Frage von FFWfreak112, 55

Aushebeln der Evolution durch irrationales Handeln?

Hebelt der Mensch die Evolution durch seine Fähigkeit irrational zu handeln kombiniert damit, dass er die Umwelt an seine Bedürfnisse anpasst nicht größtenteils aus? Es ist ja bei der Menschheit eben nicht mehr ausschließlich der Fall, dass nur die "stärksten" ihre Gene weitergeben, sondern sich Frauen und Männer auch für "schwächere" Individuen entscheiden, verursacht durch Emotionen etc.. Und eben auch der Umstand, dass der Mensch durch Technik auch exrem unwirtliche Landstriche nutzbar machen und an seine Bedürfnisse anpassen kann.

Oder ist dadurch die Evolution des Menschen nur verlangsamt? Ich hatte zwar Bio LK aber diese Frage hat sich mir erst vor kurzem gestellt. Über alle Antworten oder eigene Theorien dazu wäre ich froh :)

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 30


Es ist ja bei der Menschheit eben nicht mehr ausschließlich der Fall, dass nur die "stärksten" ihre Gene weitergeben, sondern sich Frauen und Männer auch für "schwächere" Individuen entscheiden, verursacht durch Emotionen etc..


Sexuelle Selektion gibt es ja nicht nur beim Menschen, sondern im gesamten Tierreich. Dass Merkmale nicht nur durch die Umwelt (Überlebensfähigkeit), sondern auch durch Sexualpartner (Fortpflanzungserfolg) ausgelesen werden, ist also nichts neues. Bei den allerwenigsten Tierarten ist körperliche Stärke das einzige Merkmal, dass bei der Partnerwahl von Bedeutung ist. "Schwächere" hatten immer eine Chance auf Fortpflanzung, wenn sie über die richtige Strategie und Attraktivität verfügten.

Und eben auch der Umstand, dass der Mensch durch Technik auch exrem unwirtliche Landstriche nutzbar machen und an seine Bedürfnisse anpassen kann.

Dass Menschen unabhängig von ihrer Anpassung an die Umwelt durch Technologie überleben können, bedeutet nicht, dass die Evolution außer Kraft gesetzt wurde, sondern dass sich das Wirkungsgefüge der Evolutionsfaktoren verschiebt. Wenn die natürliche Selektion an Bedeutung verliert, wird die Evolution der Menschen stärker durch andere Selektionsmechanismen (z.B. soziale Fähigkeiten), Gendrift (z.B. durch Exposition gegenüber unfruchtbar machenden Chemikalien) oder Genfluss (z.B. im Rahmen der Globalisierung) beeinflusst. Aber völlig wird der Mensch sich niemals aus der Evolution herausnehmen können.

Expertenantwort
von Agronom, Community-Experte für Biologie, 30

Evolution "aushebeln" dürfte sich als praktisch unmöglich erweisen. Was aber zutrifft, der Mensch hat Selektionsfaktoren zum Teil weitestgehend ausgeschaltet, wie z.B. Krankheitsanfälligkeiten, welche durch die Medizin keine besondere Rolle mehr spielen. Dafür sind aber, wie von den anderen schon erwähnt auch neue gesellschaftliche Faktoren hinzugekommen.

Solange die Menschheit sich also nicht durch Klonen fortpflanzt, so wird die Selektion weitergehen, beeinflussen einzelner Selektionsfaktoren ist aber durchaus möglich.

Antwort
von Andrastor, 29

"Aushebeln" kann man Evolution nicht. Sie wird immer stattfinden, solange die Art erhalten bleibt. Was der Mensch jedoch getan hat, ist die natürliche Auslese durch eine gesellschaftliche Auslese zu ersetzen.

Sprich nicht mehr die Überlebensfähigkeit entscheidet über die Richtung der Entwicklung, sondern die Gesellschaftstauglichkeit.

Antwort
von DieMilly, 20

Dass die Stärkeren überleben ist ein Irrtum. Wir leben in einer symbiotischen Welt, auf der sich alles Leben gleichzeitig und miteinander entwickelte und daher aufeinander angewiesen ist. Wenn eine Spezies Schaden nimmt, nehmen auch andere Schaden. 

Die Bejagung der Raubtiere etwa hat in den halbtrockenen Gebieten dazu geführt, dass sich dort Wüsten bilden. Denn es sind die Bewegungen der großen Herden, angetrieben durch die Raubtiere, welche die halbtrockenen Gebiete fruchtbar machen - erstens weil sie das Land düngen, zweitens weil sie die Gräser platt trampeln und dies dazu führt, dass der Regen in den Boden eindringen kann. Wenn Raub- oder Beutetiere entfernt werden, kollabiert das Ökasystem allmählich zur Wüste.

Das ist nur eines von unendlichen Beispielen, wie alles auf der Welt verbunden ist. Es sind die kompatibelsten Wesen, die ultimativ überleben. Wenn du dir ein Löwenrudel vorstellst, das alles tötet, was es sieht, wird es irgendwann verhungern und hat sich damit selbst abgeschafft. 

Die Menschheit ist auch gerade dabei, sich abzuschaffen. 

Wir verändern die Erde, wir passen alles an uns an und zerstören dabei jene Systeme, die uns am Leben halten. Auf der einen Seite haben wir also die Selektion im Bezug auf die Stärke ausgeschaltet, bewegen uns aber dabei in die Richtung einer Selektion im Bezug auf die Kompatibilität. 

Kommentar von NadarrVebb ,

Deine Behauptung im Bezug auf Ökosysteme auf ist falsch. Ökosysteme pendeln sich selbst ein. 

Kommentar von DieMilly ,

Sorry, aber das ist nicht korrekt. Sämtliche Desertifikation auf der Welt geschieht aufgrund anthropogener Prozesse, die auf die Bejagung der Wildtiere und neolithische Landwirtschaft zurückzuführen sind.

Antwort
von uteausmuenchen, 9

Hallo FFWfreak112,

zunächst einmal: Für Bio-LK solltest Du Dir merken: Nicht die "Stärksten" geben ihre Gene weiter, sondern die am besten Angepassten. Es ist ein Übersetzungsfehler, bei "Survival of the fittest", das "fittest" mit körperlicher Fitness oder purer Kraft gleichzusetzen. Gemeint ist "to fit" = passen.

Zweitens: Wir sind Herdentiere. Das Verhalten, schwächere Mitglieder einer Herde zu schützen, ist in vielen Herdentierarten zu beobachten. Der Mensch hat hier kein Alleinstellungsmerkmal. Die evolutionäre Idee, die dahinert steht, ist, dass die Gruppe an die Stelle des Individuums tritt: Die eigenen Gene können dann am zuverlässigsten weitervererbt werden, wenn die Gruppe, in der das Individuum lebt, überlebt. Dir Gruppe kann z.B. einen besseren Schutz der Jungtiere vor Fressfeinden gewährleisten als ein Individuum. Die Gruppe funktionsfähig und überlebensfähig zu halten ist deshalb sehr wohl ein Schutz der eigenen Gene. Anders könnte man sagen:

Das Prinzip "Herde" ist ein durch die Evolution entstandener "Trick" einiger Spezies, die Überlebenswahrscheinlichkeit der Individuen zu steigern und damit die Weitergabe der eigenen Gene wahrscheinlicher zu machen. Kooperation zwischen Individuen derselben Spezies ist kein Widerspruch oder Stillstand der Evolution, es ist eine Variante, den Evolutionsmechanismen zu begegnen.

Drittens: Der Mensch unterliegt immer den evolutionären Prinzipien, er kann sie nicht aushebeln. Unsere moderne Technik erlaubt es uns allerdings, aktuell einige Folgen auszuhebeln. Ob das langfristig gut oder schlecht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Zum Beispiel können wir durch Kaiserschnitt gefahrlose Geburten auch bei Frauen mit schmalen Becken ermöglichen. Ohne technische Möglichkeiten würden die Gene für "schmales Becken" beizeiten aussterben, weil hier überduchschnittlich viele Frauen bei der Geburt sterben würden. Gerade weil wir nach wie vor den evolutionären Mechanismen unterliegen, können sich also solche Gene weiter im Genpool der Menschheit halten - oder sogar verbreiten, wenn andere Faktoren sie begünstigen (sexuelle Auswahl z.B., wenn also Männer Frauen mit schmalen Becken (Stichwort "Schönheitsideale") bevorzugen würden.) Kommt es dann zum Verlust der technischen Möglichkeiten, können die in der Menschheit so verbreiteten Gene durchaus zum Problem werden.

Grüße

Antwort
von 2AlexH2, 18

Du hast eine Eigenartige Vorstellung von Stärke und Schwäche. Grundsätzlich ist der Stärkere derjenige der gewinnt, egal was. Ich hoffe damit ist klar, dass wenn ein Mann eine attraktive Sexualpartnerin "gewinnt" er zu den Starken gehört. Stark ist intelligent, gesund, zäh, ausdauernd, interessiert am anderen Geschlecht, sozial, schaut das Nachkommen und Partner überleben, ist fertil, kann sich durchsetzen, ist beliebt, redet/kommuniziert gut, Anführertyp, schön, körperliche Stärke je nach Umwelt genauso wie Grösse und Gewicht ist ein Vor- oft aber auch ein Nachteil egal in welche Richtung.

Die Evolution kann nicht ausgehebelt werden, denn es überlebt nur was gemäss obiger oder ähnlicher Definition stark ist. Was für uns schlecht ist, ist dass wir körperliche Gebrechen fördern, indem wir Menschen helfen, die ohne moderne medizinische Hilfe nicht überleben würden. Die Frage ist allerdings, ob sie nur krank wurden, wegen der modernen Gebrechen oder in einer anderen Umgebung gar die Stärkeren waeren. Bestes Beispiel Mortalität von dicken Menschen, heisst erstklassigen Verwertern. Vieles geht jedoch aufkosten der Gesundheit, Zähigkeit  und Fertilität (vor allem Rettung von Babies, es gibt einen biologischen Grund von natürlichen spontanen Aborten=nicht Überlebensfähige Genkombinationen und Mutationen) und kann uns beim Zusammenbruch der Zivilisation an den Rand des Überlebens bringen, was dann eben zeigt, dass wir nicht wirklich stark sind (=nicht so besonders schlau).Aber ich Tippe ehh darauf dass uns unsere Dummheit und Intelligenz gepaart mit asozialem Verhalten mittels neuer Waffen und Krieg ausrottet. Da wir dann tot sind, waren wir offensichtlich nicht sonderlich überlebensfähig, sprich stark.

Antwort
von rosepetals, 24

Es heißt nicht "survival of the strongest" sondern "survival of the fittest", also der, die am meisten angepasst wären. In unserem Fall der Gesellschaft, wären es evolutiv vorteilhaft gut aussehend und sexuell anziehend zu sein, das wäre "fittest".

Auch kann Evolution nicht "verlangsamt" werden, sie findet zu jeder Fortpflanzung statt.

Und: Es gab nie ein "Ziel" auf die die Evolution aus ist. Sie muss nicht einmal in eine "gute" Richtung gehen, sodass nur die allerschnellsten, größten und besten Organismen oder eben die stärksten Menschen übrig bleiben.

Grüße auch von einer Bio-LK Schülerin  :)

Kommentar von DrBronstein ,

Survival of the fit ! - nicht fittest

Antwort
von DrBronstein, 7

Die Evolution wurde schon oft durch kulturelle Faktoren beeinflusst. Z.B. ist die freie Partnerwahl positiv für die Evolution. Im Augenblick  sind vor allem die Dummen fruchtbar, was zu einem Absinken des IQ führt. Die Chance für die geistig Armen, zu überleben, ist sehr groß.

Antwort
von FFWfreak112, 11

Schonmal Danke an alle die hier geantwortet haben :)
Ich bin sehr erfreut und auch erstaunt darüber, dass ich so schnell so umfassende Antworten bekommen habe.
Die Antworten haben mir aber auch gezeigt, dass meine Frage stellenweise sehr schlecht formuliert war und generell wenig durchdacht.
Ich frage mich jetzt warum ich die Antworten nicht selbst irgendwie habe finden können, da ich alles was gesagt wurde in anderem Zusammenhang schon gehört habe :P

Damit will ich aber in keiner Weise eure Antworten ankreiden oder irgendwas ablehnen was ihr gesagt habt. Also nochmals Danke an alle und ich glaube eine hilfreichste Antwort werde ich gar nicht finden können :D

Sie kennen die Antwort?

Fragen Sie die Community