Frage von m0rz97, 117

Auszubildendenrecht. Völlig ausgebeutet, wie kann man das ändern?

Hey..

Ich suche Antworten von Leuten, die schonmal sowas durchgestanden haben, oder in der Richtung sichere und legale Lösungen wissen. Ob auf dem Rechtsweg oder sonstwo.

Meine Freundin hat am 1. 8. 2015 eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen und wird seit dem nach Strich und Faden Ausgebeutet.

Die Arbeitszeiten sind mehr als unmenschlich.

Der Umgang mit dem Arbeitgeber ist unverschämt.

Mehr infos dazu in einer Antwort. GF.net hat sich leider geweigert, meine ganze Frage hier reinzusetzen. Zu viele Zeichen.

Bitte helft mir, wenn ihr Ahnung habt, oder etwas ähnliches durchgestanden habt.

lg m0rz

Antwort
von m0rz97, 32

-Hey ..

Ich suche Antworten von Leuten, die schonmal sowas durchgestanden haben, oder in der Richtung sichere und legale Lösungen wissen. Ob auf dem Rechtsweg oder sonstwo.

Also:
Meine Freundin hat im letzten Jahr nach dem Abitur eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in NRW begonnen. Sie wollte es und ich weiss auch, dass es auf jeden Fall etwas für sie ist.

Seit dem sie aber da ist, wird sie nach Strich und Faden ausgebeutet. Dass Ausbildungsjahre keine Herrenjahre sind, ist ja allseits bekannt. Aber müssen es dann gleich Höllenjahre sein?

(1) Seit dem sie angefangen hat, arbeitet sie im Restaurant des Hotels. Das hat morgens halb 8 bis nachts um 24 Uhr geöffnet. Haben auch dauerhaft gut 50 Tische besetzt und zu den Hauptzeiten auch mal an die 120. Die gesamte Belegschaft des Restaurants begeht sich aber nur auf 2 fest Angestellte, 3 Azubis und 4 Aushilfen. Das passt also schon rein rechnerisch garnicht mit dem Personal. Daher schiebt sie auch jeden Tag mindestens 2 Überstunden und kommt so am Ende ihrer angeblich max. 42 Std. Woche auf über 50 Std.
Das beste daran: Die haben eine Stempeluhr und ein Buch, wo die selbst ihre Zeiten reinschreiben und das von der Restaurantleitung unterschrieben bekommen. Die Zeiten der Stempeluhr sind immer perfekt. Also:
Um 15:00 Uhr gekommen
Um 17:30 Uhr in die Pause
Um 18:00 Uhr aus der Pause
Um 23:30 Uhr gegangen.
-> ein eigentlicher 8 Stunden Tag.
Und so sieht das auch aus, wenn sie erst um 1 Uhr Nachts gehen durfte und keine Pause hatte.
Im Buch stehen dann aber immer noch die richtigen Zeiten.
Sie selbst führt auch noch ein eigenes Buch, seit dem sie dort angefangen hat.
Sie hat ihre Aufzeichnungen dem Hoteldirektor gegeben und ihm ihre Problematik geschildert. Als aber nach mehrmaligem Fragen ihrerseits nichts kam, ist sie zur Restaurantleitung gegangen und hat dort das gleiche gemacht. Mit dem gleichen Ergebnis. Sie bekommt die Überstunden nicht gutgeschrieben, nicht ausbezahlt, die stehen garnicht erst irgendwo verzeichnet.
Sie darf laut Vertrag und Gesetz erst 11 Stunden nach dem Ende ihrer letzten Schicht wieder arbeiten kommen, hat aber oft Situationen, in denen sie von 15 bis 1 oder 2 Uhr arbeitet und am nächsten Tag um 7 wieder im Hotel sein muss. Wie soll das überhaupt funktionieren? Sie braucht auch 30 Minuten, bis sie zuhause ist.
Das das Restaurant total unterbesetzt ist, merkt man auch daran, dass oft die Küche mit den Bestellungen nicht hinterherkommt und die Bedienungen dann von den Gästen angeschnauzt werden.

Dazu spricht der Direktor ganz offen mit allen Anderen über die Auszubildenden als Auszubeutende. Für meine Freundin ist es aber alles andere als lustig. Die hat keine Zeit mehr für Freunde. Hat chronischen Schlafmangel und wird andauernd krank.
Das Hotel akzeptiert es aber auch nicht, wenn sie nach 5 Stunden Arbeit schwere Kopfschmerzen bekommt und nach hause will, selbst wenn sie in Tränen ausbricht, soll sie
ihre 11 Stunden Schicht zu Ende bringen.

Die gesamte Belegschaft hegt einen unvorstellbaren Groll auf ihren Arbeitgeber wegen allen möglichen Problemen. Insgesamt gibt es 3 Hotels dieser Gruppe in NRW. Die Gruppe selbst hat ihren Sitz im Osten, weshalb die Auszubildenden auch nach Osttarif bezahlt werden. In allen Hotels in NRW scheint das so zu laufen. In einem dieser Hotels lassen sich die Mitarbeiter andauernd krankschreiben. Alle 2 Wochen kündigt im Betrieb meiner Freundin jemand. Zu Anfang waren die da mit 4 Ausgelernten und 5 Azubis.

Ich habe meiner Freundin schon oft gesagt, dass von ihren Rechten gebrauch machen soll, nur traut sie sich das nicht.

Ich verzweifle langsam selbst daran. Ihr geht es zunehmend schlechter dadurch. Aber mehr als ihr zuhören und sie trösten kann ich nicht machen. Ich studiere selbst und hab auch nicht viel Zeit.

Abbrechen will sie nicht, da sie das nicht in ihrem Lebenslauf haben möchte und glaubt, damit ihre Mutter zu enttäuschen.

Kann mir bitte jemand helfen? Wie kann ich sie davon überzeugen? Welche Rechte genau hat sie? Wie kann sie davon gebrauch machen? Hat schonmal jemand so ein Problem gehabt? Soll sie die Ausbildung doch Abbrechen (Was ich irgendwie schwach fände - Da bringt ja keinen weiter)? Wie kann ich ihr dabei helfen?

lg m0rz

Antwort
von kstr154, 12

Also mit dem Arbeitgeber anlegen bringt nicht viel - sondern kostet nur noch mehr Nerven & Zeit. Mal abgesehen davon dass sie nichts in der Hand hat, da auf den Stundenzetteln alles "korrekt" aufgezeichnet wird...
Am besten einen anderen Arbeitgeber finden. In der Gastro gibt es leider noch immer viele schwarze Schafe. Aber auch ein paar sehr faire Arbeitgeber. Meine Erfahrungen mit internationalen Ketten sind bis dato sehr gut. Einfach mal in der Berufsschule umhören 😊 und wenn sie die Lust an dem Beruf noch nicht verloren hat AUSBILDUNGSBETRIEB WECHSELN!

Antwort
von Carlystern, 37

Kenne ich nur zu gut. Ich habe eine Ausbildung vom Arbeitsamt her gemacht. Bekam sehr wenig Geld dafür. Im 1. Jahr 185 euro, im 2. Ca. 225 Euro und im 3. Ganze 245 Euro. Meine Arbeitszeiten waren mehr sls Ausbeutung. Icj arbeitete von 07.00uhr bis 21.30uhr durchgehend mit einer halben Stunde Pause insgesamt. Da ich Angst hatte die Ausbildung zu verlieren jabe ich stillschweigen gewahrt was ich nich tun sollen. Hätte sofort zur IHK oder mich an die Konzernleitung wenden sollen.

Kommentar von m0rz97 ,

Das sage ich ihr immer wieder, dass sie damit nicht weiterkommt.

Antwort
von Wandkosmetiker, 47

Das ist in der Gastronomie leider gang und gäbe. Meine Nichte hatte diese Erfahrung in der Hotelausbildung auch gemacht. Es ist schwer dagegen vorzugehen, ohne sich den Arbeitsplatz ganz zur Hölle zu machen. Meine Nichte hat am Ende die ultimative Konsequenz gezogen,und die Ausbildung abgebrochen. War bedauerlicherweise der einzige Ausweg aus der Misere.

Antwort
von 716167, 61

Deine Freundin sollte sich mal mit dem Ausbildungsberater der IHK in Verbindung setzen.

Kommentar von m0rz97 ,

Hat eine ihrer Kolleginnen gemacht. Hat nicht weitergeholfen. Die stehen der Sache eher gleichgültig gegenüber

Antwort
von Novos, 30

Ist Deine Freundin in der Gewerkschaft, wohl nicht. Dann sollte sie dort Mitglied werden und die Rechtsabteilung mit der Sache betrauen.

Kommentar von m0rz97 ,

Ich hab von Gewerkschaften selbst keine Ahnung. Aber vom Hotel und def Belegschaft gibt es keine Gewerkschaft.

Kommentar von Novos ,

Sie soll sich an das nächste Büro der NGG wenden. https://www.ngg.net/

Antwort
von EuroTrans, 44

Wenn es ein Hotel mit Betriebsrat ist sollte Sie sich an den wenden, oder direkt an die NGG. Sie aber auf alle Fälle was unternehmen, denn die Ausbeuter mussen weg aus der Gastronomie.

Kommentar von m0rz97 ,

Gieb es leider nicht .. Keine Gewerkschaft, garnichts.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit, 46

Im folgenden Link findest du Hinweise zu deiner Frage:

http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/index.html

Kommentar von m0rz97 ,

Danke, das hilf. ganz schön weiter

Antwort
von Zeitmeister57, 35

Das nur vorweg:

Dieser Ausbildungsberuf ist kein Zuckerschlecken. Aber ohne genaue Infos kann es hier keine gute Antwort geben.

Kommentar von m0rz97 ,

Ich versuch grade genauere Infos zu geben, abed die App lässt einen keine Antwort auf seine Eigene Frage geben 😒

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