Frage von HugoRune, 165

Bedeutet Waffe führen auch "schußbereit" führen oder "nur" zugriffsbereit?

Im Waffengesetz ist der Begriff "Führen" in Anlage 1, Abschnitt 2, Ziffer 4 definiert, als Ausüben der tatsächlichen Gewalt. Leider finde ich keine Def. von "tatsächliche Gewalt ausüben". Bedeutet "Führen" nun schußbereit führen oder "nur" zugriffsbereit führen?

Die Frage ist relevant, da sie in Zusammenhang mit WaffG Anlage 2, Abschnitt 2, Ziffer 3.1 definiert, ob ein mehrläufiger Vorderlader mit Funkenzündung, der vor dem 1.1.1871 entwickelt wurde, geladen und damit schußbereit geführt werden dürfte. (!)

Die Frage ist von theoretischem Interesse, für die Trolle hier im Forum.Es ist auch klar, daß ein Polizist einen damit trotzdem hops nehmen würde, wir leben ja schließlich in einem Rechtsstaat.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von clemensw, 57

"Führen" beinhaltet auch das zugriffsbereite Tragen in geladenem Zustand.

Ergibt sich u.a. aus WaffG §10 Abs. 4: "Die Erlaubnis zum Führen einer Waffe wird durch einen Waffenschein erteilt." - Das würde keinen Sinn ergeben, da ein Waffenschein nur zur Gefahrenabwehr erteilt wird und eine ungeladene Waffe somit keinen Sinn ergibt.

Betrachtet man also nur das WaffG, dürfte eine Schußwaffe "mit Lunten- oder Funkenzündung, deren Modell vor dem 1. Januar 1871 entwickelt worden ist", ein theoretisch auch geladen geführt werden.

Nachdem aber solche Waffen mit Schwarzpulver geladen werden, greift hier die SprengV bzw. die GGVSEB - und da ist eine Schußwaffe definitiv kein "geeignetes" oder "handelsübliches" Behältnis zum Verbringen explosionsgefährlicher Stoffe.

Kommentar von HugoRune ,

Ist mir jetzt richtig peinlich, denn das hätte ich wissen müssen, als Inhaber einer Genehmigung nach §27 SprenG. DANKE!

Antwort
von DocCyanide, 28

Das WaffG unterscheidet beim Führen nicht zwischen geladen und ungeladen. Wenn man eine Waffe führen darf (und nicht nur transportieren), dann darf sie auch schussbereit sein.

Antwort
von ES1956, 71

Betrachte es einfach von der anderen Seite: Die einzige Alternative zum Führen ist Transportieren.
Transportieren wird genau beschrieben ( verschlossenen Behältnis, getrennt von Munition) -> alles andere ist Führen.

Kommentar von Laestigter ,

Er weis doch schon, dass er die alte Plempe führen darf - er will nur wissen ob die auch geladen sein darf und da hilft ihm mein Verweis auf die WaffVwV..

Führen oder Transportieren war hier nie die Frage..

Kommentar von ES1956 ,

stimmt

Antwort
von JUSTLIKELASAGNE, 75

Führen heißt für mich zugriffsbereit, bin aber auch kein Jurist, also sollte diese immer in einem verschließbaren Behältnis transportiert werden, so dass diese nicht mit wenigen Handgriffen schussbereit gemacht werden kann.

Ich hoffe konnte dir etwas helfen habe nämlich nicht ganz durch die Frage durchgeklickt :)

Kommentar von Laestigter ,

Führen darf er die so oder so wegen des Alters des Systems - Er wollte wissen, oder er sie GELADEN oder UNGELADEN führen kann/muss..

Antwort
von Laestigter, 58

Das mit den "Trollen hier" überlese Ich mal ganz schnell, damit man das nicht wegen Beleidigender Inhalte zum löschen melden muss..

WaffVwV vom 05.03.2012 Seite 56..

(Das ist so die Erklärungsbibel, was im WaffG gemeint ist)

Und da steht auf Seite 56 links mittig:

Anlage 1 Abschnitt 2 Nummer 4
Für den Begriff des Führens kommt es nicht darauf an, ob jemand eine Waffe  in der Absicht, mit ihr ausgerüstet zu sein, bei sich hat. Ebenso wenig wird  darauf abgestellt, ob die Waffe zugriffsbereit oder schussbereit ist oder ob  zugehörige Munition oder Geschosse mitgeführt werden. Unerheblich ist  hierbei auch, ob die Waffe funktionsfähig ist.

Unmissverständlich oder? - Interessiert keinem ob geladen oder nicht...

Kommentar von HugoRune ,

Formal hast Du Recht, aber ein wesentlicher Aspekt fehlt. Kollege clemensw hat den herausgearbeitet: es spielt eine Rolle, ob Schwarzpulver im Vorderlader ist. Damit würde ich gegen das SprengstoffG verstoßen.

Kommentar von Laestigter ,

So - Wollen wir jetzt eine Diskussion vom Zaun brechen, ob und wie der Transport von Schwarzpulver zu erfolgen hat, weil das geladene herumtragen einer Muskete irgendwie ja auch als "Transport " schön geredet werden könnte? - Nein Ich darf die so führen, als ob Ich damit gleich schießen möchte, z.B.  zur Selbstverteidigung. - also auch das Zündhütchen hinten drauf, schon klar, eben schussbereit!

Ich transportiere eben nicht das Teil! - Ich führe das Teil!

Wenn, dann hätte doch der Gesetzgeber da doch was ins Gesetz rein geschrieben,  - gerade weil es sich um Schwarzpulverwaffen handelt - Aber wie es halt so ist: Was nicht verboten ist, ist erlaubt...

Steht nichts drin, WaffVwV  weist EXTRA!! drauf hin, dass es egal ist, ob der Vorderlader geladen oder nicht ist (Obwohl doch klar ist, das "geladen" aufgrund der Waffen, um die es geht immer! bedeutet "mit Schwarzpulver geladen", mit was denn sonst? - Pyrodex + TripleSeven sind hier bei uns doch eher außen vor...)

Aber wer über das bis ins äußerste diskutieren möchte - hier gibt es welche, die diskutieren sogar darüber, ob man seine vorher abgewogenen Ladungen Zuhause aufbewahren darf..

http://waffenforum.gun-forum.de/index.php/Thread/27686-Schwarzpulver-in-R%C3%B6h...

Das wäre die richtige Umgebung, in der der geneigte Interessierte seine Auskünfte bekommt - Ich schieße nur Vorderladerrevolver aus Spaß und dass mit Presslingen...

Diskussionen also bitte dann auch mit dem Gesetzgeber, Ich habe nur das Gesetz und dessen "Handbuch" zitiert, vorauseilender Gehorsam ist aber seitens des Gesetzgebers immer gern gesehen

Antwort
von Andreas703, 59

Führen lt. Waffengesetz bedeutet: Die Waffe muss "zugriffsbereit" sein, also auf den Beifahrersitz, im Handschuhfach, in der Hosen- oder Jackentasche - auch wenn da ein Reißverschluss dran ist - aber auch im Rucksack auf dem Rücken gilt vor Gericht als "zugriffsbereit". Dabei spielt der Ladezustand KEINE Rolle !

Also überall, wo man ohne großen Aufwand ran kommen kann.

Im Kofferraum z.B. - egal in welchem Ladezustand - wäre nicht zugriffsbereit nach dem WaffG.

Bei Langwaffen spielt auch die "Verpackung" eine Rolle.

Ein Luftgewehr in einem geschlossenen Futteral auf dem Rück wäre z.B. erlaubt.

Kommentar von ES1956 ,

Das ist leider gefährlich falscher Quatsch.

Kommentar von Laestigter ,

An der Frage vorbei geantwortet..

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 61

Eine Waffe darf waffenscheinfrei geführt werden, wenn sie (u.a.) nicht zugriffsbereit UND nicht schussbereit (geladen) von einem Ort zum anderen befördert wird. 

Das ergibt sich aus § 12 Abs. 3 Nr. 2 WaffG.

Liegt also einer der Tatbestände des 12,3 Nr. 2 WaffG nicht vor, handelt es sich um Führen und bedarf demnach eines Waffenscheins (soweit nicht die weiteren Ausschlusstatbestände des Abs.3 zutreffen). 


Kommentar von PatSich ,

Er fragt ja eben nach Vorderladern mit Funkenzündung, da diese laut WaffG Anlage 2 zu §2, Unterabschnitt 2 geführt werden dürfen als einzige Ausnahme.

3. Erlaubnisfreies Führen

3.1 Schusswaffen mit Lunten- oder Funkenzündung, deren Modell vor dem 1. Januar 1871 entwickelt worden ist;


Kommentar von OnkelSchorsch ,

Das beinhaltet jedoch nicht die Munition. Luntenschlussmuskete darfst du gerne geschultert (zum Beispiel zur Gewandung auf dem Weg zur Reenactment-Veranstaltung) offen tragen, auch auf der Straße. Aber ungeladen. In dem Moment, wo Schwarzpulver hinzu kommt, sieht das anders aus.

Begeht bitte nicht den Fehler, Gesetzestexte laienhaft wörtlich zu nehmen. So simpel ist das nicht. Wäre es so simpel, bräuchte man weder Rechtsanwälte noch Staatsanwälte und nur selten Richter.


Kommentar von Laestigter ,

Komplett falsch, spielt lt, WaffG KEINE! Rolle, ob da Pulver drin ist oder nicht.

Und man muss sich auch nicht verkleiden, um damit rumzulaufen, da bringt einer aber wieder übel etwas durcheinander...

Kommentar von ES1956 ,

§12- 3 behandelt den Transport. Dabei handelt es sich nicht um "Führen". Die Aussage " darf Waffenscheinfrei geführt werden" ist falsch.

Kommentar von furbo ,

Die Aussage des § 12 Abs. 3 Nr. 2 WaffG ist falsch?

"Einer Erlaubnis zum Führen von Waffen bedarf nicht, wer...

...diese nicht schussbereit und nicht zugriffsbereit von einem Ort zu einem anderen Ort befördert, sofern der Transport der Waffe zu einem von seinem Bedürfnis umfassten Zweck oder im Zusammenhang damit erfolgt;"

Kommentar von Laestigter ,

Wenn du nun wüsstet und endlich zur Kenntnis nehmen würdest, das so eine Waffe (Luntenzündung, System vor 1871) davon nicht umfasst ist, also das von dir gepostete nicht für diese Art von Waffe gilt, dann weist du auch, was an deiner Anwort falsch ist:

Im Waffengesetz steht folgendes:

3.
Erlaubnisfreies Führen
3.1
Schusswaffen mit Lunten- oder Funkenzündung, deren Modell vor dem 1. Januar 1871 entwickelt worden ist;

Wen du nun noch weist, dass "erlaubnisfreies führen" bedeutet, dass man da keie Erlaubnis, sprich keinen 'Waffenschein braucht (oder irgendwelche Reanactment -Klamotten tragen muss, weil auch davon nichts drin steht) dann müsste auch dir klar sein, dass man diese Art von Waffe einfach so herumschleppen darf - und zwar sogar geladen, wenn man das will, weil das lt, Gesetz keinen interessiert..

Kommentar von furbo ,

Fällt es dir eigentlich schwer, andere Beiträge sachlich zu kommentieren ohne sofort persönlich zu werden?

Kommentar von Laestigter ,

Ja - meine Art ist viel besser und bleibt in Erinnerung - und wenn nur jeden Tag eine falsche Antwort dadurch erpart wird, die dann wieder ein paar andere korrigieren müssen, dann hat es was gebracht.

Kommentar von Laestigter ,

Er will nur wissen, ob geladen oder ungeladen - alles andere, also das diese Waffe geführt werden darf, hat er doch schon selbst erklärt..

Frage nicht verstanden?

Kommentar von furbo ,

Frage schon verstanden.

Bedeutet "Führen" nun schußbereit führen oder "nur" zugriffsbereit führen?

Beides ist Führen. 

Führen ist aber auch das Befördern von A nach B, auch wenn die Waffe nicht schussbereit und nicht zugriffsbereit ist.

Kommentar von Laestigter ,

Anscheinend nicht - Dass er sie führen darf weis er doch und hat das auch in seiner Frage schon geschrieben - Wo hast du geantwortet, ob  die geladen oder ungeladen sein darf/muss, denn das wollte er wissen..

Kommentar von ES1956 ,

Nicht der 12/3 ist falsch sondern deine Interpretation. Im 12/3 stehen die Worte"befördern" u "Transport", beides hat mit "Führen" nichts zu tun.

Kommentar von furbo ,

@ ES1956

du hast den Abs. 3 aber schon komplett gelesen? Vor allem die ersten Worte.

Kommentar von ES1956 ,

@furbo: Ich übersetze es mal frei: Eine Erlaubnis zum Fahren eines Autos braucht nicht .......... Wer ein Auto in seiner Garage schiebt.

Kommentar von furbo ,

Ziemlich frei übersetzt. 

Richtig wäre eher: zum Führen einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine im öffentlichen Straßenverkehr bedarf es keiner Erlaubnis - wenn diese Maschine weniger als 6 km/h fährt. 

Führen bleibt es, nur es ist erlaubnisfrei. 

Fährst du also mit deinem Rasentraktor auf deinem unbefriedetem Besitztum rum, führst du ihn, die brauchst nur keine Erlaubnis. 

Kommentar von Laestigter ,

Leider auch der Kommentar an der Frage vorbei...

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