Frage von schwarzpf, 71

Autoreifen telefonisch beim Autohändler bestellt zum Pauschalpreis | Marken nicht genannt | Widerrufsrecht?

Hallo.

Ich habe ein neues Auto gekauft und der Händler hat mir angeboten bei Abholung einen neuen Satz Winterreifen für 750 Euro zum Pauschalpreis zu montieren... Auch auf Nachfrage konnte er mir aber nicht den Namen nennen, um welche Reifen es sich handelt... Es sollte sich aber um Mittelklassereifen handeln (Fulda, Falken, o.ä.).

Ich wollte mir das zunächst überlegen, habe etwas im Internet gegoogelt und bin zu der Ansicht gekommen, dass es sich nicht um Abzocke handelt (obwohl es natürlich komisch ist nicht genau den Reifennamen zu kennen). Da ich zur Abholung des Wagens etwa 100 km fahren musste und ich bequem bin, habe ich dem Angebot ein paar Tage später per Telefon zugestimmt. Heute am Abholungstag sind die Reifen jedoch noch nicht vor Ort und demnach auch nicht auf das Auto montiert. Ich will daher vom mündlichen Vertrag zurücktreten, der meiner Meinung nach auch nie wirklich zustandegekommen ist, da ich "die Katze im Sack" gekauft habe... (keinen Markennamen vom Händler erfahren)...

Kann mich der Händler zwingen die Reifen abzunehmen und muss ich dann nochmals den Weg auf mich nehmen?

Antwort
von Kreativst, 20

Meiner Meinung nach musst du die Reifen nicht nehmen, sofern es nicht schriftlich festgehalten wurde. Zuerst mal natürlich sehr dubios das er dir die Reifen zwar für eine guten Preis (sofern sie neu sind) verkaufen will, die Tatsache das er aber keinerlei Angaben zum Reifen macht würde mich schon stutzig machen. Dein Auto hättest du ja auch sicher nicht auf der Grundlage "er ist rot und fährt" gekauft.

Vorallem wenn die Reifen nicht zum vereinbarten Termin da sind muss der Händler, sofern er darauf besteht das du sie kaufst, dir mindestens den Fahrtweg erstatten. 100km (eine Richtung oder hin und zurück?) Sind ja auch nicht mal eben um die Ecke, außerdem ist er in dem Moment ja als Dienstleister in der Verpflichtung sein Angebot auch wahr zu machen, wenn das dann nicht klappt weil z.B. der Lieferant sich verfahren hat ist das schlicht sein Problem und wenn dadurch mehr Kosten für dich entstehen hat er sie m.M.n. auch zu tragen.

Vor einem Gericht hättest du aber denke ich gute Chancen zu gewinnen wenn der "Vertrag" nur am Telefon ergänzt wurde.

Antwort
von kieljo, 19

Natürlich hast du einen Kaufvertrag, wenn auch nur mündlich. Du kannst dem Händler eine Frist setzen z.B. 3 Tage. Wenn er bis dahin dann nicht liefert, kannst du den Kauf widerrufen.

Antwort
von bubukiel, 51

Auch mündliche Verträge haben Gültigkeit. Ist natürlich ärgerlich, dass die Räder noch nicht geliefert wurden. Ist aber sicher kein Grund vom Vertrag zurückzutreten. Da kannst du nur auf Kulanz des Händlers hoffen.

Kommentar von DasWeiseKind ,

Rechtlich gesehen haben mündliche Verträge keine Gültigkeit. Es gibt nur noch auf Pferdemärkten die Möglichkeit einen Kauf "per Handschlag" zu besiegeln. Auf mündliche Versprechen darf man sich garnicht verlassen.

Kommentar von bubukiel ,

Natürlich haben auch mündliche Verträge nach wie vor Gültigkeit.

Kommentar von DasWeiseKind ,

Ich weiß nicht wie du auf die Idee kommst. Kaufverträge müssen schriftlich festgehalten werden,  damit es hinterher auch einen Rechtsanspruch auf Erfüllung der Vertragspflichten gibt. Und damit man das auch im Notfall einklagen kann, müssen die Vertragspflichten klar definiert und abgegrenzt sein. Berate dich mal bei 'nem Anwalt.

Kommentar von bubukiel ,

@DasWeiseKind, dazu braucht man keinen Rechtsanwalt sondern nur das BGB lesen.

Kommentar von franneck1989 ,

Rechtlich gesehen haben mündliche Verträge keine Gültigkeit.

Völliger Unsinn

Kommentar von DasWeiseKind ,

Wie willst du denn bei einem mündlichen Vertrag Vertragserfüllung einklagen? Das ist unmöglich.

Kommentar von migebuff ,

Es geht nicht um die Frage, wer am Ende recht bekommt, sondern darum, dass die Aussage "mündliche Verträge haben keine Gültigkeit" frei erfunden ist. Wenn zwanzig Zeugen dabeistehen, ist der Nachweis kein Problem.

Kommentar von DasWeiseKind ,

Du hast ja Recht, wenn ich das Wort Gültigkeit mit Relevanz ersetzen soll. Laut BGB sind Kaufverträge auch formlos "gültig".

Das Problem ist, dass man ohne Schriftform, ersatzweise elektronischer Form oder notarieller Beglaubigung keine rechtliche Grundlage hat, um seine Rechte oder die Erfüllung der Vertragspflichten einzufordern. Selbst wenn man "20 Zeugen" hätte. Es lassen sich immer Gegenzeugen finden, wenn man denn welche braucht. Es geht doch dabei darum sich selbst vor solchem Blödsinn zu schützen.

Bei einer Einigung am Telefon kann der Kaufvertrag sogar wegen falscher Übermittlung angefochten werden und bei einer Formulierung "Ein Satz Winterreifen" ist ja noch nicht einmal festgelegt,  ob neu oder gebraucht, welches Fabrikat oder Marke. Das gibt Spielraum zur Anfechtung wegen Irrtums.

Wenn mir in diesem Beispiel der Händler dann ein paar Continentals drauf knallen will, die nur 350€ kosten und die 10 Minuten Montage dann mit 400€ berechnet,  dann ist das auch nichtig wegen Wucher.

Um mal wieder zu der eigentlichen Frage zurück zukommen: selbst wenn die Winterreifenmontage schriftlich vereinbart gewesen wäre, kannst du trotzdem davon zurücktreten, denn Teil der Verpflichtung des Händlers war ja auch die fristgerechte Erfüllung. Du kannst ihm aber auch die Möglichkeit der Nacherfüllung einräumen, wobei daraus entstehende Kosten für dich (also z.B. die erneute Anfahrt des Autohauses deinerseits - Benzin, Zeitaufwand)

Kommentar von DasWeiseKind ,

...von dem Autohändler getragen werden müssten.

Antwort
von DasWeiseKind, 42

Hallo schwarzpf,

Alles, was nicht schriftlich im Kaufvertrag enthalten ist, ist auch nicht Teil des Kaufes. Das musste ich 2009 schmerzlich feststellen. Als es damals die "Abwrackprämie" gab' und ich mir im Sommer ein neues Auto bestellt habe, war mir nicht klar, dass es erst am 08.12.2009 ausgeliefert werden kann. Da es nicht schriftlich im Vertrag festgehalten wurde war der Verkäufer nicht bereit mir den Wagen mit Winterreifen auszuliefern, also musste ich direkt nochmal Geld ausgeben. War kein Weltuntergang aber wegen diesem Geschehnis habe ich mich informiert und daher weiß ich, dass alles schriftlich festgehalten werden.

Selbst wenn das mit deinen Winterreifen schriftlich im Vertrag erwähnt gewesen wäre, könntest du davon zurücktreten, da die Winterreifen genau beschrieben sein müssten (Marke, Größe). Außerdem müsste es aufgeschlüsselt werden - Warenkosten, Arbeitsaufwand bzw. Arbeitsaufwandsentschädigung.

Liebe Grüße 

Kommentar von bubukiel ,

Jedes Auto wird mit Sommerreifen geliefert, auch im Winter. Wenn es nicht beim Kauf vereinbart wurde muss der Händler keine Winterreifen auf seine Kosten montieren. Suche also den Fehler nicht beim Händler sondern bei dir.

Auch dein 2.Absatz ist so nicht korrekt. Es kann immer ein Pauschalpreis vereinbart werden. Da muss nichts aufgeschlüsselt werden.

Kommentar von DasWeiseKind ,

Die Aufschlüsselung kann man fordern und muss dann auch getätigt werden. Und ohne genaue Beschreibung der Winterreifen ist das ganze hinfällig, da das Handelsgeschäft dann nicht genau definiert ist.

Bei einem Kaufvertrag müssen die Pflichten beider Vertragsparteien genau definiert und abgegrenzt sein.

Kommentar von bubukiel ,

Es war genau definiert. Ein Satz Winterreifen für 750,- Euro.

Kommentar von DasWeiseKind ,

"Ein Satz Winterreifen" ist aber keine genaue Definition.

Kommentar von bubukiel ,

Ist aber als Vertragsgrundlage / Vertragsgegenstand ausreichend.

Kommentar von franneck1989 ,

Als es damals die "Abwrackprämie" gab' und ich mir im Sommer ein neues
Auto bestellt habe, war mir nicht klar, dass es erst am 08.12.2009
ausgeliefert werden kann. Da es nicht schriftlich im Vertrag
festgehalten wurde war der Verkäufer nicht bereit mir den Wagen mit
Winterreifen auszuliefern, also musste ich direkt nochmal Geld ausgeben.

Das ist auch eine völlig andere Situation. Neuwagen werden grundsätzlich mit Sommerreifen ausgeliefert. Das wird auch regelmäßig so bei der Bestellung vereinbart.

Alles, was nicht schriftlich im Kaufvertrag enthalten ist, ist auch nicht Teil des Kaufes.

Das stimmt so pauschal nicht.

könntest du davon zurücktreten, da die Winterreifen genau beschrieben sein müssten (Marke, Größe)

Diese Pflicht ergibt sich genau woraus? Und selbst wenn es diese Pflicht geben würde, warum wäre das ein Rücktrittsgrund?

Kommentar von DasWeiseKind ,

Wenn ein Vertrag formale Fehler aufweist verliert er seine Rechtskraft und ist somit nicht mehr existent, und deshalb hätte man dann das Recht davon zurückzutreten.

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