Frage von rubert12, 63

Baulärm und Heizungsausfall Grund für Mietminderung?

Ich bin vor drei Monaten mit meiner Freundin in eine Wohnung gezogen. Bei der Besichtigung waren wir sofort begeistert, da die Wohnung neu renoviert war. Ungefähr ein Monat nach Einzug wurden wir darüber informiert, dass bald eine neue Wärmedämmung und das Dach neu gemacht werden. Im Prinzip ist das natürlich ein Vorteil für uns, weil die neue Wärmedämmung auch uns zugute kommt. Allerdings kann meine Freundin nichts für die Uni machen, weil jeden Morgen ab 8 Uhr die Handwerker volle Pulle Lärm machen und das natürlich auch den ganzen Tag durchziehen und sie sich deswegen nicht konzentrieren kann. Ich hatte einen Monat lang Urlaub und konnte keinen Tag länger schlafen als bis 8. Des Weiteren fällt in regelmäßigen Abständen die Heizung im ganzen Haus aus und wir sind 2 Tage lang ohne warm Wasser.

Das schlimmste an der Sache ist aber, dass sich bei meiner Freundin eine Umzugsdepression ableitet und die Bauarbeiten diese noch verschlimmern, weil sie nie ihre Ruhe hat und immer die Handwerker vor den Fenstern rumspazieren.

Antwort
von rotreginak02, 11

Hallo rubert12,

das ist natürlich mehr als ärgerlich für Euch, zumal man annehmen kann, dass die Baumaßnahme nicht erst einen Monat nach Eurem Einzug geplant gewesen ist, sondern bereits vor Neuvermietung, der Vermieter aber auf die Mieteinnahmen nicht verzichten wollte, und daher diese Reihenfolge wählte.  

Mietminderung wegen Baulärms ist allerdings nur in seltenen Einzelfällen möglich, da Baulärm durch energetische Sanierung grundsätzlich erst einmal vom Mieter hinzunehmen ist. 
Auch dürfen bestellte Handwerker im Gegensatz zu privatem Bauen/ Umbauen ganztags lärmen, der Vermieter Verein Haus und Grund empfiehlt da wochentags von 8:00 bis 20:00 (erlaubt ist sogar mehr).

Aber es gibt auch Ausnahmen, nämlich dann, wenn der Vermieter die geplante Sanierung nicht rechtzeitig mit voraussichtlicher Dauer schriftlich ankündigt, oder eine unzumutbare Härte vorliegt.

Hat Euer Vermieter mindestens 3 Monate vor Baubeginn die Baumaßnahme schriftlich angekündigt? Dann ist hieraus kein Fehlverhalten erkennbar und eine etwaige Mietminderung daraus nicht gerechtfertigt.

Die andere Möglichkeit, gegen eine Baumaßnahme wegen unzumutbarer Härte anzugehen, ist nur über den Rechtsweg (mithilfe eines guten Anwalts) möglich.
Das liegt im § 554 BGB begründet:
bedeutet die Modernisierung eine unzumutbare Härte für einen Mieter, seine Familie oder einen Angehörigen des Haushalts, kann ein Mieter eine Maßnahme ablehnen. Das ist aber nur vor Gericht zu klären und eher selten, hier Beispiele und Gründe aus der Vergangenheit:
hohes Alter (AG Bonn, Az. 5 C 595/78), Invalidität (LG Hamburg, Az.: 11 S 113/75) und Krankheit (LG Düsseldorf, Az. 12 S 333/68)

Eine andere Möglichkeit ist aber, von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen, welches jedem Mieter nach Bekanntgabe zusteht.
[ deshalb muss die Sanierung auch mindestens 3 Monate vor Beginn bekannt gegeben werden ] 

Theoretisch kann also innerhalb eines Monats gekündigt werden, um quasi vor dem Baulärm zu fliehen. Das das natürlich gemessen an den tatsächlichen Gegebenheiten meist unmöglich ist, sei mal dahingestellt.....

Mietminderung wegen Heizungsausfall und mangelndem Heißwasser ist ein Mietminderungsgrund.

Haltet durch und überlegt, ob die Freundin auch woanders
--zumindest zeitweise-- in Ruhe lernen kann.


Antwort
von wilees, 29

Hierzu die neuere Rechtsprechung:

Mietminderung bei Baulärm und Bauarbeiten - Mietecht.org

www.mietrecht.org/mietminderung/mietminderung-baulaerm/

Beeinträchtigungen durch Maßnahmen zur energetischen Modernisierungberechtigen für die Dauer von drei Monaten nicht zur Mietminderung

Einen weiteren Ausschlussgrund, der im Zusammenhang mit der Mietminderung wegen Baulärms relevant ist, enthält das Gesetz seit der am 01.05.2013 in Kraft getretenen Mietrechtsreform in § 536 Abs.1a BGB. Danach kann der Mieter die Miete für die Dauer von drei Monaten wegen solcher Gebrauchsbeeinträchtigungen nicht mindern, die Folge einer Maßnahme sind, die einer energetischen Modernisierung dient.

Warmwasser:

Mietminderung: Kein Warmwasser in Bad oder Küche ...

www.mietminderung.org/mietminderung-kein-warmwasser-in-bad-oder-kueche/
Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 34

Heizungs- und Warmwasserausfall berechtigen zur Mietminderung.

In welcher Höhe sagt Euch ein Fachanwalt für Mietrecht, der dann auch, in Eurem Namen, die Mietminderung vornimmt.

Macht das besser nicht selbst.

Ob wegen den Bauarbeiten die Miete gemindert werden kann kommt auf die Art der Sanierung an.

Ist es eine energetische Sanierung ist für die ersten der 3 Monate der Maßnahme eine Mietminderung unzulässig.

Antwort
von chanfan, 36

Im Moment würde ich sagen, das von Seiten des Vermieters aus alles richtig war. Das ist zwar nicht schön, aber kein wirklicher Grund die Miete einfach zu kürzen.

Um ganz sicher zu gehen, solltet ihr beim Mieterschutzbund oder der Verbraucherzentrale vorbei schauen.

Antwort
von rubert12, 39

Außerdem haben wir durch die Abdeckung des Daches auch einen Wasserschaden in der Küche.

Kommentar von wilees ,

Den muß der Vermieter auf eigene Rechnung beseitigen.

Antwort
von oxygenium, 27

es muss ja in dem Schreiben auch stehen wie lange diese Arbeiten dauern.Erst wenn das Datum überschritten wird,kann man Mietminderung einfordern.

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 16
"...dass sich bei meiner Freundin eine Umzugsdepression ableitet und die Bauarbeiten diese noch verschlimmern"

Was es alles gibt. Sowas gab es früher nie. Wahrscheinlich gab es früher

auch nie laute Bauarbeiten und niemand hatte Probleme mit Lärm.

Aber von Umzugsdepression habe ich wirklich noch nie was gehört. Das muss neu sein.

Habt ihr eigentlich schon mal darüber nachgedacht, ob es irgendwo einen

ruhigeren Platz zum Lernen außerhalb der Wohnung gibt? Bibliotheken oder

sind diese völlig überlastet?

Kommentar von KaeteK ,

:-)

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