne Sachgrund vorliegt oder falls er das nicht herleiten kann, muss er einen der 8 Sachgründe benennen. Somit kann er sich optimal auf Deine Schritte vorbereiten und es handelt sich um die übliche Vorgehensweise, die von Arbeitgeberverbänden empfohlen wird.

Allerdings solltest Du Dir bis zum Ablauf der Befristung juristischen Rat einholen (Rechtssekretär bei der IG Metall, falls Du Mitglied bist oder Fachanwalt für Arbeitsrecht). Du kannst bis zu 3 wochen nach dem Ablauf der letzten Befristung klagen.

Letzter Hinweis: alles dokumentieren, was auf einen der Sachgründe hinweist!


Kommentar von MaTioSen ,

Hallo, 

Danke für deine antwort. Also das heisst es muss im Arbeitsvertrag gar keinen Sachgrund drauf stehen? 

Kommentar von toomuchtrouble ,

Nein, leider reicht der pauschale Verweis auf § 14 TzBfG...

Hier noch ein netter Ratgeber für Arbeitgeber....

https://www.impulse.de/recht-steuern/rechtsratgeber/befristeter-arbeitsvertrag/2...

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 45

Wenn die Befristungen alle ohne Sachgrund sind, hast Du jetzt einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Du kannst jetzt schon eine Entfirstungsklage einreichen, oder nach Ablauf der jetzigen Befristung. Wenn Du wartest und nach Ablauf einen unbefristeten Vertrag erhältst, kannst Du u.U. Ärger vermeiden, bekommst Du keine unbefristete Übernahme kannst Du dann klagen.

Wenn Du aber sofort für Klarheit sorgen willst, klage jetzt.

Kommentar von MaTioSen ,

Danke für deine Antwort.

Man sagte mir immer Mündlich dass es eine Sachgrund mäßige Verlängerung ist aber auf dem Papier steht NICHTS von Sachgrund. Sondern eine ganz normale Kalendermäßige Verlängerung. 

Was sagst du dazu? hmm

Kommentar von Hexle2 ,

Wenn der AG einen Sachgrund hat, warum sagt er das nur und schreibt das nicht in den Befristungsvertrag?

Befristete Arbeitsverträge bedürfen der Schriftform und da sollte erkennbar sein, dass es sich um eine Befristung mit Sachgrund handelt.

Ich würde an Deiner Stelle warten ob der jetzige Vertrag wieder verlängert werden soll, man Dich übernimmt oder das Arbeitsverhältnis beenden will.

Dann gehst Du mit Deinen Verträgen zu einem Rechtsanwalt oder der Gewerkschaft, lässt diese prüfen und kannst, wenn notwendig, eine Entfristungsklage einreichen. Das musst Du innerhalb von drei Wochen nach dem vereinbarten Ende des befristeten Arbeitsvertrags tun.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeitsrecht, 13

Besteht  lt. Arbeitsvertrag
ein Bezug zu einem Tarifvertrag?


 Denn dann kann die Anzahl der Verlängerungen oder die Höchstdauer der Befristung abweichen von dem § 14 TzBfG.

Wenn das nicht so ist, dann richte dich nach  www. § 17  TzBfG.de und rufe das Arbeitsgericht an mit der Bitte festzustellen, das die Befristung rechtsunwirksam ist.

Die Klage muss spätestens drei Wochen nach dem Ende des zur Zeit geltenden befristeten Arbeitsvertrags erfolgen.








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