Bedeutung "Motiv" in der Literatur?

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4 Antworten

Motive sind kleinere Einheiten, die das Handlungsgeschehen auf etwas Allgemeines, das Thema, beziehen (oder, wenn man von dem Begriff„movere“ = bewegen ausgeht, von dem das Wort stammt: die das Geschehen auf etwas Allgemeines hin „bewegen“. Es gibt feststehende Motive, die in der Literatur immer wieder auftauchen, z.B. Mann zwischen zwei Frauen oder Frau zwischen zwei Männern. Daneben gibt es auch freie Motive, vor allem im Gedicht.

Am ergiebigsten sind die romantischen Motive. Hauptthema der romantischen Dichtung ist der Drang des Helden nach dem Unendlichen, dem Vollkommenen, dem Unerreichbaren. Diesen allgemeinen Zielen sind bestimmte Motive zugeordnet: z.B. das Wandermotiv (der Romantiker ist ständig unterwegs zu seinen Zielen, die er nie erreicht), oder das Motiv der Gefahr (der Held,der sich unerreichbare Ziele setzt, begibt sich in Gefahr; er verlässt die bürgerliche Geborgenheit und ist ständig unterwegs); das Motiv der Sesshaftigkeit oder des Spießertums spielt hier ebenfalls eine (negative) Rolle,und zwar als Ausdruck des Abscheus des Romantikers gegen das Festgenagelt-seinin der bürgerlichen Gesellschaft. Das Sehnsuchtsmotiv ist besonders wichtig und ebenfalls auf das romantische Streben gerichtet: der „Taugenichts“ z.B. (aus der Eichendorff-Novelle) bricht, nachdem er seine Geliebte bekommen hat, sofort wieder auf nach Italien; die „Sehnsucht“ nach der Ferne hat ihn erneut erfasst.

 

Im "realistischen" Gedicht gibt es das Motiv des Sich-abfindens, des Resignierens, weil die gesellschaftlichen Mächte (Adel,Standesdenken) übermächtig sind.

 

Schwierig ist die Abgrenzung zum „Symbol“. Die Rose kannein Symbol der Liebe sein. Das Motiv ist allgemeiner. Z.B. das Eichendorffgedicht „Die zwei Gesellen“: „....Verlockend Sirenen und zogen ihn in der buhlendenWogen farbig klingenden Schlund.“ Sirenen, buhlende Wogen, Schlund sind symbolische (Einzel-) Bilder, das Verb „ziehen“ ist ebenfalls ein symbolischerVorgang. Sie alle symbolisieren Gefahr, Absturz, Untergang. Der allgemeineVorgang, der hier geschildert wird, ist das Motiv, d. h. das Motiv der Gefahr.Die Übergänge sind fließend. Insofern ist der Begriff Motiv ziemlich unscharf.


Auch zum Thema ist die Abgrenzung nicht einfach. Das Thema kennzeichnet ein Geschehen allgemein, das Motiv umschreibt kleinere Einheiten. „Mann zwischenzwei Frauen“ kann als Motiv eine kleinere Einheit eines Romans beschreiben,aber auch das grundlegende Geschehen eines Romans sein, dann wird das Motiv zumThema.

Oder das Thema der Stormnovelle „Immensee“: „Ein Mann verfehlt seine große Liebe.“ Eine kleinere Einheit, also ein Motiv, wäre etwa das Resignieren des Helden Reinhard. Er besucht seine frühere Freundin, aber die ist inzwischen verheiratet. Als Reinhard einmal eine weiße Wasserlilie schwimmend erreichen will, verhindert ein Gewirr glatter Stängel vom Grund des Sees ein Näherkommen.Reinhard gibt auf (typisches Motiv des Resignieren oder des Sich-Abfindens in der Novelle des Realismus).


Die Wasserlilie wäre hier ein Symbol des Glücks,auf das der Held aber verzichten muss. Insofern ist das Symbol mehr ein Ding,das Motiv eher ein Vorgang (Wandern, Aufbrechen in die Ferne).

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Ein Thema oder ein Sachverhalt der auch in anderen Geschichten wiederkehrt.
Ein (offensichtliches/einfaches) Beispiel ist z.B. der "Held".
Das Motiv des Helden ist in vielen formen der Literatur zu finden. In dem Märchen Rapunzel ist es der Prinz, in den Marvel Comics z.B. Spiderman.

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Das Motiv ist der Kern, der Leitgedanke eines fiktionalen Textes.

Konkret: In Borcherts KG "Das Brot" sind es der Hunger und die Entfremdung des Ehepaares; in der KG "Die Küchenuhr" sind es Krieg, Ruinen und entsprechende Erinnerungen.

In Goethes "Faust" ist es die Suche nach dem SINN DES LEBENS...

pk

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Das Motiv ist denk ich der Grund, warum das geschrieben wurde. In der Fabel vielleicht auch die Lehre...die Funktion, kann das sein?

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Kommentar von catsandmusic
06.09.2016, 21:30

Das literarische Motiv (oder auch in der Musik) ist nicht mit "Absicht","Intention" oder "Zweck", wie zb in der Kriminologie, zu vergleichen. Es ist nämlich nicht unbedingt der Grund, warum ein Werk geschrieben wird, sonder viel mehr Teil des Werkes und seiner Struktur, wie in der Frage eigentlich schon steht. Beispiele sind Stereotypen wie der Held (Märchen, Fabeln,..), der Dandy (englische Literatur im späten 19. Jhdt.), der rachsüchtige Bruder (Schiller Die Räuber),... Aber auch ungreifbare Erscheinungen wie Vergänglichkeit (Barock), Natur (ok ist greifbar sorry; in der Romantik), Mysterien (auch Romantik) usw

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