
Primäres Ziel war es ja nicht den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Das ist manchmal logistisch halt nicht möglich.
Ziel war es unter anderem auch den Gütertransport durch Deutschland für ausländische Firmen zu verteuern.
Und nach der anfänglichen schweren Geburt kann sich das Deutsche Mautsystem ja inzwischen auch sehen lassen denke ich.

Hallo bosshog.
Durch die (verspätete) Einführung der Lkw-Maut in Deutschland zum 1.1.2005 wurde und wird vor allem der Transitverkehr zur Kasse gebeten, weil vorher ein Ungleichgewicht in der indirekten Besteuerung und Refinanzierung der deutschen Autobahnen bestand.
Deutsche Unternehmen haben in der Regel keine guten Möglichkeiten, im Ausland billiger zu tanken. Viele Transit-Spediteure aber können in ihrem Land preiswerter tanken und dann nonstop durch Deutschland fahren, z.B. auf der berüchtigten Achse Randstad -- Skandinavien.
Nachdem die Lkw-Maut die technischen Pannen und Kinderkrankheiten überwunden hat, fährt sie nun erhebliche Summen ein. Politisch war gewollt, den Bundesverkehrsetat anschließend zugunsten der Bahn etwas zu verändern, nachdem Rot-Grün ihn schon auf 50:50 zurückgeführt hatte (in der Kohl-Ära war der Anteil der Bahnausgaben deutlich geringer).
Allerdings hat die jetzige Schwarz-Rote Korrosion dieses 50:50-Konzept schon wiederr aufgeweicht, weil die Straßenbauer-Parteien stärkere Lobbies haben als Mehdorns Eisenbahn.
Es bleibt zu hoffen, dass die Spritpreise auf Dauer so steigen, dass auch für Spediteure die Bahn endlich wieder lukrativer wird. Da dort knallhart kalkuliert werden muss, jammern momentan die Spediteure, die z.B. auf Biodiesel oder Rapsöl umgestellt hatten, darüber, dass Schwarz-Rot zum 01.07.2007 diese Spritarten ebenfalls besteuern will. (Über den ökologischen Vorteil / Nachteil von Rapsöl wird noch gestritten.)
Fazit: Mehr Lkw zahlen jetzt für die Nutzung der deutschen Autobahnen. Aber es gibt entsprechend seit 01.01.2005 auch zunehmend "Maut-Flüchtlinge", die also mit ihren Lkw auf parallel oder tangential verlaufenden Bundes- und Landstraßen fahren, um Maut zu sparen, mit erheblichen Mehrbelastungen für die dortige Bevölkerung.
Sehr deutlich wird dies z.B. in Niedersachsen an den beiden am meisten als Mautausweichstrecken genutzten Strecken B68 (Ausweichstrecke zur A1 bei Osnabrück) und B213 (von NL zur A1 bei Ahlhorn).

Selbst wenn die Spediteure wollten, so könnten sie den Großteil ihrer Fracht nicht auf die Schiene verlagern. Denn die Hauptstrecken im Schienenfrachtverkehr sind leider komplett ausgelastet. Man kann einfach nicht mehr Waren auf die Schiene bringen. Auf Nebenstrecken mag das anders aussehen. Die einzige Möglichkeit ist also entweder die Straße oder aber Konsumverzicht: Man muß ja nicht unbedingt in Hamburg Bier aus München trinken oder in Passau Joghurt aus Rostock essen, oder?
Ich bin LKW- Fahrerin und kann Dir sagen, es war das Ziel den Güterverkehr auf deutschen Autobahnen zu verringern und die entstandenen und entstehenden Schäden der Autobahnen auszugleichen. Allerdings hat das nicht ganz funktioniert. Das liegt an den neuen Vorschriften für Lenk- und Ruhezeit. Das was früher ein LKW gefahren ist, müssen jetzt 2 machen. Das ist gut für die Fahrer aber schlecht für den Verkehr. Das Schienennetz ist nicht flexibel genug um das abzufangen.Daher wird der Güterverkehr weiter steigen. Allerdings solltest Du mal darauf achten, welche Kennzeichen unterwegs sind. Die Einführung der Maut und die neuen Lenk- und Ruhezeiten haben leider den deutschen Speditionen sehr geschadet. Viele Firmen sind zu den billigen Ländern gewechselt. Dort sind geringere Lohnkosten und können daher billiger fahren als z.B.: Deutsche, Belgier usw. Immer mehr kleine Speditionen sind daran zugrunde gegangen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. MfG