Frage von Niklasnurmitk, 80

Auto geschrammt, Probezeit, erst nach 15 Minuten die Polizei gerufen, was kommt auf mich zu?

Ich habe Mist gebaut! Beim ausparken habe ich ein anderes Auto geschrammt (5 cm.). Aus Panik bin ich erstmal weggegangen, allerdings merkte ich nach 15 Minuten das ich doch die Polizei rufen muss. Ich bin in der Probezeit! Was kommt jetzt auf mich zu ? Muss ich meinen Führerschein abgeben? Ich hoffe Ihr könnt mir helfen, danke schonmal im Vorraus Niklas

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Polizei, 67

Hallo Niklasnurmitk,

also grundsätzlich gesehen hast Du tatsächlich den Straftatbestand des folgenden Gesetzes erfüllt:


§ 142 StGB - Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort 

(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er 

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder 
  2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen, 

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich 

  1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder 
  2. berechtigt oder entschuldigt

vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht. 

(3) Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, daß er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt. 

(4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3). 

(5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.


Dadurch dass Du den Unfall an die Polizei gemeldet hast, hat die Polizei Kenntnis von der Straftat und ist grundsätzlich verpflichtet ein Strafverfahren gegen Dich einzuleiten.

Mit ganz ganz ganz viel Glück, haben die Beamten von der Einleitung des Strafverfahrens abgesehen. Eigentlich dürfen sie es zwar nicht, aber Polizisten sind auch nur Menschen und manchmal hat man einfach nur Glück.

Jedenfalls, wenn selbst, wenn die Polizei ein Strafverfahren gegen Dich eingeleitet hat, kann es sein, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Dich einstellt.

Wenn nicht, droht Dir allerdings:

  1. Die im Gesetz angedrohte Geld.- oder Freiheitsstrafe
  2. 2 Punkte in Flensburg
  3. Anordnung eines Aufbauseminars, welches bis zu 400,- Euro kosten kann.
  4. Die Entziehung der Fahrerlaubnis und eine Sperre von 6 Monaten bis zu 5 Jahren in der Dir keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf. Den Entzug der Fahrerlaubnis halte ich persönlich allerdings für unwahrscheinlich, da der nur vorgeschrieben ist, wenn Menschen bei dem Unfall zu schaden gekommen sind oder ein bedeutender Schaden entstanden ist. Das dürfte bei Dir ja nicht zutreffend sein, wenn nur eine 5 cm lange Schramme entstanden ist
  5. Zivilrechtlich könnte Dich die Versicherung in Regress nehmen und bis zu 5000,- Euro von Dir fordern, aber so hoch wird der Schaden ja nicht sein.

Wird das Verfahren eingestellt, bezahlt Deine Versicherung den Schaden und Du musst nur mit folgendem Bußgeldbescheid rechnen:

[Quelle: Bundeseinheitlicher Tatbestandskatalog]


Tatbestandsnummer: 101136

Tatvorwurf: Sie beschädigten beim Fahren in eine/aus einer Parklücke ein stehendes Fahrzeug.

Ordnungswidrigkeit gem.: § 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 1.5 BKat

Verwarnungsgeld: 30,00 Euro


Außer dem Verwarnungsgeld von 30,00 Euro hat die Ordnungswidrigkeit keine Folgen. Es gibt weder Punkte, noch ein Fahrverbot, noch andere Probezeitrelevante Maßnahmen.

Aber jetzt im Moment bleibt Dir nur übrig abzuwarten, ob die Polizisten ein Strafverfahren gegen Dich eingeleitet haben. Oder haben sie sich diesbezüglich schon geäußert?

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort
von DerTroll, 80

Da passiert vermutlich gar nichts. Du hast zwar eine Unfallflucht begangen, aber da wird in der Regel von abgesehen, wenn du dich dann doch wieder meldest. Und das hast du ja nach 5 Minuten auch getan. Du wirst halt für den Schaden aufkommen müssen (oder die Versicherung aufkommen lassen, was ich aber für so einen kleinen Schaden nicht machen würde).

Kommentar von Niklasnurmitk ,

Das geschrammte Auto war leider schon weg, als ich nach 15 Minuten die Polizei gerufen habe. 

Spielt das eine Rolle?

Kommentar von DerTroll ,

Ich denke nicht

Kommentar von fuji415 ,

Wen er es gesehen ist er sofort dort hin gefahren dann helfen keine Ausreden mehr . wen nicht kannst du Glück haben dann geht es seinen Gang . 

Antwort
von Gegengift, 51

Ist doch wurst. In den 15 Minuten hast halt dein Handy gesucht oder sonst was.

Antwort
von Alopezie, 46

Sag du bist nachhause um dein Handy zu holen oder du hast Zuhause gemerkt das dein Auto eine schramme hat und du bist zum Parkplatz gefahren um dein Nachbar Auto zu sehen

Expertenantwort
von Sirius66, Community-Experte für Polizei, 51

Du kannst durchaus 15 Minuten auf den Geschädigten warten. Sogar länger. Alles gut. Darfst nur nicht sagen, daß du weg warst ...

Und selbst wenn, kann das Verfahren dann auch eingestellt werden, wenn man dir glaubt, daß du dich nicht entziehen wolltest, sondern es eine Art Panik und Fluchtreflex war. Das sagt auch das Gesetz = googel Nachholpflicht.

Gruß S.

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