Frage von peddyz181, 121

Ausseinandersetzung, Notwehr oder Körperverletzung?

Hallo,

Dieses Wochenende war ich auf einem Geburtstag und als ich rausging hörte ich einen Jungen schreien in meinem Alter. Er schrie seine freundin an. Ich ging hin und fragte ob es ein Problem gibt. Daraufhin fing seine freundin an zu weinen und ich zog sie aus der Bahn zur seite. Danach fragte ich den jungen ob er sie tatsächlich wie ich mitbekommen habe geohrfeigt habe wie es mir von anderen geschildert wurde. Als ich mich zu ihm drehte, legte er eine Hand an meinen Hals und ich zog im aus Reaktion eine Über und der Junge ging k.o war das jetzt körperverletzung oder war das Selbstverteidigung und kann er mich dafür anzeigen und geht diese anzeige durch oder nicht? (Zu der Frage warum ich eingegriffen habe: da ich jahrelang zugesehen habe wie mein Vater meine Mutter schlug, brennt bei mir leider eine sicherung durch wenn ich sehe wie ein Mann eine Frau schlägt. Wahrscheinlicher nicht die beste eigenschaft aber manchmal habe mich in solchen situationen nicht unter kontrolle.)

Antwort
von Jurasuppe, 30

Hi peddy,

ich versuche mal diese Frage meiner Rechtsauffassung nach zu beantworten.

Andere Leute hier haben zwar bereits das richtige Ergebnis genannt, aber wenig dazu gesagt.

Damit eine Tat über die Notwehr gerechtfertigt ist, müssen dessen Voraussetzungen vorliegen (Notwehrlage, Notwehrhandlung, Verteidigungswille).

I. Notwehrlage

Eine Notwehrlage besteht, wenn ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff auf ein notwehrfähiges Rechtsgut vorliegt.

Ein Angriff ist jedes menschliche Verhalten, durch das die Verletzung eines notwehrfähigen Rechtsguts droht. Einen anderen Menschen an den Hals zu fassen (wie in einem schlechten Film oder gar direkt zum würgen) stellt ein äußerst offensives Verhalten seitens des Angreifers dar, welches selbstverständlich Angriffsqualität hat.

Gegenwärtig ist der Angriff, wenn er bereits begonnen hat, unmittelbar bevorsteht oder noch fortdauert. Hier hat der Angriff unproblematisch schon begonnen.

Der Angriff ist rechtswidrig. Auch ist mit Leib und Leben ein notwehrfähiges Rechtsgut angegriffen worden.

II. Notwehrhandlung

Ist die erforderliche und gebotene Verteidigungshandlung. Letztere ist hier der Schlag.

Erforderlich ist der Punkt, über den sich hier die Gemüter z.T. scheiden. Es ist hier allerdings schwer vertretbar eine andere Auffassung als die Folgende zu haben:

Erforderlichkeit setzt das mildeste gleich geeignete Mittel zur sicheren Abwehr des Angriffs voraus. Hier war schon kein anderes Mittel ersichtlich, aber zur Vorsicht:

Der Verteidiger braucht sich nicht auf einen ungewissen kampf einzulassen, falls Zweifel bezüglich der Mittel bestehen. Der Verteidigungserfolg ist vollkommen irrelevant, soweit die Verteidigungshandlung erforderlich war. Hat der Angreifer sich nun also wegen des erforderlichen Schlag unerwartet die Nase oder den kiefer gebrochen, so ist das sein Problem. Musste dem Angreifer eine Flasche auf den kopf geschlagen werden, zerbrach diese und er erlitt infolge des nötigen Schlages (unterstellt, der Schlag mit Flasche war erforderlich!) Hirnschäden und durch Scherben Narben im Gesicht, so ist die Tat gerechtfertigt und wird keine Folgen haben. Getreu dem der Notwehr zugrunde liegenden Prinzips der Verantwortung durch das Eingriffsopfer hätte der Angreifer ja nicht angreifen müssen. Das ist auch der Grund, weshalb über Notwehr die weitestreichendsten Verletzung gerechtfertigt werden. Verhältnismäßigkeit oder Proportionalität ist dieser Erlaubnisnorm zudem schon bei der Handlung fremd, soweit die Handlung bloß erforderlich war.

Dass der Angreifer nun also K.O. ging ist vollkommen in Ordnung.

Allgemein sollte man aufgrund eben gemachter Ausführung sehr vorsichtig damit sein, andere Menschen in eine Notwehrlage zu versetzen. Diese können praktisch im Rahmen eines sehr sehr weiten "Antwortenspielraums" diese Situation ausnutzen.

Die Handlung war normativ geboten. Einzige Ausnahme könnte sein:

Der Angreifer war so stark alkoholisiert, dass er zu keinerlei sinnvollen Angriffshandlung mehr imstande war. Dafür gibt es keine Angaben.

Ein krasses Missverhältnis liegt offensichtlich nicht vor [einzige "Proportionalität" welche die Notwehr kennt].

Eine Absichtsprovokation ist ebenfalls nicht erkennbar.

III. Verteidigungswille bzw. -absicht lag vor.

Damit ist die Tat gerechtfertigt. Eigentlich bedürfte es keiner so detaillierten Antwort, aber da hier z.T. an anderer Stelle Unfug erzählt wird, habe ich es mal präzisiert.

Vielleicht hat es ja geholfen.

Viele Grüße, JS

Kommentar von peddyz181 ,

Wow vielen Dank, schön dass es Menschen wie dich gibt! 👍🏻

Antwort
von tobihatnefrage, 48

Da der andere junge dich am Hals gepackt hat würde ich dies schon als tätlichen Angriff dir gegenüber bewerten, was für Notwehr sprechen würde. Vielleicht hast du etwas zu hart zu geschlagen, aber wenn dies so wahr wird der anderen niemals zur Polizei gehen da er dann selbst ziemlich blöd darstehen würde, wenn er tatsächlich seine Freundin geohrfeigt hat.
Abgesehen davon find ich es super, dass du in solchen Situationen dazwischen gehst! Es gibt viel zu viele Menschen, die sowas geflissentlich überhören/übersehen und einfach weitergehen.
Gruß Tobi  

Antwort
von Tom0601, 23

Wenn er dich wirklich am Hals gepackt hat, könnte man davon ausgehen, dass er dich verletzen wollte. Du hast dich darauf hin gewehrt, das erfüllt den Bestand der Notwehr.

Er kann jetzt natürlich eine Anzeige wegen Körperverletzung stellen... Er wird dann eine Aussage bei der Polizei machen und dort muss er sagen, wie es zum Streit kam...

Du wirst dann wahrscheinlich eine Vorladung bekommen um ebenfalls deine Aussage zu schildern, dort kannst du sagen, dass du dich nur gewehrt hast und du auch eine Zeugin (die Freundin) dafür hast.

Falls die Staatsanwaltschaft Anklage erheben sollte, wird das voraussichtlich vor Gericht kommen und dann wird ein Richter entscheiden, ob es Notwehr war.

Antwort
von Thomas19841984, 47

anzeigen kann er dich, es wird nur nichts bewirken. du hast moralisch und juristisch völlig korrekt gehandelt

Kommentar von antwortbittejap ,

Er hat weder moralisch noch juristisch korrekt gehandelt.

Kommentar von Thomas19841984 ,

der Typ hat ihn doch am Hals zuerst gepackt

Kommentar von peddyz181 ,

Wieso @antwortbittejap ?

Kommentar von antwortbittejap ,

Weil jemanden direkt KO schlagen, weil er seine Hand an den Hals legt nicht das mildeste Mittel ist, um die Gefahr von einem abzuwenden..

Kommentar von Biba85 ,

Da er aber kein augebildeter nahkämpfer ist von dem man usgehen kann, genau zu wissen, wie er schlagen muss um ein knockout zu begehen.. und auch so, keine vorsatz besteht, ist es notwehr und der ko eben "passiert".

Übrigens kann ein angriff auf den hals vom angreifer sehr wohl als angriff auf das leben gewertet werden, denn woher soll er wissen, dass er ihn nicht erwürgen will?

Fazit

Alles richtig gemacht und basta

Kommentar von Shiranam ,

Er hätte erst warten müssen, bis der Andere zugedrückt hat?

Nee! 

Er durfte das tun, was diesen Angriff UNMITTELBAR beendet. Von sanft steht nichts im (deutschen) Gesetz.

Kommentar von peddyz181 ,

Danke

Antwort
von Rottx1512, 12

Ohne jetzt jegliche Paragraphen, Absätze etc. aufzuzählen:

Ich mache seit einigen Jahren Kampfsport und mir wurde eingetrichtert, dass es sich wirklich erst um Notwehr handelt wenn dein Gegenüber physisch aktiv wird. Heißt: er schupst dich, oder fasst dich einfach nur an, so wie in deinem Fall.

Ballert er dir nur ein paar böse Wörter an den Kopf und du verpasst ihn eine so ist es keine Notwehr mehr. Und ich glaube da würdest du sogar den kürzeren ziehen.

Es gibt auch Grauzonen. Wenn er dich anfasst und du ihn eine verpasst ohne besondere Vorgeschichte (bis auf das mit dem Mädchen) dann ists meiner meinung nach Notwehr

Wenn du ihn aber PROVOZIERST, sodass er dich darauf angreift, dann ists keine Notwehr mehr. So sehe ich das.

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