Frage von rast001, 90

Aussage als Opfer im Gericht vermummt?

Ist es als Opfer bei der Aussage im Gericht möglich das Gesicht zu vermummen und evtl. auch den Namen vor dem Täter zu verbergen? Es geht hierbei um einen Affekt-Raub in der Nähe meiner Wohnung, es wäre also nicht unwahrscheinlich, wenn ich dem Täter wieder über den Weg laufen würde. Da die Tat allerdings in der Dämmerung geschah, ist es wahrscheinlich, dass der Täter mich nicht wiedererkennt. Ich hab da halt ein wenig Angst vor Rache, da die Strafe für Raub nicht schlecht ausfällt und ich den Typen für unberechenbar halte.

Antwort
von spmuc, 24

Melde dich bei der Zeugenberatungsstelle. Ansonsten eher nein, weil eine komplett anonyme Aussage Missbrauch Tür und Tor öffnet. Ggf. kann deine Anschrift weggelassen werden (die alternative "Neue Identität" wird sicher nicht genommen). Die genauen Modalitäten sind hier:

https://dejure.org/gesetze/StPO/68.html


Ich durfte bis jetzt auch schon mal gegen einen Nazi in einem Prozess aussagen, da gibts keinen Zeugenschutz, weil die Bedrohung sehr konkret sein muss. Selbst wenn du das ganze als Protokoll abgibst, hat der Angeklagte bzw. sein Anwalt natürlich noch Akteneinsichtsrecht. Abgesehen davon ist die Zeugenaussage vor Gericht nichts fakultativ-freiwilliges sondern eine Pflicht, die du auch als solche wahrnehmen solltest. Wenn du dich über den Ablauf informieren willst, kann ich dir anraten, einfac mal so eine Verhandlung anzuschauen, die sind alle öffentlich zugänglich. Sofern der Tatverdächtige mit dir Kontakt aufnehmen will, solltest du das dem Gericht mitteilen.

Kommentar von rast001 ,

Also hat der Täter prinzipiell die möglichkeit die Anschrift des Opfers ohne weiteres zu erfahren? Oder muss der Anwalt darüber schweigen?

Kommentar von spmuc ,

In der Regel ja - außer es wird ein Zeugenschutz (Arbeitsadresse statt Wohnadresse, keine Adresse, neue Identität) angewandt. Solltest du einen Anspruch darauf haben ist das Gericht verpflichtet, dich auf diesen hinzuweisen. Zur Akteneinsicht gehören auch andere Dokumente, wie bspw. Polizeiaussagen, die du evtl. schon vorher getätigt hast.

Wie gesagt, mach dir nicht zu viel Sorgen - Gerichte nehmen Einschüchterungsversuche gegenüber Zeugen sehr ernst und bestrafen diese auch entsprechend [mir ist ein Fall bekannt, in dem ein Zeuge angepöbelt worden ist und dann nochmal 1800 Euro seines Hartz IV wg. Beleidigung abdrücken durfte - soetwas kommt aber nur sehr sehr selten vor]. Du hast nach der Aussage außerdem die Möglichkeit auf den Zuschauerplätzen platz zu nehmen und dir den Rest des Prozesses inkl. des Urteilsspruchs anzuschauen.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein Besuch bei einem anderen Prozess mit Zeugenaussage ein wenig die Sorge davor nimmt. Du kannst dich normalerweise auch telefonisch über aktuelle Prozesse an deinem AG/LG informieren.

Kommentar von spmuc ,

Die 1800€ beziehen sich natürlich auf den Täter, nicht das Opfer.

Kommentar von rast001 ,

Danke erstmal für die tolle Antwort! Habe noch eine Frage:

Ändert der Umstand, dass ich noch minderjährig bin daran irgendetwas oder spielt das keine Rolle?

Kommentar von spmuc ,

Bezüglich Zeugenschutz u.ä. sollte das keine Rolle spielen. Der einzige Unterschied ist, dass das Gericht in dem Fall leichter die Öffentlichkeit ausschließen kann, wenn "öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde", was normalerweise (aber nicht nur) dann der Fall es, wenn es um irgendwelche Sachen geht, die mit Sexualität zu tun haben.

Sonst kann es noch Unterschiede zur normalen Verhandlung geben, wenn der Täter selbst minderjährig ist bzw. nach Jugendstrafrecht verurteilt wird - das Gericht kann dann anders bestrafen und die Öffentlichkeit leichter ausschließen.

Ansonsten noch viel Erfolg mit deiner Zeugenaussage und nicht zu viel Sorgen machen :)

Antwort
von Krypto13, 60

Melde dich bei der Zeugenhilfe im örtlichen Gericht.  

Die kümmern sich nicht nur um dich, sondern können auch Polizeischutz engagieren. 
Außerdem muss man gar nicht immer vor Gericht im Beisein des Täters vernommen werden, es gibt auch sog. Anhörungen nur mit dem Richter. 
Im Protokoll wird dann auch nicht dein Name verlesen.

Antwort
von wilees, 47

Wende Dich z.B. an den weissen Ring und bitte um Unterstützung.

Oder hierhin um Hilfeangebote ( Beratung ) in Deiner nähren Umgebung zu finden:

Opferschutz Niedersachsen

www.opferschutz-niedersachsen.de/
Antwort
von christi12345, 51

Das wird zurzeit heftig diskutiert, da eine islamische Frau ihren Burka vor Gericht nicht ablegen will.

Wenn sie dies nicht tut, kommt sie (soweit ich weiß) selber ins Gefängnis, obwohl sie Zeugin war.

Also wird es bei dir auch nicht möglich sein.

Antwort
von jimpo, 39

Vielleicht kannst Du außer gerichtlich vernommen werden.

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