Frage von Sven2025, 112

Autismus Fehldiagnose und doch nur AD(H)S?

Hi, ich würde euch mal gerne Fragen was ihr soo davon Haltet, dass ich vor 4 Jahren (mit 10) die Diagnose Asperger erhalten habe. Ich bin eigentlich recht gut in der Schule intigriert, habe auch einen besten Freund außerhalb. Ich meide dort Gruppen die mir unsympathisch sind und selbst wenn ich zwangshaft mit ihnen zusammen sein muss bin ich still und introvertiert. Mittlerweile fällt es mir echt schwer andere, nicht total unsympathische, Leute direkt zu beleidigen oder Verletzen, wärend ich ihnen in die Augen sehe (ich brings mehr oder weniger nicht übers Herz). Ich kann mich jedoch noch an eine Situation vor ca. 4 Jahren erinnern, als ich einen dickeren vor der ganzen klasse beleidigt habe, ohne etwas zu merken (was war ich nur damals für ein vollidiot, denke ich mir manchmel :( ). Ob das ein Einzelfall war kann ich nicht mehr sagen, ich kann nur sagen das sowas heute nicht mehr vorkommt.

Ich war mal n Jahr oder so in Therapie, jedoch war die aus meiner Sicht reichlich nutzlos wesswegen ich sie wieder abgebrochen habe.

Was Mimik und Tonfall deuten angeht bin ich durchschnittlich denk ich mal, zumindest schneide ich in den ganzen Augentests im inet ganz gut ab ohne wirklich gross nachzudenken und Ironie / Metapher versteh ich (oft anhand der Betonung)

Ich selbst habe auch eine recht betonte Stimme, aber etwas wenig intuitive Mimik. Ich glaube aber ich konnte mal nicht auf befehl traurig gucken oder soo.

Ich habe kaum Routinen oder Rituale und wenn sind sie mir nicht bewusst. Ich bin Chaotisch, unpünktlich und zuzuverlässig, is einfach tatsache ;D

Ich halte mich selbst für total unkreativ. Ob das n symtom für AS ist weiss ich nicht, es spricht halt nur gegen ADS.

Was Spezialinteressen angeht kann ich sagen das ich immer unter einem Jahr bleibe und meistens damit nur meine Vorfreude auf ein bestimmtes Ereigniss oder so bekräftige. Also wenn ich etwas haben will aber es noch nicht kriegen kann beschäftige ich mich intensiv damit, kp warum. wenn ichs dann aber habe hört das Interesse daran auf.

Also ich habe bereits ein Termin bei einem spezialisierten Pyschater, aber ich kanns kaum abwarten und zerbreche mir fast schon zwanghaft den Kopf darüber, ALso ich fände es echt korrekt ob ihr meine lage mal einschätzen könntet anhand dieser kurzen beschreibung ;). Vielleicht wurde ich ja fehldiagnostiziert.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Alinap1010, 112

Ich bin zwar kein Experte, aber habe einige Erfahrungen mit Autismus. Unter anderem ist mein Nachbar Autist. Eine gute Freundin von mir ist Asperger.

Ich würde sagen, dass du kein Autist bist! Meine Freundin hat absolut kein Ahnung von Emotionen, sie hat sich aber sehr vieles angeeignet, damit das nicht auffällt. Wenn du Mitleid mit anderen hast, bist du sicher kein Asperger! Dass du als Kind keinen traurigen Gesichtsausdruck nachahmen konntest, ist absolut normal! Wieso solltest du auch, wenn du nicht traurig bist?! Auch dass du als Kind einen Jungen vor der gesamten Klasse beleidigt hast, würde mich nicht beunruhigen. Als Kind macht man viele verletzenden Dinge, weil man einfach keinen Überblick hat, wie es anderen mit den eigenen Handlungen gehen könnte...

Kommentar von Sven2025 ,

danke für die schnelle Antwort :). ich kann auchnoch dazusagen dass ich beim ende von Schildlers Liste fast geheult habe und das nicht nur wegen der Gewalt (für alle die den film kennen ;))

Kommentar von hantoren11 ,

und was ist an Autisten anders Alinap?

Kommentar von Alinap1010 ,

Anders als an ihm? Mein Nachbar ist ein besonderes Beispiel würde ich sagen. Bei ihm ist der Autismus sehr auffällig. Ein paar Beispiele: Er kann Kirchglocken genauestens voneinander unterscheiden und nachmachen. Wenn ich einen anderen Radiosender höre, als seine Mutter, wird er sofort nervös. Er merkt es auch sofort, wenn ich umschalte. Er ist manchmal sehr gesprächig und fragt dich sehr süß alltägliche dinge zu dir, aber manchmal ist er gar nicht ansprechbar, weil er sich auf etwas anderes konzentriert. Ein Tierchen zum Beispiel oder er baut etwas. Er weiß praktisch alles über sterne und ließt sehr gerne. Außerdem kann er neue Dinge im Allgemeinen nicht leiden.

Meine Freundin hingegen, ist ganz anders. Sie weiß kleinigkeiten bis ins Detail genau, aber bei anderen Themen, fehlt ihr komplett das Verständnis für den Inhalt. Sie kann sich nur sehr schwer in eine Gruppe eingliedern, weil sie das Gespräch meistens ganz anders wahr nimmt und versteht alles irgendwie anders als der Rest. Generell ist sie sehr pedantisch und genau.

Beide haben aber gemeinsam, dass sie immer so wirken, als wären sie mit den Gedanken komplett woanders, wenn du mit ihnen redest. Der Blick geht dabei meistens ganz woanders hin. Blickkontakt ist sehr schwer zu halten.

Autismus kann man aber generell am besten im Kleidkindalter feststellen, autisten können schon sehr früh sprechen, lesen und rechnen. Also 10 Jahre ist etwas spät für eine Diagnose.

Beantwortet das die Frage?

Kommentar von hantoren11 ,

Ok das ist ja interessant :D Danke für deine ausführliche Antwort ^^

Kommentar von Alinap1010 ,

klar! Gerne! :D

Antwort
von verquert, 68

Hallo Sven,

bitte mach Dich nicht von einer Diagnose abhängig. Das ist enorm wichtig.

Eine Diagnose ist eher dafür da, dass Du Möglichkeiten bekommst, um Defizite "fachlich" aufzuarbeiten. Zum Beispiel innerhalb eines 'Sozialen Kompetenztrainings' oder ähnliches.

Bei einigen Menschen fällt der Autismus kaum bis gar nicht auf. Wie das gehen soll, das frage mich bitte nicht - also ob über Kompensationskraft oder "ganz leichten Symptomen - aber diese Menschen soll es geben. Und es gibt unterschiedliche Formen von Autismus. Das heißt, Menschen mit Autismus HABEN Gefühle ! Meistens sind sie aber so überflutet davon (Hochsensibel), dass diese 'abgespalten' werden. So zumindest eine Theorie. Andere interessieren sich nicht für Menschen - sind auch eher "gefühlsreduziert" im eigenen Sein. Also eher "Denker", als "Fühler". Aber beides kann beim Autismus vorkommen.

Inzwischen gibt es massiv viele Facetten davon. Daher bitte übe Dich in Geduldigkeit und warte auf die Einschätzung des Psychiaters. In der Hoffnung, dass Du Dich nicht zu viel von der Diagnose abhängig machst - dich nicht über diese identifizierst. Denn wenn Du das machst und Du bekommst die Diagnose, dann wirst Du Dir vielleicht 'Entwicklungsmöglichkeiten' verbauen, weil Du 'Autist' sein magst.

Wenn Du Dich identifizierst darüber und diese Diagnose nicht gegeben wird, dann wirst Du vielleicht einen Teil Deiner Identität verlieren.

Beides ist mies.

Im übrigen: jeder Mensch hat auch irgendwo "autistische Züge" in sich. Das heißt: wenn Dir Strategien aus dem Autismusspektrum oder auch AD(H)S - Spektrum helfen, dann kannst Du diese auch ohne Diagnose anwenden. Damit Du innerhalb Deiner Entwicklung voran kommst. Um so Dein Leben zu gestalten, wie es Dir gut tut. Unabhängig von einer Diagnose.

Alles Gute auf Deinem Lebensweg.

Antwort
von Korallino2345, 69

Ich habe mir hier alles genau durchgelesen. Zwar bin ich keine Psychologin, aber habe seit dreißig Jahren Erfahrung in dem Bereich. Du bist ja jetzt in einer ziemlich schwierigen Phase des Heranwachsens. Da braucht dich auch keiner darum beneiden, das ist schwierig. Wenn du kannst, versuche Freundschaften zu knüpfen. Es müssen nicht viele sein, aber du musst zu Unternehmungen kommen, die dir Spaß machen und weg von dem Grübeln über irgendwelche Diagnosen. Wenn du das Leben jetzt noch nicht in die Hand nehmen kannst, dann nimm deine Freizeit in die Hand und geh ins Kino oder mach einfach was Nettes mit ein paar neuen oder alten Freunden. Verkriech dich nicht. Schwer wird es immer mal wieder werden, aber das geht allen so. Die wollen es aber nicht zugeben.

Gib deinem leben ein wenig Spaß und Freude, das ist wichtig.

Was andere daher quatschen ist nicht wichtig. DU bist wichtig!

Alles Liebe, Du packst das! G.

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