Erstmal ein Gedicht über Orpheus, stammt von Hermes-Fan, einem Netz-Freund von mir.
Orpheus
„Meine Gattin ist verstorben,
`s hat mir das Leben verdorben.
Von einer Schlange gebissen,
ward sie aus dem Leben gerissen.
Weil mich die Sehnsucht so quält,
begab ich mich in die Unterwelt.
Vorbei am Höllenhund Zerberos
Kam ich zu Euch in den Tartaros,
um Euch darum zu beten,
lasst Eurydike wieder leben!“
Der Sohn der Kalliope sang,
so wunderschön, traurig und lang.
Im Tartaros herrscht tiefes Schweigen,
weil die Toten gerührt sich zeigen.
Und schließlich gab auch Hades nach
Der König der Unterwelt sprach:
„Ich geb dir Eurydike raus,
nimm sie mit zu dir nach Haus.
Doch höre diesen Rat von mir,
wend deine Augen ab von ihr.
Schau ihr nicht in ihr Gesicht,
bevor ihr erreicht das Tageslicht!“
Doch weil er sie gar so sehr liebte,
die Unvernunft ihn dann besiegte.
Er dreht sich zu ihr um,
O Orpheus, das war dumm!
Eurydike verschwand
Und er sah nur noch Wand.
Er kehrte heim, war voll Schmerz,
denn gebrochen war sein Herz.
Orpheus liebt also seine Frau Eurydike heiß und innig - so sehr, dass er in die Unterwelt marschiert, um sie zurückzugewinnen.
Was die Orphiker mit diesem Gleichnis zeigen wollten:
Dass Liebe ohne Vernunft (langfristige Folgen mit berücksichtigend, mal verkürzt gesagt) höchst unerwünschte Konsequenzen hat. Diese Vernunft aber offensichtlich etwas ist, zu der Menschen meist nicht in der Lage sind, wenn sie eine Situation als brenzlig erleben.
Orpheus wusste ja, was passiert, wenn er sich umdrehen würde. Wollte es aber - vermutlich - nicht wahrhaben.
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