Solange es nicht zur Gewohnheit wird, ist das durchaus okay. Ich denke, dass sich jeder selbst gut einschätzen und seine Stärken wie Schwächen sehen bzw. akzeptieren sollte. Manchmal erkennt man Dinge an sich eben erst über solche Erfahrungen. Immer gleich wegzuducken halte ich aber ebenso für falsch und eher als Zeichen von wenig Selbstbewusstsein. Oft sind Leute in Dingen ja nur nicht gut oder nicht bewandert, weil sie sich nicht rantrauen.
Deine Fragen sind deshalb alle so auf der Kippe:
- Wer zu leicht jemandem verzeiht ist moralischer Verlierer!
Das ist zwar etwas hart ausgedrückt, aber ein Funke Wahrheit ist da wohl daran. Es gibt aber auch eine "gleichgültige" oder "schonende" Verzeihung, die einen moralisch sicher nicht als Verlierer dastehen lässt.
- Nicht nachtragend zu sein, ist eine gute Charaktereigenschaft !
Wem gegenüber ist für mich hier die Frage. Wenn ich mit meiner besten Freundin, die ich schon jahrelang kenne, um ein Kleinigkeit gestritten habe, dann sollte ich nach ein bisschen Ruhe das Ganze schnell vergessen können, weil ich weiß, wer sie eigentlich ist und was ich an ihr habe. Wenn sich aber beispielsweise ein recht selbstverliebter Freund mit Dingen brüstet, die er selbst schon oft versiebt hat, dann gebe ich auch mal wieder einen Seitenhieb.
- Man muß den Anderen erst mal eine Weile "zappeln" lassen!
Nur wenn man sich sicher ist, dass man auch etwas Recht bei der Sache hatte, und man findet, dass der andere ebenso etwas in Ruhe darüber nachdenken sollte. Im Allgemeinen eher nicht und ich würde es dann auch nicht als "zappeln lassen" beschreiben, da die Motivation eine andere wäre.
- Wenn man sich erst mal wieder versteht ist alles andere zu vergessen!
Kommt auf den Grad des Vorfalls an und was du unter "wieder verstehen" verstehst. Wenn dieses "wieder verstehen" heir so gemeint ist, dass keine Aussprache stattgefunden hat, dann glaube ich nicht, dass alles vergessen ist. Man kann drüber hinwegsehen, aber man merkt es sich eben und lässt sich in die Richtung nicht nochmal verarschen. Krasse Geschehnisse müssen sicher auch ausgesprochen werden, weil sonst immer eine ungeklärte Lücke in der Freundschaft/Beziehung ist.
- Es gibt keine "Niederlagen" in zwischenmenschlichen Beziehungen!
Das ist natürlich das Ultimum der Gefühle und eine recht schöne Weisheit. Aber sind wir mal ehrlich: Dafür gehört auch eine gewisse Stoik und eine Apathie, um das auch wirklich so zu fühlen. Man merkt das oft schon, wenn sich der Gegenüber trotzdem als Gewinner sieht. Das keinen einen ziemlich kalt lassen, aber meistens eben nur, wenn einem diese Person sowieso egal ist. Sobald stärkere Gefühle ins Spiel kommen, wird das schwieriger.
- Ja. Und der Andere könnte das beim nächsten Mal aunutzen!
Kann er immer. Die Frage ist, ob das dann eine Freundschaft ist und inwiefern man es als "Niederlage" bezeichnen kann. Wenn mir ein nur halb guter Freund bei einem Streit eine runterhauen würde, danach noch bei irgendwelchen Freunden herumposaunt: Der kann nicht mal zurückschlagen! Dann zieh ich eben meiner Wege und warte, bis er keine Freunde mehr hat.
Der Mittagsroman mit Lieben Grüßen, Balu
Liebe/r Timeoscillator,
auch bei Umfragen gilt auf gutefrage.net, dass der Ratgeber-Charakter im Vordergrund steht. Spekulationsfragen oder persönliche Umfragen sind nicht erlaubt. Ich möchte Dich deshalb bitten, dies bei Deinen nächsten Fragen zu beachten. Die Beiträge werden sonst gelöscht.
Bitte schau diesbezüglich noch einmal in unsere Richtlinien unter http://www.gutefrage.net/policy.
Vielen Dank für Dein Verständnis.
Herzliche Grüsse
Oliver vom gutefrage.net-Support