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Bachelorarbeit Geisteswissenschaften

Frage von Linguini08 Linguini08

Hallo zusammen!

Ich möchte nächstes Semester meine Bachelorarbeit schreiben und habe mir schon verschiedene Themen überlegt. Da leider noch niemand aus meinem Bekanntenkreis soweit ist, würde mich mal interessieren, was ihr für Themen für eure Arbeit in einem geistewissenschaftlichen Fach (besonders Geschichte und Germanistik) gewählt habt? Wie seid ihr damit zurechtgekommen und wie wurde die Arbeit schlussendlich bewertet?

Danke!

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Antworten (2)

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    Antwort von Reservist Reservist

    Sprech mit deinem Betreuer, die haben oft Vorschläge.

     

    Bekannter hat z.B. folgendes Thema gehabt:

     

    Die Luftwaffe im Kampf um die Luftherrschaft.

    Entscheidende Einflussgrößen bei der Niederlage der Luftwaffe im Abwehrkampf im Westen und über Deutschland im Zweiten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung der Faktoren „Luftrüstung“, „Forschung und Entwicklung“ und „Human Ressourcen“.

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    Antwort von agt334 agt334

    Sofern du wirklich eine Geisteswissenschaft studiert hast, würde ich dir dringend empfehlen, ein wirtschaftsnahes Thema zu wählen. Solltest du zB Philosophie studiert haben, vielleicht "Liberale Ideen bei Hayek" oder sowas. Denn eines muss dir klar sein: Entweder musst du dich nach deinem Bachelor ohnehin umorientieren, das heißt ein ökonomisch verwertbares Fach studieren oder du musst bereit sein, dein Profil wirtschaftstauglich zu schärfen. Letztlich muss dir eines ganz klar sein: Das beste wäre es, würdest du dir einen neuen Studiengang suchen, dessen Absolventen gesucht werden. Weshalb ich das so sehe, das erkläre ich dir gerne: Geisteswissenschaftler sind nach dem Studium häufiger von der Arbeitslosigkeit betroffen, als die Absolventen anderer Wissenschaften. Sie verdienen im Schnitt weniger, sind oft ein Leben lang prekär beschäftigt, wobei sie meist nur befristete Verträge erhalten. Sie sind schwerer Vermittelbar, viele arbeiten später fachfremd, haben kaum die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt zb mit Betriebswirten zu konkurrieren. All das macht die Geisteswissenschaftler zu den Verlierern unter den Akademikern, zum akademischen Prekariat. Da die Absolventenzahlen steigen, da der Markt für Geisteswissenschaftler gleichzeitig schrumpft: Öffentliche Gelder werden gekürzt, der akademische Mittelbau gestrichen, die Medien sind in der Dauerkrise, werden zwei bedenkliche Trends aufeinandertreffen : Zum einen wird es mehr Geisteswissenschaftler geben, zum anderen weniger Stellen. Das Ergebnis kannst du dir selber ausrechnen. Also, tu dir einen Gefallen: Beende dein Studium ,wenn es sein muss - und zwar mit einem tauglichen Thema. Danach solltest du dir wirklich etwas anderes suchen. Du wirst nun vielleicht sagen "Geld ist mir nicht so wichtig". Das mag ja sein, aber eine Studie hat auch gezeigt, dass sehr, sehr viele Geisteswissenschaftler inzwischen wünschen, sie hätten etwas anderes studiert. Ich kann dir nur raten, dich neu zu orientieren. Viel Glück !

    Kommentar von Linguini08 Linguini08Linguini08

    Ich danke dir für diese umfassende Analyse und Abwertung meiner Qualifikationen. Ich bin mir, und war es bereits vor Aufnahme meines Studiums, dieser und ähnlicher Probleme durchaus bewusst. Dennoch ist es auch für Geisteswissenschaftler nicht aussichtslos. Statistiken und Studien zeigen, dass diese zwar i.d.R weniger verdienen als Absolventen der MINT Fächer, aber mit den nötigen Qualifikationen absolut nicht chancenlos sind. Ich persönlich werde meinen Bachelor voraussichtlich mit einem Schnitt von 1,3 abschließen und sehe gute Chancen, dies im Master fortszusetzen. Ich spreche sechs Sprachen und habe gute Praktika vorzuweisen, außerdem habe ich, um mein Profil zu erweitern den Ergänzungsbereich mit wirtschaftlichen Fächern belegt. Es gibt eine Menge Branchen (Medien etc.) in denen Geisteswissenschaftler gern gesehen wird, aber auch in fachfremden Bereichen z. B. Unternehmensberatung hat man Interesse an Absolventen dieser Fächer.

    Ich denke, dass auch unsere Wirtschaft eine gewisse Fächerung benötigt. Ich persönlich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich als sehr gute Historikerin und Germanistin bessere Chancen habe und glücklicher werde, als als mittelmäßige Juristin oder BWLerin.

     

    Kommentar von agt334 agt334agt334

    Sicherlich wollte ich deine zweifellos vorhandenen Qualifikationen nicht abwerten. Ich möchte dich nur eindringlich vor den Gefahren warnen, die mit dem Studium einer Geisteswissenschaft leider verbunden sind. Ich selbst habe einst Geisteswiss. studiert und aus eben diesen Gründen gewechselt  - bereut habe ich es nicht, besonders, wenn ich den oft wenig glücklichen Werdegang meiner Ex-Kommilitionen beobachte. Wie auch immer : Ich möchte dir noch einen interessanten Link zum Thema empfehlen:

    http://www.zeit.de/2009/28/C-Leitner-Interview

    Kommentar von Linguini08 Linguini08Linguini08

    Ok, danke. Es kam einfach nur etwas hart rüber, gerade weil man als Geisteswissenschaftler ja ständig sowas hört. Dürfte ich fragen, was du dann studiert hast? Bei mir ist es einfach, dass Problem, dass ich durch einen Komplettausfall in mathematischen Fähigkeiten leider nicht so große Möglichkeiten in anderen Bereichen für mich sehe ;)

    Kommentar von agt334 agt334agt334

    Es war wirklich nicht böse gemeint. Ich finde die Praxis vieler Medien und Studienberater, die Arbeitsmarktsituation für GW zu beschönigen nur sehr unverantwortlich. Gängige Studien wie zB die des HIS belegen, wie schwer es für GW tatsächlich ist und dass viele schlussendlich sehr unglücklich sind - auch mit der miesen Bezahlung. Ich habe leider 5 Semester Geschichte und Archäologie studiert - mit sehr guten Noten - bis ich, auch durch Praktika, einsah, dass es in diesem Bereich keine Zukunft gibt. Habe dann komplett umgesattelt und arbeite inzwischen in naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

    Kommentar von agt334 agt334agt334

    Tatsächlich würde ich jedem jungen Menschen von einem gw Studium dringend abraten. Die Praxis der Universitäten, in diesen Fächern immer mehr Studenten zuzulassen führt zu zwei bedrohlichen Trends: Zum einen schwinden die Stellen in Museen, Presse, an den Unis. Zum anderen kommen mehr und mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt, die dann oft für sehr wenig Geld arbeiten oder komplett umschulen müssen und damit, das zeigen Studien, auch oft sehr unzufrieden sind. So tut die Hochschulpolitik ihr Möglichstes, unzufriedene Menschen zu produzieren. Daher würde ich dir - nimm es mir bitte nicht übel - für die Zeit nach dem Studium eher eine Ausbildung anraten, denn ein weiteres gw Studium. Am Ende hast du promoviert und stehst weiterhin vor einer finanziell unsicheren Zukunft - das beobachte ich bei vielen Freunden von mir.

    Kommentar von agt334 agt334agt334

    Letztendlich ist es deine Entscheidung. Leider macht es das Bachelor/Master-System sehr schwierig, zB einen ökonomisch sinnvollen Master anzufügen. In den USA ist es zB kein Problem, an einen Bachelor in Geschichte einen MBA zu knüpfen und in die Verwaltung einzusteigen. Hier in Deutschland sind die Strukturen komplett anders. Es gibt aber auch einen Master "Wirtschaft und Geschichte" - vielleicht bringt dir so etwas ja Vorteile. Wie auch immer du dich entscheidest, ich wünsche dir alles Gute !

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