Frage von audi31, 100

Baumäste vom Nachbargrundstück beschatten meine Wohnung. Die Miteigentümer sind nicht betroffen, finden Äste schön. Kann ich dennoch die Beseitigung verlangen?

Wir sind eine Gemeinschaft von Wohnungseigentümern mit 4 Parteien.

Meine Wohnung liegt genau vis-à-vis von zwei großen Fichte eines Nachbarn, deren Äste weit auf unser Gemeinschaftsgrundstück, fast bis zu meinem Balkon ragen. Dadurch wird meine Wohnung sehr beschattet.

Zwei der Miteigentümer, deren Wohnungen nur gering bzw. gar nicht beschattet werden, da sie über mir wohnen, finden die Fichten schön und möchten nicht, dass die Bäume beschnitten werden. Sie stimmen allenfalls einer Kappung der Äste unterhalb ihrer Wohnung zu, was meine Lichtverhältnisse aber kaum verbessern würde. Der 3. Eigentümer ist aufgrund der Lage seiner Wohnung nicht betroffen.

Bezüglich der Mehrheitsverhältnisse ist zu sagen, dass die beiden Eigentümer, die gegen eine Kürzung der Äste bis zur Grundstücksgrenze sind, die größeren Wohnungen besitzen und daher die absolute Mehrheit haben.

Nun meine Fragen:

  • Habe ich als Einzelmitglied der Wohnungseigentümergemeinschaft einen individuellen Anspruch auf Beseitigung der über unsere Grundstücksgrenze hinaus ragenden Äste der Bäume des Nachbarn?

  • Kann die Mehrheit der Miteigentümer rechtswirksam einen Beschluss gegen mein Begehren auf Kürzung der Äste fassen?

  • Gibt es zu dieser Problematik einschlägige Gerichtsurteile? ( Bevorzugt aus NRW, da das Nachbarschaftsrecht Ländersache ist)

Vielen Dank für eine hilfreiche Antwort !

Antwort
von Akecheta, 58

Du wirst kaum erwarten können, dass hier irgendjemand alles Recht kennt, oder alle Urteile und erst das Recht nicht, wenn es auch noch Ländersache ist.

Eines ist jedoch sicher. Die Miteigentümer haben kein Stimmrecht darüber, ob solch ein Missstand beseitigt werden muss oder nicht, da es ja vom Nachbargrundstück kommt und sie selber nicht betroffen sind.

Nur Äste schön zu finden, wird nirgends Gehör finden.

Ich würde den Nachbarn schriftlich und mit Fristsetzung dazu auffordern, seine Bäume entsprechend zurück zu schneiden, wie es das Nachbarrecht oder andere Gesetze/Verordnungen für NRW vorschreiben. Achtung aber, es gibt oft Zeiträume, wo man Bäume nicht schneiden darf. Auch da muss man erst sich mal schlau machen, damit die gesetzte Frist rechtsfruchtend sein kann.

Sollte er dem nicht nachkommen, würde ich es mit Vorankündigung an die Miteigentümer einem Anwalt übergeben.  Die Kosten für den Streit trägt dann eh der Nachbar, wenn alles sauber gemacht wurde. Man muss halt in Vorkasse gehen, in diesem Fall aber die Gemeinschaft - meiner Meinung nach.


Antwort
von dafee01, 63

Das ist eine Sache zwischen dir und dem Nachbarn, dem die Fichten gehören.  Sprich mit ihm und schildere dein Problem!  Sollte er einsichtig sein, wird er die Äste entfernen bzw. die Bäume. Vielleicht kannst du ihm ja anbieten, die Kosten hierfür zu übernehmen. Die Miteigentümer sind in diesem Fall außen vor. Die Bäume stehen ja nicht auf eurem gemeinsamen Grundstück.


Antwort
von brido, 40

Ich kann nur für meine gemeinde antworten: alles was auf  dein Grundstück ragt kannst Du beseitigen lassen. Ich glaube nicht dass alle Parteien das verlangen müssen. 

Antwort
von Inmarei, 42

Deine Fragen sind berechtigt; bei uns in der Stadt (NS) muß man das Gartenbauamt fragen, die helfen hoffentlich. Regelungen dieser Art (auch z.B. das Kappen eines ganzen Baumes) sind ortsabhängig und könnten unterschiedlich geregelt sein. Die Fragen kosten Dich nichts, bringen aber Gewissheit!


Antwort
von brennspiritus, 45

Damit hat sich sogar schon der Bundesgerichtshof beschäftigt. Du hast keine Chance außer der Nachbar kommt dir entgegen.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/urteil-am-bundesgerichtshof-gegen-grosse-...


Kommentar von Akecheta ,

Da gehts es um Schatten, nicht um Äste die über die Grenze rüber wachsen.

Kommentar von brennspiritus ,

Es geht um störende Äste

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