Frage von William1Blake, 33

Bedeutung der Wortverbindung "Was/wie/wo/wer/wann/warum/weshalb auch immer"?

Was bedeutet überhaupt diese Wortgruppe? Z.B. im Satz "Was auch immer geschieht, ich gebe nie auf!"? Oder auch hier (gerade heute im Spiegel.de): "Warum auch immer: In ihrer Zeit als Außenministerin von 2009 bis 2013 hat Clinton alle dienstlichen E-Mails über die private Mail-Adressehdr22@clintonemail.com abgewickelt". Haben alle obige erwähnte Variationen irgendwelche gleiche Bedeutung?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LolleFee, Community-Experte für Grammatik, Sprache, deutsch, 19

Da steckt ein "egal" drin:

  • was auch immer (er tut) > es ist egal, was (er tut)
  • wie auch immer (er das geschafft hat) > es ist egal, wie (er das geschafft hat)
  • wo auch immer (er ist) > es ist egal, wo (er ist)
  • wer auch immer (das war) > es ist egal, wer (das war)
  • wann auch immer (er das macht) > es ist egal, wann (er das macht)
  • warum auch immer (er das macht) > es ist egal, warum (er das macht)
  • weshalb auch immer (er das macht) > es ist egal, warum (er das macht)

Denselben Effekt haben auch "egal, was/wie/wo/wer/wann/warum/weshalb (er das tut)" und "ganz gleich, was/wie/wo/wer/wann/warum/weshalb (er das tut)".

Nach diesem Satz steht immer ein Satz, der entscheidend ist, bspw.

  • was auch immer (er tut), (ich fahre jetzt nach Hause)
  • wie auch immer (er das geschafft hat), (ich mache es auf meine Weise)
  • wo auch immer (er ist), (ich gehe jetzt)
  • wer auch immer (das war), (das wird ein Nachspiel haben)
  • wann auch immer (er das macht), ich warte nicht mehr auf ihn
  • warum/weshalb auch immer (er das macht), es interessiert mich nicht

Ein solcher Satz gibt dem Folgesatz eine gewisse Allgemeingültigkeit. Die Frage nach dem "Was/Wie/Wo/Wer/Wann/Warum/Weshalb" ist völlig unerheblich, da mit diesem ersten Satz alle Antwortmöglichkeiten abgedeckt sind. 

Kommentar von LolleFee ,

Noch deutlicher wird es vielleicht im zweiten Absatz meines Kommentars auf die Antwort von achwiegutdass.

Kommentar von LolleFee ,

Vielen Dank für den Stern. =)

Expertenantwort
von achwiegutdass, Community-Experte für Sprache, 20

Warum auch immer = aus welchem Grund auch immer = man kann da den Grund nicht erkennen, er bleibt unergründlich

Diese Wortsequenzen sind eine Nebenform der Konzessivsatzes.

Was er auch sagt, das überzeugt mich nicht = obwohl er viel spricht, kann er mich nicht überzeugen.

Er mag noch so viel reden, er kann er mich nicht überzeugen.

Was er auch (immer) sagen mag, er kann er mich nicht überzeugen.

Was auch immer (gesagt wird),...

 

Kommentar von LolleFee ,

"Warum auch immer = aus welchem Grund auch immer = man kann da den Grund nicht erkennen, er bleibt unergründlich"

Nach meinem Verständnis ist der Grund auch völlig unerheblich. Der Folgesatz drückt eine Art Konsequenz aus, die unabhängig von Bedingungen ist, die im W...-auch-immer-Satz erläutert werden.

Was auch immer Du getan hast - es ist nicht schlimm. Darin steckt bspw. wenn du ein Fenster mit dem Fußball zerdeppert hast (- es ist nicht schlimm); wenn du dich dreckig gemacht hast (- es ist nicht schlimm); wenn du jemanden umgebracht hast (- es ist nicht schlimm). Der Folgesatz ist die Konsequenz jeder Möglichkeit, den ersten Satz "mit konkretem Inhalt zu füllen".

Kommentar von achwiegutdass ,

Nach meinem Verständnis ist ein Grund, der radikal unergründlich ist, auch unerheblich, aber das war in meiner nächtlichen Antwort wahrscheinlich nicht deutlich genug. Danke für die Klarstellung.

Eine Konsequenz, die unabhängig von Bedingungen ist, usw., ist für mich eine Nebenform des Konzessiven, da das Konzessive dadurch definiert wird, dass der Wortlaut des Konzessivsatzes die im Hauptsatz formulierte "Handlung" nicht aufheben kann.

Obwohl es regnet, gehe ich aus.

Wie das Wetter auch ist, ich gehe aus.

Im ersten Beispiel wird ein Grund angegeben, im zweiten werden einfach alle Gegengründe abgedeckt.

Grevisse nennt diese Wortsequenzen "proposition d'opposition". Kennst du einen deutschen Begriff dafür ?

Kommentar von LolleFee ,

Je mehr ich mich damit auseinandersetze, umso weniger spielt für mich die "Ergründlichkeitkeit" der Gründe überhaupt eine Rolle bei "w... auch immer"-Konstruktionen.

Und ein radikal unergründlicher Grund mag auch unerheblich sein - muss er aber nicht meines Erachtens -, aber auf keinen Fall sind unerhebliche Gründe auch immer unergründlich. 

Konzessivsätze werden auch "Sätze des unzureichenden / unwirksamen Grundes" genannt. Diese Bezeichnung konkurriert mit der Bezeichnung als "Sätze der Einräumung". Meines Erachtens ist dieser Streit berechtigt, da manche Konzessivsätze tatsächlich einräumender Natur sind (aber eben nicht alle!) und damit ein Grund natürlich ausreichend wird, andere aber da keinen Spielraum haben.

"Sätze des unzureichenden Grundes" stehen dem Sachverhalt des Trägersatzes entgegen, haben aber nicht genug Gewicht, um diesen zu verhindern, was meines Erachtes für "w... auch immer"-Sätze zutrifft.

Was auch immer Du darüber denkst  - für mich bleibt hier unerheblich, ob ein Grund "ergründlich" oder unergründlich ist ;))

Antwort
von Rotrunner2, 17

Das bedeutet nichts anderes als "ich weiß es nicht warum der oder die dies oder jenes getan haben" (Warum auch immer...)

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