Frage von Skylen, 24

BAB Bedarf entfällt?

Hallo Community,

ich brauche dringend finanziellen Rat. Momentan habe ich (22) gerade eine Ausbildung angefangen und verdiene 720€ brutto im ersten Lehrjahr (~575€ Netto StKl 1). Der aktuelle BAB-Bedarf (ohne Arbeitskleidungspauschale (wird die immer dazugezahlt?) und mit Mietzuschuss) liegt soweit ich weiß bei 622€.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wir als erstes das Nettogehalt vom Bedarf abgezogen, bevor iwelche Freibeträge und das Einkommen der Eltern mit einberechnet werden. Dann würden mir schon im Vorherein nur um die 50€ zustehen bzw gar nichts wenn man noch Kindergeld hinzuzieht (wird auch vom Bedarf abgezogen, richtig?)

Gibt es evtl Freibeträge die mein anzurechnendes Gehalt mindern oder habe ich etwas anderes vergessen? Ich wollte erstmal schauen ob sich der Aufwand überhaupt lohnt und die grobe Rechnung verstehen, denn laut BAB-Rechner kriege ich gar nichts.

Da es bei uns in der Familienwohnung sehr eng ist und ich mich nicht gerade wohl fühle, möchte ich möglichst schnell raus, aber bei unseren Mieten (400-600€ warm WG-Zimmer) würden mir nur um die 300€ übrig bleiben, alle anderen Kosten kommen da natürlich noch drauf. Von Rechnung zu Rechnung zu Leben ist dann nicht so toll, von Notfällen ganz zu schweigen.

Hoffe ihr könnt mir weiterhelfen, oder evtl andere Tipps zu finanz. Zuschüssen etc geben :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von isomatte, 17

Hast du denn beim BAB - Rechner auch eine fiktive Miete eingegeben ?

Die Pauschale für Arbeitskleidung ist da immer mit dabei,dass Kindergeld fließt in die Berechnung nicht mit ein,denn sonst würde man dies auch in den Rechner für BAB - mit eingeben müssen,zählt also nicht als Einkommen beim BAB.

Wenn du 575 € Netto Vergütung + dann min. 190 € Kindergeld = etwa 765 € pro Monat hast,dann würdest du dir ja eine Wohnung leisten können.

Sollten deine Eltern nicht leistungsfähig sein,also keinen Unterhalt zahlen können,dann kannst du nur beim zuständigen Jobcenter dann ALG - 2 als Aufstockung beantragen,sollte kein Anspruch auf BAB - bestehen.

Ich würde dann gleichzeitig einen BAB - Antrag und einen auf ALG - 2 stellen.

Du solltest dich aber beim Jobcenter erkundigen wie viel die KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) für 1 Person bei dir in der Stadt betragen darf,damit diese KDU - nach dem SGB - ll als angemessen gilt.

Im Internet kannst du auch mal nach ,, Harald - Thome - örtliche - Richtlinien " sehen oder du gibst mal ein ,, angemessene KDU " und dazu den Namen deiner Stadt,da siehst du wie viel die Wohnung kosten darf.

Würdest du also weder Unterhalt noch BAB - bekommen und deine angemessene KDU - angenommen 406 € betragen,dann würde dein Bedarf nach dem SGB - ll ( ALG - 2 ) inkl.des derzeitigen Regelsatzes von 404 € bei min. 810 € pro Monat liegen.

Bei 720 € Brutto stünden dir Freibeträge auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll von erst mal 100 € Grundfreibetrag zu,von 100 € - 1000 € Brutto 20 % und von 1000 € - 1200 € noch mal 10 % Freibetrag.

Das würden dann bei 720 € Brutto insgesamt 224 € Freibetrag ergeben,diese würden dann vom Jobcenter theoretisch von deinen ca. 575 € Netto abgezogen,ergeben dann etwa 351 € anrechenbares Erwerbseinkommen und dazu käme das Kindergeld von 190 €.

Dein gesamtes anrechenbares Einkommen läge dann bei etwa 541 € und dein Bedarf bei min. 810 €,somit stünde dir dann ggf.die Differenz von etwa 269 € als ALG - 2 Aufstockung vom Jobcenter zu.

Musst eben erst mal einen Vermieter finden der dir mit dem Einkommen eine Wohnung vermietet,denn wenn du keine bekommen würdest und gleich aufs Jobcenter angewiesen sein würdest,dann musst du dem Jobcenter klar machen und belegen können warum du nicht mehr bei deinen Eltern wohnen kannst.

Ein wichtiger Grund würde dann z.B. dein Weg zur Ausbildung sein,wenn du diesen nicht in angemessener Zeit zurück legen könntest ( ca. 2 Stunden ) oder bei körperlicher Gewalt dir gegenüber.

Kommentar von Skylen ,

Ja, habe eine fiktive Miete (Durschnitt) eingegeben.

Ich könnte mir mit 765€ eine Wohnung leisten, das wäre aber schon ziemlich grenzwertig da ich auf Essensqualität etc achte und bescheiden leben müsste (Noch ~4500€ Bafög Schulden sollen auch möglichst schnell weg). Naja wenn es nicht anders geht trotzdem meine einzige Option.

Meine Eltern haben immer hart gearbeitet und können erst jetzt etwas für Urlaub etc sparen, da würde ich nur ungern mehr als übliches Taschengeld verlangen. Generell würde ich es lieber selbstständig lösen.

Heißt also, dass wenn meine Miete die KDU in meinem Wohngebiet überschreitet, ich den Anspruch auf die ALG 2 Aufstockung verliere?

Zum Unterhalt: Kann ich auf den in meinem Fall verzichten, auch wenn meine Eltern leistungsfähig sind, und trotzdem ALG 2 bekommen? Schätze nicht? 

Ist man denn verpflichtet sein Einkommen dem Vermieter mitzuteilen? Frühere Wohnungen waren nur in Verbindungen/Studentenheimen, daher kenne ich mich da nicht so gut aus und dachte es würde eine mündl. Zusicherung der Zahlungsfähigkeit reichen, bzw evtl mit Kontoauszug.

Meine Arbeitsstelle ist auch zu Fuß erreichbar, der Grund entfällt. Ich habe hauptsächlich keine Privatsphäre oder Raum zum Lernen etc aufgrund der Wohnungsgröße und verstehe mich mit einem Geschwister nicht gerade gut, was eben auch zur psych. Belastung beiträgt. Sollte mMn als "Grund" ausreichen, aber ich hoffe da eher auf gutgewillte WG-Vermieter ;)

Danke auch für die vielen Tipps!

Kommentar von isomatte ,

Was du privat noch für Schulden abzuzahlen hast interessiert das Jobcenter nicht,zumindest solange es nicht deine KDU - betreffen würde,da könnte man ggf.einen Antrag auf ein zinsloses Darlehen stellen,wenn ansonsten der Verlust der Wohnung drohen würde,oder man dir den Strom abstellen würde !

Solange du noch keine abgeschlossene Erstausbildung / Studium hast sind dir vorrangig deine Eltern zum Unterhalt verpflichtet und wenn der Auszug wegen der Ausbildung oder einem anderen wichtigen Grund notwendig wäre,sie dann auch noch leistungsfähig wären,dann musst du vorrangig erst da deinen evtl.Unterhaltsanspruch geltend machen.

Erst ab deiner nachweisbaren Aufforderung dir Unterhalt zu zahlen würden die Eltern dann auch rückwirkend zur Zahlung verpflichtet sein,du musst ihnen dann deine eigenen Einkünfte nachweise,denn diese werden dann auf deinen Unterhaltsanspruch angerechnet.

Laut Düsseldorfer Tabelle steht einem Azubi / Student der nicht mehr bei einem Elternteil wohnt min. 735 € an Unterhalt zu.

Von deinen ca. 575 € Netto Vergütung könntest du dann in der Regel 90 € als Pauschale für Aufwendungen wegen der Ausbildung abziehen,es bliebe dann etwa 485 € und dazu käme dann dein Kindergeld von min. 190 €,dass sie dir dann zahlen müssten wenn du nicht mehr bei ihnen wohnst und sie dir nicht min. Unterhalt in Höhe des Kindergeldes zahlen würden.

Du hättest dann also etwa 675 € an anrechenbarem Einkommen,die Differenz bis zum Bedarf von 735 € müssten dann evtl.deine Eltern vorrangig als Barunterhalt leisten,in deinem Fall dann etwa 60 €.

Sicher könntest du auch freiwillig auf diese Zahlung verzichten,wenn du aber dann dafür Sozialleistungen wie ALG - 2 in Anspruch nehmen möchtest,wird das Jobcenter trotzdem die Leistungsfähigkeit deiner Eltern prüfen und wenn sich daraus ergibt das sie dir Unterhalt zahlen müssten und du darauf verzichtest,dann würde dieser Betrag als fiktives Einkommen auf deine evtl.zustehenden Leistungen angerechnet.

Deine ALG - 2 Aufstockung würde dann also so berechnet als würdest du diesen Betrag von deinen Eltern bekommen,es würden dir also am Ende diese angenommenen 60 € fehlen.

Sicher will ein Vermieter in der Regel wissen an wen er etwas vermietet,also muss man normalerweise auch Einkommen nachweisen,oder eben ausreichend Vermögen haben,mit dem man seinen Verpflichtungen dann nachkommen kann.

Wenn die KDU - höher liegen würde verweigert man dir die evtl.Aufstockung nicht,dass zumindest wenn du schon in der Wohnung wohnst und dann erst einen ALG - 2 Antrag stellst,dann würde man dir in der Regel die unangemessene KDU - für weitere 6 Monate in tatsächlicher Höhe zahlen.

Nach dieser Übergangszeit würde man dir nach der schriftlichen Aufforderung zur Kostensenkung der KDU - dann nur noch die angemessene KDU - zahlen.

Du müsstest dir dann überlegen wie du diese Kosten senken könntest,dass könnte z.B. durch Untervermietung erfolgen,oder du müsstest dir dann in dieser Zeit eine angemessene Wohnung suchen.

Würdest du da wohnen bleiben wollen,dann müsstest du die Differenz dann selber zuzahlen.

Kommentar von Skylen ,

Dann läuft alles darauf hinaus, erstmal einen Vermieter zu finden, der mir eine Wohnung (WG-Zimmer) bei meinem Einkommen vermieten würde. Werde mich da mal unfassend durch die Anzeigen wühlen.

Kann man denn BAB/Alg 2 beantragen, bevor man den Mietvertrag in der Hand hat und diesen dann, wenn vorhanden, nachreichen? 

Außerdem, gibt es eventuelle Nachteile, die ich beim Bezug von Alg 2 beachten sollte? Arbeitgeber, die das nicht so gern sehen, andere Stellen, die diese Information erhalten und negativ reagieren oder ähnliches.

Nochmal vielen Dank für die wirklich ausführlichen und verständlichen Antworten. Vor allem bei diesen Themen findet man das nicht häufig :)

Kommentar von isomatte ,

Einen BAB - Antrag kannst du auch schon vorher stellen,nur wird dieser nicht bearbeitet solange du keinen Mietvertrag vorweisen kannst !

Wenn dein Auszug / Umzug wegen der Ausbildung notwendig wäre oder ein anderer wichtiger Grund nachweisbar wäre,dann könntest du einen ALG - 2 Antrag stellen und dazu die Zusicherung zur Kostenübernahme von angemessenem Wohnraum.

Aber auch hier würde dann vorrangig die Unterhaltspflicht bzw.Leistungsfähigkeit der Eltern geprüft,also Einkommen / Vermögen und bei dir auch.

Beim ALG - 2 hast du dann gleich mehrere Nachteile,da wäre z.B. dein evtl.Vermögen was du haben dürftest,dass wäre das so genannte Schonvermögen.

Da darfst du pro Vollendetem Lebensjahr 150 € haben + einmalig 750€ für notwendige Anschaffungen,min.aber 3100 € + diese einmaligen 750 €.

Dazu käme das ein evtl.Nebeneinkommen zu deiner Vergütung und sonstigem Einkommen wie Kindergeld / BAB - gerechnet würde und so eine evtl.ALG - 2 Aufstockung entfallen könnte.

Wenn du nur BAB - bekommen würdest könntest du ohne Anrechnung pro Monat bis zu 450 € dazu verdienen.

Kommentar von isomatte ,

Danke dir für deinen Stern !

Antwort
von Rheinflip, 12

Check einmal den Babrechner.arbeitsagentur.de 

Mieten werden weniger bezuschusst als Fahrtkosten, du solltest überlegen eine Wohnung etwas ausserhalb zu suchen, falls da alles zu teuer wird. 

Kommentar von Skylen ,

Habe ich schon, les nochmal meinen Post durch ;)

Bei uns sind leider die Monatskarten nicht gerade günstig, vor allem wenn man in der falschen Zone landet, daher würde es sich evtl wegen dem längeren Anfahrtsweg und den vergleichbaren Kosten nicht lohnen. 

Hast du vllt einen Link für mehr Infos zu den Zuschlägen für Miete/Fahrtkosten?

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