Frage von Pictators, 72

Azubi - Chef beutet mich aus, was tun?

Hallo,

ich komme direkt zur Sache. Ich befinde mich im zweiten Lehrjahr in meiner Ausbildung. Tariflich müsste ich 931€ bekommen. Tatsächlich bekomme ich aber nur 650€. Das ist ein Unterschied von 30%. Laut Azubischutzgesetz darf ein Arbeitgeber allerdings nur 20% vom Tarifvertrag abweichen, auch wenn er nicht im Tarif drin ist.

Desweiteren arbeite ich 6 Tage die Woche, OHNE Ausgleichstag. In meinem Vertrag stehen 5 Tage á 8 Stunden.

Auf Gespräche reagiert mein Chef abweisend. Ich habe ihn auf die Bezahlung hingewiesen und er entgegnete nur "Und nun? Wollen wir uns drum streiten?".

Kann ich ihn rechtlich Belangen? Wenn ja, was steht mir zu? Mit welchen Strafen hat er zu rechnen? Kann er mir kündigen wenn ich den Rechtsanwalt einschalte?

Freue mich über Hilfe

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Lavendelelf, 72

Die Rechtslage ist laut deiner Beschreibung ja eindeutig. Wenn du dir nun Hilfe suchst, kann dein Chef dir deswegen nicht kündigen.

Ich hoffe dass du wirklich die Courage hast gegen "die Machenschaften" deines Chefs vorzugehen. Hole Dir eine Rechtsberatung, wenn du in keiner Gewerkschaft bist gehe zum Rechtsanwalt. Hast du wöchentlich Berufsschule? Dann hole mal die Meinung eines Lehrers ein.

Sollte dein jetziger Ausbildungsplatz durch einen Rechtsstreit gefährdet werden, hast du immer noch die Möglichkeit einer Anschlusslehre. Du machst dann ganz normal deine Ausbildung weiter, wechselst jedoch den Ausbildungsbetrieb.

Kopf hoch und durch. Das schaffst du. Alleine schon die 6 Tage Woche und deine zu geringe Ausbildungsvergütung schreien zum Himmel.

Der hier gegebene Rat zur Handwerkskammer/IHK zu gehen ist natürlich auch sehr gut.

Kommentar von Pictators ,

Vielen Dank! Bei der IHK war ich schon, jedoch werden diese erst auf mein "Go" aktiv, da mein Ausbildungsplatz gefährdet ist wenn diese einschreitet. Laut IHK kann dies bishin zur Entziehung der Ausbildungsgenehmigung führen. 

Mit welchen Strafen hat denn mein Chef weiterhin, im Falle eines Rechtsstreits, zu rechnen? Und was genau kann ich anfechten bzw. einklagen?

Meine Befürchtung ist, dass bei Einschaltung eines Rechtsanwalts, ein Grund gefunden wird um mich zu kündigen. Lieber warten bis ich etwas neues gefunden habe oder sofort aktiv werden?

 

Kommentar von Lavendelelf ,

Mit welchen Strafen er zu rechnen hat kann ich nicht sagen. Die härteste Strafe wäre aber sicherlich die Entziehung der Ausbildungsgenehmigung und diese ist naheliegend.

Ich würde dir empfehlen sofort aktiv zu werden. Du wirst ja wirklich ausgebeutet.

Du brauchst dich vorher nicht neu bewerben. Es besteht ja auch die Möglichkeit einer gütigen Einigung. - Selbst wenn du die Kündigung erhälst, ein Betrieb für eine Anschlußlehre ist in der Regel schnell gefunden. Viele Ausbildungsbetriebe übernehmen gerne Auszubildende im 2. oder 3. Ausbildungsjahr. schon aus Kostengründen.  

Du solltest der IHK wirklich dein go geben. Dein Chef macht sich täglich strafbar und dir geht es mit dieser Situation auch nicht gut. Also werde Aktiv, es kann nur positiv für dich enden.

Kommentar von Pictators ,

Vielen lieben Dank. Vor allem die 6 Tage Woche macht mir zu schaffen. Mein soziales Umfeld leidet und ich selbst kann auch nicht richtig abschalten und den Stress hinter mir lassen. Schlafstörungen sind mittlerweile leider die Regel. Magenbeschwerden ebenfalls, laut Arzt möglicherweise stressbedingt.

Kommentar von Lavendelelf ,

Mal abgesehen von der Arbeitszeit bewirkt ja auch eine nicht gerechte Entlohnung Stress. Ungerechtigkeit wie du sie erlebst löst Stress aus. Starte also dein Stressventil und werde aktiv. (Ich wiederhole mich): Du kannst nur Gewinnen, du wirst sehen.

Antwort
von kevin1905, 29

Wende dich an die Kammer, die für deine Ausbildung zuständig ist.

Alternativ bleibt der Gang zum Arbeitsrechtler. Arbeits-RS wahrscheinlich nicht vorhanden?

Antwort
von Juedo, 11

Also ich weiß von einem Fall, bei dem es nur um regelmäßige Überschreitung der Arbeitszeiten ging. Da wurde dem Arbeitgeber ein Bußgeld von über 4.000 € auferlegt. Das war das Landesamt für Sozialen und Versorgung Mecklenburg-Vorpommern. Versuch herauszufinden, wer in Deinem Bundesland zuständig ist. Dort heißt die Behörde wahrscheinlich anders. Wenn die IHK, der Du unbedingt ein "GO" geben solltest, nichts zustande bringt, dann Rechtsanwalt oder Gewerkschaft. Tritt ruhig jetzt schon ein. Dann hast du auch Rechtsschutz. Die Gewerkschaft hilft Dir auch beim formulieren von Briefen usw.

Antwort
von Supertooper, 5

Ich würde mich parallel nach einer anderen Lehrstelle umsehen.
Möglicherweise kannst Du Dir so den mühseligen Ärger ersparen.
Neue Ausbildungsstelle suchen und wechseln.
Natürlich würde ich das vorher nicht an die große Glocke hängen.

Mit dem neuen Arbeitgeber würde ich das Thema offen ansprechen ohne unloyal dem alten Arbeitgeber gegenüber zu erscheinen. 
Wenn Du über den alten AG herziehst oder sogar ein Verfahren beginnst, kommst Du nirgendwo mehr unter.

Antwort
von heide2012, 55

Tritt einer Gewerkschaft bei und lass dich sann von denen beraten.

Antwort
von Bitterkraut, 54

Wende dich an die für dich zuständige Handwerkskammer/IHK.

Antwort
von Paejexa, 54

Bekommst du 650€ aufs Konto?

Kommentar von Pictators ,

Nein, brutto.

Kommentar von Paejexa ,

Ah okay.. naja das ist eindeutig zu wenig. Wie Bitterkraut schon geschrieben hat, würde ich damit zur IHK bzw. Handelskammer gehen und denen das Problem schildern. Alles weitere sollten die dann klären.

Kommt dein Chef mit einer Kündigung, gehst du noch einmal hin..

Kommentar von Pictators ,

Die IHK weiß bescheid, wird jedoch erst auf mein "Go" aktiv. Meinen Fall hat sich der Vorsitzende der IHK in unserem Bezirk angenommen. Unter anderem auch, da sich vorhergehende Azubis mit ähnlichen Problemen mit meinem Arbeitgeber gemeldet haben.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community