Frage von CamelWolf, 28

Bedeutet staatliche Fürsorge nicht auch Entmündigung der Bürger?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 11

Wenn du unter "staatliche Fürsorge" die "Daseinsfürsorge" verstehst: Das war einst der Grund, warum sich Menschen zu Gemeinschaften zusammenfanden. (Und aus diesen Gemeinschaften wurden später Staaten.)

Erst durch diese "gemeinschaftliche Absicherung" waren die Menschen überhaupt imstande, sich zu spezialisieren und weiterzuentwickeln. Alles, wirklich ALLES, was dich heute umgibt, basiert darauf, dass es eine Gemeinschaft gab. Nicht eine einzige Leistung ist die Leistung eines einzelnen Menschen.  

Es ist also nicht nur "irgendeine", sondern DIE zentrale Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass alle Mitglieder der Gesellschaft fundamentale Bedürfnisse erfüllt bekommen: Wohnen, Essen, Schlafen, Schutz, Gesundheit, Bildung ... kurz: alles, was "für die Gemeinschaft als Ganzes" gut ist. 

Erst die scheinbar "liberalen" Kräfte versuchen, dem Staat eine "Nachtwächter-Aufgabe" zu geben, wollen ihn also auf Schutz und ein paar weitere rudimentäre Aufgaben reduzieren. Doch das hat nur insoweit mit "Liberalismus" zu tun, als es ein reiner "Liberalismus für die Reichen" ist, der auf dem Rücken der weniger Wehrhaften getragen wird. Damit widerspricht es dem Staats- also Gemeinschaftsprinzip vollständig.

Der Grund dafür ist, dass "Staat" (also "Gemeinschaft") immer auf die Schwachen ausgerichtet ist; und dazu die Kräfte der Starken einfordert. 

Das ist natürlich nicht lustig, wenn und solange man selbst stark ist. Doch wie das bei allen "Versicherungen" (auch der Staat ist eine gemeinschaftliche gegenseitige "Versicherung") ist: Man bemerkt's erst, wenn man es selbst braucht...

Beispielsweise sind damals unzählige Leute in die Privaten Krankenversicherungen gewechselt, als sie erlaubt wurden. Man konnte - im Vergleich zu den staatlichen Krankenkassenbeiträgen - Unmengen an Geld sparen. Doch auch die privaten Kassen arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Sie holen es sich eben nur etwas später. Und so kommt es, dass die Zahl der Leute, die im Laufe der Jahre immer höhere und höhere Beiträge zahlen mussten, bis sie schließlich finanziell völlig überfordert waren, immer größer wird und sogar gesellschaftlich bedrohliche Größenordnungen angenommen hat. 

Und heute muss der Staat diese Leute wieder auffangen, kommt also (notgedrungen) seiner "Gemeinschaftspflicht" nach, wenn die Konzerne diese Leute fallen lassen.

Doch wenn stattdessen gleich alle (wirklich ALLE) in einer einzigen Krankenkasse Mitglied wären, könnte man, so haben Experten ausgerechnet, die Krankenkassenbeiträge mehr als halbieren und gleichzeitig die Leistungen wieder auf ein Niveau anheben, wie es nur noch Leute kennen, die in den 80er Jahren mal zum Arzt gingen...

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Mit anderen Worten: Nein, es handelt sich nicht um "Entmündigung", sondern um "Entlastung". 

Den Menschen werden fundamentale und immer wiederkehrende Lasten, vor allem jene Sorge um das tägliche Dasein, abgenommen, so dass sie sich auf andere Dinge konzentrieren können.

Antwort
von giselastrobel, 17

Es kommt darauf an was es für eine Fürsorge ist.

Ist es die Vermögensvorsorge darf man ohne Zustimmung keine Verträge abschliessen und bleibt mündig.

Dann gibt es die Gesundheitsvorsorge da entscheidet der Betreuer, der vom Staat bestellt wurde, ob z.B. eine Op gemacht werden darf.

Auch für Behörden gibt es sowas.Je nach dem wie es bestellt wird einzeln oder mehreres zusammen kann eine gewisse Unmündikeit entstehen.

Pauschal ist so etwas nicht zu beantworten.

Antwort
von Philippus1990, 11

Ja, bedeutet es. Beispiel Drogen: Der Staat stellt deren Besitz unter Strafe, damit es nicht zu vielen Sozialfällen kommt.

Antwort
von soissesPDF, 9

Nein, sondern die Pflicht des Staates.
Denn im Grundgesetz steht "Deutschland ist ein Sozialstaat".

Nachdem die SPD und die Grünen ihre unselige Agenda 2010 in die Welt gesetzt hatten, äußerte sich Thilo Sarrazyn (SPD): "HartzIV für alle, so das schließlich gedacht."

Das ließ Kanzlerin Merkel (CDU) nicht ungerührt und sie flötete in die Mikrofone: "Ein Rentnerehepaar mit 1800€/Monat Rente sei sehr gut versorgt."

Antwort
von Bitterkraut, 7

Was verstehst du denn unter Fürsorge?

Antwort
von FragaAntworta, 11

Nein, bedeutet es nicht, jedenfalls dann nicht, wenn es eine Option ist.

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