Frage von ricoster94, 37

Austauschrecht /-pflicht im Apothekennotdienst?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Der Patient P bekommt an einem Sonntag eine plötzliche Erkrankung, die er als so schwerwiegend empfindet, dass er den lokalen Notdienst niedergelassener Ärzte aufsucht. Dort wird eine bestimmte Krankheit diagnostiziert, die medikamentös behandelt werden muss, und der diensthabende Arzt stellt dem P ein entsprechendes Rezept inclusive "noctu"-Vermerk aus, mit dem der P sich unverzüglich zur nächsten diensthabenden Apotheke begibt. Unglücklicherweise ist das verordnete Medikament dort aber von keinem der Hersteller, mit denen die Krankenkasse des P einen Rabattvertrag über diesen Wirkstoff geschlossen hat, auf Lager. Der Patient ist allerdings darauf angewiesen, das Medikament sofort zu erhalten, und kann nicht auf eine Bestellung warten, die erst am nächsten Werktag ausgeliefert werden würde. Was darf / kann / soll / muss der diensthabende Apotheker in dieser Situation tun? a) Den P abweisen und zu einer anderen notdiensthabenden Apotheke in der Umgebung schicken? b) Ein Medikament mit einem anderen Wirkstoff, aber ähnlichem Wirkprofil, von einem Hersteller mit entsprechendem Rabattvertrag, abgeben? c) Das verordnete Medikament von einem anderen Hersteller, mit dem die Krankenkasse des P aber keinen Rabattvertrag diesbezüglich geschlossen hat, abgeben? Muss der Apotheker in Fall c) eventuelle Regressforderungen der entsprechenden Krankenkasse fürchten? Oder darf er in Notfällen ausnahmsweise so handeln?

danke für alle hilfreichen Antworten!

Antwort
von wallenstein, 30

Die Frage ist relativ eindeutig zu beantworten: Der Apotheker vermerkt auf dem Rezept "zur unverzüglichen Abgabe", druckt eine entsprechende Kennziffer auf das Rezept und begründet den Sachverhalt nochmal schriftlich auf dem Rezept und gut ist es. LEIDER hat insbesondere das Jahr 2015 gezeigt, dass es Kassen wie zB die DAK gibt, die selbst irrsinnige Formfehler konstruieren, um die Apotheken vollständig um die Bezahlung zu prellen. Aber bisher haben selbst die widerlichsten Kassen nicht daran gerüttelt, dass der Apotheker die Verrordnung des Arztes so exakt wie möglich (also lieber den verordneten Wirkstoff OHNE RV statt nur einen ähnlichen MIT RV) ausführt. Ganz problematisch wird die Sache allerdings bei Substanzen, die auf der Substitutionsausschlussliste stehen. Die Regelung ist so dermassen KRANK, dass der Apotheker hier wirklich nur das verordnete Medikament abgeben darf. Allerdings stehen auf der Liste bisher keine Akutmedikamente, also ist es im Notdienst ein eher kleineres Problem.

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