Frage von Becca22, 34

Was ist die Bedeutung dieses Textausschnittes?

Anerkennung verzichtet auf die Macht, aus der die Toleranz noch kommt.
?
Ich verstehe das leider nicht so ganz, wäre super nett wenn jmd das nochmal in 'eigenen'/ verständlicheren Worten sagen könnte oder es mir erklären würde:)
(Textausschnitt aus "Toleranz als vorübergehende Gesinnung" von Josef Fellsches)
Danke im Voraus
LG Becca

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von arevo, 25

Meine Co-Kommentatoren haben das Wichtigste schon geschrieben.

Ich möchte allerdings noch auf einen Aspekt hinweisen, der im deutschsprachigen Raum leider immer untergeht.

Die Toleranzidee und Toleranzgedanke wurde in England und Frankreich z.B.rechtlich aufgefasst.In Frankreich etliche Toleranz-Edikte, die aber vielfach keinen festen Bestand hatten, weil sie zurückgezogen werden konnten.Aber auch in England ist ersichtlich, dass die Toleranzidee eng mit der Anerkennung verbunden war.Oder z.B. die Toleranzgesetze hinsichtlich der Berufausübungder Juden in den europäischen Ländern.

Ich glaube nicht, dass man so linear denken kann und erklärt: Zuerst kam die Toleranz und dann die Anerkennung.Das stimmt so generell nicht.

Denn damit die Toleranzidee geboren werden konnte, war es erforderlich, die Notwendigkeit eines anderen Umgangs mit einer Menschengruppe ( religiöser oder politischer Natur) anzuerkennen.

Die gesamten Toleranzgesetzungen erfolgte teils parlamentarisch wie in England oder per Edikt oder Verordnung eines Königs. Anschließend erfolgte die langsame Anpassung und die Gewöhnung an die neue rechtliche Situation.

Dieses "erdulden/tolerieren " bezog sich immer auf den Staat. Er mußte z.B die Katholiken in England ertragen, in Frankreich die Hugenotten oder später die Juden in vielen europäischen Ländern.

Das ist meine Ansicht dazu.

Kommentar von arevo ,

KORREKTUR

..Die gesamten Toleranzgesetzgebungen erfolgten......

Antwort
von 1988Ritter, 30

Wer auf die Macht über Andere verzichtet, der akzeptiert auch gleichzeitig, dass sich andere Menschen eigenständig entwickeln. Durch diese Akzeptanz der eigenständigen Entwicklung, erfolgt die Toleranz 

Was sehr oft mit Toleranz verwechselt wird, das ist die Eigenaufgabe. Wer Toleranz übt, der muss nicht zwangsläufig seine Lebenseinstellungen zugunsten anderer Lebenseinstellungen aufgeben. Toleranz bedeutet also nichts anderes als eine Begegnung auf Augenhöhe.

Kommentar von Becca22 ,

Super vielen Dank! Da wäre ich nie draufgekommen:D

Antwort
von Dummie42, 34

Tolerare heißt erdulden, ertragen.

Man duldet jemanden, aber man begegnet ihm nicht wirklich auf Augenhöhe, sondern fühlt sich höherstehend. Man erlaubt demjenigen das zu sein, was er ist. Soll heißen, man hat die Macht, demjenigen diese Duldung auch wieder zu entziehen. Aber erst, wenn man jemanden wirklich anerkennt, ist ein ungefährer Gleichstand oder Gleichberechtigung erreicht.

Kommentar von Dummie42 ,

Ergänzung:

Nehmen wir das Beispiel Frauenemanzipation. Man kann den Frauen Bildung gewähren, ihnen erlauben ein eigenes Konto zu eröffnen oder einen Beruf auszuüben. Aber erst, wenn das alles auch gesetzlich festgeschrieben ist, man(n) also auf die Macht verzichtet, diese "Gunst" nach Laune wieder entziehen zu können, ist aus dem Zustand des Tolerierens auch Anerkennung geworden. Aber selbst dann kann es noch lange dauern, bis echter Gleichstand erreicht ist. So haben wir beispielsweise seit 1949 im Grundgesetz den Artikel 3, Absatz 2: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. [...]" Trotzdem konnten Ehemänner bis weit in die 70er Jahre ihren Frauen beispielsweise verbieten, einen (ihren) Beruf auszuüben, wenn sie der Meinung waren, die Gattin vernachlässige den Haushalt.

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