Frage von Nileve2205, 67

Aussage bei der Polizei zurücknehmen?

Folgender Sachverhalt: Ich habe der Polizei über E- Mail Angaben zu illegalen Drogenhandel, welcher direkt auf der Fußgängerzone stattfindet gemacht, hab aber auch Angaben gemacht dass unser Geschäft welches schon in mir leidenschaftlich gezogen wurde nicht mit genannt werden darf. Es handelt sich um organisierter Drogenhandel, wo extrem viele Personen beteiligt sind. Nun wurde ich gestern zur Zeugenaussage zur Polizei gebeten, wo mir angegeben wurde dass es evtl passieren kann dass ich vor gericht Tätern begegnen kann. Ich wollte der Polizei natürlich bei den Ermittlungen helfen und habe zu gesagt. Nun hat mir heute mein Partner klar gemacht was ich da eigentlich für mist gemacht habe, da unser Geschäft somit im Visier der Drogenclique steht. Gibt es irgendwelche Möglichkeiten die ich habe um das wieder gerade zu biegen, wenn das vor gericht landen sollte darf der Täter mich auf gar keinen Fall sehen, weil ich gehe eh davon aus dass er auf Bewährung was bekommen würde und somit natürlich alle wüssten dass ich mit der Polizei zusammen gearbeitet habe. Bei uns gehen die Täter ein und aus und sind in der ganzen Stadt verteilt ich habe wirklich bedenken. Also am besten wäre eine Lösung dass ich nicht vor gericht aussagen müsste falls es dazu kommt oder der Täter meine Identität nicht erfährt. Oder meine Aussage widerrufen könnte.

Antwort
von TheGrow, 38

Hallo Nileve2205,

da Du auf die Antwort von wilees angeführt hast, dass Du die Täter nicht angezeigt hast, sondern nur eine Aussage gemacht hast, fange ich erst einmal mit der Erklärung der Begrifflichkeit "Anzeige" an, damit wir nicht aneinander vorbei reden.

Eine Anzeige ist nichts weiter, als eine Mitteilung an die Polizei,

  • dass eine strafbare Handlung stattgefunden oder
  • dass man zumindest den Verdacht hat, dass eine strafbare Handlung stattgefunden hat 
  • sie ist weder an eine Form gebunden,
  • noch muss sie schriftlich gestellt werden
  • eine Anzeige kann man nicht zurücknehmen.

Sobald die Polizei Kenntnis von der Straftat hat, hat derjenige der die Tat angezeigt hat, keinen weiteren Einfluss auf das Strafverfahren mehr.

Ist der Anzeigende zugleich Zeuge, ist er verpflichtet auf richterliche oder staatsanwaltschaftliche Vorladung vor Gericht zu erscheinen und wahrheitsgemäß auszusagen.

Auch was Deine Aussage angeht, so kannst Du die Aussage nicht zurücknehmen.

Allerdings kannst Du Dich im Bezug auf Deine Frage zur Anonymität auf folgende Rechtsgrundlage berufen:

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§ 68 StPO - Vernehmung zur Person; Beschränkung von Angaben, Zeugenschutz

(1) Die Vernehmung beginnt damit, dass der Zeuge über Vornamen, Nachnamen, Geburtsnamen, Alter, Beruf und Wohnort befragt wird. Ein Zeuge, der Wahrnehmungen in amtlicher Eigenschaft gemacht hat, kann statt des Wohnortes den Dienstort angeben.

(2) Einem Zeugen soll zudem gestattet werden, statt des Wohnortes seinen Geschäfts- oder Dienstort oder eine andere ladungsfähige Anschrift anzugeben, wenn ein begründeter Anlass zu der Besorgnis besteht, dass durch die Angabe des Wohnortes Rechtsgüter des Zeugen oder einer anderen Person gefährdet werden oder dass auf Zeugen oder eine andere Person in unlauterer Weise eingewirkt werden wird. In der Hauptverhandlung soll der Vorsitzende dem Zeugen bei Vorliegen der Voraussetzungen des Satzes 1 gestatten, seinen Wohnort nicht anzugeben.

(3) Besteht ein begründeter Anlass zu der Besorgnis, dass durch die Offenbarung der Identität oder des Wohn- oder Aufenthaltsortes des Zeugen Leben, Leib oder Freiheit des Zeugen oder einer anderen Person gefährdet wird, so kann ihm gestattet werden, Angaben zur Person nicht oder nur über eine frühere Identität zu machen. Er hat jedoch in der Hauptverhandlung auf Befragen anzugeben, in welcher Eigenschaft ihm die Tatsachen, die er bekundet, bekannt geworden sind.

(4) Liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass die Voraussetzungen der Absätze 2 oder 3 vorliegen, ist der Zeuge auf die dort vorgesehenen Befugnisse hinzuweisen. Im Fall des Absatzes 2 soll der Zeuge bei der Benennung einer ladungsfähigen Anschrift unterstützt werden. Die Unterlagen, die die Feststellung des Wohnortes oder der Identität des Zeugen gewährleisten, werden bei der Staatsanwaltschaft verwahrt. Zu den Akten sind sie erst zu nehmen, wenn die Besorgnis der Gefährdung entfällt.

(5) Die Absätze 2 bis 4 gelten auch nach Abschluss der Zeugenvernehmung. Soweit dem Zeugen gestattet wurde, Daten nicht anzugeben, ist bei Auskünften aus und Einsichtnahmen in Akten sicherzustellen, dass diese Daten anderen Personen nicht bekannt werden, es sei denn, dass eine Gefährdung im Sinne der Absätze 2 und 3 ausgeschlossen erscheint.

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Das heißt, ich würde an Deiner Stelle noch einmal Kontakt mit der Polizei aufnehmen, Dich auf die Grundlage des eben angeführten Gesetzes berufen und die Polizei dazu aufzufordern, sicherzustellen das die beschuldigten Personen keinen Einblick auf Deine Daten nehmen können.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort
von LiselotteHerz, 30

Wenn es zur Gerichtsverhandlung kommt, werden die Täter Dich auch sehen. Ein Zeuge wird da nicht allein verhört, vergiss es einfach.

Das musst Du Dir halt gut überlegen - einfach wegsehen und die Anzeige zurückziehen oder verhindern, dass weiterhin in diesem Viertel gedealt wird. lg Lilo

Antwort
von Mondmayer, 25

Deine Angst ist durchaus verständlich, doch kann ich dahingehend beruhigen, dass in der Regel nichts passieren wird. Selbst wenn es soweit kommen sollte, dass Drohungen ausgesprochen werden, werden diese in den seltensten Fällen wahr gemacht.

So absurd es klingt, diese Drogendealer haben auch Angst und Bewährung bedeutet, dass es ab ins Gefägnis geht, wenn sich die Person noch etwas erlaubt. Du weißt auch nicht was genau passieren wird, bei organisiertem Drogenhandel kann es auch sein, dass es sofort ohne Umwege ins Gefägnis geht.

Du kannst dich Anwaltlich beraten lassen, aber jetzt hast du keine Wahl mehr, du musst dann vor Gericht eine korrekte Aussage machen, sofern es soweit kommen sollte. Einen Tipp gibt man nicht per Mailadresse ab, sondern in einem Brief ohne Namen.

Antwort
von bumbettyboo, 18

Das ist ne stinknormale Zeugenaussage. Da du kein Kind mehr bist, wird diese öffentlich im Gerichtssaal gemacht. Da machst Du garnichts dran. Du kannst zwar erwähnen das Du Angst um DEINE EIGENE Sicherheit hast, aber solange du von den Angeklagten nicht massiv bedroht wirst etc wird auch das nicht viel nützen.
Einzig die Aussage zurück ziehen könntest du.
Ich find es löblich das du den Schritt überhaupt gewagt hast, ich hätte mich das ehrlich gesagt nicht getraut.

Antwort
von wilees, 17

Mir als Laien stellt sich hier die Frage, ob im Rahmen der Akteneinsicht hier nicht schon der Beschuldigte erfahren kann wer der Anzeigende war.

Somit ist es evtl. sinnvoll juristischen Rat zu suchen.

Akteneinsicht - wesentliches Recht von Beschuldigten und ...

www.lanz-legal.de/.../akteneinsicht-wesentliches-recht-von-beschuldigten-und-geschä...
Kommentar von Nileve2205 ,

Ich habe keine Anzeige gemacht nur Zeugenaussage 

Antwort
von greendayXXL1, 17

Wenn vor Gericht herauskommt dass du es bist, dann würde ich mir sorgen um die eigene Sicherheit machen!

Gibt es eine Art anonyme Zeugenaussage? 

Antwort
von bornasbitxh, 15

Ich hatte.mal nh Anzeige gemacht und wollte diese nach ca einer Woche wieder zurück ziehen.
Dann hieß es aber dass nh Straftat vorgefallen war die davon wissen und das zurückziehen nicht möglich wäre...

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