Frage von Pallasch, 70

Autoverkauf rechtsgültig und welche Folgen / Möglichkeiten?

Hallo zusammen,

wir wollten unser Auto online verkaufen, daher hatten wir es bei autoscout24 und mobile.de am Samstag eingestellt. Nach kurzer Zeit hat sich dieser "Händler" telefonisch gemeldet und wir hatten uns nach kurzer Zeit auf einen Verkaufspreis geeinigt. Er hat eine Kaufbestätigung für einen "privanten Verkauf eines Kraftfahrzeuges" geschickt mit ein paar Daten darin, z.B Erstzulassung, Datum K/Baujahr und ob das Fahrzeug gewerblich genutzt wurde. Es sollte von uns eine Kaufbestätigung geschickt werden, die wir geschickt haben mit den Worten "...hiermit bestätigen wir Ihren Kauf und Übergeben Ihnen das Fahrzeug am 07.12.2015." Zusätzlich haben wir die Kontaktdaten angegeben, wo das Auto abzuholen ist. Die Abholung sollte am Montag stattfinden und sie wollten sich vorher nochmal telefonisch bei uns melden. Leider ist bei der Angabe der Telefonnummer ein Tippfehler passiert, was uns am Sonntag Abend aufgefallen ist und wir umgehend kommuniziert haben. Da sich am Montag noch immer niemand bei uns gemeldet hatte, habe ich um ca. 11 Uhr angerufen und es hies, er würde es seinem Chef sagen und dieser würde sich innerhalb der nächsten Stunde bei uns melden. Bis zum Abend haben wir dann noch immer nichts gehört und wir haben ein Mail geschrieben in der wir den bisherigen Verlauf zusammengefasst haben und wir davon ausgehen, dass er vom Kauf zurücktritt wenn wir bis zum nächsten Tag um 10 Uhr nichts hören. Nach wenigen Minuten hat dann das Telefon geklingelt und es wurde versucht Druck auszuüben, da wir angeblich Falschangaben gemacht hätten. Das Datum, dass er für K/Datum eingetragen hat, würde nicht stimmen. Im ersten Telefonat hatte ich ihm allerdings geschildert, dass ich nur das Datum für die Erstzulassung weiß. Zusätzlich wäre das Fahrzeug noch ein gewerbliches Fahrzeug gewesen, jedoch nach meinem Wissen handelte es sich dabei um eine Tageszulassung des Autohauses und das Auto ist von einem Angestellten gefahren worden. Dieser ist auch der Zweitbesitzer des Autos. Daher sind wir der Drittbesitzer.

Das Angebot des Händler wäre jetzt entweder gibt er es an einen Anwalt weiter und wir müssten mit weiteren Kosten Rechnen, da bereits ein Fahrer von diesem Händler unterwegs gewesen wären. Alternativ sollten wir nochmals 900€ im Preis runter gehen, da er für dieses Auto jetzt doch weniger bekommen würde. Nachdem ich ihn dann darauf hingewiesen habe, dass ich bereits am Sonntag Abend eine Berichtigung der Telefonnummer geschickt hatte und in seinem ersten Mail die korrekte Nummer gestanden ist und ich ihn darüber telefonisch informiert hatte wurde es sehr leise in der Leitung. Es wäre also möglich gewesen uns zu kontaktieren. Zusätzlich ist er am Telefon auch sehr patzig geworden.

Nach Internetrecherche gibt es weder diesen "Händler / Firma" noch taucht der Name irgendwo auf. An der angegebenen Adresse gibt es laut Internet keine Firma mit diesem Namen.

Was können bzw. müssen wir tun und wie ist das jetzt mit einem Verkauf?

Gruß

Pallasch

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von franneck1989, 45

Das ist eine alte Masche, um den Preis nachträglich zu drücken.

Da ihr aber offenbar einen Kaufvertrag habt, würde ich hier nochmal hergehen und dem Käufer eine schriftliche Frist zur Abholung und Bezahlung des vereinbarten Kaufpreises setzen. Wenn die verstreicht (und das wird sie mit Sicherheit), tretet ihr vom Verkauf zurück.

Auf keinen Fall solltet ihr auf die Drohungen des Käufers eingehen. Wenn es euch zu bunt wird, zeigt ihn wegen Nötigung an.

Kommentar von Pallasch ,

Vielen Dank für die Antwort. Das habe ich mir schon gedacht, besonders da es einige "ungereimtheiten" gibt, wie z.B. dass der "Händler" nicht per Google auffindbar ist und auch an der angegebenen Adresse es keinen Händler mit diesem Namen gibt.

Das mit der Frist habe ich bereits gestern am späten Abend gemacht. Ich gehe davon aus, dass ich nichts mehr von ihm höre. Wie oft muss ich diese Frist zur Abholung setzen, damit der "Kaufvertrag" nicht mehr wirksam ist? Ist es ausschlaggebend, dass es nach Recherche diese "Firma" nicht gibt? Damit ist doch der Vertrag eigentlich hinfällig, oder?

Kommentar von franneck1989 ,

Nein, der Vertrag ist nicht automatisch hinfällig. Vermutlich wird sich das Interesse des Käufers sowieso in Luft auflösen, weil er merkt, dass bei dir nichts zu holen ist. Allerdings ist es schon nicht verkehrt, das ganze rechtssicher abzuwickeln, um dem Typ keinen Angriffspunkt zu bieten - so könnte er ja in ein paar Tagen wieder darauf bestehen, das Auto zu bekommen, wenn du es vielleicht schon weiter verkauft hast. Dann hättest du erstmal ein Problem

Antwort
von pbheu, 70

ein kauf wird dann rechtskräftig, wenn ein kaufvertrag von beiden seiten unterschrieben wird.

du bist kein händler, dh wenn du ein auto über as24 verkaufen willst, ist das ein privatverkauf. 

grundätzlich gilt beim autokauf:

papiere gibts nur gegen geld (plus kaufvertrag)

wenn ihr die papiere noch habt, und lediglich per e-mail irgendwelche dinge hin und hergeschickt wurden, dürfte dieser "verkauf" keinem rechtstreit standhalten. wenn zudem falsche angaben darin enthalten sind, ist meiner meinung nach (bin kein jurist) noch gar kein vertrag zustandegekommen.

was der käufer gerade abzieht, noch dazu unter drohungen und nachträlicher preisdiskussion ist in hohem maße unseriös - und zeigt ebenfalls, dass noch keine einigung zustandegekommen ist.

ich würde das ignorieren und das auto anderweitig verkaufen.

Kommentar von BrutalNormal ,

Halte ich für eine schlechte Idee!

Du kannst nicht einfach einseitig wegen eines Fehlers, den du begangen hast bestimmen, dass der Käufer vom Kauf zurückgetreten ist!

Der Käufer ist hier völlig im Recht. Das Übermittlungsrisiko trägst du und ob jetzt eine email angekommen ist mit den korrigierten Kontaktdaten oder nicht, ist nicht des Käufers Problem, sondern deins. Von daher zieht die Argumentation nicht, dass er dich hätte kontaktieren können. Im Angebot war die falsche Nummer und dann kann es schon sein, dass im Hintergrund eine Maschinerie von Geschäftsbewegungen in Gang gesetzt wird.

Heißt, wenn du das Auto anderweitig einfach so verkaufst, wird das sehr teuer für dich!

Schau zu, dass du dich mit ihm einigst. Die Kosten für die Fahrer oder was auch immer, hätte er sowieso gehabt, deshalb würde ich anbieten, das Auto selbst vorbeizubringen. Dadurch sind dann keine Mehrkosten entstanden und du bekommst vielleicht noch den ausgemachten Verkaufspreis ohne Abzüge.

Kommentar von pbheu ,

das bezweifele ich, aber wenn du diese bedenken hast, sollte er in jedem fall einen anwalt fragen.

für käufe am telefon gilt ein 14tägiges rücktrittsrecht (wenn eine firma dir was verkaufen will).

inwiefern er als privatverkäufer formulare akzeptieren muss, die er unterschreiben soll und ob eine solche kaufbestätigung bereits ein gültiger kaufvertrag ist, das halte ich für den springenden punkt.

ich verstehe in keiner weise, warum diese "firma" (wenn es denn eine ist) so handelt.
ich habe schon mehrere autos privat über as24 verkauft. die käufer riefen mich an, kamen vorbei, machten eine probefahrt und man einigte sich über den preis. und die haben das auto plus papiere bekommen, nachdem sie und ich einen kaufvertrag unterschrieben haben (vordruck adac) und bezahlt haben. ohne cash - kein deal.

Antwort
von Pallasch, 34

Schon mal vielen Dank für die Antworten. 

In der Zwischenzeit haben wir auch Internetrecherche betrieben und laut diesen gibt es weder diese "Firma" noch diesen Namen des "Händlers" irgendwo. Was in meinen Augen schon mal sehr dubio ist. Zusätzlich ist immer mit unterdrückter Rufnummer angerufen worden und nur da hat er seinen Namen genannt. Als ich bei Ihm am Vormittag, an dem die Abholung stattfinden sollte, per Telefon angerufen habe (die Nummer stand in der ersten Mail) hat er sich ohne Namen gemeldet, so nach dem Motto erstmal schauen, wer sich da meldet.

Nachdem ich ihm dann am Abend gesagt habe, dass ich auf seine Drohung und Forderungen nicht eingehe ist er erstmal sehr ruhig geworden. Anscheinend musste er überlegen, wie er am besten versuchen kann die Situation zu "retten". Anschließend ist er persönlich gegenüber mir und meiner Frau beleidigend geworden und hat versucht nochmal Druck aufzubauen. 

Generell habe ich kein Problem damit zu einem Anwalt zu gehen, da ich eine entsprechende Versicherung besitze. Zusätzlich stimmen die Aussagen, die er getroffen hat ebenfalls nicht. Woher soll er wissen, dass mein altes Auto betrieblich genutzt wurde? Ich habe ihm nie die Fahrgestellnummer oder aber das Kennzeichen gegeben. Wie soll er dann Einkünfte über das Fahrzeug eingezogen haben? Anhand er Erstzulassung, der Farbe und des Fahrzeugtyps? Ganz davon abgesehen, dass das mit der gewerblichen Nutzung einfach nicht stimmt. Es war eine Tagesanmeldung des Autohauses und ist dann in den Besitz eines der Verkäufer übergegangen. Dieser Verkäufer ist auch der direkte Vorbesitzer. Von einer gewerblichen Nutzung kann hier also nicht die Rede sein. 

Das mit dem K/Datum war wahrscheinlich von ihm beabsichtigt, da ich ihm beim ersten Gespräch bereits gesagt habe, dass ich es nicht weiß und er im dritten Gespräch plötzlich sehr genau wusste, wo diese Angabe steht. Bei diesem Telefonat war auch meine Frau anwesend und kann das bestätigen. Außerdem habe ich ihm lediglich den Kauf und ein Übergabedatum bestätigt und nicht seine Daten.

Ich habe ihm jetzt eine Frist zur Abholung gesetzt damit er seine Seite der Vereinbarung einhält. Wenn ich richtig informiert bin muss ich das zwei Mal machen und dann wäre der Kauf hinfällig.

Kommentar von franneck1989 ,

Wenn ich richtig informiert bin muss ich das zwei Mal machen und dann wäre der Kauf hinfällig.

Nein, es reicht eine einmalige, ausreichend bemessene Frist. Ich würde in dieser Situation z.B. bis einschließlich Samstag als eine vernünftige Frist bezeichnen. Idealerweise kündigst du gleichzeitig schonmal an, beim Verstreichen der Frist sofort zurück zu treten

Kommentar von Pallasch ,

Ok, dann sollte ich ihm noch eine Frist setzten und ich werde mich mal bei einem Anwalt sicherheitshalber informieren.

Kommentar von Pallasch ,

Eine Frist ist laut §376 des HGB nicht notwendig, wenn im Vertrag ein fixes Datum gesetzt ist. 

In diesem Mail gibt es als Abholdatum das am 07.12.2015 war, also gestern. Angeblich haben sie jemanden zum Abholen los geschickt, der mich angeblich nicht erreichen konnte und deshalb auf halber Strecke umgekehrt ist. Ich habe am Vormittag bereits dort nochmals nachgefragt und auf das Mail mit der korrekten Telefonnummer hingewiesen. Ein Kontakt wäre also möglich gewesen und es ist eigentlich ein Vertragsbruch bei einem Kaufvertrag mit Fixtermin. Das würde mich berechtigen sofort einen neuen Käufer zu suchen.

Paragraph § 376 HGB

(1) Ist bedungen, daß die Leistung des einen Teiles genau zu einer festbestimmten Zeit oder innerhalb einer festbestimmten Frist bewirkt werden soll, so kann der andere Teil, wenn die Leistung nicht zu der bestimmten Zeit oder nicht innerhalb der bestimmten Frist erfolgt, von dem Vertrag zurücktreten oder, falls der Schuldner im Verzug ist, statt der Erfüllung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Erfüllung kann er nur beanspruchen, wenn er sofort nach dem Ablauf der Zeit oder der Frist dem Gegner anzeigt, daß er auf Erfüllung bestehe.

Nach meiner Recherche würde jetzt ein Mail reichen in der wir von dem Verkauf zurücktreten.

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