Bachblüten nützen die was?

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5 Antworten

Hallo iLucy2121,

das sind eine ganze Menge Fragen, die Du da stellst. Schauen wir sie uns der Reihe nach an, ja?

Es gibt mittlerweile auch schon in den Läden solche S.O.S Produkte zu kaufen, da muss man nicht mal mehr zur Apotheke gehen.

Daher bin ich umso skeptischer ob diese Produkte überhaupt wirken.

Skeptik ist da ein sehr vernünftiger Ansatz, ja.

Nicht weil es die Dinger überall gibt, sondern weil sie auf esoterischen Prinzipien beruhen und nie einen sauberen Nachweis einer Wirksamkeit vorlegen konnten.

Der Name "Bachblüten" hat mit einem Bach nichts zu tun, sondern stammt von ihrem Erfinder, einem Dr. Bach. Ganz wichtig: Die Bachblüten-Therapie zählt nicht Pflanzenheilkunde. Bach verwendete keineswegs Pflanzen mit bekannter Heilwirkung (Heilpflanzen); die Pflanzen wurden von ihm allein aufgrund seiner persönlichen, esoterisch geprägten Naturdeutung gewählt, nicht selten nach ihrem Namen. So soll die "Zitter"pappel bei der Angst vor dem Unbekannten helfen.

Hergestellt werden die Bachblüten, indem man sie nach rituellen Vorschriften sammelt, in Wasser einlegt und ein paar Stunden der Sonne aussetzt. Manchmal werden auch auch Äste und Blätter gekocht. Der so hergestellte Sud soll eine nicht näher quantifizierbare “Blütenenergie“? enthalten. Worin diese "Energie" bestehen soll, darüber schweigt sich das Verfahren bis heute, etwa 80 Jahre nach seiner Entstehung, aus. Oft liest man von "Schwingungen", wobei in guter esoterischer Tradition die Frage, was da denn eigentlich schwingen soll, ausgeklammert wird. 

Das Ganze wird zuletzt noch deutlich verdünnt, meist im Verhältnis 1:240. Der Name "Blütenessenzen" ist also schon mal irreführend - unter einer Essenz versteht man im Allgemeinen ein Konzentrat - nicht etwas, das bis zur pharmakologischen Unwirksamkeit herunterverdünnt ist.

Wenn die so toll wären wie sie behaupten: innere Unruhe bekämpfen, gegen Stress gut ist, gegen Prüfungen usw. dann hätte die wohl jeder bei sich dabei, oder?

Nicht nur das.

Bachblüten werden Eltern gegenüber beworben als "sanfte Stimmungsveränderer" ihrer Kinder. Kinder, die leicht gereizt reagieren oder trotzig sollen laut der Versprechungen der Bachblüten zugänglicher und pflegeleichter werden.

WENN Bachblüten tatsächlich das halten würden, was sie da versprechen, dann wären sie mit Sicherheit verschreibungspflichtig. Persönlichkeitsverändernde Medikamente wären mit Sicherheit nicht frei verkäuflich - ob auf pflanzlicher Basis oder nicht.

Außerdem: Bachblüten haben hier eine moralisch sehr problematische Implikation: Was muss das Kind denken, wenn ihm seine Mutter nach jedem "Versagen" demonstrativ ein Medikament einflöst, damit sich endlich, endlich seine kleine Persönlichkeit in die Richtung verändert, die die Mutter wünscht? Denn das ist genau das, was das Kind aus seiner Perspektive erlebt. Für das Kind ist es eine Behandlung - dass die Datenlage eindeutig ist, dass es sich nur um Placebos handelt: das weiß das Kind nicht.

Bachblüten sind aber Placebos. Man kann Kinder zum Glück nicht mit einem frei verkäuflichen Mittel umprogrammieren  und nein, diese Implikation ist auch nicht schöner, wenn in den Werbeheftchen von "sanft" und "unterstützen" die Rede ist.

Hat jemand schon das Zeug probiert und eine Veränderung festgestellt oder haben die ein Placebo-Effekt?

Natürlich hat man das sauber probiert, obwohl nach der esoterischen Basis keine gezielte Wirksamkeit zu erwarten ist.

Ganz wichtig: Falsch ist das "oder" zwischen "Veränderung festgestellt" und "Placebo-Effekt".

Das ist ein ganz weit verbreiteter Irrtum. Fast alle nicht wissenschaftlich ausgebildeten Menschen gehen davon aus, dass es sich nicht um Placeboeffekte handelt, wenn sie "nach" der Einnahme eines Mittels eine Veränderung bemerken.

Das ist aber falsch. Man kann auch nach der Einnahme eines Placebos einfach von selber oder aufgrund ganz anderer Begleitumstände gesund werden, besserer Laune oder weniger gestresst sein. Der Placeboeffekt selbst (das beruhigende Gefühl, nicht tatenlos zu sein, sondern aktiv eine Besserung herbeizuführen) ist nur eine von vielen möglichen Ursachen.

Also: Einfach nur schauen "was passierte nach der Einnahme" führt uns bei der Bewertung eines Verfahrens in die Irre. Wir deuten allzu leicht einfach alles, was nach der Einnahme passierte als Folge der Einnahme.

Deswegen untersucht man Wirksamkeiten immer mit Vergleichsgruppen: Die Hälfte der Leute nimmt Placebo - keiner weiß, wer etwas bekommt. In beiden Gruppen treten natürliche Besserungen und Placeboeffekte auf. WENN das Mittel mehr ist als ein Placebo, dann treten in dieser Gruppe mehr uóder schnellere Besserungen auf. Andernfalls sind die Veränderungen in beiden Gruppen gleich.

Und genau das hat man als Ergebnis in Untersuchungen zu den Bachblüten gefunden: In beiden Gruppen treten Besserungen auf - in beiden Gruppen sind sie vergleichbar. Bachblüten sind Placebos.

Ich verlinke mal eine solche Arbeit im Kommentar, damit Du Dir das anschauen kannst.

Grüße

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Kommentar von uteausmuenchen
12.11.2015, 20:38

Hier der versprochene Link:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/08/12/studie-untersucht-bachblueten-wirkung-bei-pruefungsangst-und-adhs.html

Ich zitiere einmal den zentralen Abschnitt:

"Für das Review wurden drei Studien beigezogen, welche sich mit der Wirksamkeit von Bachblüten gegen Prüfungsangst befassten, und eine Studie, welche die Wirkung gegen ADHS untersuchte. (...) Alle vier Studien kamen zum Schluss, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten SchülerInnen und StudentInnen zeigte sich zwar eine Verbesserung der Symptome, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme von Bachblüten als auch von Placebo ein."

Also: Wie wir uns fühlen, das bestimmen nicht die physiologischen Vorgänge im Körper allein - auch unsere Psyche spielt eine Rolle.

Wenn wir in einer Stresssituation etwas haben, woran wir uns festhalten können, dann hilft uns das real weiter. Das ist keine Einbildung. Placeboeffekte sind real. Wir bilden uns nicht nur ein, ruhiger zu sein - wir sind ruhiger.

(An dieser Stelle noch mal: Eine reale Veränderung bedeutet nicht, dass es sich nicht doch um einen Placeboeffekt gehandelt hat!)

Und sicher ist es besser, in harmlosen Situationen eher ein Placebo zu nehmen als ein Medikament.

Am besten ist aber auf den eigenen Körper zu vertrauen. Denn auch der Griff zum Placebo aufgrund einer Prüfungssituation oder wegen Stress allein ist nicht unproblematisch. Mit dem Placebo "inszeniert" man eine Medikamenteneinnahme - gleich einem Ritual, von dem wir aus soziokultureller Erfahrung wissen, dass es Linderung verschafft.

Auch das man psychisch abhängig. Wir bringen unserem Körper bei: Wenn Du Stress hast, dann musst Du was einnehmen. Und das ist ein gefährlicher Weg.

Besser ist, dem Körper zu lehren, dass er Prüfungen auch ohne derartige Hilfsmittel überstehen kann.

Wenn aber Placebo, dann doch besser eines mit weniger esoterischem Überbau und weniger moralisch fragwürdigen Werbeversprechen. Ich persönlich empfehle ein Teddybärli zum dran festhalten... ;-)

Grüße

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Kommentar von uteausmuenchen
30.11.2015, 16:17

Danke für das Sternchen! Ich freue mich.

=D

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also bei mir war das als ich 8 jahre alt war das wirksamste. ich hatte waschzwang und auch nervenzusammenbrüche. Die psychologen, therapeuten, therapien u.s.w. haben mir nicht geholfen und medikamente wär für uns der aller letzte ausweg gewesen.. als ich einmal bei einer kinesiologien war hat sie mir bachblüten geraten und hat mir die richtigen zusammengemischt (so ganz kapiert hab ich das damals noch nicht, ich wollte einfach nur hilfe haben die das ganze aufhören lasst). Es hat bei mir so gut funktioniert und hab auch 10 jahre später keine probleme mehr damit..

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Also, es gibt Patienten, die davon überzeugt sind. Wenn man sich auf wissenschaftlich basierte Medizin stützt, muss man sagen, sie bringen nichts.

Es gibt keine Studie, die wissenschaftlichen Kriterien standhält.

Was allerdings wirklich messbar ist, egal bei welcher Therapie, ist der Plazeboeffekt.

Wenn man also aufgrund des Plazeboeffektes eine Besserung der Beschwerden erlebt, ist das Ziel ja auch erreicht. Es muss also jeder für sich entscheiden, solange man nicht versucht, wirklich schwerwiegende Erkrankungen damit zu behandeln und den Arzt meidet.

Ich halte es für Geldmacherei.

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Kommentar von mermaidRi
12.11.2015, 15:55

ich bin kaum geimpft schon Jahre lang nicht mehr beim allgemeinmidiziner gewesen und nehme wenn ich mich nicht wohl fühle welche davon. sie an ich lebe noch. ich halte nix davon bei jedem pups sich mit Tabletten voll zu Pupmpen die sind viel ungesunder als bachblüten. und irgendwann reagiert der Körper auf Medikamente nicht mehr:)

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Zu den Verfahren, die sehr kritisch gesehen werden, gehört auch die Bachblüten-Therapie. Wer aber daran glaubt dem kann die Therapie helfen - nennt sich Placebo-Effekt. Genaueres dazu erfährst Du hier.

http://www.t-online.de/ratgeber/gesundheit/beschwerden/id_55692506/wie-bachblueten-gegen-stress-helfen-sollen.html

Einen wirklich wirksamen Tipp gegen innere Unruhe durch Stress findest Du im Kommentar.

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Klar nützen die, zwar nicht Dir aber dem Hersteller!

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