Frage von Shinrai, 51

Autismus Diagnose?

Hallo, Ich bin minderjährig und vermute seit fast über einem Jahr, dass ich an einer leichteren Form der Autismusspektrumstörung(Asperger) "leiden" könnte. Mittlerweile nehmen Probleme, die durch den vermuteten Autismus enstehen/entstanden sind zu. Außerdem mache ich mir Sorgen um meine Zukunft, bzw um mein zukünftiges Berufsleben, wie ich dort ohne Hilfe klarkommen soll.

Deshalb zu meiner Frage; wie sage ich meinen Eltern am Besten, dass ich eine Autismusspektrumsstörung bei mir vermute, und mich gerne darauf testen lassen würde? Ich weiß absolut nicht, wie ich solch ein Gespräch beginnen sollte, da ich mir trotz alle dem, dass ich mir fast zu 100% sicher bin, immernoch leicht daran zweifle, da Autismus ja sehr kompliziert und tiefgründig ist.

Eine weitere Frage; sollte ich als Autist diagnostiziert werden, inwiefern kann ich Hilfe erwarten? Ich meine Hilfe in der Schule, die mündliche Mitarbeit, dass ich dort nicht sprechen kann. Würde man mich davon befreien können, indem ich stattdessen einen Nachteilausgleich kriege? Und inwiefern würde bzw könnte der sich äußern(Nachteilausgleich)? Und würde ich vom Sport/Schwimmunterricht befreit werden können?

Eine letzte Frage; wie sieht es mit Therapie aus? Müsste ich eine machen? Oder wird das je nach Schwierigkeit im Alltag und/oder sozialer Kommunikation entschieden? Und was passiert alles in so einer Therapie?

Ich bedanke mich schonmal im Vorraus für jede hilfreiche Antwort. :-)

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Shinrai,

Schau mal bitte hier:
Autismus Diagnose

Antwort
von Ostsee1982, 18


Eine letzte Frage; wie sieht es mit Therapie aus? Müsste ich eine machen? 

Willst du denn eine machen und wärst du gegebenenfalls interessiert an dir zu arbeiten oder geht es nur um den Nachteilausgleich?

Ich möchte dir keinesfalls etwas unterstellen aber du wärst auch nicht die Erste die versucht sich eine Autismusdiagnose zu "erschleichen" aufgrund vermeintlich finanzieller Vorteile. Was mir dahingehend auch schon von meinem Gutachter zu Ohren kam das würde man kaum glauben.


Eine weitere Frage; sollte ich als Autist diagnostiziert werden,
inwiefern kann ich Hilfe erwarten? Ich meine Hilfe in der Schule, die
mündliche Mitarbeit, dass ich dort nicht sprechen kann. Würde man mich
davon befreien können, indem ich stattdessen einen Nachteilausgleich
kriege? Und inwiefern würde bzw könnte der sich äußern(Nachteilausgleich)? Und würde ich vom Sport/Schwimmunterricht befreit werden können?

Grundsätzlich bist du schulpflichtig wie jeder andere auch und bis jetzt hattest du offenbar die Grundschule gut geschafft und auch die weiterführende Schule. Anspruch hättest du auf eine Schulassistenz, eine Art Betreuer der dich in die Schule begleitet und hinterher auf eine Arbeitsassistenz aber nicht auf zuhause bleiben. Anspruch hast du auch auf Ergotherapie und Psychotherapie. Es soll ja nicht darum gehen dir alles abzunehmen, dass man sich auf ein bequemes Sofa setzt und sagt "nö, ich hab Asperger, ich kann das nicht".

Ich habe den Eindruck, dass für viele so eine Diagnose einfach ganz schick klingt aber überhaupt nicht reflektiert wird was da eigentlich alles dran hängt, an alltäglichen Schwierigkeiten (wovon ich aus deiner Frage gar nichts lese), auch an Nachteilen. Eine Diagnosestellung ist meines Erachtens dann sinnvoll wenn man tatsächlich gravierende Schwierigkeiten hat die die tägliche Lebensführung beeinträchtigen und erschweren.

Kommentar von DeliriumTremens ,

Ich habe zwar bei der/m Fragesteller/in nicht den Eindruck, sie/er  wolle sich eine Diagnose erschleichen, aber generell des öfteren, dass Asperger deswegen "schick" ist, da die Diagnose erstmal nichts an einem selbst direkt ändert, man aber sein eigenes, als selbst schwierig empfundene Verhalten/Lebensumstände entschuldigen kann und so Entspannung erfährt. Damit meine ich nicht Mitmenschen, die sich tatsächlich im autistischen Spektrum befinden, sondern jene, die sich in diesen Gedanken, autistisch zu sein, verrennen.

Kommentar von Ostsee1982 ,

Das sehe ich auch so. Was mir auffällt, das was gerade in den Medien diskutiert wird, dazu gibt es erstaunlicherweise dann immer hinterher eine signifikante Anhäufung Betroffener, vorallem Jugendlicher, sei das Asperger, Borderline, Bindungsstörungen etc. Ich kann mir schon vorstellen, dass das zu einer kurzzeitigen Entspannung führt und dennoch erschließt sich mir der Sinn dahinter nicht. An den Problemen ändert sich nichts ob das nun Asperger, Franz oder Peter heißt. Es ersetzt einem keine Diagnose, es ermöglicht keine Therapien aber vielleicht denke ich da auch in die verkehrte Richtung.

Antwort
von halbsowichtig, 11

Autismus ist ein sehr komplexes Syndrom, das man leicht verwechseln kann. An welchen Symptomen machst du deinen Verdacht denn fest?

Wenn du tatsächlich Autistin bist, dann kannst du mit deiner Schule bestimmte Nachteilsausgleiche aushandeln. Welche genau du bekommst, kommt auf die Schulleitung und auf deine konkreten Schwächen an.

Manche Autisten werden vom Sportunterricht befreit, andere von der mündlichen Mitarbeit. Wieder andere bekommen mehr Zeit in Klassenarbeiten. Da wird halt geschaut, wo dein Problem liegt, und dann erst entschieden.

Eine Therapie ist freiwillig. Weil du minderjährig bist, dürften jedoch deine Eltern für dich entscheiden. An diesem Punkt wird es schwierig, denn der Therapiemarkt ist voller Scharlatane. Man kann quasi sagen, es gibt gar keine gute Therapie (außer Sozialkompetenztraining), aber jede Menge Humbug.

Wenn die mündliche Mitarbeit dein größtes Problem ist, dann probier es doch zunächst mit einem Sozialkompetenztraining für "normale" schüchterne Jugendliche. Dann kannst du dir viel Aufwand sparen.

Du sagst also deinen Eltern, dass du zu schüchtern zum Mitarbeiten wärst. Du suchst dir bei der Volkshochschule oder so einen Trainingskurs und bittest darum, dich anmelden zu dürfen. Und erst dann siehst du weiter.

Später kannst du deinen Eltern immer noch Symptomlisten ausdrucken und erklären, warum du eventuell F84.x hast.

Antwort
von Revic, 6

Eine weitere Frage; sollte ich als Autist diagnostiziert werden, inwiefern kann ich Hilfe erwarten? Ich meine Hilfe in der Schule, die mündliche Mitarbeit, dass ich dort nicht sprechen kann. Würde man mich davon befreien können, indem ich stattdessen einen Nachteilausgleich kriege? Und inwiefern würde bzw könnte der sich äußern(Nachteilausgleich)? Und würde ich vom Sport/Schwimmunterricht befreit werden können?

Für mich hört sich das sehr danach an, als würdest du dir durch eine ASS-Diagnose diverse Vorteile erhoffen bzw. möchtest die Diagnose gerne haben, um unangenehmen Situationen aus dem Weg gehen zu können.

Hier muss ich dich leider enttäuschen. Die durch einen Nachteilsausgleich zugesprochenen "Vorteile" sind (je nach Bundesland) sehr beschränkt und werden auch nur bei absoluter Notwendigkeit vergeben. Ich habe durch meinen Nachteilsausgleich weder eine Sportbefreiung, noch eine Freistellung für mündliche Mitarbeit bekommen.

Was ich aber bekommen habe sind deutlich schlechtete Aussichten auf einen Ausbildungsplatz und vor allem auf einen Job. Überleg dir gut, ob es das wert ist. Bei manchen mit leichter ASS wird sogar absichtlich keine entsprechende Diagnose gestellt, weil die Diagnostiker genau, wissen, welche Schwierigkeiten damit für den Betroffenen verbunden sind.

Du kannst dich natürlich trotzdem testen lassen, aber wenn es, wie du selbst sagst, "nicht so schlimm" ist, rate ich dir dringend davon ab.

Antwort
von Naydoult, 12

Bist Du Dir denn wirklich sicher das Du 100% eine benötigst? Gerade wenn Du die Diagnose hast bekommst Du Probleme im Arbeitsmarkt. Eine Diagnose hat sehr viele Nachteile, denke darüber bitte noch einmal ausführlich nach. Zum anderen würde ich sie nur stellen wenn Du wirklich glaubst Du schaffst es sonst nicht.

Autismus kann höchstwahrscheinlich nicht im Laufe des Lebens entstehen, außerdem ist es keine psychische Krankheit. Alt Autist wirst Du im Berufsleben nicht 100% Hilfe erhalten, mehr als 90% der Autisten sollen statistisch betrachtet arbeitslos sein, obwohl offenbar ihre Diagnose bekannt ist.

Deine Eltern werden vermutlich nicht sehr erfreut sein, dennoch kannst Du es probieren. Vielleicht schreibst Du einfach eine Mail, dann wirst Du nicht mit den sozialen Unsicherheiten konfrontiert.

Vom Unterricht wirst Du wahrscheinlich nicht befreit werden können. Zudem müssen da ja schon erhebliche motorische Einschränkungen dabei sein, dass wäre doch schon aufgefallen oder?

Du musst nur eine machen wenn Dich Probleme ernsthaft belasten, dass gilt aber immer und bei jedem Menschen. Siehst Du Dich denn als krank an, durch den Autismus?

Kommentar von halbsowichtig ,

Eine Diagnose hat überhaupt keinen Nachteil auf dem Arbeitsmarkt. Man muss sie nämlich niemandem verraten. Kein Arbeitgeber wird jemals wissen, dass da mal bei irgendwem was diagnostiziert wurde.

Sogar einen Schwerbehindertenausweis darf man in der Schublade verschwinden lassen. Vor wem man sich outet und vor wem man "normal spielt", bleibt eine vollkommen freie, persönliche Entscheidung.

Der einzige Nachteil einer Diagnose ist, dass man keine private Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt. Denn nur in diesem Bereich gibt es Ausschlussklauseln.

Kommentar von Revic ,

Das stimmt nicht so ganz. Viele der Autisten, die ich kenne, haben erhebliche Schwierigkeiten einen Job zu finden und diesen auch zu behalten. Die Störung "verbergen" oder "normal tun" können eben nicht sehr viele. In den meisten Fällen fällt es nach einer Weile doch irgendwie auf und wenn man nicht einfach als "komisch" oder sozial inkompetent gelten will, sagt man lieber was Sache ist.

Ich würde keinem Autisten raten, seine Beeinträchtigungen vor seinen Arbeitgebern und Kollegen zu verbergen. Das ist wahnsinnig anstregend und macht auf Dauer krank.

Außedem ist es auch so, dass man keinen Anspruch auf die mit dem SbA einhergehenden Vorteile wie Kündigungsschutz und Überstundenbefreiung hat, wenn man nicht angibt, schwerbehindert zu sein.

Antwort
von Harald2000, 25

Wenn du das hättest, dann hättest du es schon seit Geburt - und nicht erst jetzt plötzlich. Vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten für dich, bessere Schulnoten zu erzielen ?! Untersuchen kannst du dich natürlich immer lassen.

Kommentar von Shinrai ,

Ich vermute mal, ich habe mich etwas falsch ausgedrückt. 

Diese Probleme sind schon seit Kindergartenalter(oder noch früher) an vorhanden, allerdings fange ich immer mehr an mir große Sorgen um meine Zukunft mache, da ich überhaupt nicht weiß, wie ich ohne Hilfe klarkommen soll.

Kommentar von Harald2000 ,

Mehr als Aspergersyndrom wird wohl nicht dabei herauskommen.

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