Frage von Laleluwerbistdu, 47

Außergerichtliche Einigung widerrufen möglich?

Hallo, kennt sich jemand mit außergerichtlichen Vereinbarungen aus?

Es geht darum, ich habe ein total verhunztes Tattoo gestochen bekommen. Habe lange mit dem Tättowierer diskutiert. Als ich ihm dann gedroht hatte, zum Anwalt zu gehen, hat er mir plötzlich angeboten 150 Euro zu zahlen. Was bei weitem eigentlich gar nicht das ersetzten kann, was das Nachstechen noch kosten wird. Und von diesem Tättowierer werde ich es garantiert nicht nachstechen lassen. Das wurde am 17. August 2016 vereinbart. Ende August habe ich nochmal nachgefragt, wo das Geld bleibt. Antwort am 2. September 2016 dass er derzeit nicht im Lande ist und es in zwei Wochen überweist. Natürlich war nix da. Auch auf meine letzten zwei Emails wurde nicht reagiert. Ich würde gerne diese außergerichtliche Vereinbarung nun aufheben, da ich mittlerweile echt angefressen bin… und die 150 Euro eigentlich eh viel zu wenig für das ist. Gekostet hatte es 300 Euro. Das Tattoo das vor mir gestochen wurde, war wunderschön auch die im Internet. Bei mir wurde auch gesagt es dauert 3 Stunden nach 45 Minuten war das Tattoo fertig und teilweise sind Linien gestochen, die gar nicht in der Vorlage waren.

Was muss so ein Schreiben/Email beinhalten das es die Aufhebung auch gerichtlich wirksam ist?

Das wäre mein Vorschlag: Hiermit komme ich zurück auf Ihre Email vom 2. September 2016. Ich darf darauf hinweisen, dass Sie mitgeteilt haben, mir in zwei Wochen, also 16. September 2016 spätestens 19. September 2016 das Geld aus der außergerichtlichen Einigung vom 17. August 2016 zu überweisen. Da das Geld nicht fristgerecht eingegangen ist und Sie auch meine Emails nicht beantworten haben, gehe ich davon aus, dass Sie der außergerichtlichen Einigung nicht nachgekommen sind und diese Ihrerseits damit auch widerrufen haben. Des Weiteren bin auch ich nun nicht mehr bereit diesen Fall außergerichtlich zu klären. Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von Mignon4, 29

Schreibe ihm einen Brief per Einwurfeinschreiben. Dann kannst du später immer beweisen, dass du den Brief tatsächlich geschickt hast. Emails sind in solchen Fällen nicht gut.

Ich würde den Brief wie folgt formulieren:

Sehr geehrter Herr...

ich komme auf unsere außergerichtliche Vereinbarung vom 17. August 2016 und ihre Email-Zusage vom 02. September 2016 mit dem Inhalt zurück, dass Sie den vereinbarten Schadenersatz für das schlechte Tattoo in Höhe von € 150 bis spätestens zum 19. September 2016 überweisen würden. Bis heute ist der Betrag bei mir nicht eingegangen. Meine Emails werden nicht beantwortet.

Ich räume Ihnen aus Kulanzgründen für die Bezahlung des Schadenersatzes eine Nachfrist bis spätestens zum 10. Oktober 2016 ein. Sollte dieser Termin wiederum nicht eingehalten werden, werde ich unverzüglich rechtliche Schritte gegen Sie einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Bezahlt er nicht, gehst du sofort zum Rechtsanwalt.

Kommentar von Laleluwerbistdu ,

Wow, vielen Dank für die tolle Antwort und für die Hilfe! Muss ich die Kulanzfrist erwähnen? Wäre der Tättowierer etwas netter gewesen, wäre das alles für mich kein Problem. Aber das Tattoo wurde so hässlich, dass ich mich wirklich richtig dafür schäme.

Kommentar von Mignon4 ,

Ja, es ist ganz wichtig, dass du ihm eine Frist setzt. "Kulanz" mußt du nicht unbedingt erwähnen. Das ist "Geschmacksache". :-)) Ich würde es tun, damit er weiß, dass du ihm mit der Nachfrist deinen guten Willen zeigst, um ihn nicht vor's Gericht zu zerren.

Antwort
von Goodnight, 29

Am besten reichst du eine Zivilklage ein.

Kommentar von Laleluwerbistdu ,

Das will ich auf jeden Fall machen. Nur leider steht diese "doofe" außergerichtliche Vereinbarung im Weg... Und um nix falsch zu machen, wollte ich den Tattowierer nochmal schriftlich darauf hinweisen, dass die Vereinbarung somit aufgehoben ist.

Kommentar von Goodnight ,

Die steht nicht im Weg, der Tättowierer denkt gar nicht daran zu bezahlen.

Antwort
von Gustavolo, 19

Lalelu:

Den außergerichtlichen Vergleich hat er nicht erfüllt, jedenfalls ging der Betrag von 150 € bis zum 19.9.2016 bei dir nicht ein.

Räume ihm zur Begleichung eine letzte Nachfrist (von z.B. 2 Wo.) ein und behalte dir vor allem das Recht vor, einen höheren Schadensersatz geltend du machen.

Textvorschlag:

"Eine weitere Mahnung  erfolgt nicht. Nach fruchtlosem Ablauf der letzten Frist werde ich den Rechtgsweg  beschreiten, wobei ich mir vorbehalte, einen höheren Schadensersatz geltend zu machen."

Antwort
von Knopperz, 13

Hast du eine Einverständniserklärung beim Tätowierer unterschrieben?

Wenn ja, dann wird es schwierig zu klagen. Denn damit hast du dem Tätowierer künstlerische Freiheit zugesichert. Und mit Körperverletzung kommst du auch nicht durch (§ 228 StGB).

Kommentar von Laleluwerbistdu ,

Hab ich unterschrieben. Aber das war auch sehr kurios, weil er mir hingelegt wurde und dann auch gleich gesagt wurde brauch ich nicht lesen, da steht eh nur allgemeines Zeugs drinnen. Mein Freund war da auch Zeuge. Ich frage mich selbst, warum ich so dumm war und es daraufhin trotzdem noch machen hab  lassen. Allerdings muss ich auch sagen dass derjenige, der vor mir dran war ein tolles Tattoo von ihm gestochen bekommen hatte. Auch die Bilder im Internet waren super. Mein Anwalt meinte ich hab schon eine Chance, da es nicht einfach nur schlecht gestochen ist, sondern die hat teilweise Linien gestochen die da gar nicht hingehören, und das sieht man auch. Ich war die letzte an dem Tag die dran war und man hat gemerkt, er wollte Feierabend machen. Er hatte ja gemeint ich er braucht 3 Stunden dafür und dann war er nach 45 Minuten fertig... Mir gings nach dem Stechen eh so schlecht, dass ich 2 Stunden später sogar zusammengeklappt bin.

Kommentar von Knopperz ,

Also erstmal, Stress machen... mit Anwalt drohen etc, das ist ein ganz schlechter Ratgeber. Er kann Kulanzleistung in Form vom Korrektur oder Gelderstattung anbieten, aber das ist eben freiwillig. Deswegen nennt man das ganze "Kulanz". Und wenn du da jetzt ein riesen Stress machst, dann stellt er sich vielleicht ganz quer...du siehst garnichts, und verlierst dann noch vor Gericht (wegen der Einverständniserklärung)....und hast die Kosten auch noch oben drauf.

Du kannst halt nur auf Emotionaler Ebene diskutieren, und an seinen Verstand appelieren... sagen, das du Totunglücklich bist mit dem Ergebnis...und ob er dir irgendwas anbieten kann. In den meisten Fällen erreicht man wenn man freundlich bleibt mehr.

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