Bass-Membrane vibriert bei Plattenspieler Tonabnehmersystem Audio-Technica AT95E?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Hallo,

das hört sich nach einer ausgeprägten Tiefenresonanz an.

Zur Erklärung: Die "Abtastnadel" ist elastisch im Tonabnehmersystem
befestigt, der Tonabnehmer wiederum starr mit dem Tonarm, so dass sich, sobald die Abtastspitze in der Plattenrille durch den Auflagedruck 
"fixiert" wird, ein Feder - Masse - System ergibt, das nach Anregung
bei einer bestimmten Frequenz schwingt (wie eine Spiralfeder mit einem Gewicht dran schwingt, wenn  man dran zieht und loslässt). Das tritt
naturgesetzlich bei jeder Kombination aus Tonabnehmer und Tonarm auf.

Die Resonanz liegt üblicher Weise im Bereich von wenigen Hertz, unterhalb der Hörschwelle. Die Resonanz wird im Wesentlichen durch Verwerfungen und Exzentrizitäten  der rotierenden Platte angeregt: Durch die Rotation kommt es zu periodischen Bewegungen des Tonarmes in der Horizontalen wie Vertikalen und das System kommt durch den Federeffekt ins
Schwingen.

Da das Phänomen nicht vermeidbar ist,  gilt es, diese Resonanz möglichst gering zu halten und in einen Frequenzbereich zu „schieben“, der möglichst wenig problematisch ist. Der optimale Resonanzbereich liegt nach verbreiteter Expertenansicht zwischen 8 und 12 Hertz.

Übliche Verstärker verstärken auch tiefste Frequenzen. Wenn man an den Verstärker die heute im Hifi-Bereich üblichen Lautsprecherboxen mit
weich eingespannter Bassmembran und Bassreflexunterstützung anschließt, kommt es mangels ausreichender mechanischer (und mglw. auch elektrischer) Bedämpfung zu den Membranbewegungen. Diese sind in der Tat aus verschiedenen Gründen zu vermeiden.

Zu Deinen Fragen:

Das Phänomen lässt sich wie beschrieben nicht vermeiden,  aber durch Einwirken auf die Entstehungsursachen minimieren.  

Überprüfe bitte, ob die eingestellte Auflagekraft (für das AT 95 lt. Hersteller 18 mN) korrekt eingestellt ist:

Zunächst VORSICHTIG bei zurückgedrehtem Antiskating Nullbalance am Tonarm durch verdrehen des Gegengewichtes einstellen – der nicht arretierte Tonarm schwebt – dann Skala am Gegengewicht auf „Null“ setzen und dann 18 mN einstellen. Antiskating entsprechend einstellen.

Wenn die Membranbewegungen weiter auftreten (was wahrscheinlich ist):

Das Tonabnehmersystem kann defekt sein
(Herstellungsfehler, Dämpfungsgummi nicht okay). Grobe optische Kontrolle: Der Nadelträger soll exakt mittig sein und parallel zu den Gehäusewänden stehen. Ein Defekt am Dämpfer lässt sich in der Regel aber nur durch Vergleich mit einem intakten System sicher verifizieren.

Ruckel mal VORSICHTIG bei festgestelltem Tonarm am Tonarmrohr nahe am Lagerblock auf – und ab: Hier darf kein auch noch so geringes Spiel auftreten, obgleich sich der nicht arretierte Tonarm leicht und frei bewegen lassen soll. Wenn es spielt: Gerät umtauschen. Falls keine Garantie mehr: Reparieren lassen. Lagerspiel führt unweigerlich zu Resonanzproblemen.

Alle Verbindungen am Tonarm sollen FEST sein
(Tonabnehmer im Headshell, Headshell am Arm). Aber Achtung: Nach fest kommt nach alter Handwerkererfahrung AB. Schrauben nicht anknallen, sondern mit Gefühl FESTZIEHEN J.

Leider kommt es auch vor, dass Hersteller Grundsätze nicht
ausreichend beachten. Nicht jedes Tonabnehmersystem passt zu jedem Arm (Fehlanpassung von Tonarmmasse und Nadelnachgibigkeit führt zu ungünstiger Lage der Resonanz). Eigentlich ist ein intaktes AT 95 aber sehr variabel.

Die Allzweckwaffe gegen die unkontrollierten Membranbewegungen ist das sog. Rumpelfilter (Subsonicfilter). Früher war sowas in jeden vernünftigen (Phono)verstärker eingebaut. Es beschneidet die Übertragungsbandbreite unterhalb von ca. 100 HZ. Ich vermute, Dein Vorverstärker hat keine solche Funktion. Manchmal ist die aber
auch schaltbar, ggf. auch am Vollverstärker. Falls nicht hilft nur ein externer Phonoverstärker mit ebendieser Funktion.
Je nach Steilheit des Filters kann es aber zu Einbußen bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen geben.

Unterschiedliche Tonabnehmer liefern unterschiedliche Ausgangsspannungen. Das  AT 95 kann regelrecht leiser sein als Dein altes Dual.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von wilon
21.11.2016, 07:09

Hallo, vielen Dank für deine ausführliche Antwort und ich muss sagen, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Nun muss ich mal schauen wie ich das in den Griff bekomme. Herzlichen Dank nochmal!

0

Was für nen Verstärker hast du denn ? Hat der denn nen Phonoeingang oder betreibst du den P. über Aux ? Kann auch sein, daß du das Erdungskabel nicht angeschlossen hast oder daß das Headshell nicht richtig aufgeschraubt wurde.

:-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Almuric
17.11.2016, 13:46

Der Plattenspieler verfügt über einen zuschaltbaren Phonovorverstärker !

Den brauchst du, wenn du keinen Phonoeingang an deiner Anlage hast. Sonst ist das Signal zu schwach und es ist sehr leise. Überprüf mal, ob du den eingeschaltet hast.

:-)

0

Was möchtest Du wissen?