Frage von Ichfahr300, 219

Autounfall, Straftat?

Kollege ist einem anderen Auto hinten drauf gefahren, er ist schuld, alles ist klar.

Der andere hat dabei wohl ein Schleudertrauma erlitten.

Jetzt hat mein Kollege einen Strafbefehl über 1.200€ erhalten, oder das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wird eröffnet.

Ist das normal, ein normaler Unfall und dann das und sollte man das riskieren?

30 Tagessätze wären bei ihm jetzt zb auch nicht viel mehr als 1200€.

Antwort
von claushilbig, 107

Der Unfall an sich ist "nur" eine Ordnungswidrigkeit.

Das dabei jemand zu Schaden gekommen ist, ist einfach für sich eine Straftat, eben ein fahrlässige Körperverletzung. So was kann auch jederzeit außerhalb des Straßenverkehrs passieren. z. B. wenn DU Deinem Kollegen versehentlich was auf den Fuß fallen lässt. Das Strafverfahren ist also von dem Unfall an sich im Grunde unabhängig.

Ein Strafbefehl ist so was wie ein "Vorschlag" des Gerichts, die Sache zu erledigen, ohne ein "richtiges" Gerichtsverfahren zu eröffnen. (Zweck ist wohl die Entlastung der Gerichte, damit die sich um Schwerwiegenderes kümmern können, m. E. sehr sinnvoll.)

Dein Kollege kann diesen nun ablehnen, dann geht die Sache vor Gericht. M. E. hat das aber wenig Sinn - außer, Dein Kollege kann sehr triftige strafmildernde Gründe geltend machen. Sonst halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass das Gericht milder urteilen wird, als der Strafbefehl es vorsieht.
Außerdem wird meines Wissens dann das Einkommen noch einmal genauer geprüft, so dass der Tagesssatz dann auch leicht höher ausfallen kann als im Strafbefehl geschätzt.

(Ich persönlich glaube, Strafbefehle werden meist recht "milde" angesetzt, um einen Anreiz zu bieten, sie anzunehmen und damit den o. g. Entlastungseffekt zu erzielen.)

Da von einem Freispruch nicht auszugehen ist (Du schreibst "er ist schuld, alles ist klar") kommen dann noch die Kosten des Verfahrens und sowieso die Anwaltskosten hinzu - ohne Rechtsschutzversicherung auch kein kleiner Betrag. Zeitliche und nervliche Belastung und evtl. Verdienstausfall durch die Verhandlungen sollte man auch berücksichtigen.

Ich persönlich (rein subjektiv, kann sein, dass andere das anders sehen) würde also raten, den Strafbefehl anzunehmen, damit ist die Sache aus der Welt ...

Kommentar von Ichfahr300 ,

der ist auf 40 tagessätze, sagte er jetzt, das finde ich für fahrlässige kv mit dem auto etwas krass

Kommentar von furbo ,

Warum? 

Kommentar von claushilbig ,

Ich hatte vor kurzen leider auch einen Unfall, bei dem meine Unfallgegnerin einige leichte Prellungen davon trug - also im Vergleich zu einem Schleudertrauma, das u. U. lebenslange Probleme zur Folge haben kann, relativ harmlose Verletzungen. Der Strafbefehl (den ich angenommen habe, u. a. weil der Tagessatz m. E. ziemlich niedrig angesetzt war) lautete da schon auf 25 Tagessätze, wenn ich mich recht erinnere ...

Kommentar von Ichfahr300 ,

weil mein anderer kollege seiner frau eine bierflasche mit vorsatz ins gesicht geworfen hatte, sie für ihn ausgesagt hatte, er für gefährliche fahrlässige kv verurteilt wurde und nur 30 tagessätze bekommen hatte

aber von mir aus

ich würde die nicht nehmen

Kommentar von claushilbig ,

Das wundert mich, irgendwas kann da so nicht stimmen ...

  • Den Tatbestand "fahrlässige gefährliche Körperverletzung" gibt es im deutschen Strafrecht gar nicht.
  • Das Strafmaß für "gefährliche Körperverletzung" beträgt mindestens 6 Monate Haft, Geldstrafe ist nicht vorgesehen.
  • Fahrlässige Körperverletzung hingegen wird nur auf Strafantrag des / der Verletzten verfolgt - wenn die Frau "für ihn ausgesagt" hat und demnach doch wohl selber keinen Strafantrag gestellt hat, hätte das Verfahren m. E. komplett eingestellt werden müssen (ohne Strafe).

Soweit mein rudimentäres Rechtswissen, kann mich da täuschen ...

Kommentar von claushilbig ,

Sorry, gerade noch mal nachgesehen: in minder schweren Fällen kann man bei gefährlicher Körperverletzung auch mit 3 Monaten davon kommen - ist aber immer noch einiges mehr als 30 Tage ...

Kommentar von ZuumZuum ,

Du irrst, ein Verkehrsunfall mit Verletzten Personen ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit. Wird jemand verletzt wird kommt eine Straftat hinzu, nämlich die fährlässige Körperverletzung nsach $229 StGB. Das ist auch der Grund warum die Polizei den Unfall bearbeitet und nicht der Verkehrsunfall an sich. Deshalb kommt die Polizei auch meist nicht mehr wenn es nur Sachschaden gab. Das ist reine Versicherungssache. Dies ist zwar fahrlässige Sachbeschädigung aber diese ist nicht strafbar.

Kommentar von furbo ,

Du irrst, ein Verkehrsunfall mit Verletzten Personen ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit. Wird jemand verletzt wird kommt eine Straftat hinzu, nämlich die fährlässige Körperverletzung nsach $229 StGB. D

Er irrt nicht, denn nichts anderes steht in der Antwort, als dass es eine fahrl. KV ist. 

Kommentar von claushilbig ,

Ich schrieb ja:

  • Der Unfall an sich ist OWi
  • Die Körperverletzung ist Straftat

Obwohl natürlich Tateinheit vorliegt, sind das meines Wissens getrennte Verfahren.

Man bekommt ja auch dafür einerseits einen Bußgeldbescheid und andererseits auch eine Geldstrafe. Und im betreffenden Bußgeldbescheid steht auch immer so was in der Art "Dieser Bescheid ergeht unabhängig vom Strafverfahren".

Antwort
von zisttoll, 102

https://www.justiz.nrw.de/Gerichte_Behoerden/ordentliche_gerichte/Strafgericht/B...

+++++++++++

Hier ist der Strafbefehl gut (und offiziell) erklärt.

Antwort
von Gerberecht, 39

Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei einem schuldhaften Verletzen einer anderen Person - wovon das Gericht ja nun ausgeht - ein Verfahren eröffnet wird.

Ein Strafbefehl ist erst mal eine Vermutung. Sich dagegen zu wehren, also nicht sonderlich unüblich. Das müsste der Kollege sich halt überlegen.

Für fahrlässige KV ist der § 229 einschlägig, also mit einer Androhung bis zu drei Jahren. Da sind 40 Tagessätze jetzt nicht irre viel. Andere nicht gefährdende Sachbeschädigung (Bild auf dem Fußweg) habe ich schon mit 30 Tagen angesetzt gesehen.

Antwort
von zisttoll, 93

http://www.anwalt.de/rechtstipps/fahrlaessige-koerperverletzung-nach-einem-verke...

+++++++++

Er hat mindesten fahrlässig jemanden verletzt. Das ist nach Par. 229 Strafgesetzbuch eine Straftat.

Entweder zählen oder Anwalt fragen. Wenn keine Rechtsschutzversicherung zahlt, muss er überlehen ob das Honorar eine evtl. geringere Strafe auf wiegt.

Kommentar von Rockuser ,

"Er hat mindesten fahrlässig jemanden verletzt"

Interessant, woher weißt du das?

Kommentar von zisttoll ,

"Er ist jmd hinten drauf gefahren, er hat schuld, der andere hat ein Schleudertrauma erlitten" Also hat er durch seinen Fehler jemanden verletzt - steht doch in der Frage

Kommentar von Rockuser ,

Aber über Fahrlässig lasst sich streiten. War der Unfall vermeidbar oder nicht? Aber, hat man auch nicht immer Fahrlässig gehandelt, auch wenn man Schuld ist. Das sollte doch erst mal geklärt werden.Daher ergibt deine Antwort keinen wahren Sinn.

Kommentar von furbo ,

Weil fahrlässig das Mindeste ist und es noch Steigerungsformen gibt. Um in solcher Konstellation vorsätzlich zu handeln, muss er ihm schon mit Wissen und Wollen hinten drauf gefahren sein. 

Kommentar von zisttoll ,

Das Strafgesetzbuch kennt nur "Vorsatz" oder "Fahrlässig" bei Straftaten. Bei der Schuld geht es darum, ob es für die Tat Rechtfertigungs-Gründe (Notwehr, Nothilfe, Notstand) gibt.

Kommentar von zisttoll ,

https://dejure.org/gesetze/StVO/1.html +++++ (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt wird.

Kommentar von Bitterkraut ,

Nein, daß er fahrlässig war, wird vom Gericht angenommen. Wenn er es nicht war, kann er Einspruch einlegen, dann findet eine "normale" Hauptverhandlung statt, bei sich dann das Geriht von Schuld oder Unschuld überzeugen kann. Legt er keinen Einspruch ein, stimmt er der Annahme des Gerichts zu.

Kommentar von Ichfahr300 ,

der strafbefehl ist auf 40 tagesätze, ist das für fahrlässige KV nicht etwas viel, gerade noch im straßenverkehr?

Kommentar von Alien0127 ,

An die ganzen Theoretiker: Bitte einen sinnvollen Sachverhalt mit alltäglichem Bezug verfassen, bei dem hier keine Fahrlässige KV vorliegen könnte.

Antwort
von Alien0127, 25

Ein normaler Unfall ist das eben nicht. Ein normaler Unfall hat immer einen Sachschaden zur Folge, das ist auch das häufigste.

Hierbei wurde durch einen Fehler deines Kollegen ein Mensch verletzt. Wie man sich zu verhalten hat, wird in der StVO vorgeschrieben. Bei einem Verstoß dagegen, wie du hier schreibst, ist dein Kollege Unfallverursacher. Durch den Personenschaden kommt nun die fahrlässige Körperverletzung hinzu, was einen Straftatbestand darstellt.

Und ums einfach auszudrücken: Einen Verstoß gegen die StVO (hier vermutlich ungenügender Sicherheitsabstand oder soetwas) impliziert die Merkmale der Fahrlässigkeit, da er vermutlich einen Führerschein hat und somit über die StVO Bescheid wissen muss.

Antwort
von Inschn, 71

Erstmal Einspruch einlegen, bei der Versicherung nachfragen ob sie das übernehmen in den meisten Fällen übernimmt diese keine Fälle im Strafrecht. Vll einen Anwalt fragen und nach dessen Meinung fragen. Falls das Verfahren am Ende doch eingestellt werden sollte könnte man nochmal eine Deckungsanfrage an die Versicherung schicken oft zahlen sie dann im nachhinein noch einen Teil..

Kommentar von claushilbig ,

Versicherung übernimmt die Schäden an den Fahrzeugen und Schmerzensgeld u. ä. für Personenschäden.

Mit der Strafsache hat die Versicherung aber überhaupt nichts zu tun. Oder sollen die ggf. einen Vertreter in den Knast schicken?

Kommentar von Ichfahr300 ,

die versicherung würd ich immer abschließen

und dann schweren raub machen^^

Expertenantwort
von Crack, Community-Experte für Auto, 76

Jetzt hat mein Kollege einen Strafbefehl über 1.200€ erhalten, oder das
Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wird eröffnet.

Das ist mir jetzt nicht ganz schlüssig.

Wenn er einen Strafbefehl erhalten hat dann ist das der Urteilsspruch nach einem Strafverfahren. Wofür wurde er denn verurteilt?

Kommentar von Bitterkraut ,

https://de.wikipedia.org/wiki/Strafbefehlsverfahren_(Deutschland) wenn man Einspruch einlegt, wird eine Hauptverhandlung angesetzt. Der Tatvorwurf ist wohl Fahrläsige Körperverletzung, geht aus der Frage hervor.

Kommentar von Crack ,

wenn man Einspruch einlegt, wird eine Hauptverhandlung angesetzt.

Moment, hier stimmt irgendetwas Grundlegendes nicht.

So wie es aus der Frage hervor geht muss man davon ausgehen das der Kollege bereits für eine Tat verurteilt worden ist - nur dann wird ein Strafbefehl erlassen.
Ein Strafbefehl ist das Ergebnis eines Strafverfahrens - aber nicht dessen Beginn!



Kommentar von Bitterkraut ,

Schau doch einfach mal in den Link oder google Strafbefehlsverfahren. Es ist genauso, wie ich geschrieben habe.

Kommentar von Crack ,

Schau doch einfach mal in den Link oder google Strafbefehlsverfahren. Es ist genauso, wie ich geschrieben habe.

Den Inhalt des Linkes zweifle ich nicht an, der Ablauf in der Frage ist nicht schlüssig.

Wenn der Kollege einen Strafbefehl erhalten hat in dem er 1200€ zu zahlen hat dann ist das Ding bindend! [solange er keinen  Einspruch einlegt]

Die fahrlässige Körperverletzung ist eine zweite Sache - und deshalb frage ich nach wofür der Strafbefehl gewesen sein soll.

Man kann keinen Strafbefehl erlassen ohne das es vorher ein Strafverfahren gab. Für die fahrlässige KV gab es aber noch kein Strafverfahren, denn die Eröffnung eines Strafverfahrens dafür wird ja von der Zahlung der 1200€ abhängig gemacht wird - Du verstehst?

Kommentar von claushilbig ,

Hab das erst auch nicht verstanden, als ich mal einen Strafbefehl bekommen habe ...

Ein Strafbefehl ist eben kein Urteil, sondern so was wie ein "Vorschlag" des Gerichts, die Sache zu erledigen, ohne ein "richtiges" Gerichtsverfahren zu eröffnen. (Zweck ist wohl die Entlastung der Gerichte, damit die sich um Schwerwiegenderes kümmern können, m. E. sehr sinnvoll.)

Antwort
von Rockuser, 63

Blos nicht Zahlen. Der soll zuerst mal bei der Versicherung fragen, was da los ist und wenn das nichts bringt, selber einen Anwalt einschalten. Wer sich auf die Straße begibt, nimmt das Risiko in kauf, das etwas passieren kann trägt jeder selber. Da hat einer einen schlauen Anwalt. Vorsicht ist geboten!

Kommentar von Ichfahr300 ,

nein, es ist kein zivilrecht, es ist strafrecht, sie werfen ihm fahrlässige körperverletzung vor

er muss zum anwalt, ja, aber ich hab das auch noch nie gehört

Kommentar von Rockuser ,

Was hat der denn genau gemacht? Ist der dem mit Absicht reingefaren? Beim Unfall steht Strafrecht eigentlich nicht zur Debatte.

Kommentar von Rockuser ,

Hatte mich verlesen. Einen Strafbefehl, kann jeder Anwalt veranlassen. Das hat wenig zu sagen. Der Gegnerische Anwalt stellt nun einen Strafbefehl bei Gericht, und das entscheidet, wie es weiter geht.

Kommentar von Bitterkraut ,

Nein, einen Strafbefehl kann nur der Staatsanwalt beantragen.

Kommentar von Alien0127 ,

Die fahrlässige KV setzt eben, wie der Name schon sagt, keinen Vorsatz voraus...

Antwort
von lolpop2309, 91

Im Endeffekt würde ICH nichts riskieren, da das schnell nach hinten losgeht. Lege einfach Einspruch ein und versuche, die Geldsumme zu kürzen.

Kommentar von Ichfahr300 ,

was soll er denn bekommen?

wohl höchstens 30 tagessätze, das sind vielleicht 1400

und dein einspruch bedeutet riskieren, dann wird das verfahren eröffnet

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